Leica CL - Teil 2

December 11, 2017  •  8 Kommentare

 

Zunächst möchte ich anmerken, dass mir Leica innerhalb von zwei Tagen vollkommen unbürokratisch ein gedrucktes Handbuch zugesandt hat. Ich bin darüber sehr begeistert und verweise daher erneut auf diesen Link, unter dem jeder CL-Besitzer bei Bedarf sein Handbuch zum Anfassen kostenlos ordern kann (in der Originalverpackung ist kein gedrucktes Handbuch dabei).

 

Auf Fototour...

So wie es das Wetter zuließ, habe ich zwei kleine Fototouren in meiner Heimatstadt Freiberg unternommen. Beim zweiten Ausflug wurde ich von wildem Schneetreiben überrascht und durfte gleich einmal unfreiwillig austesten, wie gut sich die Leica in feuchter Atmosphere so schlägt. Obwohl das Gerät nicht als wasserdicht oder spritzwassergeschützt deklariert ist, hat es diese erste Herausforderung schon einmal unbeschadet überstanden. In unseren Breiten, vor allem hier im Erzgebirge, keine ganz unwesentliche Erkenntnis.

Ich hatte ja versprochen, das Geheimnis meines ersten TL-Objektives zu lüften. Da ich sehr oft weitwinklig unterwegs bin und für den Anfang einen guten Allrounder gesucht habe, ist es das TL 11-23 F3.5-4.5 geworden (ca. 17-35mm in Kleinbild). Eigentlich wollte ich nie wieder ein Zoom verwenden, aber eigentlich wollte ich auch kein APS-C-Gerät. Bei Leica hatte ich allerdings genug Vertrauen in die Objektivbaukunst - nachdem ich ja schon die tolle Qualität des Leica-X-Vario-Objektives erleben durfte. Einen Testbericht zum 11-23er wird es gesondert geben, ich kann jedoch schon einmal vorausschicken, dass ich mit dem Kauf nichts falsch gemacht habe. Kommen wir aber zurück zur CL und meinen ersten praktischen Eindrücken.

Das obere Display (zwischen den Einstellrädern) ist praktisch aber derzeit für mich noch Stein des Anstoßes...

 

Beginnen wir mit einem großen Wunsch an Leica. Das obere Display (zwischen den Einstellrändern) ist ja wirklich schick und ersetzt mir gravierte, funktional fixierten Bedienelemente zumindest teilweise. Aber gerade in dem Moment, wo ich es am nötigsten brauche - nämlich beim Einschalten, wo ich rasch erkennen will, wie die Kamera eingestellt ist (Blende? Modus? Verschlusszeit?) zeigt das Display stolz einige Sekunden lang Leica CL. Ja, ich möchte das Gerät noch lange behalten und ja, vielleicht werde ich im Alter einst vergesslich - aber dann schreibe ich mir den Namen meiner Kamera auf die Hand oder das Halfcase. Zwar kann man diesen Demo-Modus durch Antippen des Auslösers abkürzen, aber irgendwie wäre es schon super, wenn man einfach sofort die reguläre Anzeige vor Augen hätte.

Aber das ist noch nicht alles. Wenn wir uns gerade mit dem Display auseinandersetzen; wenn ich mich z.B. im Modus A (Blendenpriorität) befinde, zeigt das Display am linken Einstellrad den aktuellen Blendenwert an (das sieht man auch gut im Bild weiter oben), am rechten Einstellrad den Programm-Modus. Welchen Gedankengang impliziert das bei einem durchschnittlich gebildeten Mitteleuropäer? Das man mit dem linken Einstellrad die Blende bedienen und mit dem rechten Einstellrad den Modus wechseln kann. Tatsächlich ist es genau andersrum. Ich weiss, dass die grundsätzliche Philosophie das Modus-Wahlrad links vorsieht. Das ist auch okay aber ich habe hier von einem ergonomischen Standpunkt aus zwei Möglichkeiten: entweder ich passe die Belegung der Einstellräder an die Beschriftung an oder ich passe die Beschriftung je Modus an die Einstellräder an. Alles andere führt zu Verwirrung. Mein Vorschlag für ein Firmware-Patch: die Beschriftung im Display (links/rechts) je nach Modus so anpassen, dass die zu ändernden Werte neben dem dafür zuständigen Bedienelement stehen - die Anzeige im Display also flexibel gestalten.

Darüberhinaus passt die Bedienung mit den beiden Einstellrädern gut. Auch die Doppelbelegung (eine zweite Funktionsebene wird durch Druck auf das Einstellrad aufgerufen) macht Sinn. Ich hätte hier auch eigene Belegungen des rechten Rades wählen können, beließ es aber beim Standard - der ISO-Einstellung. Sehr schön finde ich, dass man den aufgerufenen Wert nicht nur über das eigentliche Einstellrad sondern auch direkt am Touchscreen ändern kann. Dadurch wird dieser clever in das Bedienkonzept einbezogen.

Der Autofokus ist schnell, sicher und unauffällig. Selbst in dunklen Situationen fand er sein Ziel immer sehr zuverlässig, auch wenn es nicht viele Kontraste zum Scharfstellen gab. Sicherlich erreicht er nicht den Speed einer DSLR aber das ist in meinen Augen eh eine unsinnige Diskussion. Wie viele Menschen nehmen denn regelmäßig Fußballspiele oder Autorennen auf? Für den fotografischen Alltag ist er mehr als ausreichend. Ich selbst nutzte den Einzel-AF, es gibt aber auch einen kontinuierlichen Modus, in dem die Kamera ununterbrochen nachjustiert. Das kann z.B. bei spielenden/rennenden Kindern sinnvoll sein. Die Gesichtserkennung macht ebenfalls einen zuverlässigen Eindruck. Ein nützliches Gimmick ist das Festlegen des Fokus-Punktes über den Touchscreen. Gerade beim Arbeiten auf dem Stativ kann das Sinn machen.

Der elektronische Verschluss hat sich in Ausstellungen und Kirchen als sehr vorteilhaft (weil geräuschlos) erwiesen. Noch öfter werden ich ihn sicherlich im Sommer nutzen, ich denke da so an das 35er Summilux-TL mit Offenblende... vorbei ist die Zeit, in der man immer mit ND-Filter herumgewurstelt hat. Im Gegensatz zur TL2 kann man ihn bei der CL selbständig ein- oder ausschalten.

Die von mir verwendete Kombi - Leica CL mit TL 11-23 F3.5-4.5

 

Den Videomodus habe ich bisher noch nicht ausprobiert. Er ist mit 30FPS bei 4K durchaus zeitgemäß und sicherlich hin und wieder eine sinnvolle Ergänzung, es fehlen jedoch Anschlussmöglichkeiten für externes Mikrofon, Monitor oder auch ein extra flaches Bildprofil für nachfolgende Farbkorrektur. Ich habe für mich schon lange festgestellt, dass es mir eh unmöglich ist, Filmen und Fotografieren zusammen hinzukriegen. Ich kann mich immer nur auf eins konzentrieren - die notwendigen Einstellungen und die Herangehensweise sind einfach in beiden Medien zu unterschiedlich. Wenn es denn Bewegtbild sein soll, nehme ich lieber eine GoPro an einem Gimbal mit...

Was mit ein wenig fehlt, ist eine optische Form von Bildstabilisierung. Das vermisste ich schon an der X-Pro2 (Fujis Festbrennweiten sind auch alle ohne Stabi). Ich kann verstehen, dass man in den Objektiven aus Platzgründen darauf verzichtet, aber ein beweglich gelagerter Sensor wäre das Nonplusultra gewesen und hätte auch gut zu den vielfältigen Adaptionsmöglichkeiten der Kamera gepasst, denn das kommt ja allen Optiken zugute. Ich habe einige Zeit mit dem ansonsten fabelhaften TL 11-23 in dunklen Ecken verbracht und auch wenn man die Kamera bis runter auf 1/60 oder zur Not bei Weitwinkel auch bis 1/30 stillhalten kann, wäre eine Stabilisierung an dieser Stelle toll gewesen. Theoretisch wären die stabilisierten SL-Objektive nutzbar (die Kamera unterstützt das), dann wird es aber wieder groß und schwer.

Die CL in Kombination mit dem neuen Elmarit-TL 18/2.8 - passt perfekt in die Jackentasche.

 

Generell gestaltet sich die Bedienung wie gewohnt unproblematisch und selbsterklärend. Das man die Bilder beim Betrachten mit den bekannten Wischgesten wechseln kann, ist heutzutage eh ein Muss. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich bei der X-Pro2 erfolglos aus einem Reflex heraus auf dem Display herumgewischt habe, weil man es mittlerweile von den Smartphones so extrem gewöhnt ist. Ich muss zugeben, dass die Gestensteuerung nicht ganz so flüssig an den Fingern hängt wie beim iPhone, vor allem beim Zoomen (Bild mit den Fingern auf- und zuziehen). Dafür nehme ich dann das Einstellrad (damit geht es sowieso präziser). Dennoch - ich muss es erneut betonen - ist der Touchscreen in meinen Augen sehr sinnvoll in das Bedienkonzept integriert. Im Grunde so, wie ich es mir immer gewünscht habe. Eine sinnvolle Balance aus mechanischen Elementen und touch.

Wenn man im Allgemeinen sieht, wie schnell und effizient eine Kamera auch mit so wenig Bedienelementen steuerbar ist, wundert man sich immer wieder, wieso alle Welt nach mehr Tasten schreit... Wenn ich die Fuji gegenüberstelle fällt zunächst auf, dass ich dort oft nur einen Bruchteil der Bedienelemente tatsächlich genutzt habe (man gewöhnt sich ja im Lauf der Zeit einen gewisse Arbeitsweise an). Wenn ich jedoch einmal mehr nutzen wollte, z.B. die vielfältige Wandlungsfähigkeit des optisch/elektronischen Suchers, musste ich immer wieder kurz überlegen. Diesen Sucher steuert man nämlich bei der X-Pro2 über einen Mehrzweckschalter (zum drücken oder nach links/rechts ziehen) um zwischen optisch, optisch mit kleinem elektronischen Bild, nur elektronischem Bild, Vergrößerungsstufen (optisch oder elektronisch) usw. durchzuschalten. Ich schaffte es immer, den Hebel erstmal in die falsche Richtung zu schieben, wenn Hektik war. Wie ich schon oft erwähnte - ich bin ein Gelegenheitsfotograf und meist mit Familie unterwegs. Es muss immer möglichst schnell gehen, jeder kennt die Gesichter der Verwandschaft, wenn man die Kamera mal wieder stundenlang einstellt um ein Bild zu machen. Vollautomatisch zu arbeiten lehne ich allerdings ab und so brauche ich immer ein Gerät, das mir möglichst viel Kontrolle mit möglichst wenig Gewurstel gibt. Auch wenn ich die Fuji sehr geschätzt habe, liegt mir die Leica an dieser Stelle einfach mehr - und das, obwohl die CL ja schon ein Stück von der von mir präferierten Bedienung mittels Zeitenrad und Blendenring abweicht.

Grundsätzlich ist so etwas eine Frage der Philosophie und des Geschmacks. Viele mögen die Featuritis weil sie dann den Eindruck haben, mehr für ihr Geld zu bekommen. Ich bin da eher minimalistisch angehaucht. Wo nichts ist, kann man nichts verstellen und es entstehen keine Fragezeichen. Das hat auch nichts damit zu tun, dass man fehlende Features schönreden will. Intelligentes weglassen ist eine Kunst und kann - wenn es richtig gemacht wird - Komfort und Effizienz deutlich erhöhen!

Ergonomie durch wenige, dafür jedoch sinnvolle Bedienelemente. Drei Tasten und ein Kreuzschalter.

 

Bildqualität

Irgendwann kommt der Moment der Wahrheit, wenn man nämlich Lightroom startet und die SD-Karte ausliest (einen USB-Port um die Bilder per Kabel zu übertragen hat die CL nicht).

Was sofort auffällt: der 24-Megapixel-APS-C-Sensor der CL ist absolut zeitgemäß und auf dem Stand der Technik. Ich habe mit der X-Pro2 in der RAW-Bearbeitung sehr viel Erfahrung gesammelt und mich wirklich ausführlich damit auseinandergesetzt, auch mit den Besonderheiten des X-Trans-Sensors* (siehe den Abschnitt am Ende). Ich kenne die Grenzbereiche relativ genau und kann einschätzen, was hinsichtlich der Dynamik machbar ist und was nicht. Worauf ich hinauswill?

Der Leica-CL-Sensor kommt mir so extrem bekannt vor... klar hat Leica andere Farben und zeigt ein klein wenig mehr Rauschen (Fuji bügelt etwas stärker glatt, auch schon im RAW). Nimmt man jedoch nur die Dynamik, die reine ISO-Leistung und fängt man an, die Files im Lightroom so richtig zu verbiegen, hat man sofort den Eindruck, an einer X-Pro2-Datei zu sitzen. Ich weiss es natürlich nicht, aber ich könnte wetten, dass es sich hier um einen zumindest sehr ähnlichen Sensor handelt. Ich tippe mal auf Sony. Das ist übrigens gar nicht schlimm sondern spricht für die Leica, denn die Fuji-APS-C-Kameras (X-Pro2, X-T2 etc) gelten als Nonplusultra unter den Crop-Geräten! Wenn meine Theorie also stimmt, teilt sich die Leica CL diese hochwertigen Gene mit den Besten am Markt!

Nehmen wir beispielsweise einmal dieses Bild aus dem St. Marien-Dom in Freiberg. Es ist mit nur ISO320 vollkommen unterbelichtet (kurz vorm Ausbrennen der Fenster) mit F3.5 und 1/30 aus der Hand aufgenommen worden. Die elektronische Wasserwage war dabei unerlässlich.

 

Hier sehen wir ein ähnliches Beispiel mit der X-Pro2 bei ISO200 (Basis ISO) und F1.4 - ebenfalls völlig unterbelichtet.

 

Bei beiden Bildern habe ich eine faktisch identische Nachbearbeitung durchgeführt (die Fenster geschützt und ansonsten die Belichtung sportlich hochgezogen) und die Files haben sich bis hin zu den Endergebnissen fast angefühlt, als kämen sie aus der gleichen Kamera. Wohl gemerkt: ich spreche hier nur über das Thema ISO und Dynamik! Die Leica rauscht ein klein wenig mehr weil sie einfach etwas ehrlicher ist und außerdem etwas mehr ISO-Verstärkung hatte. Bei der X-Pro2 sieht man im Fenster noch den blauen Himmel, weil das Wetter besser war - das hat also nichts mit der Kamera zu tun. Im Gegenteil, die CL hatte es dort noch ein wenig schwerer, weil der Himmel komplett weiss bedeckt war (Fotografie-Hassobjekt Nr. 1: konturloser Milchhimmel).

 

Hier das Fuji-X-Pro2-Ergebnis nach der Bearbeitung...

 

...und hier das fertige Ergebnis mit der Leica CL. Im Bereich der Fenster nicht ganz sauber ausgearbeitet, aber mir ging es ums Prinzip.

 

Warum erzähle ich das alles? Weil es zeigt, dass die CL sensormäßig ganz weit vorn mitspielt. Hier übertrumpft sie ältere Vollformatgeräte wie die M240 oder diverse Canons doch recht deutlich und dringt in ähnlich spektakuläre Sphären wie beispielsweise meine Nikon D600 vor.

Mindestens genauso wichtig wie Dynamik und Auflösung sind Farben und Bildcharakteristik. Dazu muss ich noch weiter ausholen und mit der M240 anfangen. Die M240 hatte einen ganz eigenen Charakter (wie eigentlich alle Leicas). Ich habe oft geflucht und mit diversen eingebildeten oder echten Farbstichen zu kämpfen gehabt, doch Bilder aus der M konnten auch eine ganz bestimmte Magie entwickeln. Ich habe das für mich als Zusammenspiel von Sensor, Software und Optik definiert. Da spielte alles rein, Schärfe-Unschärfe-Verlauf, organische und weiche Bildanmutung, perfekte Hauttöne, meist ein angenehm warmer Bildcharakter. In der Natur kam das oft nicht so zum Tragen, aber im urbanen Umfeld und bei Mischlicht, in der Dämmerung oder im Morgengrauen - da erwachte die M zum Leben.

 

Freiberg - Terra Mineralia

 

Die Fuji-X-Pro2 kam für meinen Geschmack nie ganz an die Leica ran. Sie hatte auch einen eigenen Charakter und gab die Farben sehr präzise und eher kühl wieder. Sie lieferte wirklich immer gut ab und es gab nie Grund zum Klagen aber mir fehlte der Charakter, die Wärme im Bild und das weiche, organische. Die Fuji-Bilder waren immer extrem scharf, klinisch, hart und direkt. Hinzu kamen die X-Trans-spezifischen Probleme* wie sogenannte Würmchen-Artefakte oder mangelnde Farbdifferenzierung bei sehr kleinen Details (im Laufe der Zeit bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass X-Trans mittlerweile eine technologische Sackgasse ist, die mehr Probleme als Vorteile bringt und Fuji nur aus Marketing- und gesichtswahrenden Gründen davon nicht abgeht). Die X-Pro2 hat mir sehr viele schöne Bilder und wertvolle Erinnerungen geschenkt, aber der absolute Wow-Effekt, den ich bei Leica-Aufnahmen immer mal wieder hatte - der blieb für mich aus. Daher nagte es auch in mir und das führte mich letztendlich zur CL.

Als ich die ersten Aufnahmen sichtete, brauchte ich nur einen Augenblick um festzustellen, dass Leica diesen speziellen Charakter auch in der CL bewahrt hat und weiterführt. Ich fühlte mich sofort wieder zu Hause. Erinnerungen an die M240 wurden wach, nur mit dem Unterschied, dass die CL-Dateien im Lightroom wesentlich flexibler und verzeihender sind. Zu meiner Überaschung war selbst ISO6400 noch gut nutzbar, generell hat Leica das Rauschen gut unter Kontrolle. Wenn es denn sichtbar wird, wirkt es sehr analog. Im nächsten Teil werde ich dazu auch eine ISO-Reihe präsentieren.

 

Freiberg - Schacht Alte Elisabeth

 

Den besten Beweis, dass Leica mit den Farben irgendetwas besser macht, lieferte meine eigene (fotografisch völlig unbewanderte) Frau. Sie war aus diversen Gründen nicht begeistert, als ich die Fuji wieder verkaufte und zu Leica zurückging, sie war der CL gegenüber also sogar negativ eingestellt. Trotzdem bemerkte sie beim ersten Betrachten der CL-Bilder sofort, dass ihr die Farben "der neuen" mehr zusagen, einfach interessanter wirken. Dieser Kommentar kam völlig spontan und unaufgefordert. Ich fiel vor Staunen bald aus dem Sessel - aber im Endeffekt bestätigte es mich in meiner Entscheidung und in dem Eindruck, den ich auch selbst beim Bearbeiten der RAWs gewonnen hatte.

Damit möchte ich diesen zweiten Teil beschließen. Einiges ist noch offen, vor allem Dinge, für die ich mehr Zeit zur Beurteilung brauche. Dabei geht es mir um Themen wie Batterielaufzeit, eingehendere Betrachtungen der Menüfunktionen, die App, Langzeitbelichtungen, Zubehör... es lohnt sich also, wieder vorbeizuschauen.

 

Freiberg - Altstadt

 

Ergänzung

*) Erläuterung zum Satz: "Hinzu kamen die X-Trans-spezifischen Probleme..."

Hierzu möchte ich zunächst auf die Unterschiede zwischen Fujis X-Trans-Technologie und einem normalen Bayer-Sensor verweisen.

Nicht alle RAW-Konverter kommen mit X-Trans-Bildern gut klar. Ein ganz wesentlicher Faktor ist zum Beispiel, dass sich X-Trans-RAWs anders schärfen lassen. Die herkömmliche Schärfungsmethode im Lightroom befördert die Bildung von Artefakten, die oft als "Würmchen" bezeichnet werden. Durch richtiges behandeln im RAW-Konverter lässt sich dieser Effekt weitgehend minimieren, bei einigen Objektiven und Einstellungen ist er jedoch immer da, entgegen diverser Behauptungen auch bei der X-Pro2 - obschon weniger ausgeprägt als bei älteren Geräten.

Ein weiteres Problem ist der sogenannte "Wasserfarben"-Effekt, der vor allem auf grünen Flächen bei bestimmten Konstellationen auftreten kann (Gras). Einige RAW-Konverter - auch hier ist Lightroom wieder ganz vorn mit dabei - interpretieren die Sensordaten auf manchen feinen Oberflächen auf eine Art und Weise, dass kleine Strukturen verschluckt werden und eine Effekt entsteht, der aussieht, als hätte man mit Wasserfarben gemalt, also ein Eindruck von Farben, die etwas verwischen und ineinander laufen. Wichtig dabei: in der Gesamtansicht sieht man das kaum, in der 100%-Ansicht jedoch sehr deutlich. Man sollte das Ganze also nicht überbewerten.

Ein dritter und letzter Effekt, über den viel gestritten wurde, betrifft bestimmte Probleme mit der Farbdifferenzierung bei kleinen Details. Bei weit entfernteren Gesichtern beispielsweise kann eine Art Maskeneffekt entstehen, da sich die Farbe der Gesichtshaut auch in Lippen, Zähne und Augen reinschleicht. Es wird behauptet, das könne an der Aufteilung der Farbpunkte auf der Sensormatrix liegen, obwohl beim X-Trans eigentlich das Gegenteil, nämlich eine bessere Detail- und Farbdifferenzierung, erreicht werden müßte. Daher liegt es eventuell auch an unzureichender RAW-Interpretierung. Nicht umsonst hat Fuji gerade eben eine eigene Software zur RAW-Bearbeitung herausgebracht, die über USB auf die Elektronik der Kamera zugreift.

Ich möchte betonen, dass all diese Dinge kaum Einfluss auf den photografischen Alltag haben. Die Effekte nimmt man hauptsächlich bei starken Vergrößerungen und auch nur unter bestimmten Konstellationen wahr. Dennoch fällt auf, dass gerade Lightroom als häufig genutzter RAW-Konverter Defizite zeigt. Wer daher wirklich das letzte aus den Files herausholen möchte, benötigt entweder die oben erwähnte neu Fuji-Software oder spezialisiertere Software wie z.B. den Irident Developer (als RAW-Konverter oder als Plugin bzw. Vorstufe für die Lightroom-Bearbeitung in Form des X-Transformers).

Der größte Vorteil von X-Trans war einst, dass man den Moire-Filter weglassen konnte weil das X-Trans-Pattern auf Grund seiner unregelmäßigen Anordnung für diesen Effekt weniger anfällig war. Dies bedeutete natürlich einen entscheidenden Auflösungsvorteil gegenüber Geräten mit Moire-Filter aller Sensorgrößen. Mittlerweile lassen allerdings viele Hersteller dieses Bauteil weg (Leica schon länger) und entfernen den Effekt größtenteils rechnerisch. Dadurch schrumpft der X-Trans-Vorteil in meinen Augen auf ein absolutes Minimum zusammen und ich bin nicht sicher, ob die oben beschriebenen Umständlichkeiten das Ganze letztendlich noch rechtfertigen. Mir ist es ehrlich gesagt lieber, bei der Bildbearbeitung weniger hantieren zu müssen und die Dateien gleich im übergreifenden Adobe-DNG-Format vorliegen zu haben - Leica ist in dieser Hinsicht ja sehr vorbildlich.

Einen wirklichen unschlagbaren Vorteil von X-Trans gegenüber Bayer bei der CL konnte ich nicht mehr ausmachen. Die Auflösungen sind bei beiden Geräten sehr hoch, Leica kommen hier sicherlich auch die sehr hochwertigen Optiken zu pass. Bei Farbauflösung- und Differenzierung kann ich auch keinen Gewinner oder Verlierer mehr erkennen - ich empfinde im Gegenteil die Leica-Datein sogar als analoger in der Anmutung. Kurz und ketzerisch gesprochen: ich denke, Fuji würde durch die Aufgabe von X-Trans mehr gewinnen als verlieren; eventuell würde es die gegenwärtige Popularität der Geräte sogar noch weiter beflügeln und die Handhabung vereinfachen. Ein großer Vorteil von Fuji ist sicherlich die außergewöhnlich hohe Qualität der JPG-Bilder. Da ich aber ein ausgewiesener RAW-Fanatiker bin, spielt das für mich keine große Rolle.

 

Hier geht es zum Teil 3...


Kommentare

Cetus-A
Hallo Matthias,

ich stimme Dir zu. Wesentlich ist, dass man etwas mit Leidenschaft macht und einer empfindet diese Leidenschaft halt für seine Leica, ein anderer für seine Fuji oder eine Olympus... wichtig ist nur, dass die Leidenschaft überhaupt da ist und es immer die eine Gemeinsamkeit "Fotografie" dabei gibt. Ich mag Leute, die für etwas brennen und ihre Meinung auch vortragen und verteidigen (was auch oft zu interessanten Diskussionen und Erkenntnissen führt).
Ein M-Objektiv wird vielleicht mal wieder kommen. Allerdings nicht die High-End-Teile, ich denke, die kommen nur richtig an einer Leica M zur Geltung. Aber ein älteres Modell (bei der CL spielt ja auch Fokus-Shift keine Rolle) für den kleineren Geldbeutel - da könnte man drüber nachdenken. Der Crop-Faktor schränkt halt die praktische Nutzbarkeit teilweise ein bissel ein und man verschenkt auch einen gewissen Teil der hochwertigen Optiken, da die Außenbereiche ja den APS-C-Bildkreis gar nicht berühren (deswegen kann ich das für mich nur bei älteren, preiswerteren Gläsern rechtfertigen).
Beste Grüße
Jörg
Cetus-A
Hallo Michael,

abwertend war meine Beschreibung des Fuji-Bildcharakters wirklich nicht gemeint. Es ist immer schwierig, diese doch sehr gefühlsmäßige Sache zu beschreiben. Du schreibst "kühl, analytisch, präzise" über Fuji - das passt unbestreitbar. Die Leicas haben immer eine Art eigene Farbsignatur mitgebracht, manchmal haben mich die Farbstiche zur Verzeiflung getrieben, oft gab es den Bildern aber auch eine Art Charakter. Womöglich könnte man das - übertrieben gesagt - auch mit einem Instagram-Filter erreichen oder vielleicht liegt es an den Glassorten der Objektive - ich weiss es nicht. Ich denke, dort scheiden sich die Geister und viele werden auch die präzise Farbdarstellung der Fuji mehr schätzen - so wie Du. Ich persönlich sehe in Leica und Fuji zwei sehr traditionsreiche Unternehmen, die derzeit die besten APS-C-Geräte anbieten (und Sony liefert dazu einen fabelhaften Sensor). Da gibt es kein besser oder schlechter - das zeigen auch die vielen Profis, die Fuji nutzen und damit super Ergebnisse erziehlen (siehe z.B. bei Fujilove). Also ja, ich mag den Leica-Bildcharakter mehr, aber andererseits lasse ich auf Fuji nichts kommen und ich kann jeden verstehen, der mit diesen Geräten hochzufrieden ist. Ich denke, wir bewegen uns hier auf einem technischen Niveau, wo es keine "schlechten" Geräte gibt. Die Kameras sind einfach unterschiedlich, auch in der Bedienphilosophie. Sie finden beide ihre Freunde. Hier im Blog berichte ich nur über meine eigene Meinung, um vielleicht anderen Leuten zu einer Entscheidung zu verhelfen. Dich habe ich darin bekräftigt, dass Dir die Fuji auf Grund der Bildcharakteristik mehr zusagt. Damit hat Dir das Lesen dieses Artikels auch etwas gebracht. Übrigens: Dein Satz, dass es keinen Sinn macht, auf der Suche nach den letzten 3-5% Perfektion tausende zu investieren - da ist was wahres dran. Nicht nur beim Thema Photografie! Da sollten wir Leica-Fans wahrscheinlich öfter mal drüber nachdenken.
Ich hoffe weiterhin, dass Du als Fujianer hier mitliest und auch ruhig mal einen Kommentar postest!!
Viele Grüße
Jörg
Matthias(nicht registriert)
Willkommen zurück! Freue mich wieder häufiger von dir lesen zu können und bin auf die Fortsetzung deines Reviews gespannt! Ich kenne dieses Gefühl mit der Leica nur zu gut. Für uns ist es eine Leica die uns inspiriert, zu der eine bestimmte “Bindung” besteht, für andere ist es eine Fuji, wieder für andere eine Micro Four Thirds Kamera...was zählt ist doch die gemeinsame Freude und Leidenschaft am Fotografieren! Vielleicht kehrt auch das ein oder andere M-Objektiv zu dir zurück!?
Michael(nicht registriert)
Hallo Jörg,
für mich subjektiv ist die beste Kamera, die die Welt so abbildet, wie ich sie mit meinen Augen erfasse.
Und das macht für mich Fuji unangefochten am besten.
Das was du als negativ,charakterlos ( kühl, analytisch, präzise etc.) abwertest,
ist für mich die Voraussetzung für ein Foto-Aufnahme-Gerät.
Für alle anderen subjektiven Anpassungen, Verfälschungen der Realität oder sonstige Wünsche etc. gibt es Bildbearbeitungsprogramme.
Ich kann deine Sehnsucht nach mehr Charakter/Wow Bilder verstehen.
Aber ich bezweifle es stark, das du es im APS-C Lager und erst recht der CL fündig wirst.
Bin gerade noch Leica CL Flicker durchgegangen; üblicher APS-C „Kram “, völlig gewöhnlich und seelenlos.
Desweiteren wieder über 50% SW, weil Farbe wiedermal nicht vorzeigbar war.
Diesen Effekt kenne ich schon von M9 M240.Das gibt mir zu denken.
Bin kein Leica Hasser, im Gegenteil.War selber kurz davor mich von der ganzen Fuji Ausrüstung zu trennen und M10 zu besorgen.
Ja,M10 mit Summilux Objektiven, ergibt Bilderplastizität, die seines gleichen suchen; FF halt, viel organischer.
Jedoch 10k€ mit einem 35mm Summicron ist der helle Wahnsinn.
Hab erstmal mit Fuji meinen Frieden geschlossen. Es macht nämlich keinen Sinn nach den letzten 3-5% der Perfektion zu suchen und Tausende zu investieren.
Wünsche dir ebenfalls einen Seelenfrieden mit der CL
Gruß
Michael
Cetus-A
Hallo Jürgen,

danke für Deinen Kommentar. Mir war es in der Review immer wichtig, herauszustellen, dass mir persönlich die Bilder der CL zwar besser gefallen, dass aber objektiv die Fujis auch sehr gute Kameras sind. Viele schwören auf die Fuji-Farben und die Kameras sind auch grundsätzlich gut durchdacht. Jeder, der sich keine Leica leisten möchte (oder vielleicht auch kann) wird von mir immer uneingeschränkt Fuji empfohlen bekommen weil man mit diesen Geräten einfach gar nichts falsch machen kann. Das zeigen im Übrigen ja auch die Verkaufszahlen und die wachsende Fangemeinde. Im Übrigen gibt es auch mehr als genug Fuji-Fotografen, die mich mit meinen Leica-Bildern alt aussehen lassen. Selbst die Preise sind ja relativ ähnlich, eine X-Pro2 liegt bei 1900 EUR, eine Leica CL bei 2490 EUR (der Straßenpreis wird sicher noch etwas nachgeben). Die 500 EUR Unterschied sind wirklich der teuren Produktion in Deutschland geschuldet und daher für mich nachvollziehbar, einen "Marken"-Bonus sehe ich hier nicht. Von daher ist es wirklich eine Frage des persönlichen Geschmacks, wofür man sich entscheidet und ich finde es sehr schön, dass es zwei solche traditionsreiche Unternehmen gibt, die ihre Kunden mit hochwertigen, durchdachten Produkten mit viel Charakter erfreuen (im Gegensatz zu anderen, die sich seit Jahrzehnten auf ihren Lorbeeren ausruhen und schon lange nicht mehr innovativ sind oder gar inspirieren).
Ich wünsche Dir auch ein schönes Weihnachtsfest!!

Beste Grüße
Jörg
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