10 Fragen an... Ken Wagner

December 05, 2016  •  Kommentar schreiben

 

Ken Wagner ist ein junger Fotograf aus Dresden, der sich in den Bereichen Portrait- , Hochzeit-, Unternehmens- und Architekturfotografie bereits einen Namen gemacht hat. Seit einiger Zeit nutzt er immer öfter die Leica M und damit erhalten viele seiner Arbeiten einen Beigeschmack von Reportage-Fotografie, eine Richtung, die er künftig weiter ausbauen möchte.

Ich habe Ken eingeladen, an meinem neuen Langzeitprojekt "10 Fragen an..." teilzunehmen. Wie der Name schon verrät, möchte ich darin Fotografen und Blogger mit genau 10 Fragen schriftlich portraitieren und vorstellen. Da dieser Blog eher technisch orientiert ist, richten sich die Fragen auch hauptsächlich an dieser Thematik aus. Mir geht es im Kern darum, wer welches Equipment nutzt, warum er das tut und was er damit erlebt.

Dies ist nun der erste Artikel dieser Art, weitere werden in losem Abstand folgen.

 



Ken, Willkommen bei cetus-a.de und bei "10 Fragen an...". Danke, dass Du Dir Zeit genommen hast. Im Folgenden versuche ich, mit 10 Fragen ein möglichst umfassendes Bild von Dir und Deiner Arbeit zu erstellen.

(1) Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Hallo Jörg, erstmal lieben Dank für deine Einladung zu diesem Interview. Eigentlich war mein Berufswunsch Mediengestalter und ich beschäftigte mich viel mit Photoshop und Design. In der Oberschule besuchte ich einen Analogkurs. Dort konnten wir schon im Alter von 15 Jahren eigene Filme entwickeln und sogar Abzüge in der Rotlichtkammer machen. Es war ein großartiges Gefühl, wenn das Bild auf dem Papier auftauchte - wie Zauberei.

In der 9. Klasse besuchte ich das SAEK in Dresden, um mich dort mit dem Thema "Filmen" zu befassen. Damals gab mir der Chef eine (Canon) 5D in die Hand und ich durfte eine Veranstaltung ablichten. Das war ein Schlüsselerlebnis, von da an wollte ich nie wieder Filmen, sondern nur noch fotografieren.

Später, als ich 18 Jahre alt war, wünschte ich mir eine Canon Spiegelreflexkamera (EOS450D). Das war mir sogar wichtiger als ein Führerschein. Die 450D hatte ungefähr den gleichen Stand hat wie die M9 von Leica, also bis 800 ISO gute Werte und ab 1600 ISO miserabel... Ein Jahr später kam schon die EOS50D - das war eine ganz andere Liga. 3 Jahre später kaufte ich mir endlich eine Vollformatkamera. Es war ein fantastisches Gefühl, durch den riesengroßen Sucher zu schauen.

 

 


(2) Was sind Deine bevorzugten fotografischen Themen?

Meine beiden großen Schwerpunkte sind der Mensch und die Architektur. Beides gehört für mich zusammen; die Architektur als Lebens- und Arbeitsumfeld des Menschen. Über meine ersten Portraits kam ich dann auch zur Hochzeitsfotografie. Mittlerweile habe ich 50 Hochzeiten begleitet. Dadurch sammelte ich auch viel Erfahrung mit unterschiedlichem Equipment.

Neben der Hochzeitsfotografie habe ich mich im Bereich Business- und Werbefotografie etabliert. Obwohl ich durch einen aktuellen Systemwechsel jetzt mehr zu Reportagen übergehe. Darin geht es um interessante Menschen und ihre Berufe.

 

 


(3) Was für ein Systemwechsel war das denn?

Naja, die Canons sind wirklich tolle Kameras, aber eindeutig zu schwer. Ich habe mir im März 2016 eine Leica M gegönnt und war damit in Ägypten. Seitdem möchte ich keine andere Kamera mehr nutzen.


(4) Welche technische Ausrüstung nutzt Du und warum?

Die Leica M240 ist inzwischen meine Hauptkamera für Street, Hochzeiten und Auftragsfotografie. Mit der Leica kann man keine Aufnahmen "herunterrasseln". Man muss mit ihr sehr konzentriert arbeiten.

Das Leica Elmarit-M 24mm F2.8 nutze ich als leichte, universelle Reportagebrennweite. Das 24er geht grundsätzlich immer und ist auch für Landschaften sehr gut geeignet.

Das Leica Summilux-M 1.4/35mm Asph FLE verwende ich für Portraits, denn es bietet einerseits ein sehr schönes Bokeh, andererseits aber auch eine hohe Schärfe bei Offenblende.
 
Ferner nutze ich noch das Voigtländer Nokton 1.1/50mm und für Architektur weiterhin die Canon 50D mit dem berühmten Tilt-Shift 17mm F4L.

Bei der Nachbearbeitung kommen hauptsächlich Photoshop und Adobe Bridge zum Zuge.

 

 


(5) Welches ist Dein Lieblingsobjektiv?

Jedes Objektiv hat seinen eigenen Zweck, aber mein Favorit ist das Summilux-M 1.4/35mm Asph FLE.


(6) Gibt es etwas, was Du zukünftig gern tun würdest?

Dürfte ich mir etwas wünschen, würde ich mich für unbegrenzte Zeit mit meiner Leica auf Reisen begeben und Menschen in ihren unterschiedlichen Lebensräumen auf sehr ehrliche Art und Weise fotografieren. Dafür würde ich gern auch einmal das Summicron-M 2.0/90mm probieren.

Ein Wunsch, den ich mir aber auf jeden Fall erfüllen werde: ich möchte über ungefähr einen Monat auf dem Jakobsweg wandern. Aus den dabei entstandenen Portraits soll dann später ein Buch werden.

 

 


(7) Du erwähntest eben, dass Du Menschen auf "sehr ehrliche Art und Weise" fotografieren willst. Was genau meinst Du damit?

Ich muss gestehen, ich liebe es, wenn menschliche Gesichter Krater, Vertiefungen und Narben haben. Bei meinen Portraits achte ich deshalb sehr auf Details und Strukturen. Ich mache eben gern ehrliche Portraits.

 

 


(8) Wer ist Dein fotografisches Vorbild, d.h. wer inspiriert Dich?

Da gibt es Einige. Rüdiger Nehmzow zum Beispiel. Er ist in der Businessfotografie tätig (www.nehmzow.de). Besonders stolz bin ich, wenn er meine Bilder bei Instagram liked. Ich schätze auch James Nachtwey - ein Reportage- und Kriegsfotograf und Brigida Gonzalez, eine Architekturfotografin, die mit analogem Großformat arbeitet.


(9) Was würdest Du kaufen, wenn Geld keine Rolle spielte?

Eine Alpa mit Shiftfunktion für Architektur. Das ist eine Mittelformatkamera aus der Schweiz, mit sehr hochwertigen Optiken, die auch in Großformatkameras verbaut werden. Rüdiger Nehmzow nutzt diese Kamera z.B. sehr häufig.

Oder einmal mit einer Phase One oder Leica S Portraits für eine große, eigene Ausstellung fotografieren. Das wäre fantastisch.

Und schließlich wäre da noch das berühmte Leica Summilux-M 1.4/24mm. Ein leider viel zu teures Traumobjektiv.

 

Der Schuhmacher - Alexander PreissAuf das Bild klicken, um ein "Making of" zu sehen.

 


(10) Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie allgemein und in technischer Hinsicht?

Das ist ein schwieriges Thema derzeit. Ich betrachte es gerade als Wettrüsten von Firmen. Jeder will bessere Kameras mit immer besseren Features herstellen, aber keiner traut sich den Schritt zurück nach dem Motto: "Weniger ist mehr". Nur Leica baut Geräte, die rein der Freude am Fotografieren gewidmet sind. Ich hoffe, sie bleiben diesem Motto treu und stopfen die Kameras nicht mit irgendwelchem sinnlosen Kram voll, um es jedem recht zu machen. Jeder ernsthafte Fotograf nutzt eh RAW und entwickelt am Rechner seine Bilder, wie früher in der Dunkelkammer.

Fotografieren ist Mainstream geworden. Jeder kann tolle Bilder machen, bearbeiten und sich dann feiern lassen. Die Luft für Berufsfotografen wird daher dünner und die Branche härter. Zwar bleiben die Honorare so, wie sie sind, aber man muss wirklich aus der Masse herausstechen, um nicht auf der Strecke zu bleiben.


Vielen Dank an Ken Wagner!

Seine Webseite mit weiteren Informationen findet Ihr hier: www.kenwagner.de

Auf Facebook könnt Ihr ihm hier folgen.

"Making of" zu seinen Bildern:

Der Schuhmacher - Alexander Preiss

Shooting mit Lisa

 

LisaAuf das Bild klicken, um ein "Making of" zu sehen.

 

Alle Bilder: ©Ken Wagner


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