Zurück zu APS-C

July 19, 2017  •  6 Kommentare


Es heißt ja immer, eine Kamera ist nur ein Werkzeug. Eigentlich ist es unwichtig, womit man fotografiert. Es zählen nur die Bilder. Das sagte ich mir, als ich 2016 die Leica M aufgab (zu den Gründen kann man hier nachlesen).

Doch ganz so einfach war es dann doch nicht. Fakt ist, das ich in ein kreatives Loch fiel. Es war immer mein Traum gewesen, die legendäre M zu besitzen und ich hatte mich von der M8 über die M9 bis zur M240 hingearbeitet - durchaus auch in mentaler und finanzieller Hinsicht. Mit dem aktuellen Summilux-M 1.4/50mm war ich dann schließlich im Messsucher-Himmel angekommen. Weder vorher noch nachher haben mich Bilder so vom Hocker gerissen wie die Aufnahmen, die ich mit dieser Optik und der M gemacht habe.

Für mich wird das stets der Benchmark bleiben. Diese Kombination aus Vollformat, Blende F1.4 und den optischen Qualitäten des 50er Summilux - perfekte Schärfe bei Offenblende, perfekter Übergang in die Unschärfe, weiches Bokeh, enormes Freistellpotential - und das alles so klein und leicht.
 

Leica M mit Summilux-M 1.4/50mm - mein persönlicher Benchmark

 

Was bleibt, wenn es nicht die Leica M sein kann? Bleibt man im Leica-Land? Schließlich gibt es noch die Leica SL, die Leica Q, die X-Vario, die Leica TL oder die X-Serie generell. Nun, meine Anforderungen waren so präzise wie einfach. Ich wollte die Flexibilität von Wechseloptiken (ich hatte in meinem ganzen Leben nie etwas anderes), ich wollte die klassische Bedienung und wenig Gewicht. Damit waren die Q und die X-Reihe raus (keine Wechseloptik) und die TL* ebenso (keine klassische Bedienung). Blieb noch die SL - für mich und meinen Rücken viel zu groß und schwer.

*Bemerkung: Bei der Leica TL2 sieht die Sache schon wieder anders aus. Zwar gibt es auch hier keine "klassische" Bedienung, in allen anderen technischen Belangen finde ich das Gerät jedoch sehr ansprechend. Sobald mir Leica ein Testmuster zur Verfügung stellt, werde ich darüber berichten.

 

Eigentlich die perfekte Vollformat-Kamera, aber teilweise große Objektive und zu wenig "Fotoapparat" für meinen Geschmack

 

Damit wurde die Wahl nun langsam eng. Was ist mit der Sony A7-Serie, oder mit Sony generell? Die Sony-Kameras sind mir zu computerhaft, zu seelenlos. Ich hatte eine Weile versucht, mit der A7r warm zu werden, aber obwohl die Kamera großartige Bilder machte, störte ich mich immer an diesem Point&Shoot-Feeling. Dazu kommt, dass die Objektive meist auch nicht viel kleiner als die der gewöhnlichen Vollformat-Kameras sind - hauptsächlich wegen des Autofokus, dessen Fehlen ja ein ganz wesentlicher Grund für mich war, die M zu verlassen.

Über die restlichen Optionen lohnte es dann kaum noch nachzudenken. Nikon und Canon? Wegen diesen schweren Geräten bin ich ja überhaupt erst zur Leica M gekommen. Wieder 1,5 Kilogramm Body und Glaswarenladen rumschleppen? Auf gar keinen Fall.

Groß und schwer - trotz top Bildqualität keine Alternative mehr für mich

 

Es wurde also schnell klar: möchte ich "klein, leicht, hochgeöffnet und offenblendentauglich" mit Vollformat verbinden, bleibt mir nur die Leica M. Ansonsten gilt es, Kompromisse einzugehen. Die zwingende logische Konsequenz daraus war wohl oder übel: APS-C.

Mein Weg führte also unweigerlich zurück zu jenem "Halbformat", dem ich einst so siegessicher in blinder Arroganz den Rücken gekehrt hatte.

Dazu möchte ich einmal ganz kurz ausholen. Was bedeuten eigentlich "APS-C" und "Vollformat"? Ein Sensor im Vollformat entspricht dem Bildformat eines 35mm-Kleinbildfilmes. Dieses Format kennen wir von vielen Jahren analoger Fotografie, die Brennweiten und Blendenwirkungen haben wir verinnerlicht. Dazu kommen die technischen Vorteile, die mit der digitalen Fotografie Einzug gehalten haben. Ein großer Sensor fängt automatisch mehr Licht ein als ein kleiner, in der Regel erhält man damit mehr Dynamik, weniger Rauschen - ganz allgemein mehr Bildqualität.

Als die digitale Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte, waren große Bildsensoren sehr teuer. Deshalb behalf man sich selbst bei Profi-Geräten zunächst mit kleineren Sensoren. Ein ganz typischer Vertreter dieser Art war (und ist) der APS-C-Sensor (oder DX bei Nikon). Die Sensorfläche eines solchen APS-C-Sensors ist je nach Hersteller ca. 1,5mal kleiner. Der APS-C-Sensor erwies sich schnell als guter Kompromiss zwischen Kosten und Leistung. Er bedingt zudem kleinere und preiswertere Bauformen, sowohl beim Gehäuse als auch bei den Optiken. Das führte letztendlich dazu, dass dieser Sensor bis heute weit verbreitet und in vielen - auch professionellen - Geräten zu Hause ist.

Ein Sensor, der um den Faktor 1,5 kleiner ist, bedeutet aber auch, dass man eine andere Brennweite benötigt, um den gleichen Blickwinkel wie im Vollformat zu erzielen. Um zum Beispiel einen Blickwinkel zu erreichen, der im Vollformat 50 Millimetern entspricht, benötigt man bei APS-C genau 50mm geteilt durch unseren Faktor 1,5 - das sind 33,33 oder rund 33mm. Wie kann man sich das bildlich vorstellen? Auf Wikipedia gibt es dazu einen Satz, der das sehr anschaulich beschreibt: Eine Verkleinerung der lichtempfindlichen Fläche bewirkt einen Beschnitt des Bildfeldes (Verkleinerung des Bildwinkels). Der Formatfaktor wird auch Crop-Faktor genannt (von englisch to crop = beschneiden). Eine Verkleinerung des Aufnahmeformates entspricht einer Ausschnittvergrößerung.

Sehen wir also gedanklich einen Vollformatsensor vor uns, der von einem 50mm-Objektiv gleichmäßig ausgeleuchtet wird. Mit diesem wird nun ein Foto gemacht. Wenn wir den Sensor jetzt um den Faktor 1,5 verkleinern, hat das den selben Effekt, als hätten wir das Foto um den Faktor 1,5 mittig zentriert beschnitten. Um in diese kleinere Sensorfläche nun trotzdem den gleichen Inhalt wie vorher zu bringen, benötigen wir also eine andere Brennweite; mehr Weitwinkel - hier konkret 33mm (50mm geteilt durch 1,5). Schrauben wir nun ein Objektiv mit 33mm Brennweite vor den verkleinerten Sensor, so erhalten wir den gleichen Bildinhalt wie beim Vollformat-Sensor mit einem 50mm-Objektiv.

Wichtig ist hierbei vor allem: wir verwandeln kein 33mm-Objektiv auf magische Art und Weise in ein 50er, wenn wir es vor einen APS-C-Sensor setzen. Das 33mm-Objektiv bleibt, was es ist, komplett mit seiner Charakteristik (z.B. Freistellungsvermögen). Es bringt aber auf den kleineren APS-C-Sensor den selben Bildinhalt, für den ein Vollformat-Sensor ein 50mm-Objektiv benötigt. Wer bis hierhin folgen konnte wird nun auch verstehen, warum der Unschärfebereich bei APS-C immer kleiner ist, man also weniger freistellen kann. Wir haben nach wie vor nur ein 33mm-Objektiv vor dem Sensor, und das hat nunmal weniger Freistellpotential als ein 50mm-Objektiv bei gleicher Blende.

Um also mit dem 33mm-Objektiv an APS-C auch die gleichen Freistellmöglichkeiten zu erreichen wie bei einem 50mm F1.4 an Vollformat, müsste man die Offenblende (F1,4) des 50mm ebenfalls durch den Faktor 1,5 teilen. Das ergibt bekanntlich 0,93 und würde bedeuten, dass das 33mm-Objektiv eine Offenblende von F0,93 haben müsste, um die gleiche Freistellung wie das 50mm F1.4 an Vollformat erzielen zu können.

Umgekehrt bedeutet das, dass ein 33mm F1.4 an APS-C der Bildwirkung eines 50mm F2.1 am Vollformat entspricht.

Das war eine Menge Text zu den wichtigsten optischen Unterschieden. Es gibt jedoch auch noch die technischen Befindlichkeiten, die ich Eingangs schon erwähnte. Der kleinere Sensor sollte weniger Dynamik bieten und etwas mehr rauschen, um es auf den Punkt zu bringen. Hier hilft uns allerdings die Computertechnik, die es mittlerweile fast geschafft hat, diese Unzulänglichkeiten nahezu auszugleichen. Die aktuellsten APS-C-Sensoren sind wirklich gut und von Vollformat-Modellen nur noch in extremen Aufnahmesituationen unterscheidbar. Schaut man mal bei DXO, wo sich z.B. die Sony A6300 im Ranking befindet, wird das schnell deutlich. Mag man vom DXOMark halten was man will, einen groben Anhaltspunkt liefert er hier auf jeden Fall. Ich kann diese Ergebnisse, vor allem hinsichtlich Dynamik, in der Praxis auch bestätigen. Moderne APS-C-Sensoren überholen in punkto Low-Light-Fähigkeiten und Dynamik sogar einige Vollformat-Sensoren oder ziehen zumindest mit ihnen gleich. Das gilt auch für die Auflösung. Bei der Fuji X-Pro2 mit APS-C-Sensor wurde beispielsweise eine maximale Auflösung von 2.104 Linienpaaren gemessen (Quelle), bei der Nikon D750 mit Vollformat-Sensor sind es dagegen nur 1860 Linienpaare (Quelle). Hier spielen natürlich auch noch andere Faktoren wie Tiefpassfilter oder Bildverarbeitung (Bayer vs X-Trans) eine Rolle. Ich finde es dennoch beachtlich.

Das sollten erst einmal genug Informationen sein um sich Gedanken zu machen, was denn nun beim Wechsel von Vollformat auf APS-C anders wird. Für mich lautete die Frage ganz konkret: "Was verliere ich, wenn ich von Vollformat auf APS-C (mit hochlichtstarken Festbrennweiten) wechsle? Gewinne ich eventuell sogar etwas?"

Ich denke, unter Einbeziehung meiner obigen Ausführungen kann man den Unterschied auf vier wesentliche Dinge herunterbrechen:

1. APS-C bietet bei gleicher Blende weniger Freistellpotential

2. APS-C bietet etwas weniger Dynamik (um Schatten aufzuhellen oder Lichter zu retten) und ein etwas schlechteres Rauschverhalten

3. APS-C-Geräte sind leichter, kleiner und preiswerter (auch die Objektive)

4. Man muss hinsichtlich der Brennweiten umdenken (Cropfaktor)

Vernachlässigen kann man meiner Ansicht nach den Punkt 4. Hat man sich einmal dran gewöhnt, dass die gewohnten Brennweiten umzurechnen sind, ist das Thema abgehakt. Für mich persönlich haben daher nur die Punkte 1, 2 und 3 Relevanz.

Welcher von den beiden Punkten nun besonders ins Gewicht fällt, kommt ganz darauf an, aus welcher Richtung man sich annähert. Wäre ich beispielsweise von meiner alten Kombi Nikon D600 mit 24-70mm F2.8 gekommen, dann hätte ich in erster Linie Dynamik und beim Rauschverhalten (Punkt 2) eingebüßt. Zwar sind die Sensoren aktueller APS-C-Geräte, wie gesagt, mittlerweile sehr gut - aber ein wenig Spielraum fehlt eben doch. Was man nicht verliert, sind Freistellpotential und Bildqualität, denn eine APS-C-Festbrennweite mit Lichtstärke F1.4 ist einer Vollformat-Zoomoptik mit Lichtstärke F2.8 in diesen beiden Punkten voraus und zudem noch leichter und billiger (Punkt 3). Wäre ich also von meiner damaligen Nikon-Ausstattung direkt auf APS-C mit Festbrennweite gewechselt, hätte mir das wahrscheinlich nicht groß wehgetan.

 

Palma @12mmPalma @12mm

Vollformatsensoren (hier die Nikon D600) bieten vor allem eine gewaltige Dynamik, d.h. sehr viel Spielraum in Lichtern und Schatten.

 

Ich kam jedoch von der Leica M240 mit dem 50er Summilux (F1.4). Hier ist es nun genau andersrum. Bei Dynamik und Rauschverhalten (Punkt 2) verliert man von der Leica zu einem aktuellen APS-C-Gerät kaum, denn der Sensor der M240 ist in dieser Hinsicht eher mittelprächtig -  da sind zeitgemäße APS-C-Geräte durchaus besser. Punkt 3 (Kosten, Größe, Gewicht) ist eine zweischneidige Sache. Zwar ist man in Leicaland deutlich teurer unterwegs, in Sachen Gewicht und Größe ist man aber durchaus auf dem Niveau von APS-C-Geräten oder sogar besser. Das große "Aber" kommt, wenn wir unser Auge auf die fantastischen Leica-Optiken, im speziellen das aktuelle 50mm Summilux richten. Dabei fällt nämlich sofort auf: es geht Freistellpotential verloren (Punkt 1). Und dieser Mangel hat einen Haken: er lässt sich nicht ohne weiteres ausgleichen.

 

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Die Qualitäten eines Summilux-M 1,4/50mm Asph FLE wird man unter APS-C nicht finden.

 

Doch, wird nun mancher rufen, nimm doch einen Speedbooster. Ein Speedbooster (oder Fokalreduktor) ist ein besonderer Adapter, der optische Elemente beinhaltet. Mit Hilfe dieses Adapters kann man ein Vollformat-Objektiv mit einem APS-C-Sensor verbinden und dabei dessen Eigenschaften beibehalten. Die optischen Elemente des Adapters verkleinern den Bildkreis des Objektives derart, dass dieses den APS-C-Sensor perfekt ausleuchtet. Dadurch bleiben Freistellpotential und Brennweite des Objektives praktisch erhalten. Man muss jedoch bedenken, dass der Adapter konstruktionsbedingt trotz allem auch wieder potentielle Bildfehler erzeugen kann und somit die Qualität des adaptierten Objektives möglicherweise etwas herabsetzt. Auch gibt es keinen qualitativ hochwertigen Speedbooster, der den Einsatz von Leica-M-Optiken erlaubt. Das liegt in den baulichen Besonderheiten dieser Objektive begründet. Das Summilux scheidet damit also schon einmal aus.

Aber es muss doch andere hochwertige Gläser geben, die man mit einem Speedbooster nutzen kann? Ja, die gibt es durchaus. Die in Frage kommenden Zeiss-Optiken sind aber derart massiv, dass ich da auch gleich eine DSLR nehmen könnte. Und die kleineren, leichteren Vertreter, z.B. die 50er "Nifty-fifties", die alle Hersteller anbieten - das sind mit Verlaub teilweise Flaschenböden. Wenn ich auf F2.0 abblenden muss um ein scharfes Bild zu bekommen, kann ich auch ein APS-C-Objektiv nehmen, das bei F1.4 nur halbwegs scharf ist.

Den Metabones Speedbooster gibts für schlappe 479$...

ZEISS Otus ObjektivfamilieZEISS Otus ObjektivfamilieDie aktuellen ZEISS Otus Objektive sind kompromisslos in ihrer Abbildungsleistung ...kombiniert mit einem Zeiss Otus-Objektiv kommt man damit sicherlich an ein Summilux heran, aber wer will das schon schleppen!

 

Damit sind die Skeptiker jedoch immer noch nicht zufrieden. Ich schrieb ja weiter oben, dass es eines 33mm F0.93 bedarf, um einem 50mm F1.4 am Vollformat in seinem Freistellpotential nahe zu kommen. Solche Objektive (35mm F0.95) gibt es doch bei einigen fernöstlichen Herstellern, werden jetzt Einige ausrufen. Natürlich habe ich das persönlich ausprobiert, dazu an geeigneter Stelle mehr. Ich kann mit Gewissheit sagen: ich kenne kein F0.95-Objektiv, das bei Offenblende die gleiche Bildschärfe und Qualität wie ein Summilux bei F1.4 erreicht und das ist wahrscheinlich konstruktiv in einem vertretbaren finanziellen Rahmen auch gar nicht machbar. F0.95 sind nunmal mit diversen kritischen optischen Eigenschaften behaftet, denen nicht so einfach beizukommen ist, ganz abgesehen von Größe und Gewicht, die mit einem derartigen Glaswarenladen erreicht werden. Dagegen ist die Konstruktion eines ordentlichen F1.4-Objektives fast schon als einfach und unproblematisch zu bezeichnen.  Somit ist es nach meiner Erfahrung schlicht unmöglich, ein vergleichbares Objektiv zum 50er Summilux an APS-C zu finden. Entscheidet man sich für Bildqualität, landet man bei minimal F1.4 (was eben nur F2.1 am Vollformat entspricht), entscheidet man sich für Fernost-Produkte mit F0.95, erreicht man zwar die Freistellungsmöglichkeiten eines F1.4 am Vollformat, opfert dafür aber die Offenblenden-Bildqualität (je nach Produkt sehr deutlich). Und über einen möglichen APS-C-Ersatz für das Leica Noctilux haben wir da noch gar nicht geredet.

 

Das SLR Magic 35mm T0.95 Hyperprime II ermöglicht Vollformat-Feeling an APS-C. Allerdings erreicht es nie die Qualitäten eines Summilux F1.4, da es mit seiner extremen Blendenöffnung zahlreiche problematische Eigenschaften entwickelt.

 

Es bleibt also dabei: hier haben wir ein echtes, unlösbares Dilemma und wer wie ich das 50er Summilux nun mal liebt und (fast) immer dabei hat, für den ist das dann schon ein ziemliches KO-Kriterium und ein ganz eindeutiger Nachteil, den man sich mit APS-C "einkauft".

 

Auf Grund frühzeitiger Konditionierung muss ein Fotoapparat bei mir Blendenring und Zeitenrad haben.

 

Wir fassen also zusammen: mit dem Umstieg von der Leica M240 auf APS-C verliere ich vor allem Freistellpotential. Hinsichtlich Schärfe wird es bei aktuellen APS-C-Sensoren keine Unterschiede geben, in Sachen Dynamik und Rauschverhalten verbessere ich mich sogar. Größe und Gewicht bleiben - je nach Gerät - identisch. Preislich bewege ich mich im direkten Vergleich fast schon im Schnäppchen-Bereich.

Als ich all meine Bilder betrachtete, fiel mir schließlich auf, dass ich ausgerechnet die von mir meistgeliebte Eigenschaft - das Freistellpotential einer Vollformat-Optik mit F1.4 - nur sehr selten genutzt habe. Bokeh ist zwar schön anzusehen, ein bildwichtiges Element ist es aber meist nicht.

Einen Tod stirbt man ja bekanntlich immer und so machte ich mich schließlich im APS-C-Segment auf die Suche. Mir schwebte etwas vor, das mir zumindest in Teilen ein wenig Leica-Feeling erhalten sollte. Ein individuelles, auf den Fotografen ausgerichtetes System mit einem guten Angebot an hochwertigen Festbrennweiten, möglichst klassische Bedienung und eine kleine, aber feine Community. All diese Kriterien passen im APS-C nur auf einen einzigen Hersteller außer Leica: Fuji.

Als diese Entscheidung einmal gefallen war, war es dann nur noch ein kurzer, logischer Schritt hin zur X-Pro2. Die X-Pro2 bietet eine Bedienung über Blendenring und Zeitenrad und ihr Design ist eine Hommage an die alten Messsucher-Kameras. Sie hat sogar einen optischen Sucher. Größe und Gewicht sind durchaus vergleichbar mit der Leica M.

Mittlerweile ist ein dreiviertel Jahr vorüber. Ich habe mit der Fuji X-Pro2 drei Urlaube und einige Ausflüge fotografiert. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mit ihr warm geworden bin. Ich habe mit dem X-Trans-Sensor Probleme hinzubekommen, die ich vorher nicht hatte (Stichwort RAW-Interpretation von Lightroom) und ich habe mich mit vielen Fuji-Optiken auseinandergesetzt. Das alles wäre schlicht zuviel für einen einzigen Erfahrungsbericht und deshalb werde ich meine Reise im "Fujiland" in Episoden beschreiben.

Klassische Bedienung und Messsucher-Design - außer bei Leica gibts da nur bei Fuji

 

Vor kurzem kündigte Leica zudem die TL2 an. Zwar habe ich die T(L) weiter oben im Text wegen ihrer modernen Bauform ausgeschlossen, die TL2 hat jedoch derart ansprechende technische Daten, dass ich sie trotzdem definitiv testen werde, sobald mich ein entsprechendes Exemplar erreicht. Die Ergebnisse gibt es natürlich hier im Blog zu lesen. Noch ist also nicht entschieden, wohin mich mein Weg letztendlich führen wird.

Leica TL2, modernes, schnörkelloses Design und modernste Technik. Führt mich mein Weg doch wieder zurück zu Leica?

 


Kommentare

Cetus-A
Hallo Sebastian,

"Entzugsschmerzen" - das haben Sie schön gesagt. Ich habe in der X-Pro2 tatsächlich eine Kamera gefunden, die mich bisher immer restlos überzeugt hat, die trotz APS-C-Sensor eigentlich technisch durchweg besser abliefert als die M240 und die mir auch haptisch gefällt. Die Objektive von Fuji sind auch durchweg optisch sehr gut - ich würde sie als technisch absolut solide bezeichnen, wenn auch dieser Leica-Faktor - gerade eines Summilux - fehlt. Das Bokeh ist immer noch ein wenig härter, die Ränder noch ein wenig weicher - aber insgesamt sind die Gläser für einen Bruchteil des Geldes trotzdem verdammt gut. Die Entzugsschmerzen sind aber dennoch nicht weg. Der Verkauf der M hat mir tatsächlich ein Stück Motivation genommen und das ist auch nicht wiedergekommen, deutlich zu sehen an der Quantität meiner Bilder (Qualität kann ich selbst nicht beurteilen) und auch am Blog hier, der seitdem verwaist. Die Leica war halt so ein Lebenstraum, den man sich erfüllt hatte und obwohl die Fuji auch Spaß macht, kommt es einfach nicht an "die" Leica M heran, "die" Kleinbildkamera schlechthin. Da mögen mich viele mitleidig belächeln, aber es ist so. Ich bin derzeit gespannt auf die noch inoffizielle Leica APS-C mit Sucher, die jetzt irgendwann als Derivat der TL2 (?) angekündigt werden soll. Auf den Autofokus will ich nicht verzichten, daher wird es auch keine M mehr werden. Aber zu Leica schiele ich dennoch immer wieder...

Liebe Grüße, Jörg
Sebastian(nicht registriert)
Sehr geehrte Herr Lange,

ein spannender und sehr gut geschriebener Blogpost. Vor allem weil ich in eine ähnlichen Situation bin.

Ich komme von einer Leica M 240 mit Summicron 2.0/35. Eine wirklich tolle Kombination. Jedoch bin ich mit dem mittelmäßigen Sensor der Leica Kamera und dem Freistellungspotential des Objektives nicht immer zufrieden. Da kann ich ihren Ausführung nur zustimmen. So manche schwierige Lichtsituation machen mich als Fotograf ruck-zuck um Lightroom Nerd. Das finde ich nicht schön. Bei den Preisen, die Leica veranschlagt, werde ich misstrauisch im Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis gegenüber anderen Marktbegleitern des Traditionsunternehmens aus Wetzlar.

Eine Zeit lang durfte ich eine XT-1 mit dem 1.4/23 testen. Auch eine tolle Kombination. Jedoch bin ich mit den überfrachteten Funktionen der modernen Kameras "überfordert". Kameras die mich immer wieder an Flugsimulatoren erinnern und mir x-fache Funktionen für eine Situation bieten führen bei mir immer wieder zu Frust und überfordern mich als Anwender. Zudem bin ich Leica-Freund, weil Leica immer noch Objektive fertigt, die über korrekte und nutzbare Skalen verfügen und mir als Anwender die Möglichkeit geben, Standardfälle in der Fotografie, sauber einzustellen. Stichworte hier sind Hyperfokale Distanz, Zonen-Fokus und unendlich Fokussieren. Gerade bei Fuji habe ich mit dem Software basierten Entfernungsangaben "blauer Balken im Sucher" so meine Skepsis gehabt. Mag aber auch sein, das mittlerweile Fuji mit dem x-ten Update der Firmware hier eine Funktion zur Verfügung stellt, die brauchbar ist.

Wie ist es denn nun aus ihrer Sicht? Haben Sie mit der Fuji X-Pro2 und den passenden Objektiven die Entzugsschmerzen von Leica überwinden können oder schielen Sie auf die aktuelle M10 mit einem passenden Sahneobjektiv :-)

Viele Grüße und machen Sie weiter so.
Cetus-A
Hallo Jürgen,

ich kann Dir da 100%ig beipflichten, ich habe mich bei Nikon und Canon auch immer mal wieder bei den Rädern (vorn/hinten) vertan, vor allem weil die Bedeutung der Räder je nach Betriebsmodus ja auch noch mehrdeutig ist (bei der D600 war das so) - diese Art von "Verwirrung" hast Du bei der klassischen Bedienung einfach nicht. Ich habe keine Ahnung, warum die meisten Hersteller die klassische Bedienung nicht mehr anbieten und was daran schlecht sein soll.

Zu der FM2: ich mag die analogen Geräte auch, allerdings liebe ich die Bearbeitung mit Photoshop noch mehr, das macht für mich bestimmt 50% der Fotografie aus, daher ist das nichts für mich (ich kann es aber gut nachvollziehen)!
Jürgen(nicht registriert)
Hallo,
Mal wieder ein ausführlicher und lesenswerter Blogpost, danke dafür. Wie du vielleicht noch weisst habe ich die Nikon D750 die ich sehr schätze, aber die Grösse geht mir immer häufiger auf die Nerven, obwohl ich meistens nur mit dem 28er oder einem 50er unterwegs bin. Das komplette System möchte ich nicht wechseln, aber ich möchte mir in naher Zukunft eine kleinere Kamera zulegen, da ich mir die Leica Q zur Zeit nicht leisten kann, ist meine Wahl auf die X100 Serie von Fuji gefallen.
Wahrscheinlich wird es die F werden oder vielleicht auch eine gute T, warum Fuji? Wegen dem Bedienkonzept, Blende verstellen am Objektiv und ein Zeitenrad ist das simpelste und einleuchtendste Konzept überhaupt. Als ich die Q und eine X100T in der Hand hielt dauerte es keine 10 Sekunden und ich hatte das System verstanden und kann direkt ordentlich fotografieren. Ich vertue mich heute noch gelegentlich bei meiner Nikon, ob das hintere oder das vordere Drehrädchen im manuellen Modus die Zeit verstellt.
Ich freue mich auf die nächsten Blogpost bezüglich deines Umstiegs auf Fuji. Wird spannend, da bin ich sicher.

grüße,
Jürgen
P.S. Ich habe mir vorgestern eine alte Nikon FM2 gegönnt, rein mechanisch. Mit einem Nikkor 24er 2,8 drauf, ich wollte eigentlich keine Analoge Kamera mehr, aber für 190€ konnte ich nicht nein sagen. Was soll ich sagen dieses olle Ding macht riesig Spass. Auch wegen dem Bedienkonzept. ;)
Cetus-A
Hallo Tom,

Du hast Recht, an der Fuji kann man dank der elektronischen Hilfen besser manuell fokussieren als an der M. So richtig gut geht es mit meinen Augen aber dann trotzdem nicht, weswegen ich lieber Autofokus-Optiken vertraue. Dazu kommt, dass aus meinen favorisierten 50mm ja durch APS-C ca. 75mm werden. Wahrscheinlich hätte ich das 50er Summilux daher nur noch sehr wenig genutzt und da habe ich es lieber in andere treue Hände gegeben. Eine Überlegung wäre das 35er Summilux für den manuellen Betrieb an der Fuji (als 50er) aber ich weiss nicht... erstens ist das 35er Lux sehr teuer und im Grunde nutzt man es ja dann als APS-C-50er nur zum Teil... Und die preiswerteren Optiken wie die fabelhaften Summarite werden mir am APS-C bezüglich ihrer Freistellkapazität etwas zu langweilig. Ein 35er Summarit F2.4 entspricht ja nur noch einem 50er F3.6... ich glaube, da ist man dann mit den "Fujicrons" (die F2.0-Varianten von Fuji mit AF und wetterbeständig) besser bedient. Generell denke ich, dass die Leica-Optiken an einem APS-C-Sensor einen Teil ihrer Performance und Magie nicht ausspielen und da passt dann auch der hohe Preis für mich nicht mehr unbedingt.
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