Leica CL - Teil 4

February 03, 2018

 

Im vierten und letzten Teil dieses Berichtes zur Leica CL geht es mir um eine abschließende praktische Betrachtung nach einigen Wochen der Benutzung und um ein ganz persönliches Fazit. Hat sich der Kauf gelohnt? Kann die CL meine M240-Wehmut etwas besänftigen und wie sieht das Ganze im Kontext zur Fuji X-Pro2 nun aus?

 

Mein Umgang mit den RAW-Files, Unterschiede zu Vollformat, Tipps

Die RAW-Files der CL entsprechen hinsichtlich Bearbeitbarkeit und Datenumfang (Dynamikumfang) im Wesentlichen denen aus der aktuellen Fuji- oder Sony-APS-C-Reihe und übertreffen damit auch ältere Vollformat-Modelle wie die Leica M240 oder diverse Canons. Verantwortlich dafür ist wahrscheinlich der fabelhafte - derzeit gefühlt überall anzutreffende - Sony-APS-C-Sensor, zumindest aber ein sehr baugleiches Modell. Leica gibt dazu keine Informationen heraus. Im direkten Vergleich zu Fuji gewinnt die Leica für mich, weil das etwas kompliziertere Handling mit Fujis X-Trans-Technologie entfällt (siehe dazu Teil 2 dieser Review, ganz unten). Dazu kommt noch der Leica-Look, im Grunde eine etwas andere Farbinterpretation, die vielleicht weniger klinisch-exakt als bei Fuji ist, mich jedoch emotional mehr anspricht.

 

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Vergleicht man die RAW-Files mit denen einer Nikon D600 (Vollformat), so fällt lediglich auf, dass das ISO-Rauschen bei APS-C naturgemäß etwas eher einsetzt. Die CL rauscht etwas mehr als andere Geräte dieser Klasse, weil die Elektronik sanfter eingreift, zeigt dadurch aber auch mehr Details und Auflösung. Die Kamera überlässt sozusagen mir, inwieweit ich später Feindetails der Entrauschung opfern möchte. Ich halte diesen Ansatz für begrüßenswert.

 

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Theoretisch fällt auch die darstellbare Dynamik (hier im Speziellen die Möglichkeit, unter- oder überbelichtete Bildbereiche zu retten) etwas hinter die topaktuellen Vollformat-Geräten zurück, in der Praxis war das für mich jedoch nahezu irrelevant da der Unterschied erst zum Tragen kommt, wenn man sich eh schon in einem surrealen HDR-Look befindet. Durch noch extremeres Verbiegen gewinnen die Bilder dann nichts mehr. Ob nun 15 Dynamikstufen oder "nur" 14 - der gute Geschmack gebietet meist schon vorher Einhalt.

Arbeitet man insbesondere mit den etwas lichtschwächeren TL-Zooms (Varios), gibt es in dunkleren Szenen bei der RAW-Fotografie einige Kniffe. Man kann sich nämlich in solchen Fällen den fantastischen Sensor zunutze machen und trotzdem sehr gute Ergebnisse erziehlen.

 

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Wenn ich bei halbdunklen Szenen (Dämmerung) aus der Hand fotografieren muss, nutze ich z.B. so lange wie möglich sehr niedrige ISO-Werte (ideal ist ISO100-400) und wähle die Belichtungszeit so kurz wie möglich (mindestens 1/60, lieber 1/100 oder 1/125) um die Verwacklungsunschärfe zu reduzieren. Dadurch ist das Bild natürlich zunächst völlig unterbelichtet. Man kann es jedoch hinterher im Lightroom bedenkenlos ohne Qualitätsverluste hochziehen und hat dabei sogar noch die Lichter (Lampen, Fenster) geschützt. Die gleiche Technik verwende ich auch in dunkleren Räumen, z.B. Kirchen - siehe hierzu auch Teil 2 dieses Berichtes. Das ein solches Arbeiten mit der CL möglich ist, spricht dafür, dass es sich beim Sensor der CL (und damit auch der TL2) um einen zumindest teilweise ISOlosen Sensor handelt. Für eine Erklärung hierzu verweise ich erneut auf den Blog von Claus Sassenberg.

Beachten muss man dabei, dass man nicht in vierstellige ISO-Bereiche kommt denn dann wird natürlich beim massiven Hochziehen der Belichtung ISO-Rauschen sichtbar. Lassen sich höhere ISO-Bereiche nicht vermeiden, muss man mit der Verschlusszeit zurückgehen und Verwacklung riskieren. Schafft man es selbst damit nicht mehr, im dreistelligen ISO-Bereich zu bleiben, sind Stativ und sorgfältige Belichtung natürlich unumgänglich.

 

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Im RAW zu fotografieren, macht bei der CL grundsätzlich immer Sinn, auch am Tag. Gerade bei Städtetouren ist der Kontrast zwischen der Straße und dem Himmel oft so hoch, dass man entweder den Himmel oder die Straße optimal erwischt - der jeweils andere Part ist entweder ausgebrannt oder abgesoffen. Auch hier zeigt sich wieder, dass man mit niedrigen ISO-Einstellungen ruhig auf den Himmel belichten kann (um Ausbrennen zu vermeiden) um in der RAW-Software dann die vermeintlich abgesoffenen Bereiche zurückzuholen.

Ich nutze nahezu auschließlich die Blendenpriorität, d.h. ich passe die Blende an und regele mit der Belichtungskorrektur nach (diese Arbeitsweise stammt von der M). Dabei fällt auf, dass die Kamera oft etwas reichlich belichtet, ich drehe die Korrektur also meistens ein Stück nach unten.

Wenn ich das Bild mit Eingriffen in Licht und Schatten im Lightroom ausbalanciere, achte ich immer darauf, parallel dazu Klarheit und Kontraste mit anzuheben, um einen allzu flachen HDR-Look zu vermeiden. Alternativ kann man auch die gesamte Belichtung nach oben korrigieren und dann den Himmel nur über den Blaukanal abdunkeln und wieder zurückholen - im Lightroom geht das ja sehr schön. Aber Achtung! Die CL erlaubt hier wirklich extreme Eingriffe und schnell entsteht dadurch auch eine surreale Bildwirkung. Das man mit Schatten/Glanzlichtern/Kontrast und Klarheit zu weit gegangen ist, merkt man spätestens, wenn an den harten Kontrastkanten Halo-Effekte entstehen (z.B. an Dachkanten oder bei Stromdrähten gegenüber dem Himmel). Mit Halo meine ich dabei eine Art hellen Heiligenschein. Wenn man die Einstellung nicht zurücknehmen will, sollte man diese Bereiche selektiv korrigieren und dort Klarheit und Kontrast reduzieren, bis die Halos verschwinden. Man sollte das wirklich beachten denn es gibt schon genug Kalenderbilder wo darauf nicht geachtet worden ist... Blauer Himmel darf gern sein, aber nicht mit Kontrast-Halos!! Das ist in meinen Augen unprofessionell.

 

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Auch auf die Schärfe sollte man bei Leica-RAWs ein wachsames Auge haben. Wegen der hervorragenden Optiken ist die Grundschärfe meist schon sehr gut und man übertreibt schnell - das ist hier nicht anders als bei Fuji.

Ein letzter Tipp: ich erhöhe in den Schatten-Bereichen gern etwas die Farbtemperatur, insbesondere, wenn ich die Schatten vorher aufgehellt habe. Bei Fuji war der Effekt noch ausgeprägter, aber auch hier tritt er zu Tage: dunkle Bereiche sind meist etwas bläulich, in den hellen Bereichen hingegen passt der Weißabgleich sehr gut. Dank Lightroom kein Problem und bei den Leica-Files generell empfehlenswert, da die Bilder mit einem etwas wärmeren Ton farblich sehr gut wirken. Dort liegt im Übrigen auch ein Unterschied zu Fuji, wo die Farben immer etwas kühl und zurückhaltend daherkommen. Die Leica wirkt auf mich wärmer, analoger, angenehmer. Gerade Situationen mit Mischlicht oder z.B. Dämmerung wirken so farblich oftmals interessanter. Ich denke, da steckt eine Menge color science dahinter und Leica hat den Dreh wirklich raus, die Bilder farblich etwas anders als den Mainstream wirken zu lassen - und das auch noch auf eine Art und Weise, die emotional ansprechend wirkt.

 

Stirnrunzeln

In der Praxis sind mir ein paar Kleinigkeiten aufgefallen, über die man meiner Meinung nach offen sprechen sollte. Eines dieser Probleme habe ich schmerzhaft erfahren, als ich bei mittelmäßigen Wetterverhältnissen loszog und ohne nachzudenken mit 1/100 oder 1/125 und F5.6 in der Gegend umherknipste - so wie ich es von Vollformat gewohnt war. Die meisten Bilder waren bei kleinen Details nämlich unscharf und auch die Entfernungseinstellung "unendlich" schien nie so richtig zu passen. Eine längere Diskussion im Leica-Forum und einiges an Umdenken meinerseits später kann ich nun bestätigen, dass die Kamera natürlich scharfe und perfekte Bilder macht. Was war also passiert?

 

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Zunächst einmal haben wir hier einen Sensor, der zwar wie die Vollformat-Geräte von Leica 24 Megapixel hat, jedoch deutlich kleiner ist. Das bedeutet, dass die vielen kleinen Bildpunkte (Pixel) auf wesentlich weniger Fläche "gepresst" werden müssen. Je höher dieses Pixel-pro-Fläche-Verhältnis nun ist, desto kritischer wird das Thema Verwacklungsunschärfe (diese Diskussion kam übrigens auch zusammen mit der Nikon D800 und ihren damals sensationellen 36 Megapixeln auf). Ich habe festgestellt, dass man in der Landschaftsfotografie und dort, wo es sonst noch so auf das letzte Quentchen an Schärfe ankommt, beim Arbeiten ohne Stativ möglichst kurze Belichtungszeiten wählen sollte. Mindestens 1/500 oder kürzer. Das muss man nicht tun, aber beachtet man dies nicht, steigt das Risiko für Verwacklungsunschärfe eben stark an.

Das zweite Problem betrifft die Entfernungseinstellung unendlich. Wählt man das größere Fokus-Messfeld und richtet es auf die Horizontlinie, kann es sein, der Kontrast-Autofokus findet entweder gar kein Ziel oder er schießt sich auf ein Objekt ein, welches vielleicht näher steht und minimal in das Messfeld "hineinragt". Gelegentlich stellt er dann auch auf irgendetwas kurz vor unendlich scharf. Dieses Problem haben alle Geräte, die mit reinem Kontrastautofokus arbeiten. Wenn der Kontrast nicht optimal ist, häufig bei weit entfernten Objekten der Fall, nimmt die Treffsicherheit ab.

 

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Die Lösung ist hier, den Autofokus durch manuellen Eingriff zu korrigieren. Das kann ein Problem sein, weil die TL-Objektive keinen Anschlag haben (Focus-by-wire). Beim 35er Summilux-TL ist das z.B. nicht schlimm, das bleibt auf unendlich einfach stehen, auch wenn ich den Entfernungsring weiter drehe. Beim 11-23mm-TL-Zoom hingegen kann ich die Optik manuell etwas über unendlich hinausdrehen, die Schärfe nimmt dann wieder ab. Da hilft nur, die Objektive zu kennen und dann: Fokus-Peaking, Vergrößerung und Sorgfalt!

Man muss solche Dinge wissen und sich darauf einstellen. Der Kontrastautofokus hat andererseits auch Vorteile, z.B. gibt es keine dejustierten Objektive, Frontfokus, Backfokus oder Fokus-Shift - fiese Dinge, die einem an der M oder auch an Spiegelreflexgeräten die Laune vermiesen können. Davor ist man bei der CL gefeit.

 

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Ein weiteres Detail aus der Meckerkiste betrifft das Thema "Drahtauslöser". Ich besitze einen und ich habe ihn bisher bei Leica und Fuji immer gern bei Aufnahmen vom Stativ eingesetzt. Die CL bietet dafür leider keine Anschlussmöglichkeit mehr, Fernauslösung ist hier nur noch über die App möglich - oder man nutzt den zumindest gut implementierten Selbstauslöser (man muss ihn nicht für jedes Bild einzeln wieder einschalten). Ich mache gern mal Langzeitaufnahmen und da arbeite ich einfach lieber mit einem Drahtauslöser als zusätzlich noch mit meinem iPhone herumzuwursteln - das ja auch nur eine begrenzte Akku-Laufzeit hat. Das ist so ein typisches Beispiel, wo es moderne Technik nur zum Schein einfacher macht.

 

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Und weil wir gerade beim Thema Stativ und Langzeitbelichtung sind: wie in jedem Leica-Review zuvor muss ich auch hier wieder stirnrunzelnd zur Kenntnis nehmen, dass Leica nur eine Belichtungszeit von maximal 30 Sekunden erlaubt (auch im manuellen Modus). Warum, möchte man heulend fragen, warum nur? Ob ich es noch erlebe, dass Leica diese Beschränkung abschafft? Den Hauch einer Chance habe ich ja vielleicht, immerhin bin ich erst 40 Jahre alt.

Das die beiden oberen Einstellräder hinsichtlich der Beschriftung im obenliegenden Display vertauscht sind, hatte ich im Teil 2 dieses Tests ja schon beschrieben. Ich hoffe einfach mal, dass das in der Firmware noch behoben wird, ebenso wie die lange Einblendung des Kamera-Namens beim Einschalten.

 

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Bereits bei der zweiten Fototour hatte ich eine unerfreuliche Begegnung der dritten Art, als eine ältere SD-Karte plötzlich das Zeitliche segnete und ich sie zu Hause nicht mehr auslesen konnte. Das ist natürlich der Supergau für jeden Fotografen. Nun kann die Kamera nichts für die SD-Karte, jedoch wäre es schön, hätte man der CL entweder einen zweiten Kartenslot oder einen internen Speicher (siehe TL!) spendiert. Die Fuji-X Pro2 hatte einen zweiten Kartenslot und ich habe das sehr gemocht, weil es doch schon eine kleine Rückversicherung ist.

Das ein USB-Port fehlt, man also weder Bilder via USB übertragen noch die Kamera unterwegs laden kann, hat sich für mich in der Praxis als kaum relevant erwiesen. Zum Auslesen der Bilder entnehme ich die SD-Karte und lese sie mittels USB-3 blitzschnell in den Computer ein, währenddessen lädt der Akku der CL bereits am Ladegerät für den nächsten Tag oder Event auf. Einen Ersatzakku habe ich immer in der Hosentasche, so kann ich unterwegs schnell wechseln. Im Auto aufzuladen habe ich unlängst im Urlaub im Mietwagen versucht. Davon abgesehen, dass eigentlich eh das GPS am Strom hing und unpraktischerweise für die Kamera weichen musste, war die Spannung dann so gering, dass der Akku während einer Stunde Fahrt kaum nennenswert laden konnte. Somit habe ich mir das unterwegs-laden schnell wieder abgewöhnt und halte einen oder mehrere Ersatzakkus für die praktikablere Lösung.

 

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Batterielaufzeit

Die Batterielaufzeit wird wie bei allen Kameras dieser Klasse und Größe als zu kurz kritisiert. Grundsätzlich mag das sein, ich habe mich jedoch über viele verschiedene spiegellose Geräte daran gewöhnt. Bei meiner Art zu fotografieren hält die Batterie im Grunde einen Fototag oder eine Fototour und Abends lade ich sie dann wieder für den nächsten Tag auf. Ein klein wenig Reserve wäre nicht schlecht, aber ich halte das nicht vordergründig für problematisch. Man kann damit klarkommen und notfalls nimmt man eben Ersatzakkus mit. Wie in Teil 1 beschrieben, akzeptiert die Kamera auch preiswertere Sigma-Akkus. Wer bereits eine Q besitzt, kann deren Akkus ebenfalls nutzen - in beiden Geräten kommt der BP-DC 12 zum Einsatz.

 

Zubehör und Adapter

Die CL ist neu und entsprechend dünn sieht es derzeit noch beim Zubehör aus. Leica selbst bietet ein schickes Leder-Halfcase in braun oder schwarz an. Dieses Halfcase bietet sogar eine Klappe für Akku/SD-Karte und eine Tasche für eine Ersatz-SD-Karte. Beide Versionen sind seit Januar 2018 lieferbar. Ein Nachteil: es gibt kein Gewinde für ein Stativ.

Dieser Nachteil besteht bei den Gariz-Halfcases nicht, allerdings kommt Gariz untypischerweise ausgerechnet bei der CL nicht aus dem Quark. Derzeit (Februar 2018) trägt man sich laut Auskunft der Firma nicht mit dem Gedanken, für die CL etwas zu fertigen. Ungewöhnlich!

Vorbildlich dagegen die beiden üblichen Verdächtigen Angelo Pelle und Luigi Cases - die beiden Urgesteine der Leder-Halfcases bieten ihre hochwertigen Produkte seit Januar 2018 an. Bei Luigi gibt es eine Zugriffsmöglichkeit für Akku und Speicherkarte, bei Angelo dagegen eine Öffnung für das Stativgewinde. Hier muss jeder selbst entscheiden, was ihm wichtiger ist und welches Design ihm eher zusagt.

 

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An Straps (Gurten) sollte es ebenfalls nicht mangeln, da die CL im Gegensatz zur T/TL hier konventionell unterwegs ist. Man kann also jeden Gurt nach Herzenslust daran befestigen. Auch hier möchte ich auf die Leica-Ledergurte hinweisen und erwähnen, dass selbst der in der Originalverpackung beiliegende Strap gar nicht schlecht ist (besser als das komische Stachelding bei meiner alten M240).

Die Fraktion der Soft-Release-Button-Fans kommt bei der CL leider nicht auf ihre Kosten, da der Auslöser der Kamera kein Gewinde bietet. Mich persönlich stört das nicht, ich war eh nie ein Fan dieser kleinen, überteuerten Schmuckstücke - erst recht konnte ich keinen praktischen Nutzen oder eine Verbesserung im Handling daraus erkennen.

Was bei der CL hingegen sehr viel Sinn macht ist eine Daumenstütze und auch hier bietet Leica ein eigenes Produkt an. Die CL ist sehr klein und zierlich und daher nicht wirklich entspannt zu halten - so kann ich die Investition in dieses Gimmick nur wärmstens empfehlen. Im Übrigen ist die CL auch die erste Kamera, wo ich selbst aus Überzeugung eine Daumenstütze einsetze. Bei anderen Geräten habe ich es meist als Spielerei empfunden weil es die Ergonomie nicht wirklich verbesserte - zumindest für meine Hände.

 

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Eine andere Methode, die Ergonomie zu verbessern, ist natürlich der optionale Handgriff von Leica. Er bietet keinerlei elektronische Helferlein wie GPS oder Zusatzbatterien sondern beschränkt sich wirklich auf den Grip und eine - wiederum optional daran zu befestigende - Handschlaufe.

Ein sehr interessantes Feld ist die Adaption von Objektiven. Ins Auge fallen natürlich sofort die vielen fantastischen M-Objektive aus dem Hause Leica. Die kleine CL ist geradezu prädestiniert dazu, M-Glas zu adaptieren, sowohl auf Grund der Bauform als auch wegen des großen, hellen elektronischen Suchers mit Vergrößerung und Fokus-peaking. Folgerichtig bietet Leica dafür den M-Adapter-L an, der sogar M-Objektive mit 6bit-Codierung korrekt erkennt und zwecks Bildkorrektur und Exif-Daten an die CL meldet. Die Integration funktioniert also perfekt, man muss lediglich beachten, dass die CL wegen ihres kleineren Sensors einen Crop-Faktor von 1,5 hat. Das bedeutet, dass man die Brennweiten der Objektive um den Faktor 1,5 multiplizieren muss, um zu sehen, welches Blickwinkeläquivalent die CL letztendlich aufnimmt. Aus einem 35mm Summilux wird so - einfach gesagt - ein 52mm-Objektiv. Das stimmt nicht ganz, wer sich dazu etwas genauer belesen möchte, kann das in diesem Artikel tun.

 

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Ob es Sinn macht, für die CL extra M-Optiken zu kaufen, sei dahingestellt. M-Optiken sind sehr hochwertig, auch entsprechend teuer und auf Grund des Cropfaktors verschenkt man einen gewissen Teil des aufwändig auskorrigierten Objektives - hier ist man mit den nativen TL-Optiken sicher besser und preislich angemessener beraten.

Wer viele ältere M-Objektive oder Fremdobjektive mit M-Anschluss ohne 6-Bit-Codierung besitzt (z.B. von Zeiss und Voigtländer), dem sei deutlich billigere Version des M-Adapter-L empfohlen, der LET/LEM von Novoflex. Dieser Adapter besitzt keine automatische Objektiverkennung - die man bei Objektiven ohne 6-Bit-Codierung ja bekanntlich eh nicht nutzen kann.

Wer zu Hause noch ältere Leica-R-Objektive im Schrank hat, kann auch diese an der CL nutzen. Hierfür gibt es von Leica wieder die teure, elektronische Variante R-Adapter-L (für R-Objektive an T, TL, CL und SL) - natürlich wieder mit Objektiverkennung, oder eine preiswertere Version von Novoflex (LET/LER) ohne Objektiverkennung.

Angeblich kann man sogar den M-Adapter-L in Kombination mit dem R-Adapter-M nutzen, dazu habe ich aber keine Erfahrungswerte. Man kombiniert hier faktisch zunächst einen Adapter auf das M-Bajonett mit einem Adapter, der das M-Bajonett zum R-Bajonett macht. Das mag für Personen interessant sein, die den einen oder anderen Adapter bereits besitzen und nutzen, ansonsten macht ein einzelner, direkter Adapter natürlich mehr Sinn.

 

L1010347.jpg Diese beiden Bilder zeigen den Bahnhof im Örtchen Halsbrücke. Dort war in früheren Jahren ein gemütlicher kleiner Techno-Club untergebracht, in dem ich mich oft und gern aufhielt. Viele Jahre später stehe ich nun als gutbürgerlicher Spießer mit Bauchansatz und Bausparvertrag wieder hier und mache Fotos...

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Darüberhinaus gibt es bei den einschlägigen Quellen natürlich eine ganze Reihe weiterer Adapter, deren Aufzählung hier keinen Sinn macht weil das Sortiment ständig im Wandel ist. Ich persönlich nutze einen M42-Adapter für zwei alte M42-Optiken (Yashica und Pentacon).

Bleibt nur noch eine Frage: Was ist eigentlich mit den  SL-Objektiven? Da sich TL/TL2 und CL das Bajonett mit der SL teilen, passen diese Objektive standardmäßig ganz problemlos an die CL. Beachten muss man auch hier wieder den Crop-Faktor (1,5 - siehe oben) und natürlich die Tatsache, dass die SL-Gläser ganz schöne Brocken sind. Für die Nutzung auf einem Stativ empfiehlt sich der Kauf einer Stativschelle, mit der das Objektiv auf dem Stativ befestigt wird und die kleine CL faktisch nur hinten dran hängt.

 

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Fazit

Als ich den Testbericht zur Leica X-Vario schrieb, war ich von der Kamera grundsätzlich sehr angetan, mir fehlte nur ein Quentchen mehr Geschwindigkeit und die Flexibilität, die nur Kameras mit Wechseloptiken bieten können. Ähnliches galt für die Leica Q - eigentlich die perfekte Kamera, wenn man auch mal das Objektiv tauschen könnte. Und die Leica TL2? Ein tolles Gerät, nur leider ohne Sucher. Es hatte für mich also immer den Anschein, Leica kreise zwar eng um meine persönlichen Bedürfnisse herum, komme aber nie auf den Punkt. Auch die CL trifft es nicht ganz, dafür fehlt mir z.B. der dedizierte Blendenring, aber sie kommt meiner Idealvorstellung doch sehr nahe.

Nahe genug, dass mein Bauch mir sagte, ich solle meine Fuji-Ausstattung verkaufen und nie mehr zurückschauen. Und mein Bauch hatte Recht. Soweit mein Fazit.

 

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Arbeiter-und-Bauern-Kunst aus längst vergangenen DDR-Zeiten...

 

Bei Leica kann man nie nur den Body, also die nackte Kamera alleine, betrachten. Man darf auch nicht die Anzahl der Features als Maßstab nehmen, denn es ist ja gerade erklärte Philosophie, dass man sich auf das Wesentliche beschränkt um die Ergonomie zu verbessern.

Ich kann bei der Bewertung nur von mir persönlich ausgehen. Mir gefällt an der Kamera das reduzierte, moderne und dennoch ikonische Design und die insgesamt effiziente und simple Bedienung. Mir gefallen technische Ausstattung, z.B. der hochwertige Sucher - einer der besten im APS-C-Segment! Mir gefallen Arbeitsgeschwindigkeit, Touchscreen und der schnelle Autofokus.

Mir gefällt aber auch die nicht-technische Ausstattung - nennen wir es soft facts - nämlich die Ausstattung mit Geschichte und Historie. Für viele mag es nichts bedeuten, mich jedoch inspiriert die Marke, die Vergangenheit, die Aura.

Nicht zuletzt fasziniert mich die Bildqualität. Ich mag den Look, die Farben und die hohe, vollformat-artige Flexibilität der RAW-Files.

 

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Das kleine aber umfassende Objektivsortiment, bestehend aus Zooms und Festbrennweiten, ist teuer, markiert jedoch die Spitze der Objektivbaukunst im APS-C-Bereich. Ausführliche Bewertungen möchte ich mir hier für spätere Testberichte offenhalten.

All diese Kriterien ergeben für mich genug Masse, um den Kauf und den im Vergleich zu anderen APS-C-Geräten leicht höheren Preis vollkommen zu rechtfertigen. Die vielzitierte Kaufreue ist mir bei der Leica CL nicht untergekommen. Im Gegenteil, genau wie meine M nehme ich die CL gern in die Hand und sie motiviert mich immer wieder dazu, Bilder mit ihr zu machen.

Das war - gemessen am Umfang des Testberichtes - ein recht kurzes Fazit. Ich habe jedoch das Gefühl, es ist nun von meiner Seite her alles über die CL gesagt, was es zu sagen gibt. Sie ist eine typische Leica, die im positiven Sinne typische Leica-Bilder mit typischen Leica-Farben macht. Das wollte ich, das brauche ich und nun hat die liebe Seele Ruhe. Zumindest bis zur CL2...

 

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Wie geht es weiter?

Es ist jetzt Februar und der Winter hat verloren, auch wenn er uns gelegentlich noch ärgern kann. Ich möchte mir im anstehenden Frühling nun etwas Zeit mit dem 11-23er und dem 35er nehmen und im Anschluss daran die entsprechenden Testberichte zu diesen Objektiven anbieten. Das wird einige Zeit dauern, da ich gern frisches Bildmaterial präsentieren möchte und auch noch ein wenig Erfahrung sammeln will und muss. Es wird aber definitiv weitere Artikel geben. Mein Langzeit-Ziel ist es, alle erhältlichen TL-Optiken hier mit Testberichten abzudecken.

 

JPG-Bilder

Zu den JPG-Bildern, die diese Kamera liefert, werde ich mich in einem späteren Bericht separat äußern.

 

War da nicht schonmal... ??!

Die folgenden Aufnahmen sind so ähnlich schon einmal vor längerer Zeit mit der Sony A7r und dem Zeiss 35mm F2.8 entstanden. Der entsprechende Bericht mit Hintergrundinformationen ist hier nachzulesen. Für mich war interessant zu sehen, dass sich die RAW-Aufnahmen aus der Leica genauso wie die aus der Sony anfühlten. Dynamik, Schärfe, S/W-Konvertierung, Mikrokontrast - am Ende kam ich mit den gleichen Handgriffen zu den gleichen Ergebnissen. Das ist nur ein Beispiel um zu verdeutlichen, dass die Unterschiede zwischen APS-C und Vollformat hinsichtlich der reinen, praxisüblichen Bildqualität oft kaum relevant sind.

 

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