Summilux-M 1.4/50mm Asph - Liebe auf den zweiten Blick

August 24, 2015  •  13 Kommentare

 

Wir alle kennen das Problem: man hat eine vorgefertigte Meinung und will einfach nicht davon abrücken. Mir ging es mit dem Summilux-M 1.4/50mm Asph FLE so. Einerseits war ich schon immer an diesem legendären Leica-Objektiv potentiell interessiert, andererseits hatte ich schon immer viele Gründe, es nicht zu besitzen.

Ein 50er ist ein Normalobjektiv, etwas, das andere Hersteller gewöhnlich nebenbei mit anbieten, wie Felgenreiniger in einem Autohaus. Um 200 EUR verlangen einschlägige Massenproduzenten für ein lichtstarkes 50er und somit ist solch ein Exemplar meist das erste Objektiv für werdende Enthusiasten, die nur ein Suppenzoom haben und auch mal die Sache mit dem Bokeh ausprobieren wollen (zumindest war es bei mir so). Deshalb empfand ich ein 50er immer als etwas, worüber man als Fortgeschrittener eigentlich hinweg sein sollte. Stino, Standard, unspektakulär. Lichtstärke für Anfänger.

 

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Ich hatte zudem das Gefühl, diese Brennweite sei mit den Jahren ziemlich aus der Mode gekommen. Für mich war es viel interessanter, mit 18mm die Weite des Raumes einzufangen, oder mit 90mm die gestaffelte Wirkung von Teleobjektiven zu bestaunen. 50mm hingegen waren für mich stets weder Fisch noch Fleisch.

Dazu kam der Eindruck (vielleicht war es auch Einbildung), dass das aktuelle Summilux-M 50mm irgendwie nicht diesen Ruf zu haben schien, den andere Summiluxe genießen. Der Lichtkönig ist es schon mal nicht, da läuft ihm das Noctilux den Rang ab. In punkto Abbildungsleistung wird es vom neuen Apo-Summicron 50 überflügelt und auch beim Thema Handlichkeit und Gewicht muss es sich dem (Apo-)Summicron geschlagen geben. Die Nostalgiker unter uns schwören auf ältere, nicht-asphärische Varianten von Summilux / Summicron 50, oder sogar auf die alten 50er Elmare. Zu allem Überfluss steht es etwas im Schatten des Summilux-M 35, denn das bietet bei gleicher Lichtstärke ein etwas weiteres, universell nutzbares Blickfeld. 35mm sind halt besser für den klassischen Fotojournalismus und bei den Leica-üblichen Preise kaufen nur wenige zum 35er Summilux noch ein 50er Summilux dazu.

 

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Nicht zuletzt muss man die Konkurrenz im  Blick behalten. Ob das 50er Summilux in Zeiten eines Zeiss Otus noch die uneingeschränkte Referenz aller Normalbrennweiten darstellt, ist dabei ebenfalls kritisch zu hinterfragen.

Ich denke, es wird sehr deutlich, dass ich eine Menge Vorbehalte gegen das Objektiv hatte. Dennoch: irgendetwas reizte mich daran und ließ mich nicht los. Ein 50er Summilux ist nun einmal trotz allem eine Institution und die kreativen Möglichkeiten, die es mit Offenblende ermöglicht, zeigen sich immer wieder in verführerischen Bildern auf Flickr & Co.

 

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Für den Testbericht hier in meinem Blog entschloss ich mich nach langem hin und her, ein 50er-Summilux mit nach Teneriffa zu nehmen. Ich war - vorsichtig ausgedrückt - skeptisch. Was sollte ich schon mit einem 50er in den engen Gassen und weiten, spektakulären Landschaften dieser fantastischen Insel? Andererseits will man sich beim Fotografieren ja nicht langweilen und so entschloss ich mich, mal meinen Blickwinkel zu verändern, die gewohnte fotografische Komfortzone etwas zu verlassen und dem Objektiv eine Chance zu geben.

 

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Ich erwarb für das Summilux-M 50 extra einen ND-Filter der Stärke 8x (oder 0,9). Das entspricht einer Verringerung um 3 Blenden und ermöglicht auch bei hellem Sonnenschein noch die Nutzung von Offenblende F1.4. An einem durchschnittlich hellen Tag kann man mit F5.6 Belichtungszeiten um 1/125 oder höher erzielen - der Filter kann also aufgeschraubt bleiben und ist sehr praxistauglich, zudem bei 46mm Durchmesser nicht so teuer wie die 60-80mm-Exemplare, die man häufig für DSLRs benötigt.

 

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Wozu dieser Filter? Natürlich wollte ich eine der herausragendsten Eigenschaften solch eines Leica-Sumiluxes ausprobieren - die legendäre Qualität bei Offenblende. Ich hatte es Eingangs schon geschrieben, es gibt viele 50mm-Optiken mit Lichtstärke F1.4, teilweise recht günstig. Es muss also eine Rechtfertigung für den hohen Preis des Summilux geben - abgesehen von der grundsätzlichen optischen und haptischen Güte. Nach allem was man hört, muss diese Rechtfertigung unter anderem darin bestehen, dass man beim Leica-Objektiv die Offenblende auch tatsächlich ohne Kompromisse nutzen kann.

 

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Bereits erste Testfotos zeigten mir, warum die Summiluxe - als Inbegriff aller Leica-Optiken - solch einen besonderen Status besitzen. Ich hatte sozusagen direkt beim ersten Bild gleich mein "Aha"-Erlebnis. Alle Elemente, die bei Offenblende im Fokus liegen, sind tatsächlich gestochen scharf. Zusammen mit dem weichen Bokeh und dem perfekten Übergang von Schärfe in Unschärfe entsteht so tatsächlich jener interessante Charakter, der allgemeinhin als Leica-Look bezeichnet wird und sich nicht immer so einfach mit beliebigen Optiken anderer Hersteller nachvollziehen läßt. Das 50er Summilux-M hat einen eigenen Stil und mit ein wenig Übung erkennt man Fotos, die von diesem Objektiv (oder einem anderen Summilux) kommen. Voraussetzung ist natürlich immer Offenblende, denn dort wird dieser Charakter offenbar. Schließt man die Blende, wird es natürlich irgendwann zu einem sehr hochwertigen, aber dennoch normalen Objektiv. Schärfe über den gesamten Bildbereich und hohe Abbildungsleistung schaffen viele andere ab Blende 5.6 ebenfalls - die Stärke des Summilux liegt tatsächlich bei F1.4 und man sollte sich nicht scheuen, dies auch immer wieder zu nutzen. Genau dafür ist es gebaut.

 

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Ich war anfangs davon ausgegangen, dass das Objektiv einen farblich eher warmen Charakter hat. Nahezu alle im Internet zu sehenden Fotos zeigten dies so. Aber offensichtlich ist es ein Trend, die Bilder bei der Nachbearbeitung "warm" zu drehen, oder die JPGs der M240 (die ich noch nie genutzt habe) sehen grundsätzlich so aus, denn im normalen RAW-Betrieb konnte ich nichts dergleichen feststellen. Das Objektiv liefert farblich neutrale Bilder, denen man ganz nach belieben in der Nachbearbeitung einen warmen oder kalten Look einhauchen kann.

 

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Nach anfänglicher Skepsis und gelegentlicher Sehnsucht nach 35mm entdeckte ich überraschend schnell die Vorteile einer Normalbrennweite. Dies führte schließlich so weit, dass ich nahezu alle Bilder auf Teneriffa mit dem 50er machte und es gar nicht wieder hergeben wollte. Nicht nur die technische und optische Qualität begeisterten mich, ich entdeckte auch den Alltagsnutzen dieser Brennweite für mich neu.

 

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Hat man sich nämlich einmal damit abgefunden, dass es mit der "Weite des Raumes" eher nichts wird, verlegt man sich auf die stillen Motive, die Dinge, die man auf den zweiten Blick erst sieht. Statt großer Straßenzüge oder raumfüllender Landschaften fotografiert man nun eher Ausschnitte oder Details. Man geht näher ran oder auch mal weiter weg, schaut genauer hin oder macht sich Gedanken, wie man das eine oder andere Thema in dem kleineren Bildausschnitt kreativ unterbringen könnte. Der 50er-Messsucherrahmen ist dafür perfekt. Er läßt sich für mich als Brillenträger wunderbar bequem überschauen und gestattet einen üppigen Ausblick auf die Welt "drumherum". Das hilft mir ungemein bei der Wahl des richtigen Bildausschnittes.

 

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Ein "Normalobjektiv" ist kein "Spezialobjektiv". Es gibt keine Sache, für die es sich besonders gut eignen würde. Oder doch... auch wenn es oft zu eng oder manchmal zu kurz ist, kann man es trotzdem für alles verwenden. Vielleicht liegt seine Stärke gerade darin. Es ist vielseitig und darin ist es gut. Ich habe Landschaften, Portraits und Details damit aufgenommen. Immer habe ich einen Motivausschnitt gefunden, der mir letztendlich gefallen hat, auch wenn er vielleicht mit einer anderen Optik optimaler gewesen wäre. Immer wieder konnte ich die Traumqualität bei Offenblende einsetzen um den Blick des Betrachters zu lenken und zu zeigen, worauf ich hinaus will. Selbst bei Landschaftsaufnahmen war es mitunter sinnvoll, Elemente im Vordergrund vom Hintergrund abzusetzen. Dadurch ließ sich ein Eindruck von Tiefe und Dimensionalität erzeugen, der eben nicht entsteht, wenn von vorn bis hinten alles scharf ist. Die Bilder, die sich dann ergaben, waren folgerichtig so nur mit dem 50er möglich. Mit dem 35er wäre ich an der Stelle zu weit weg gewesen, um mit Offenblende noch freistellen zu können, für ein Tele hingegen zu nah dran.

 

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Mit der Zeit hat sich meine Einstellung derart gewandelt, dass ich das 50er als "normal" empfand und plötzlich nicht mehr mit der im Vergleich riesigen Bildfläche des 35er zurechtkam. Ich vermisste plötzlich die Fähigkeit, selektiv vorzugehen, Dinge herauszustellen oder zu betonen. 35mm zeigen immer alles, opulent und ausschweifend. Irgendwann merkt man, dass es nicht auf ganze Straßenzüge ankommt sondern auf die Details, die diese Straßenzüge charakterisieren.

 

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Somit habe ich in den letzten Wochen tatsächlich meine Ausrichtung geändert. Früher framte ich gedanklich immer alles in 35mm, jetzt in 50mm. Witziger Nebeneffekt: wann immer ich ein potentielles Motiv irgendwo erspähe, trete ich unbewußt schon zwei oder drei Schritte zurück. Das kenne ich noch von früher, wo alle Welt mit analoger Spiegelreflex und 50er unterwegs war. Die Fotografen liefen immer Rückwärts mit Blick zum Motiv, bis ein halbwegs akzeptabler Ausschnitt in den Sucher passte (meine Mutter musste meinen Vater mehr als einmal vor dem unmittelbar drohenden Absturz retten).

Doch genug geplaudert, halten wir uns an Tatsachen und geben wir diesem Bericht einen professionelleren Charakter: auf zu den harten Fakten und Zahlen.

 

Ein klassischer Anblick. Leica M (Typ240) mit Summilux-M 1.4/50mm Asph. (Quelle: Leica Camera AG)
 

Das aktuelle Summilux-M 1.4/50mm Asph FLE ist hervorragend verarbeitet und bildet mit dem M-Body eine perfekt ausbalancierte Einheit. Eine Leica-M mit diesem Objektiv ist natürlich auch kein ausgesprochenes Leichtgewicht mehr, jedoch immer noch weit entfernt von einer ausgewachsenen DSLR.

Das Summilux ist in allen Punkten haptisch genauso gut wie jedes andere Leica-Objektiv. Zwei Dinge fallen mir jedoch auf:

Der Fokus läßt sich deutlich schwerer als bei anderen Objektiven bewegen. Ich weiss nicht, ob das der speziellen Mechanik (Stichwort: floating element) geschuldet ist. Toleranzen werden dann enger, Spielräume kleiner und es gibt noch mehr bewegliche Teile. Jedenfalls ist diese "straffere Gangart" zwar ungewohnt, stört aber nicht. Es läßt sich trotzdem schnell und präzise arbeiten. Der einzige Nachteil: die anderen Optiken kommen einem hinterher ob ihrer Leichtgängigkeit irgendwie "kaputt" vor (aber man gewöhnt sich auch schnell wieder um).

 

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Die zweite Sache betrifft die integrierte Sonnenblende - eigentlich ein Vorteil. Man kann diese ein Stück vor/herausschieben und mit einer leichten Drehung arretieren. Mir fällt allerdings auf, dass die Sonnenblende wackelig ist, man könnte sie beim vor/zurückschieben sogar verkanten. Nun gibt es keinen Grund, das zu tun und sicherlich meckere ich hier auf hohem Niveau, aber irgendwie erwarte ich von den feinmechanischen Meisterwerken aus Wetzlar immer, das nichts wackelt oder Spiel hat. Insofern ist die Sonnenblende etwas gewöhnungsbedürftig. Wahrscheinlich ließ sie sich unter den gegebenen Bedingungen nicht anders konstruieren.

Dennoch, das 50er Summilux ist eine Schönheit und eine M mit 50er Summilux ist natürlich das klassische Setup. Das Objektiv ist in jeder Hinsicht wie gemacht für den Body und man will es einfach nicht mehr auswechseln.

 

Das Summilux-M 1.4/50mm Asph FLE besteht aus 8 Elementen (darunter 1 Asphäre) in 5 Gruppen. Die hintere Gruppe (2 Elemente) ist als floating group ausgelegt.

 

Kommen wir zum Thema Optik. Hier habe ich - wie immer als Leica-Reviewer - nicht wirklich viel zu tun. Auch wenn man auf Charts und das übliche Mess-Gedöhns verzichtet, fällt einem auf, dass einem an dem Objektiv eigentlich nichts auffällt - zumindest nichts negatives. Es macht einfach alles richtig.

Es ist hochgeöffnet schon knackig scharf und das Schärfe-Optimum dürfte bereits irgendwo bei Blende 4 oder 5.6 liegen. Ich habe gelesen, dass es natürlich einen Unterschied zwischen Mittenschärfe und Eckenschärfe gibt, der bei Offenblende am höchsten und ab Blende 4 nahezu verschwunden ist, aber das fällt einem abseits der Testcharts nie wirklich auf. In der für mich relevanten Praxis ist es unter allen realistischen Bedingungen scharf von Ecke zu Ecke.

 

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Naturgemäß hat es natürlich bei Offenblende eine sichtbare Vignettierung, die unter Einsatz meines ND-Filters nochmals verstärkt, durchaus schon massiv genannt werden kann. Das Objektiv kann aber nichts für meinen Filter und ohne diesen liegt die Randabschattung bei ca. 0,7-0,8 EV. Ab Blende 2.8 bessert sich das drastisch und ab Blende 4 ist mir dann nichts mehr aufgefallen.

 

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Das Summilux zeichnet farblich absolut neutral und dank dem floating element sitzt der Fokus bei jeder Entfernung und Blende auf den Punkt - kein Fokus-Shift feststellbar! Das ist eine ausgesprochen gute Nachricht denn dieser Effekt hat mich bisher von den älteren Summiluxen immer abgehalten. Ich war in der Preislage einfach nie dazu bereit, auch nur den kleinsten Kompromiss einzugehen (selbst wenn er vielleicht mehr auf dem Papier als in der Realität besteht).

 

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Details, Kontraste und Schärfe spielen in der obersten Liga. Ich schaue mir immer solche Bilder genau an, in denen feine Zweige, Aststrukturen oder andere kleine Details gegen einen hellen Himmel aufgenommen worden sind. Dabei fällt dann auf, dass die Strukturen auch bei hohen Kontrastunterschieden noch perfekt abgebildet werden - selbst in den Bildrändern. Auch hier gibt es also nichts zu meckern und sofern man mit dem Blickwinkel eines 50ers klarkommt spricht nichts dagegen, das Objektiv selbst für Landschaftsfotografie einzusetzen.

 

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Weil wir gerade über das Thema "kleine Details vor hellem Hintergrund" sprechen: chromatische Aberrationen sind bei Offenblende sehr wohl sichtbar, verschwinden aber beim Abblenden schnell und lassen sich simpel und effektiv im Lightroom kontrollieren.

 

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Wie oben schon kurz angedeutet: das Bokeh ist sehr weich und ruhig. Mich fasziniert vor allem der schnelle, aber sanfte und definierte Übergang von den knackscharfen Bereichen in die Unschärfe. Diese gesamte Charakteristik bringt den typischen Look zum Vorschein, den viele Reviewer so gern als 3D-Effekt oder Leica-Look bezeichnen. Tatsächlich scheinen die Bereiche in der Fokus-Ebene förmlich aus dem Bild zu springen, man erhält eine sehr starke Plastizität und gelegentlich eine durchaus faszinierende Bildwirkung. In den Händen eines wirklich fähigen Fotografen kann man mit diesem Setup schon tatsächlich ein wenig zaubern... oder verzaubern.

 

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Man mag an dieser Stelle einwenden, dass auch deutlich preiswertere Objektive dank ihrer Lichtstärke viel Freistellpotential bieten. Ich sage aber: Offenblende ist nicht gleich Offenblende. Auch ich habe schon mit anderen 50ern freigestellt - mit durchaus ansehlichen Ergebnissen. Das Summilux verleiht dem ganzen Spaß jedoch das gewisse Etwas. In meinen Augen ist das die Qualität des Bokehs verbunden mit der enormen Schärfe und dem Übergang dazwischen. Manche mögen es Einbildung nennen (oder durch die Leica-Preise induzierten Irrsinn), ich jedoch vermeine es in vielen Bildern zu erkennen und ich kann mich daran einfach nicht sattsehen.

 

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An dieser Stelle möchte ich einen Hinweis einwerfen: ich spiele in der Nachbearbeitung sehr gern mit dem "Klarheit"-Regler von Lightroom. Bei Bildern, in denen es auch auf das Bokeh ankommt, sollte man das unterlassen. Der "Klarheit"-Regler zerstört nämlich naturgemäß die Weichheit des Bokehs und läßt es härter und unharmonischer erscheinen.

Über das Thema Verzeichnung brauchen wir nicht zu reden - die gibt es zwar auf dem Papier, sie ist aber nahezu irrelevant. Auch das Thema Linsenreflexion - lense flare - ist kaum erwähnenswert. Selbst bei F1.4 ist das Verhalten der Optik diesbezüglich vollkommen problemlos.

Ein 50er also, das alles richtig macht? Definitiv ja. Während meine Canon- und Nikon 50er immer hauptsächlich im Schrank lagen, hat das Summilux die genau umgekehrte Situation geschaffen. Das 18er, das 35er, das 90er - sie alle hatten in diesem Urlaub nicht wirklich viel zu tun.

 

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Fazit:

Das 50er Summilux-M Asph FLE ist das derzeit günstigste aller Leica-Summiluxe. Nicht wenige, die zumindest eine dieser legendären F1.4-Optiken besitzen wollen, werden sich fragen, ob ein Kauf lohnt - handelt es sich doch nur um die "langweilige Normalbrennweite". Sollte man lieber doch gleich auf das universellere 35er Summilux sparen?

Ich muss zugeben, ich habe meine Meinung diesbezüglich inzwischen gründlich revidiert und kann jeden Unentschlossenen mit bestem Gewissen zum Zugreifen ermuntern. Gerade heutzutage, wo alle Welt auf das neue 28er Summilux schaut und 35mm eigentlich die Standard-Brennweite ist, macht es großen Spaß, sich das 50er wieder zu erarbeiten. Ja, man muss ein wenig mehr laufen, probieren, überlegen ... aber es lohnt sich. Das 50er Summilux ist die günstigste Möglichkeit, den "geheimnisvollen" Leica-Look zu erhalten und man kann es von Portrait bis Landschaft wirklich universell einsetzen. Zudem wurde der 50mm-Blickwinkel inzwischen so weit verdrängt, dass er eigentlich schon wieder in ist und relativ unverbraucht wirkt.

Um auf die Frage "35er oder 50er Summilux?" zurückzukommen: wiegt man Freistell-Potential, Nutzungsprofil, Größe, Gewicht und Preis gegeneinander ab, macht es in meinen Augen Sinn, für 35mm ein Summicron (F2.0) oder Summarit (F2.4) zu nehmen, für 50mm jedoch das aktuelle Summilux.

 

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Die Qualität der Mechanik ist wie üblich perfekt, nur die praktische, integrierte Sonnenblende darf beim Herausziehen gern noch etwas weniger wackeln. Die Optik selbst ist über jeden Zweifel erhaben und auch bei Offenblende scharf ohne sichtbare Verzeichnung. Der Übergang von der Schärfe ins weiche Bokeh ist zum niederknien. Mit der sichtbaren Vignettierung und den chromatischen Aberrationen muss und kann man an dieser Stelle gut leben, spätestens ab Blende F4.0 ist alles gut. Das soll aber niemanden davon abhalten, das Objektiv inflationär bei Offenblende zu nutzen, denn dafür wurde es geschaffen. Die Bildanmutung bei F1.4 ist fantastisch, auch bei kleineren Blendenöffnungen leistet sich das Summilux jedoch keinerlei Schwächen. Für mich ist diese Optik definitiv ein Suchtmittel.

Ich kann und möchte jedem Skeptiker empfehlen: 50er Summilux nehmen, ND-Filter davor, Blende auf 1.4 und rausgehen. Dann halten auch die anderen Objektive länger. Weil man sie gar nicht mehr nehmen will.

 

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Seit Mai 2015: schwarz-verchromte Ausführung

Unlängst hat Leica eine Version in schwarz-verchromter Ausführung herausgebracht. Dieses Design soll eine Reminiszenz an alte Zeiten sein, konkret lehnt es sich an die Gestaltung des Vorgängers von 1959 an. Hinzu kommen eine runde Gegenlichtblende und ein Objektivdeckel aus Metall. Leider hat diese Version keinen Fokus-Tab (was für mich ein Grund wäre, sie nicht zu nehmen).

 

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Kommentare

13.Pablo(nicht registriert)
Hallo Jörg,

Eine Webseite habe ich. http://life.montesign.com/
Bald gibt es dann auch neue Bilder von den Kanaren

Gruß
Pablo
12.Cetus-A
Hallo Pablo,

dann wünsche ich Dir viel Freude auf Tenerife und vor allem auch mit dem super Objektiv!! Hast Du eigentlich eine Webseite, wo man Deine Bilder mal anschauen könnte??

LG
Jörg
11.Pablo(nicht registriert)
Hallo Jörg,

nachdem ich obigen Bericht immer wieder gelesen und angeschaut habe, musste ich das Objektiv auch haben!
Jetzt ist es da und wird somit nächste Woche auch mit nach Tenerife kommen :-) Freue mich schon darauf, es dort ausgiebig zu nutzen. Dank Vario-ND-Filter sollte ich es auch bei jeder Lichtsituation mit Offenblende einsetzen können.

Viele Grüße
Pablo
10.Cetus-A
Hallo Lothar,

Danke für Deinen Besuch! ;-) Ich wünsch Dir viel Freude mit dem Summilux!

LG
Jörg
9.Lothar W(nicht registriert)
Klasse Bericht, habe mich vor kurzer Zeit für dieses Objektiv entschieden. ...macht wirklich Laune. Danke!
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