10 Fragen an... Norbert Windecker

February 24, 2017  •  8 Kommentare

norbert.windecker@gmail.com

Norbert Windecker ist durch seinen Blog norbertwindecker.blogspot.de vor allem in der Leica-Welt bekannt. Zuletzt berichtete er ausführlich über die neue Leica SL und die dazugehörigen Objektive. Die SL ist mittlerweile zu seinem primären Arbeitsmittel geworden, trotzdem ist auch die M immer mit dabei. Zur Zeit fotografiert Norbert meist Hochzeiten und dokumentiert das auf www.bilderliebe.de. Er liebt jedoch auch die Landschaftsfotografie und versucht sich seit neuestem mit der SL sogar am Bewegtbild.


Norbert, Willkommen bei cetus-a.de und bei "10 Fragen an...". Danke, dass Du Dir Zeit genommen hast. Im Folgenden versuche ich, mit 10 Fragen ein möglichst umfassendes Bild von Dir und Deiner Arbeit zu erstellen.

(1) Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Zur Fotografie kam ich ein wenig über meinen großen Bruder und meine Nachbarn und Freunde. Diese waren etwas älter als ich und fotografierten alles auf Dia. 1990 war es dann bei mir soweit und ich habe mir eine Nikon 601 gekauft. Schon viel länger hatte mein Vater eine Leica Ausrüstung, die ich auch immer mal benutzen durfte. So wurde es immer mehr und die Nikon reichte mir nicht mehr. Ich wollte auch eine Leica und habe dann mit meinem ersten Lehrgeld eine Leica M6 titanisiert mit Summicron 50 mm gekauft. Damit fotografiert ich bis 2008 (dem Einstieg in die digitale Welt) hauptsächlich auf Reisen und ansonsten alles, was mir so vor die Linse kam. Da Leica zu der Zeit noch keine konkurrenzfähigen digitalen Kameras baute, stieg ich später komplett auf Nikon um. Mit einer Nikon D3 und allerhand Optiken wurde aus dem Hobby nach und nach mehr. Ich fotografierte viele Sportereignisse, nahm Aufträge an und begann im Nebengewerbe Hochzeiten zu fotografieren. Zeitweise war das schon sehr aufwändig, ich musste manchmal sogar Aufträge absagen. Da ich im Hauptberuf angestellter Uhrmachermeister bin, bleibt natürlich nur die Freizeit für die Fotografie. Zusammen mit familiären Pflichten wird mein Hobby daher stets nur Nebengewerbe bleiben. Aber vielleicht macht es mir gerade deswegen immer noch unheimlich viel Freude.
 

norbert.windecker@gmail.com



(2) Was sind Deine bevorzugten fotografischen Themen?

Auch wenn aktuell die Auftragsarbeiten wie Hochzeiten dominieren, so fotografiere ich gerne auf Reisen in aller Welt - dabei am Liebsten die Schönheit unberührter Natur, also Landschaften. Früher habe ich auch immer gern Wildlife und Sport fotografiert, aber dafür ist leider keine Zeit mehr.

 

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(3) Welche technische Ausrüstung nutzt Du?

Aktuell arbeite ich ausschließlich mit Leica; eine M und eine SL als Digitalkameras und zwei analoge Spiegelreflexmodelle. Zwar besaß ich früher hochwertige Geräte von Nikon und konnte damit alles erdenkliche Fotografieren, doch durch ein paar glückliche Kontakte kam ich wieder zurück zu meiner Heimatmarke aus Wetzlar.
Ich bin mit diesem Schritt sehr glücklich. Nicht alles ist bei Leica besser, aber es macht deutlich mehr Spaß damit zu arbeiten. Und ganz nebenbei benutzt man konkurrenzlose und überragende Objektive. Es ist eben deutsche Wertarbeit, die man in den Händen hält und kein japanisches Massenprodukt. Das hat zwar auch seinen Preis, aber es war halt schon immer teuer, einen besonderen Geschmack zu haben.
Da die Ausrüstung für mich nicht nur Spielzeug ist, sondern ich damit auch Geld verdienen muss, ist die Zuverlässigkeit sehr wichtig. Bei Leica kann ich im Support mit echten Menschen in meiner Sprache sprechen, wenn es notwendig sein sollte.

 

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(4) Welches ist Dein Lieblingsobjektiv?

Mein aktuelles Lieblingsobjektiv ist das Leica Summilux-SL 1,4/50 mm - das vermutlich beste 50mm-Objektiv, das man aktuell kaufen kann. Doch mich fasziniert daran nicht nur der technische Aspekt, sondern auch die Brennweite an sich. Im Laufe der Jahre habe ich viel Objektive besessen, aber ein derart perfekte Kombination aus Lieblingsbrennweite und technisch/optischer Umsetzung - etwas besseres gibt es für mich nicht.

 

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(5) Gibt es ein besonders positives Erlebnis, das Du mit der Fotografie verbindest?

Es war vor vielen Jahren auf einem See in Mecklenburg-Vorpommern. Wir fuhren früh morgens mit dem Boot raus und wollten Seeadler beim Fischen fotografieren. Trotz etwas Nebel sahen wir den Seeadler weit oben in einer Baumkrone sitzen. Wir warteten mehrere Stunden, bis er dann urplötzlich losflog und mit dem Fischen begann. Jetzt musste alles schnell gehen. Das Boot in Position bringen und hoffen das der Adler möglichst dicht bei uns vorbeiflog - und natürlich auch von der richtigen Seite kam. Nach einigen Anläufen klappte es schließlich. Meine alte Nikon D3 ratterte fleißig und ich konnte mit einem 500 mm Objektiv den perfekten Moment erwischen. Der Ausschnitt, das Licht, die Entfernung, die Schärfe. Alles passte. Ich weiß, dass nicht wenige Fotografen auf solch eine Gelegenheit lange warten und endlose Anläufe brauchen, um schließlich tolle Bilder heimzubringen. Ich hatte dieses Glück bereits beim zweiten Versuch! Solch einen besonderen und seltenen Moment einzufangen, war eine tolle Erfahrung. Das Bild hat bei mir einen Ehrenplatz und wird regelmäßig von Besuchern bewundert.

 

www.norbert.windecker.de



(6) ...und gibt es auch ein besonders negatives Erlebnis?

Als 2002 die große Flut in Glashütte begann, war danach vieles zerstört und es sah aus wie im Krieg. Ich wohnte mitten drin im Katastrophengebiet und war selbst betroffen. Ich half wo ich nur konnte und hatte immer meine Leica M6 mit dabei. Nebenher fotografierte ich das Elend und die Schäden im Ort. Mehrfach wurde ich deswegen blöd angemacht, sogar von der Polizei. Ich ließ mich allerdings nicht davon beirren, da ich keiner der angereisten Katastrophentouristen, sondern eben selbst betroffener Anwohner war.
Später habe ich dem Einen oder Anderen meine Fotos gegebenen. Nach und nach habe ich dann erfahren, das die Bilder durch den ganzen Ort gingen und im Laufe der Zeit immer weiter verbreitet wurden. Mich hat sehr geärgert, dass erst gemeckert wurde - aber anschauen wollte die Bilder dann doch jeder.


(7) Gibt es etwas, was Du in Zukunft gern tun würdest?

Seit Jahren suche ich ein Thema, dem ich mich voll widmen möchte. Wohlwissend, das man nur dann richtig gute Bilder machen kann, wenn man sich auf etwas wirklich spezialisiert. Doch das ist mir bisher nie gelungen. Ich war fotografisch schon immer sehr breit aufgestellt und fotografiere gerne alles was ich sehe. Aus dem Grund ist mein Portfolio auch so abwechslungsreich. Vielleicht will ich mich insgeheim auch gar nicht auf ein Thema festlegen. Vielleicht ist gerade das bei mir auch der Schlüssel zum Erfolg. Wenn man es so betrachtet, gibt es eigentlich wenig, was ich gerne fotografisch tun würde, aber nicht mache.
Klar, noch mehr Reisen und dabei Fotografieren - das wäre schon schön. Aber das ist ein anderes Thema...

 

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(8) Wer inspiriert Dich?

Das ist nicht so einfach. So verschieden meine eigenen Motive sind, so verschieden sind auch meine Vorbilder. Grundsätzlich mag ich den klaren und übersichtlichen Stil. Bilder dürfen nicht mit Informationen überladen sein. Von daher gefällt mir schon seit einiger Zeit was Ronny Behnert (www.bewegungsunschaerfe.de) macht. Das ist für mich ganz große Fotokunst, kein schnelles Geknipse sondern echte Fotografie. In diese Richtung möchte ich mich auch weiterentwickeln.

 

norbert.windecker@gmail.com

 

(9) Welches fotografische Gimmick würdest Du kaufen, wenn Geld keine Rolle spielte?

Einen großen Briese-Blitzschirm.


(10) Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie?

Die Fotografie hat in den letzten zehn Jahren technisch enorm viel gewonnen. Schlechte Kameras oder Sensoren gibt es praktisch nicht mehr. Immer mehr Megapixel und immer besserer Dynamikumfang bietet uns heute eine Qualität, die es zu analogen Zeiten nicht gab. Gerade im höheren ISO-Bereich kann man heute Dinge machen, die früher nicht möglich waren.

Allerdings habe ich das Gefühl, dass es so nicht ewig weitergeht. Mehr Pixel verlangen immer bessere Objektive. Bessere Objektive sind groß und teuer. Bestes Beispiel sind die Referenz-Optiken von Leica (SL) oder Zeiss (Otus). Gleichzeitig möchte aber keiner mehr große Kameras durch die Gegend tragen und die Smartphone-Kameras werden auch immer besser...

Ich denke mal, es wird sich zunehmend in zwei Lager aufteilen. Die große Fraktion der Handyfotografen wird sich keine zusätzliche Kamera mehr kaufen. Die (semi)professionellen Fotografen werden immer Kameras mit Wechselobjektiven verwenden, da an dieser Stelle oft Geld und/oder Gewicht weniger die Rolle spielen. Um sich aber qualitativ von den immer besser werdenden Handybildern absetzen zu können, müssen noch größere Sensoren und noch bessere Objektive her.

Spiegelreflexkameras werden mit großer Sicherheit immer mehr von spiegellosen Geräten abgelöst. Die Vorteile liegen auf der Hand und das (schon sehr alte) Konstruktionsprinzip des Spiegels in der Kamera wird obsolet.

 

norbert.windeck@gmail.com



Die Fotografie wird sich immer mehr mit dem Bewegtbild verbinden. Die nächsten Auflösungsstufen sind bereits in den Startlöchern. Eine 8K-Auflösung liefert mehr als 35 Millionen Pixel - und das bei 30 Bildern pro Sekunde (oder mehr). Gerade bei Actionaufnahmen oder vielleicht künftig auch bei Mode- und Peoplefotografie bräuchte man nur noch kurze Sequenzen filmen und könnte sich dann das beste Einzelbild heraussuchen. Ich denke, das ist nur noch eine Frage der Zeit. Der Hersteller RED bietet solche Kameras schon heute an, es ist derzeit nur noch eine Frage des Preises.

 

norbert.windeck@gmail.com



Bei dem ganzen Pixelwahn werden irgendwann hoffentlich alle verstehen, dass kein normaler Mensch mehr als 20-30 Millionen Pixel benötigt. Selbst bei Profis stelle ich in Frage, ob 100 Millionen Pixel immer notwendig sind. Ein Bild wird durch mehr Pixel nicht automatisch besser. Die große Frage für mich ist eher, ob Fotografie als Beruf in Zukunft überlebt. Bei der täglichen Bilderflut aus aller Welt werden die Menschen beim konsumieren irgendwann müde.

 

(c)Norbert Windecker



Manchmal stehe ich sehr früh auf, fahre in die Natur und mache eine tolle Landschaftsaufnahme. Dann fahre ich zurück nach Hause, bearbeite das Bild und lade es in die sozialen Medien hoch. Dort wird es vielleicht von jemandem beim Durchscrollen gefunden und man erhascht ein "Gefällt mir". Doch schon nach wenigen Augenblicken versinkt das Bild in der Flut des Internets auf Nimmerwiedersehen. Kann das die Zukunft von Fotografie sein?

 



Ein gutes Bild wird heutzutage oft nur noch wenig Wertschätzung erhalten. Wenn mittelmäßige Bilder bei Instagram tausende von Likes bekommen, werden sie dadurch auch nicht besser. Andere Fotografen, die nicht so eine Reichweite haben, werden viel weniger wahrgenommen. Das zeigt, das sich nicht immer die besten Fotografen durchsetzen, sondern die, die mehr Zeit und Aufwand in die sozialen Medien investieren.

Diese Gedanken hatten nun zwar wenig mit Technik zu tun, aber so gerne ich mich auch damit beschäftige - am Ende zählt für mich das Bild an sich.
 

Vielen Dank an Norbert Windecker!


Seine Webseite zur Hochzeitsfotografie findet Ihr hier: www.bilderliebe.de

Seinen eher technik-orientierten Blog findet Ihr hier: norbertwindecker.blogspot.de

Auf Instagram könnt Ihr ihm hier oder hier folgen.

 


Alle Bilder: ©Norbert Windecker


Kommentare

Norbert Windecker(nicht registriert)
Vielen Dank für das Feedback und die tolle Diskussion zum dem von mir Geschriebenen. Es scheint auch andere zu bewegen was mir so durch den Kopf geht.
Vielen Dank auch für das Lob zu dem Babybild. Nein es ist leider nicht mit dem SL 50 gemacht, sondern schon ein paar Jahre alt und mit einem Nikon 50 mm Blende 1,8 entstanden. Also genau preislich das krasse Gegenteil. Aber auch das zeigt, das man nicht immer das Beste vom Besten benötigt um gute Bilder zu machen.
Stephan(nicht registriert)
Das Bild bei Abschnitt 4 ist das schönste Kinderbild das ich je gesehen habe. Einfach super und sehr rührend.
Ist das mit dem SL 50 gemacht ? Echt eindrucksvoll - wird mir im Gedächtnis bleiben.
Cetus-A
@Jürgen

Danke für den Ansporn! Ja, ich versuche immer, die Tests wirklich aus der Nutzererfahrung mit den Geräten heraus zu schreiben, denke auch vorher immer lange darüber nach und zu dieser Zeit aktuelle Internet-Themen oder Quervergleiche gehören halt auch da mit rein. Nicht zuletzt soll es sich auch für solche Nutzer unterhaltsam lesen lassen, die sich vielleicht für das Gerät gar nicht interessieren. Aktualität ist leider so nie gegeben, deshalb versuche ich das auch eher als "Erfahrungsberichte" zu vermarkten. Ehe ich damit um die Ecke komme, sind die relevanten Tests ja schon Monate durch...

Dein Hinweis, sich auf das unmittelbare Umfeld mit den Fotos zu konzentrieren ist übrigens goldrichtig! Man hat damit wirklich mehr und unmittelbarere Erfolgserlebnisse und nur ein echtes Lob von einem echten Menschen ist mehr Wert als tausend Likes. Wir wissen ja, das Internet trägt zur Vereinsamung bei, auch wenn oft das Gegenteil suggeriert wird.
Jürgen(nicht registriert)
Das leidige Thema Vergänglichkeit von Fotos. Es gibt da draussen Fotografen, die sind derartig gut das ich deren Level wohl nicht mehr erreichen werde (trotzdem orientiere ich mich an ihnen). Selbst deren Bilder haben in social Media Kanälen Klickzahlen da kann der #richtigeHashtagSetzer bei Instagram mit seinen Foodfotos nur lachen. Deshalb interessiert mich das auch nicht mehr, ich zeige meine Bilder und wenn sie anderen gefallen freut mich das, wenn nicht, dann eben nicht. Ich hänge mir meine eigenen Bilder an die Wand und erfreue mich daran. Egal wie die Klickzahlen sind.

Es gibt allerdings eine Ausnahme. Ich wohne in einem kleinen Ort unweit von Köln, ich fotografiere viel hier im näheren Umkreis und zeige meine besten Bilder in einer ortsbezogenen Facebookgruppe. Das Echo darauf ist wirklich grossartig, da wirst du an der Käsetheke im Supermarkt auf deine Bilder angesprochen. Mittlerweile fotografiere ich für den örtlichen Fussballverein, auf Events oder für Verein im Umkreis, da ich dafür immer wieder Anfragen bekomme. Das heisst nicht das ich alles zeige, ich achte schon darauf eine ordentliche Qualität abzuliefern, man hat schliesslich einen Anspruch an sich selbst. Aber wenn deine Bilder z.B. vom hiesigen Karnevalsumzug im Ort in dreistelligen Mengen von deiner Dropbox runtergeladen werden, bedeutet mir das mehr als jeder like auf einer Social Media Plattform. Sozusagen die likes aus dem echten Leben. Ich kann das jedem empfehlen einfach mal seine Bilder in einer lokalen Gruppe auf Facebook oder sonstwo zu zeigen.

@Jörg. Ich hoffe das du mit dem Blog weiter machst, kaum jemand testet so ausführlich wie du. Mir macht das nichts aus, wenn du nur ab und an mal einen Post schreibst.
Cetus-A
Hallo Pablo,

ich glaube, diese existentiellen Fragen stellt sich jeder einmal. Mir geht es auch regelmäßig so, nicht nur bezogen auf die Bilder, sondern auch auf den Blog. Du hast Recht, die wichtigste Bedeutung eines Hobbys liegt wahrscheinlich wirklich darin, dass man etwas für sich selbst tut und daran Freude hat.
Ich glaube, im Internet irgendwie aufzufallen, ist heutzutage fast unmöglich, es sei denn, man hat irgendwas radikal neues oder man provoziert/polarisiert extrem. Und auch dann ist die Halbwertzeit extrem kurz. Für Berufsfotografen stelle ich mir das generell sehr schwer und undankbar vor. Man muss sicherlich sehr viel Zeit und Energie in das Thema investieren, um zumindest ein wenig wahrgenommen zu werden. Themen wie Mundpropaganda (abseits des Internets) gewinnen hier wahrscheinlich zunehmend an Bedeutung.

LG
Jörg
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