Elmarit-M 2.8/28mm Asph - Kurzes Intermezzo

July 04, 2015  •  8 Kommentare

 

Dieser Bericht ist eine kleine Besonderheit, denn eigentlich war er nie geplant. Das 28er Elmarit-M habe ich nur sehr kurz besessen und das ist zudem noch einige Zeit her. Ich schreibe also rein aus meiner Erinnerung und kann leider nicht allzuviele Fotos anbieten.

Zu meinen Nikon-Zeiten habe ich einmal festgestellt, das 28mm eigentlich die perfekte Brennweite für mich wären. Nicht zu weit, aber dennoch weit genug für Städte und Landschaften, für alle Arten von Tourismus und für Architektur. 28mm sind sozusagen die neuen 35mm. Vor kurzem hat Leica das indirekt bestätigt, denn auch die neue Leica Q hat eine 28mm-Festbrennweite verbaut, als optimale Allround-Lösung.

Das 28er Elmarit-M war mein erstes Leica-Glas. Nach meinen eher enttäuschenden Erlebnissen mit dem Voigtländer 1.2/35mm II - bereits der zweite Reinfall mit Drittobjektiven an der M8 - sollte es nun unbedingt die Hausmarke sein, und da kam mir das Elmarit-M 2.8/28mm Asph gerade recht. An der M8 ergab das durch den Cropfaktor eine gute Reportagebrennweite (ca. 40mm) und beim eventuellen Wechsel auf M9/240 ergäbe es für meine Art der Fotografie dann das i-Tüpfelchen.

 

 

Beim 28er Elmarit gibt es einige Versionen, die sich zum Teil deutlich unterscheiden. Ich beziehe mich auf die neueste Variante mit Asphäre, die damals anfänglich als preiswerter 35mm-Ersatz zur neuen Cropkamera M8 angeboten wurde. Dieses Objektiv ist außerordentlich klein und bietet bemerkenswerte Bildqualität, dazu ist es für Leica-Verhältnisse recht günstig. Ich würde es eigentlich immer gegenüber dem lichtstärkeren Summicron-M 2.0/28mm bevorzugen, da diese Optik keinesfalls so handlich und nicht zuletzt viel teurer ist. Zudem blockiert sie einen Teil des Suchers und verzeichnet etwas mehr.

 

8 Linsen in 6 Gruppen, eine Asphäre, 180 Gramm leicht

 

Das kleine 28er Elmarit-M Asph ist hingegen eins der kompaktesten und verzeichnungsfreiesten Objektive, das Leica je gebaut hat - ein kleiner Edelstein, gut abzulesen an der niedrigen Verfügbarkeit auf dem Gebrauchtmarkt. Durch die Brennweite ist es außerdem enorm universell einsetzbar. Von Street bis Landschaftsfotografie - das Elmarit fühlt sich überall wohl. Benötigt man Filter, halten sich die Kosten auf Grund des kleinen Filterdurchmessers (E39) in Grenzen. Im Lieferumfang ist zudem die übliche Gegenlichtblende zum Aufstecken enthalten.

 

 

Das Elmarit 28 hat eine Fokussiermulde und läßt sich - wie alle Leica-Optiken - wunderbar weich und präzise fokussieren. Die Schärfe ist quer durch alle Blenden hervorragend, auch schon bei Offenblende und natürlich bis in die Ecken. Vignettierung ist vorhanden, aber kaum wahrnehmbar und ab Blende 5.6 ganz verschwunden. Weder chromatische Abberationen noch Lense-Flares sind mir im normalen Betrieb in störender oder wahrnehmbarer Weise untergekommen. Die mechanisch / haptische Anmutung entspricht dem üblichen hohen Standard. Lediglich das Bokeh ist für meinen Geschmack etwas nervös, was aber bei einem Weitwinkel kaum ins Gewicht fällt.

Der eine oder andere mag an dieser Stelle verwundert eine Augenbraue heben, aber das Objektiv ist tatsächlich so gut. Ich habe keinen Rezensenten im Internet gefunden, der irgendein Problem damit gehabt hätte. Ich möchte es an dieser Stelle erneut erwähnen: wir bewegen uns preislich auf Summarit-Niveau (wobei die ja auch ganz ausgezeichnet sind). Selbst bei Leica muss man nicht immer den Gegenwert eines Kleinwagens investieren! Und mit der auf den ersten Blick "mauen" Lichtstärke von F2.8 kommen bei anderen Marken Generationen von Profis wunderbar aus, zudem spielt das auch bei Leica im Zeitalter der M240 inzwischen nicht mehr so die Rolle.

 


Das Bokeh ist ein wenig nervös. Aber ein 28mm kauft man auch eher weniger wegen dem Bokeh.

 

An der M8 war ich äußerst zufrieden mit dem kleinen Elmarit, wobei die Kamera das Objektiv ja nicht bis in die Ecken ausnutzt. Kontraste, Farben und Bildanmutung waren jedoch hervorragend und mehr als einmal sagten mir die Bilder aus der Kombo M8+Elmarit28 mehr zu als die Aufnahmen aus der damals hochmodernen D600. Die M8 hatte so ihren eigenen Charakter, etwas rotziges, rohes und ungehobeltes. Konvertierte man die Bilder in Schwarzweiss, wirkten sie tatsächlich irgendwie analog und durch die schwache UV-Filterung auch anders als gewohnt. Die D600 war eine perfekte Bildmaschine und im Gegensatz dazu schlicht langweilig.

 

 

Warum, wird sich der Leser fragen, habe ich das Objektiv dann wieder verkauft?

Ich konnte nicht ahnen, dass sich der Umstieg auf die M9 als Stolperfalle erweisen würde. Denn während der 28mm-Messsucherrahmen in der M8 für mich als Brillenträger bequem zu überschauen war, sah das in der M9 schon anders aus. Dort waren die 28mm nun wirklich 28mm, der größte verfügbare Messsucherrahmen. Mit meiner Brille hatte ich keine Chance mehr, diesen zu überblicken und somit konnte ich die Bildausschnitte nur schätzen. Da ich aber ein Kontrollfreak bin und höchsten Wert auf exakte Komposition lege, führte mich das recht schnell zum 35er Summicron und das kleine 28er musste mich verlassen.

 

 

Aus heutiger Sicht kann ich nur sagen: schwerer Fehler. Mittlerweile gibt es die M240 mit elektronischem Sucher. Damit wäre das gute Stück auch für mich als Brillenträger perfekt nutzbar. Trotz aller Liebe zum 35er Summicron, wie gern würde ich heute das Elmarit als Immer-Dabei-Objektiv nutzen! Dieses kleine, rattenscharfe Objektiv hatte es mir wirklich angetan.

Eins habe ich auf jeden Fall aus dieser Geschichte gelernt: ein gutes Leica-Glas verkauft man nicht einfach wenn es sich vermeiden läßt. Man weiss nie, ob man später nicht noch mal Verwendung dafür hat. Manchmal avancieren bereits abgelegte Objektive einige Zeit später wieder zu Lieblingen, weil sich der persönliche Geschmack oder irgendwelche technischen Voraussetzungen ändern. Ich gebe zu, zum damaligen Zeitpunkt hätte ich nie gedacht, dass Leica einst eine M mit Live-View und elektronischem Sucher anbieten würde, der den "Brillenträger-Nachteil" bei kleinen Brennweiten komplett aufhebt.

 

 

Fazit

Das Elmarit-M 2.8/28mm Asph ist der perfekte Reise-Allrounder an der M. Es ist sehr klein, sehr leicht, für Leica-Verhältnisse günstig und bietet absolute Top-Bildqualität. Die Brennweite ist universell und für mich noch ein klein wenig praktischer als 35mm. Neben dem 35er Summicron ist das 28er Elmarit wohl jenes sprichwörtliche Objektiv, das man mitnimmt, wenn man sonst nichts mitnehmen kann/darf. Für den ambitionierten Leicaner gibt es eigentlich keine Ausrede, es nicht zu besitzen.

 

 

 

 

 


Kommentare

Cetus-A
Hallo Her Wittig,

vielen Dank für Ihren netten Kommentar! Ja, das Elmarit ist schon erstaunlich. Wie viel optische Leistung in so ein schon fast lächerlich kleines und leichtes Objektiv passt - faszinierend. Und gerade, wenn man viel Architektur fotografiert und einen grafischen Background hat, sind die Leica-Optiken eh unbezahlbar. Ich hatte auch viele Nikon- und Canon-Objektive in den Händen und ohne Korrektur ging da nie etwas, da war immer alles schön verzerrt. Da habe ich beim Nachbearbeiten dann oft die Krise gekriegt und im Photoshop gezogen, gebogen und entstaucht... :-) Da gab es echt die wildesten Verzeichnungen. Und dann schaut man im Vergleich die winzigen, unspektakulären Leica-Objektive an und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus... :-)

Beste Grüße aus Sachsen!

Jörg Lange
Harald Wittig(nicht registriert)
Werter Herr Kollege,

wie schön, dass ich etwas über mein liebstes Leica-Objektiv bei Ihnen lesen durfte. Ich selbst halte dieses Objektiv für ein Juwel. Ich bin zwar ein Nikon-Mensch, habe aber in puncto Verzeichnungsfreiheit bei den Japanern nie etwas Vergleichbares gehabt.
Ich nutze mein Elmarit-M 1:2,8/28mm ASPH. an der M-E/M9 und komme bestens klar. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dieses Schmuckstückchen wieder herzugeben.

Beste Grüße aus dem Rheinland!

Harald Wittig
Cetus-A
Hi Mark,

nö, bin noch auf der Suche. Hatte immer mal in Foren und im Gebrauchtmarkt gestöbert aber nix gefunden (oder zu langsam gewesen).

LG
Jörg
Mark Diekmann-Lange
Hallo Jörg,

und hast Du Dir wieder eins gekauft?

Gruß Mark
Cetus-A
Hallo Claus,

Danke für Deinen Besuch! Ja, wenn man bedenkt, wie lange ich jetzt schon auf dem Gebrauchtmarkt und in diversen Foren nach diesem Glas suche - da scheint es nahezu allen Besitzern wie Dir zu gehen. Alle lieben das Teil. Nur hin und wieder gibt es mal einen doofen, der seins verkauft... :-)

Beste Grüße
Jörg
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