Alte Porzellanfabrik

April 04, 2015  •  4 Kommentare

 

Bereits im Januar diesen Jahres hatte ich Gelegenheit, eine alte Porzellanfabrik zu besuchen und ausgiebig zu fotografieren. Die Bearbeitung der vielen Bilder dauerte recht lange. Alte Gebäude sind eine Sache, die mir besonders am Herzen liegen und deshalb hatte ich mir auch vorgenommen, dem Projekt viel Zeit und Geduld zu widmen.

Allen, die sich für den geschichtlichen Hintergrund des Gebäudes interessieren, empfehle ich diesen Blog: http://thelostplaces.blogspot.de/2013/01/porzellanwerk-freiberg.html

Wie immer absolvierte ich den Besuch offiziell, eine Erlaubnis des Eigentümers lag mir vor. Ich wurde von zwei Fotofreunden begleitet. Zunächst mal macht es gemeinsam einfach mehr Spaß, vor allem aber ist es auch eine Frage der Sicherheit.

 

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...bei der Arbeit...

 

Wie immer ging es mir - im Gegensatz zur klassischen Dokumentation - um eine künstlerische Interpretation des Gesehenen. Ich wollte den verlassenen Räumen einen gewissen Zauber und Charakter geben. Es geht um die Schönheit des Verfalls und - wie immer in der Fotografie - um das Licht. Gern betone ich die Farben kräftiger, oft braucht es aber auch ein knackiges, charaktervolles Schwarzweiss-Bild, um dem Wesen des abgebildeten Objektes näher zu kommen.

Für die Art und Weise der Nachbearbeitung musste ich die HDR-Technik einsetzen. Ich machte zu jedem Motiv 5 Einzelaufnahmen und verschmolz diese zunächst zu einem flachen HDR-Bild. Ziel war hier, möglichst viele Bildinhalte zur Verfügung zu haben.

In einem zweiten Schritt bearbeitete ich dieses HDR-Bild in Photoshop/Lightroom und gab ihm eine natürlichere Anmutung zurück. Ich malte Licht und Schatten ein, verstärkte die Farbwirkung, betonte interessante Inhalte und ließ uninteressante verschwinden. Das Ziel war, ein Bild zu erstellen, welches sowohl einen fotografischen als auch einen malerischen Touch hat. Es sollte jedoch nicht zu abstrakt sein, ein gewisser dokumentarischer Hintergrund war mir trotzdem wichtig. Übrigens: beim künstlerischen Bearbeiten des Bildes muss ich Musik hören, sonst wird das nichts. Im konkreten Falle ist das vor allem elektronische Musik, wie z.B. The Prodigy oder der gute alte Loop-Techno (Chris Liebing). Diese Musik passt einfach dazu, die Bilder sehen so aus, wie die Musik klingt. Bearbeite ich andere Bilder (Landschaft), höre ich auch andere Musik.

 

Musik von Prodigy kann sich erheblich auf den Prozess der Bildbearbeitung auswirken...

 

Im letzten Schritt erhielten die Bilder alle eine gewisse color correction, ein Farb-Mastering, um den Effekt einer zusammengehörenden Bilderserie zu unterstreichen.

Meine Leser werden sich besonders für den Akt des Fotografierens an sich interessieren, doch das geht eher unspektakulär über die Bühne. Für die meisten Bilder nutzte ich das Super-Elmar-M 18mm F3.8, für einige wenige das Summicron-M 35mm F2.0 Asph.

Ein stabiles Stativ ist mir wichtig, in meinem Falle ist das ein Carbon-Stativ von Feisol. Man unterschätzt sehr oft, wie Zugluft in solchen alten Gebäuden ein weniger stabiles Stativ in langsame Schwingung bringen kann - sehr ungünstig bei Langzeitbelichtungen.

Zum Auslösen nutzte ich den guten alten Drahtauslöser - zuverlässig und ohne Batteriebedarf.

 

Schnell, leicht, unspektakulär - M240 mit Super-Elmar-M 18mm F3.8 Asph

 

Die M240 erwies sich bei diesem Projekt als außerordentlich geeignet. Ich hatte gewisse Zweifel hinsichtlich der praktischen Benutzbarkeit, da ich in der Vergangenheit ausschließlich mit herkömmlichen Spiegelreflexgeräten gearbeitet hatte. Zu meiner Erleichterung überraschte mich die Leica positiv. Ich nutzte für diese Art der Fotografie nicht den Messsucher, sondern in jedem Falle das Display (oder den Aufstecksucher). Mit Hilfe der integrierten elektronischen Wasserwaage richtete ich die Kamera auf dem Stativ optimal aus. Blende bei 8 oder 11, Entfernung beim 18mm immer auf unendlich - keine Notwendigkeit für Autofokus. Danach rasselte ich die 5 Einzelbilder durch. Ich verließ mich dabei zunächst auf die automatische Mehrfeld-Belichtungsmessung und kontrollierte nach den ersten 5 Aufnahmen visuell, ob das hellste Bild die dunkelsten Stellen gut wiedergibt und ob das dunkelste Bild die hellsten Bereiche perfekt abdeckt. War das (nur sehr selten) nicht der Fall, wiederholte ich die Aufnahmereihe mit leicht verschobener Belichtungskorrektur. Mit etwas Routine geht das ziemlich schnell. Standpunkt suchen, ausrichten, auslösen, nächster Raum. Diesmal fiel es mir richtig auf, dass meine DSLR-Kollegen immer eine ganze Weile länger an ihren Kameras herumhantierten. (Ich kann hierzu nur erneut auf meinen Testbericht zur M240 verweisen, insbesondere auf die Betrachtungen und Vergleiche zum Thema Handling.)

Die (im Gegensatz zu den üblichen Zooms) nahezu verzeichnungsfreien Festbrennweiten sind eine zusätzlich Hilfe: man spart sich die teilweise aufwändige Korrektur bei der Nachbearbeitung. Hat man die Kamera korrekt ausgerichtet, sind die Linien gerade - auch bei 18mm. Das ist in meinen Augen einfach unbezahlbar.

 

Verzeichnisfreie Optik - auch ohne Lightroom-Korrektur...

 

Abschließend noch ein kleiner Ausblick auf zukünftige Aktivitäten hier im Blog. Dieses Jahr werden auf jeden Fall wieder Bilderserien zum Thema Ostsee und Teneriffa folgen. Diesmal will ich mich noch stärker mit Langzeitbelichtungen beschäftigen - auch bei Tageslicht. Normale Bilder habe ich nun genug gemacht, künftig werde ich versuchen, etwas experimenteller zu werden.

Ein weiteres Urban-Exploration-Projekt steht dieses Jahr eventuell auch noch an, ich bemühe mich weiterhin um offiziellen Zugang zu interessanten alten Gebäuden. Dabei bin ich auch immer offen und dankbar für Tipps und Hilfe seitens meiner Leser.

Schießlich wird es bis zum Ende des Jahres noch zwei Objektiv-Erfahrungsberichte geben. Einer davon wird sich mit dem Super-Elmar-M 18mm F3.8 Asph beschäftigen. Diese Optik ist ein kleiner Exot und man findet nur wenig darüber im Netz. Der andere wird wohl den Klassiker schlechthin behandeln: das Summilux-M 50mm F1.4 Asph.

Nun kommen wir aber zum eigentlichen Thema des Artikels zurück: der Porzelline-Gallerie. Sie enthält nicht alle fertigen Bilder - einige passten in Farbe und Stimmung einfach nicht dazu und werden gesondert veröffentlicht.

 

 Klicken Sie das Bild an um zur Galerie zu gelangen!

 

 

In eigener Sache: Es ist jetzt fast 10 Jahre her und ich weiss nicht, ob es die "Oldbahnhofcrowd" überhaupt noch gibt. Trotzdem an dieser Stelle Grüße von DJ Kx.

 

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Kommentare

4.Cetus-A
Hi Mark,

ich hab die Leica mit dem Case gekauft, also kann ich nur schätzen... es müsste ungefähr ein Harmony half case mit hanging rear door und grip sein. Farbe müsste irgendein dark aged brown oder sowas sein... Ist echt schwierig, weil es auch kein einheitliches Produktportfolio bei Luigi gibt - ist halt alles Handarbeit. Das Beste wird sein, Du schreibst ihm ne Mail und erklärst, wie Du es genau haben willst (mit/ohne grip, mir rear door oder nicht). Das Loch fürs Stativ habe ich selber reingestanzt, es gibt allerdings bei Luigi auch Cases mit Stativloch und sogar mit Öffnung zum schnellen Akku-Wechsel inklusive neuem Bodenblech mit Tür für den Akku.

Gruß
Jörg
3.Mark Diekmann-Lange
Hallo Jörg,

an das 15er habe ich auch schon dran gedacht. Ich hatte die erste Version mal an der M9 und in SW war auch das Thema rosa Ecken weg. Die Perspektive fand ich schon gut. Mal gucken, es ist noch schwer lieferbar. Das 18er ist mir auch lieber als das 21er. Du hast mich da mal wieder bestärkt. Mal gucken, was ich mache.

Ja die Luigi-Seite tut echt weh. Wenn ich das richtig sehe, dann kannst Du Deine M mit Case auf das Stativ schnallen. Welches Case hast Du?

Gruß Mark
2.Cetus-A
Hi Mark,

also wenn Du das 28er schon hast, wuerde ich persoenlich zum 18er tendieren (wegen des Abstandes) - oder zum neuen Voigtlaender 15mm Version 3 - das soll ja jetzt perfekt auf M240 oder A7... funktionieren.

Das Halfcase ist ein Leicatime http://www.leicatime.com - nicht von der grausligen Optik der Seite abschrecken lassen, das gehoert zur Nostalgie... :-)

LG
Joerg
1.Mark Diekmann-Lange
Hallo Jörg,

mal wieder ein interessanter Bericht und ich bin auf Deinen "Test" vom 18mm gespannt. Meine kürzeste Brennweite ist derzeit das 28 und ich bin gerade am überlegen, ob ich nach unten noch das 18 oder 21er nehmen soll.

Noch eine Frage, was ist das für ein Halfcase an Deiner M?

Gruß Mark
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