Leica M Typ240 - Die Legende lebt

January 06, 2015  •  9 Kommentare

Voraus

Ich habe diesen Erfahrungsbericht in erster Linie zur Leica M (Typ240) geschrieben, sie gilt aber ebenso für die aktuelle Leica M-P (Typ240). Auf die wenigen Unterschiede zwischen beiden Geräten gehe ich am Ende des Artikels ein.

Der gesamte Artikel ist als virtuelles Magazin (optimiert für PC, Tablet und Smartphone) bei Issuu.com abrufbar (inkl. Download und Druck).

 

 

 

 

Technische Details - Warum geht es eigentlich?

Bevor wir beginnen, möchte ich hier kurz die technischen Details der Leica M (Typ240) vorstellen. Die meisten Leser können den Abschnitt wahrscheinlich überspringen und direkt zu M9 vs M (Typ240) gehen. Für alle, die im Leica-Universum nicht so zu Hause sind, oder die sich noch nicht so intensiv mit der M auseinandergesetzt haben, sind die folgenden Zeilen bestimmt.

 

Urleica von 1914, Quelle: Leica Camera

 

Die Ahnenreihe der Leica M reicht zurück bis 1914, zur Urleica - der ersten Kleinbildkamera der Welt. Für viele bedeutende Fotografen war die Leica M stets das Mittel der Wahl und so entstanden enorm viele berühmte Fotos mit ihr: Bilder aus Krieg und Frieden, Bilder die manchmal die Welt veränderten und die sich in das kollektive Gedächtnis einprägten. Die erste digitale M - die Leica M8 - erschien 2006, gefolgt von der M9 (2009), ihrer seitlichen Ableitung M Monochrom (2012) und schließlich der hier besprochenen M Typ240 (2013). Leica bietet derzeit auch die M-E an (seit 2012), eine neu aufgelegte M9 zu einem etwas günstigeren Preis.

 

Eins von vielen legendären analogen Modellen: die M3, Quelle: Leica Camera

 

Der besondere Erfolg der M lag darin begründet, dass sie handlich und portabel war, einfach in der Bedienung und außergewöhnlich in der Fertigungsqualität - Made in Germany eben. Zu Zeiten, in denen an einen Autofokus noch nicht zu denken war, stellte der sogenannte Messsucher (auf den ich weiter unten genauer eingehen werde) das Nonplusultra dar, um den Fokus schnell, bequem und absolut sicher zu finden. Leica hielt stets an der ursprünglich mit der M3 (1954) etablierten Form und Funktion fest. Generationen von Pressefotografen, Profis und Amateuren fanden in dem Gerät ihr bevorzugtes Arbeitsmittel und das begründete natürlich auch dessen Ruf. Erst, als die fernöstlichen Hersteller immer ausgereiftere Spiegelreflexkameras zu immer günstigeren Preisen auf den Markt brachten und vor allem der Autofokus sich etablierte, begann der Stern der M zu sinken. Die aufkommenden Digitalgeräte hätten ihr dann fast den Todesstoß versetzt, da man die Zeichen der Zeit bei Leica lange Zeit etwas verkannt hatte und sich der neuen Technologie nur sehr zögerlich zuwandte. Darüber hinaus war es lange Zeit auf Grund konstruktiver Besonderheiten sehr schwierig, die Leica in ihrer Bauform zu "digitalisieren". 

Mittlerweile hat sie sich in ihrer digitalen Reinkarnation jedoch in einer speziellen Nische am Markt erneut etabliert und trifft einen gewissen Nerv bei Menschen, die sich in zunehmendem Maße von der überbordenden Featuritis und dem teilweise nutzlosen Technik-Irrsinn von Mainstream-Produkten nicht mehr angesprochen fühlen. Auch der Wunsch, aus kurzen Produktzyklen auszubrechen und etwas Werthaltiges zu erwerben, mag eine Rolle spielen. Unser schnelllebiges Heute gebiert manchmal den Wunsch auf eine Art Rückbesinnung in die vermeintlich gute, alte Zeit. Selbst die etablierten Massenhersteller haben das erkannt und versuchen im Moment immer wieder mit Erfolg, Geräte mit sogenanntem Retro-Design,  orientiert an den alten Fotoapparaten mit Zeitenring und Blendenrad, auf dem Markt zu platzieren und damit etwas von diesem Gefühl auf ihre modernen Geräte zu übertragen. Man muss allerdings unterscheiden, ob ein Gerät das ursprüngliche Konzept wirklich im Kern beinhaltet oder nur eins der üblichen, neuen Geräte in Retro-Verkleidung ist. Die Nikon Df ist ein sehr interessantes Beispiel dafür, wie Retro nicht umgesetzt werden sollte - nämlich als zusätzlichen inkonsequenten "Aufsatz" alter auf neue Bedienelemente und damit Verkomplizierung eines eigentlich konventionellen Gerätes. Es genügt eben nicht, nur mal halbherzig dabei sein zu wollen.

Bei der Leica hingegen ergibt sich die klassische Form der Bedienung - mit Blendenring und Zeitenrad - aus Form und Funktion. Das Gerät ist in Konzeption und Auslegung äußerlich in der alten Welt verblieben. Hätte man das Bedienkonzept modernisiert (z.B. durch Integration einer elektronischen Blendensteuerung) hätte man letztendlich auch neue Objektive entwickeln müssen und infolgedessen wäre es keine M mehr gewesen.

 

Leica M-E, eine Neuauflage der Leica M9, als günstigeres Modell parallel zur M (Typ240) positioniert, Quelle: Leica Camera

 

Kommen wir aber zum Messsucher. Was ist das eigentlich? Im Grunde ist es eine effektive Hilfe für schnelles, manuelles Scharfstellen. Eine sehr schöne Veranschaulichung und Erläuterung findet sich hier in diesem Video. Die von außen erkennbaren Teile des Messsuchers sind zwei Fenster im Kameragehäuse, ein großes und ein kleines. Das große Fenster ist der eigentliche Sucher. Da dieser im wortwörtlichen Sinne tatsächlich fast ein Fenster ist, ist er auch besonders hell und klar. Das war in der guten alten Zeit ein enormer Vorteil. Man braucht nur mal zu schauen, was die Alternativen waren. Winzig kleine und dunkle Gucklöcher oder nebulöse Mattscheiben - selbst die Sucher der aufkommenden Spiegelreflexgeräte waren vergleichsweise dunkel und trotz Schnittbildindikator schwer zu fokussieren.

Ein Nachteil des Messsuchers ist natürlich, dass er stets den gleichen Bildausschnitt zeigt - man schaut ja nicht durch das Objektiv. Um den korrekten Bildausschnitt dennoch abschätzen zu können, werden je nach angesetztem Objektiv im Sucher Rahmen eingeblendet, die den später im Bild sichtbaren Bereich markieren. Der Rahmen ist bei den meisten Brennweiten kleiner als das Sucherfenster, man sieht somit mehr als nötig. Das wird von vielen Leica-Fotografen als großer Vorteil empfunden da man zum Beispiel schon vorher sieht, ob jemand ins Bild hineinlaufen wird.

Der Inhalt des zweiten, kleineren Fensters an der Vorderseite der Kamera wird in den mittleren Bereich des großen Sucherfensters eingespiegelt und erscheint zunächst versetzt, d.h. seitlich verschoben zum Sucherbild. Durch Drehen am Entfernungsring werden beide Bilder in Deckung gebracht und sowie das geschehen ist, hat man die Kamera fokussiert. Andersherum gesagt: man stellt die Entfernung so ein, dass sich die beiden von verschiedenen Punkten aus gesehenen Bilder in Deckung befinden. Zum besseren Verständnis verweise ich hier erneut auf dieses Video.

Mit ein klein wenig Übung geht das sehr schnell und sicher. Im Gegensatz zu automatischen Entfernungsmessern hat man mit diesem System z.B. auch kein Problem, wenn sich ein Objekt hinter einer verschmutzten Scheibe befindet. Die Automatik wird unter Umständen auf die Scheibe fokussieren. Der Fotograf mit dem Messsucher hingegen kann immer auch das exakt scharfstellen, was er hinter der Scheibe sieht. Generell gilt: was man sehen kann, kann man auch fokussieren.

 

Das aktuelle Modell: Leica M (Typ240), Quelle: Leica Camera

 

Kommen wir zu den technischen Details. Das aktuelle Modell, die Leica M (Typ240), verfügt über einen CMOS-Bildsensor mit 24 Megapixel ohne Tiefpassfilter. Dieser Bildsensor ist eine spezielle Fertigung der belgischen Firma CMOSIS. Die Bildverarbeitung übernimmt der von der Leica-S2 bekannte MAESTRO-Prozessor, der wiederum auf dem Fujitsu Milbeaut basiert. Fujitsu fertigt den MAESTRO übrigens nach speziellen Spezifikationen von Leica. Interessant nebenher: auch der EXPEED-Prozessor von Nikon wird von Fujitsu auf Basis des Milbeaut nach speziellen Spezifikationen von Nikon gefertigt. (Quelle: Wikipedia)

 

Maestro-Prozessor mit Board, Quelle: Leica Camera

 

MAX-Bildsensor im Kleinbildformat, Quelle: Leica Camera

 

Die Leica schafft maximal 3 Bilder pro Sekunde (Werksangabe). Die Blitzsynchronzeit liegt bei 1/180 Sekunde. Der Verschluss ist - verglichen mit der Sony A7(r) oder der Leica M9 - recht leise und erlaubt auch lange Verschlusszeiten erschütterungsfrei aus der Hand. Die Verschlusszeiten liegen zwischen 8 Sekunden (auf dem Zeitenrad) bis hin zu konventionellen 1/4000 Sekunde. Der Bulb-Modus erlaubt lediglich eine maximale Belichtungszeit von einer Minute - längere Zeiten läßt die M nicht zu.

Der ISO-Bereich der Leica liegt zwischen 100 und 6400. Hier gibt es "echte" Werte, nämlich von ISO 200 (Basis) bis ISO 3200 und die in der Kamera errechneten Sachen wie ISO 100 (Pull) und ISO 6400 (Push).

Im DXO-Mark landet die Leica auf Platz 20 (Stand 12/2014) - bei insgesamt 282 Kandidaten nicht schlecht. Nimmt man die drei Mittelformat-Geräte aus dem Ranking raus, steht die Leica auf Platz 17. Zum Vergleich: die Canon EOS 5D Mark III kommt auf Platz 35. DXO gibt für die Leica eine Dynamik von 13.3 Blendenstufen an. Die Farbtiefenperformance liegt bei 24 bit, Low-Light-ISO kommt auf 1860. Damit ist die M zwar im oberen Bereich, liegt aber doch überall ein Stückchen hinter der A7r und deren Kollegen, der Nikon D800E/810. Auf diese Tatsache werde ich weiter unten noch einmal genauer eingehen.

 

Display mit 3-Zoll-Diagonale und 920.000 Pixeln, Quelle: Leica Camera

 

Die Leica M (Typ 240) verfügt nun endlich ebenfalls über ein rückwärtiges Display auf der Höhe der Zeit. Ähnlich wie bei anderen aktuellen Kameras werden vom Hersteller 3 Zoll Diagonale und 920.000 Pixel angegeben. Wie Apple beim iPhone verwendet Leica Gorilla-Glas (Saphirglas bei der M-P).

Über den Sucher der Leica, den Messsucher, habe ich mich ja schon weiter oben ausführlich geäußert. Ich hatte bereits erwähnt, dass er je nach Objektiv immer unterschiedliche Sucherrahmen anzeigt. Dies funktioniert leider nur bei Brennweiten zwischen 28mm und 135mm - für Superweitwinkel braucht man zusätzliche Aufstecksucher. Bis zur M9 gab es nur optische Aufstecksucher, die Leica M Typ 240 bietet nun optional auch die Möglichkeit, eine elektronische Variante auf den Blitzschuh aufzustecken. Dieser elektronische Sucher kommt allerdings technisch nicht an den Stand der neuesten Geräte (Sony A7r) heran, er verfügt "lediglich" über 1.4 Megapixel bietet dafür aber eine 90-Grad-Schwenkfunktion. In der Praxis erzeugt er jedoch ein helles, klares Bild und ich verwende ihn bei Bedarf gern - meiner Meinung nach das sinnvollste Zubehör für die neue M.

 

Elektronischer Aufstecksucher als Zubehör, Quelle: Leica Camera

 

Das Konzept der einfachen Handhabung zeigt sich nicht nur in der Gestaltung der äußeren Bedienelemente. Auch das Kameramenü ist kurz und knackig gehalten, auf Dinge wie Motivprogramme, Effektfilter oder ähnlichen Mumpitz wird konsequenterweise verzichtet. Es ist erstaunlich, wie viele Einstellmöglichkeiten, Optionen und Spielereien man weglassen kann, ohne sie jemals zu vermissen. Diese Erkenntnis kann wohltuend, befreiend und auch durchaus inspirierend sein.

 

Die neue M gegen die alte M (M240 vs M8/9/M-E)

Befasst man sich mit der Leica M (Typ 240) gerät man sofort in Rechtfertigungsnöte von allen Seiten. Ich möchte an dieser Stelle die üblichen Verdächtigen auslassen, die mir bei jeder Gelegenheit erzählen, Leica wäre nur ein überteuertes, technisch unterlegenes Luxusprodukt. Von genau den gleichen Leuten muss ich mir oft auch ermüdende Diskussionen über Apple-Hardware aufdrängen lassen (die ich ausschließlich nutze) und wir wollen das an dieser Stelle hier nicht vertiefen. Ich möchte nur kurz Anmerken: "Ich weiss, warum ich diese Geräte verwende. Das reicht mir."

Aber auch aus der Leica-Welt selbst kommt mitunter leichtes Störfeuer und es scheint, man kann kein Review über die M (Typ 240) schreiben, ohne das Ganze im Kontext zur Leica M9 zu sehen. Das möchte ich an dieser Stelle tun und dazu kurz in Richtung M9 ausholen.

Die M9 war eine Institution. Sie war nach der kontroversen M8 die erste "richtige" digitale Kleinbild-Messsucher-Kamera, bei der rundherum alles passte. Alle M8-Meckerer waren verstummt, die M9 verkaufte sich gut und ihr kam der ehrenvolle Part zu, die Messsucher-Technologie ins digitale Zeitalter zu führen. Sie war dabei nicht viel mehr als eine Filmkamera mit eingepflanztem Sensor und als solches ein wohltuender Gegensatz zur Konkurrenz.

Ich persönlich habe nie eine einfachere und effizientere Kamera kennengelernt. Der Slogan "Das Wesentliche" traf auf die M9 voll und ganz zu.

Ein hervorstechendes Detail, mit dem sich die M9 von der Masse abhob, war der CCD-Sensor. Ich kann es nicht objektiv beschreiben und vielleicht beruht das Ganze ja auch einem "Placebo"-Effekt - aber meiner Meinung nach verlieh der CCD der Kamera einen eigenen, eher analogen, filmischen Look. Die Fotos sahen anders aus, ihnen fehlte der messerscharfe, klinische, perfekte Charakter, den heutige Superkameras wie die Nikon D800/810 oder die Sony A7(r) besitzen. Ich kenne Leica-Fans, die schwören, mit der M9 gemachte Bilder jederzeit aus anderen Bildern heraussehen zu können.

Der CCD-Sensor verlieh der Kamera allerdings auch zwei problematische Eigenschaften: zunächst ist mit CCD-Sensoren kein Live-View möglich. Dies hat die meisten - angesichts des großartigen Messsuchers - nie wirklich gestört. Schwerer wog schon eher der eingeschränkte ISO-Bereich. Jenseits von ISO 2000 (je nach Geschmack auch schon darunter) rauschte es einfach zu stark. Andererseits - in Verbindung mit den lichtstarken Leica-Optiken - gelangen mir selbst mit einem Summicron (F2.0) stimmungsvolle Aufnahmen am Abend - mit offener Blende.

Ich habe diese Einschränkungen niemals vordergründig wahrgenommen oder unter ihnen "gelitten" - ich war mit dem Output der M9 größtenteils mehr als zufrieden und genoss die Andersartigkeit und Individualität der Kamera und Bilder. Dennoch ertappte ich mich manchmal bei dem Gedanken, dass es sinnvoll sein könnte, einige der Schlüsseltechnologien des Gerätes sanft zu modernisieren. Das würde mir in manchen Situationen mehr Spielraum verschaffen und mir zu einem noch entspannteren Umgang mit der Kamera verhelfen.

 

Graue Eminenz der Messsucher-Welt: die Leica M9, Quelle: Leica Camera

 

Die neue M (Typ 240) löste mit ihrem Erscheinen als offizieller Nachfolger der M9 einigen Wirbel aus. Manche sagen, die Kamera wäre überfällig gewesen und transportiert nun endlich den Messsucher-Mythos auf den aktuellen Stand der Technik. Andere sagen, die M240 ist voll mit überflüssigem Schnickschnack der nichts bringt und verwässert die Ur-Philosophie der Einfachheit, verrät alles, was das Messsucher-Konzept jemals ausgemacht hat.

Wahrhaft religiös anmutende Debatten entstanden auch über der Tatsache, dass Leica in der M240 erstmals einen CMOS-Sensor anstatt eines CCD-Sensors verbaut. Damit einhergehend gibt es nun Live-View - allein diese Tatsache ist für einige ziemlich unzumutbar.

Für mich persönlich - wenn ich es ganz objektiv betrachte - bedeuten die ganzen technischen Neuerungen vor allem das Folgende:

  • man kann auch die M240 weiterhin wie die M8/9 benutzen
  • man erhält endlich eine bessere Low-Light-Fähigkeit
  • man erhält darüberhinaus einige Verbesserungen, die man zu seinem Vorteil nutzen kann

Dies alles bedeutet nicht, dass die M9 von nun an eine schlechtere Kamera wäre, oder vielleicht sogar obsolet. Im Gegenteil: beide Geräte haben für mich weiterhin ihre Existenzberechtgung nebeneinander. Beide sprechen durchaus auch unterschiedliche Zielgruppen an und zumindest Leica scheint das genauso zu sehen - sonst würde man die M9 ja nicht in Form der M-E fortführen.

Wenn ich mich mit Leuten unterhalte, die auf ihre M9 schwören und sie nicht hergeben wollen - ja sogar Vorteile gegenüber der M240 sehen: warum nicht? Es ist doch nichts schlechtes daran, sich für die M9 und ihre andere Bildcharakteristik zu begeistern. Zudem wird sie nicht automatisch schlechtere Bilder machen, nur weil die M240 nun erschienen ist. Die M9 ist und bleibt eine kleine, feine, minimalistische und außergewöhnliche Kamera mit Messsucher, die ihren eigenen Charakter hat, den Fotografen herausfordert und schließlich mit hervorragenden Bildern verzaubern kann.

Für Leute wie mich, die eigentlich hauptsächlich mit der digitalen Fotografie aufgewachsen sind und gern auch mit Stativ, Filtern und Superweitwinkel im Bereich Landschaft arbeiten, die gelegentlich in dunkle, verfallene Ruinen kriechen oder ganz allgemein in einem Erdteil wohnen, wo es häufiger mal nass ist - für diese Leute kann die M240 die bessere Alternative sein. Warum? Darauf werde ich im folgenden Abschnitt eingehen.

 

Endlich - die Leica M (Typ 240) als einzige Kamera

Ich konnte mich früher nie so richtig zwischen meiner DSLR (später Sony A7r) und der Leica M8/9 entscheiden. Meine DSLR war z.B. spritzwassergeschützt, kam mit höheren ISO klar und auf dem Stativ konnte man bequem Live-View mit integrierter Wasserwaage nutzen. Gern nutzte ich auch die außerordentlich hohe Dynamik dieses Gerätes.

Die CCD-Sensor-bestückte Leica M8/9 hingegen hatte zwar eine sehr schöne organische, filmische Bildanmutung und ebenfalls eine wesentlich bessere Dynamik, als der DXOMark vermuten lassen würde, sie war aber schnell am Ende wenn es etwas dunkler wurde, war nicht explizit spritzwassergeschützt und auf dem Stativ nutzte ich sie kaum, weil sie mir für sorgfältige Weitwinkel/ND-Filter-Kompositionen einfach zu unkomfortabel war (externer Sucher, kein Live View etc, Wasserwaage etc). Klar, man kann trotzdem damit leben - aber für solche Situationen war mir die DSLR einfach unkomplizierter.

Als die M (Typ 240) erschien, war mein erster Gedanke: das ist die perfekte Symbiose aus zwei Welten. Ist ja auch so. Einerseits kann man sie genauso wie eine M8/M9/M-E verwenden - nämlich als reine, manuelle Messsucherkamera. Andererseits kann man sie aber auch - mit einem schicken Weitwinkel ausgerüstet - auf ein Stativ spannen, mittels integrierter Wasserwaage / Live View (mit Fokus-Peaking!) ordentlich einrichten und genießt zudem bessere Lowlight-Fähigkeit, mehr Dynamik, den elektronischen Aufstecksucher und Schutz gegen die Unbilden des Wetters.

Für mich persönlich existiert die M240 in zwei Modi - und ich schalte das im Kopf auch regelrecht um. Ausgerüstet mit 35er, 50er oder 90er ist es eine klassische M.

Ausgerüstet mit Stativ, einem 18er und ND-Filter ist sie das, was die DSLR früher für mich war. Tatsächlich fällt mir nichts mehr ein, was ich mit der neuen M 240 nicht machen könnte - sehen wir mal ab von allem, was einen schnellen Autofokus erfordert. Dort gibt es andere Platzhirsche.

Die M 240 ist somit durchaus die einzige Kamera, die ein Fotograf benötigt. M8/9 waren ja oft Zweitkameras - oder wenn sie hauptsächlich verwendet wurden, existierte noch eine kleinere Backup-Maschine. "Wenn es mal dunkler wird" oder "Wenn ich Super-Weitwinkel brauche" - so hörte ich oft - "nehme ich meine DSLR mit". Mit der M (Typ240) ist das nun nicht mehr erforderlich.

 

Anwendung, Handling und aus dem Nähkästchen geplaudertes

Oberflächlich betrachtet sieht die M (Typ240) wie jede andere Leica M aus. Tatsächlich ist sie ein klein wenig schwerer als die M8/M9/M-E und auch etwas größer als die meisten spiegellosen Geräte. Trotzdem ist sie natürlich viel handlicher und leichter als eine DSLR. Sie trägt sich daher auch über längere Zeit angenehm, verursacht keine Rückenschmerzen und ihre schlanken Hochleistungsobjektive passen meist locker in die Jackentasche.

Wie Eingangs bereits erwähnt ist das Design minimalistisch, am ehesten mit dem Design von Apple-Produkten vergleichbar und konzentriert sich auf die wesentlichen Bedienelemente. Sowohl für die älteren Semester, die das Handwerk noch mit den analogen Geräten gelernt haben, als auch für Jüngere, denen die moderne Technik manchmal zu fummelig ist, bietet die Leica auf Grund der klassischen Bedienung mit Zeitenring und Blendenrad womöglich das Aha-Erlebnis. Wie früher.

Nun mag man an dieser Stelle anmerken, dass man nicht immer alles wie früher machen muss - wo bleibt denn da der Fortschritt? Ich wage jedoch zu behaupten, dass klassische Kameras in ihrer Einfachheit bereits die optimale Bedienung vorweggenommen haben. Alles, was später im Zeichen des Fortschrittes dazugebaut und erweitert wurde, ist eher geneigt, den Nutzer zu verwirren und bunte Prospekte vollzuschreiben (den Autofokus nehme ich hiervon ausdrücklich aus - das ist eine ganz andere Geschichte).

Worum geht es denn eigentlich in der Fotografie? Man erzeugt ein Bild indem man eine bestimmte Menge Licht auf einen Sensor / den Film einwirken läßt. Mit Hilfe der Blende und der Verschlusszeit regelt man, wie viel Licht wie lange einwirkt und bestimmt je nach Einstellung auch den Charakter des Bildes maßgeblich mit.

Ob ein Bild überbelichtet oder unterbelichtet ist, entscheidet in erster Linie der persönliche Geschmack des Fotografen. Klar, es gibt Regeln die genau sagen, wann ein Bild perfekt belichtet ist. Doch das ist nur Theorie, denn in der Praxis muss ein Bild mitunter falsch belichtet sein, um seine Wirkung zu erzielen und eine Aussagen zu treffen.

Unsere heutigen Geräte machen alles vollautomatisch. Da die Automatik aber nicht wissen kann, wie wir das Bild gestalten wollen, erzeugt sie mitunter unpassende Ergebnisse. Daher bieten die Geräte zum Beispiel die Möglichkeit, die ermittelten Belichtungswerte mittels Belichtungskorrektur wieder anzupassen, zu überschreiben.

Dies ist im Endeffekt genauso sinnlos, als würde ich eine Computersteuerung für ein Auto entwickeln und dann vor dem Lenkrad zwei Steuerhebel installieren, mit deren Hilfe ich wiederum den Computer korrigieren kann, wenn der automatisch das Lenkrad bewegt. Nichts anderes macht der Fotograf, wenn die Kamera anhand komplexer Berechnungen die optimale Belichtung ermittelt und er diese dann mit Hilfe der Belichtungskorrektur anpasst. Dann hätte er auch gleich manuell belichten können, oder?

Das ist nur eine von vielen Possen, die die technologische Entwicklung im Laufe der Zeit hervorgebracht hat, um den potentiellen Käufer zu beeindrucken - mit all den bekannten Nebeneffekten aus sinnloser, überbordender Technologie. Dazu gehören auch vielseitige Menüs mit endloser Verschachtelung oder Autofokusmodule, die mehr Einstellungsmöglichkeiten bieten als der Autopilot in einem Flugzeug (ja, ich weiss, wovon ich rede).

Klar, die meisten Consumer verstehen ihre Kamera noch weniger als ihre Ehefrau und knipsen eh immer auf Vollautomatik (erkennbar am stets ausgeklappenden Blitz). Aber selbst der Profi oder Hobby-Fotograf verläuft sich von Zeit zu Zeit in den Menüs, kriegt es nie hin, das Gerät optimal auf seine Bedürfnisse zu konfigurieren, übersieht wichtige Einstellungen oder findet bestimmte Optionen nicht, wenn er sie schnell mal braucht.  Selbst der simple Wunsch, die ganzen Automatiken einfach auszuschalten, erfordert mitunter das Bestätigen von mehreren Schiebeschaltern, Knöpfen und Menüpunkten und erzeugt manchmal ratlose Gesichter.

Worauf will ich hinaus? Wäre es nicht besser, einfache Geräte zu entwickeln, die der Nutzer versteht? Dem Bild sieht man die fancy Features der Kamera hinterher sowieso nicht an.

Bei der Leica funkt mir grundsätzlich keine komplexe Automatik irgendwo dazwischen und sorgt dafür, dass die Belichtung nicht stimmt oder dass bei der fotografierten Person die Ohren scharf sind (statt der Augen). Keine seltsame Flut von blinkenden Piktogrammen und Anzeigen läßt mich zweifeln, ob ich alles richtig eingestellt habe oder bringt mich zu der Frage: "Was bedeutet denn das Symbol nun wieder"? Ich muss noch nicht einmal den korrekten Autofokus-Mode und den passenden von 51 Autofokus-Sensoren auswählen (und darauf achten, dass ich in dunkler Umgebung einen Kreuzsensor erwische weil die Kamera sonst Probleme mit der Scharfstellung hat...)

Ich mache einfach nur ein Bild. Ist es unscharf oder schlecht belichtet, dann bin ich schuld.

 

Nikon und Sony: moderne Technik vereinfacht das Leben in allen Bereichen. Alles klar?

 

Nun, ganz so ist es nicht. Der Eine oder Andere wird bei meiner obigen Tirade schon etwas geschmunzelt haben, denn Tatsache ist: auch Leica kann sich mit der M (Typ240) nicht ganz dem von mir beschriebenen Trend entziehen und führt zusammen mit dem Live-View nun alternative Belichtungsmodi (fortgeschrittene Belichtungsautomatik) und zum Beispiel auch ein Rad für die Belichtungskorrektur ein (die Belichtungskorrektur selbst gab es auch schon in den älteren Modellen, nur etwas versteckter). Selbst ein Videomodus ist dazugekommen.

Insgesamt hat sich die Leica M (Typ240) daher leider etwas von der simplen Genialität einer M8/9/M-E entfernt. Man sieht zudem sofort - ein wenig mehr Technik erfordert deutlich mehr Einstellmöglichkeiten, die Menüs werden länger. Dennoch hält sich alles in gewissen Grenzen, man hat eine Chance, das Gerät nach wie vor schnell zu verstehen und einfach zu benutzen. Die Neuerungen drängen sich nicht auf, bestimmen und diktieren nicht die Arbeit. Die Automatiken sind eher Assistenten, die auf Wunsch zugeschaltet werden können.

 

Klassisches Arbeiten

Bedient der Fotograf das Gerät auf die klassische Art und Weise, arbeitet er manuell - ohne dafür explizit etwas ausschalten zu müssen. Er stellt dann - wie schon vor 60 Jahren - Blende und Belichtungszeit direkt am Gerät mittels feinmechanisch exakter Bedienelemente (gern auch mal blind) ein. Das haptische Feedback ist perfekt. All diese Bedienelemente funktionieren auch, wenn der Apparat ausgeschalten ist! Wenn ich mit der Leica unterwegs bin, passe ich sie oft immer wieder neu an die gegebene Licht- und Aufnahmesituation an, indem ich Blende und Verschlusszeit verstelle, ohne die Kamera vor das Auge zu nehmen. Begegne ich dann einem interessanten Motiv, kann ich sofort ohne Stress loslegen. Bei der DSLR musste ich immer erstmal anschalten/aufwecken, auf den Displays schauen, was denn überhaupt eingestellt war und dann meine Wahl treffen. Stehenbleiben, gucken, fummeln. Kamera ans Auge - Motiv verschwunden.

 

Perfekte Ergonomie aus dem 20. Jahrhundert: Blendenring und Zeitenwahlrad, bedienbar auch ohne Strom, Quelle: Leica Camera

 

Generell ist es besser und einfacher, den Blendenring oder das Zeitenwahlrad der Leica mit wenigen Klicks exakt auf den gewünschten Wert zu drehen, als das Multifunktions-Drehrad an der DSLR von Blende 11 auf Blende 3.5 zu ratschen, bei Blende 2.8 zu landen weil man 3.5 nicht erwischt hat und wieder zurückzudrehen. Und nicht vergessen, vorher von Zeitautomatik auf Blendenprorität zu wechseln.

Und selbst wenn ich das Zeitenrad der Leica auf das rote A drehe und damit die Kamera die Belichtungszeit (anhand der von mir vorgegebenen Blende) ermitteln lasse, geschieht das relativ simpel und straightforward mittenbetont über eine Messzelle im Kameraboden. Nach ein paar Bildern weiss man, wie das System funktioniert und kann es gut einschätzen. Wünscht man stattdessen die neu hinzugekommene Mehrfeldmessung zu nutzen (die nach meiner Erfahrung auch keine wesentlich bessere Trefferquote hat, aber wesentlich aufwändiger arbeitet), muss man das explizit einschalten.

Aber Achtung! Mehrfeldmessung macht nur bei Benutzung des Live-View wirklich Sinn, da hier die Belichtung "vom Sensor" abgenommen wird. Arbeitet man mit dem Messsucher, wird daher vor dem eigentlichen Auslösen der Sensor zur Belichtungsmessung geöffnet und wieder geschlossen. Das führt natürlich zu kleinen Verzögerungen. Im Messsucher-Modus sollte man daher immer die klassische Methode (mittenbetont) nutzen.

Zum Thema Belichtungsautomatiken hier eine kleine Anekdote: über längere Zeit habe ich die Leica M8/9 sowohl zusammen mit der Nikon D600 als auch später mit der Sony A7r verwendet - meist mit unterschiedlichen Festbrennweiten auf den Geräten. Gelegentlich habe ich aber auch Vergleichsfotos geschossen, einfach weil mich brennend interessierte, wie viel besser die aufwändige Mehrfeldmessung der D600/A7r gegenüber der steinzeitlichen Belichtungsmessung der Leica abschneidet. Zu meiner Überraschung war der Unterschied fast nicht vorhanden. Meist belichteten beide Geräte sehr ähnlich. Wenn es schwierig wurde, lagen sie meist beide daneben (wenn auch in verschiedene Richtungen), gelegentlich hatte die Leica sogar das bessere Händchen, manchmal aber auch die Kontrahenten. Den perfekten Sonnenuntergang oder die perfekte romantische Kerzenszene out of the box konnte keine einfangen - logisch. Bei beiden Systemen musste ich in solchen Situationen verschwenken und die Belichtung speichern um optimale Ergebnisse zu kriegen (oder gleich manuell arbeiten).  Bedenkt man nun, wie aufwändig eine moderne, komplexe Mehrfeldmessung von der Hard- bis zur Software so arbeitet, sind diese Resultate ... erstaunlich. Aber eigentlich auch wieder nicht denn: im Endeffekt macht sowohl das einfache als auch das komplexe System nichts anderes, als auf Grund ihrer Messung eine bestimmte Kombination aus ISO, Blende und Belichtungszeit auszuwählen. Egal wie fein die Messung ausfällt: die relativ beschränkten Einstellmöglichkeiten (weder Blende noch ISO noch Zeit lassen sich stufenlos feinjustieren) nivellieren das Ergebnis wieder aus und am Ende nähern sich beide Systeme in ihrem Resultat an. Zumal es die optimale Messung oft nicht gibt, einige Bereiche sind dann so oder so abgesoffen oder ausgebrannt - wenn eine suboptimale Lichtsituation gegeben ist, kann auch die beste Automatik nicht zaubern.

Die aufwändige Mehrfeldmessung wird in meinen Augen erst dann richtig unverzichtbar werden, wenn man irgendwann in die Lage kommt, jeden Sensorpixel individuell belichten zu können.

 

Benutzung des Live-View

Unter Benutzung des Live-View oder zusammen mit dem optionalen (aber meiner Meinung nach unverzichtbaren) elektronischen Aufstecksucher transformiert sich das Gerät in eine Art "spiegellose Kompaktkamera" - natürlich mit manuellem Fokus aber unter Zuhilfenahme des Fokuspeaking. Das kann durchaus Sinn machen und bietet in bestimmten Situationen einigen Komfort. Der monströse Frankenfinder kann nun z.B. im Schrank bleiben. Für mich persönlich wird die M dadurch endlich richtig weitwinkeltauglich. In diesem Modus mögen sogar die alternativen Belichtungsmethoden hier und da Sinn machen. Man kann sie dann ja nutzen, wenn man sie eh hat.

Überhaupt finde ich den schwenkbaren Aufstecksucher recht praktisch - sogar besser, als ein schwenkbares Display. Warum? Wenn man bei hellem Sonnenschein nichts auf dem Display erkennen kann, nützt einem auch der Schwenkmechanismus nichts. Deswegen habe ich im Urlaub das schwenkbare Display meiner A7r trotz aller Freude darüber letztendlich auch kaum benutzt.

Der Aufstecksucher hingegen ermöglicht immer den optimalen Durchblick - egal bei welchem Licht. Und da er schwenkbar ist, besteht trotzdem die Möglichkeit, aus interessanten Perspektiven zu fotografieren.

Somit ist die Kombi aus Messsucher (der jedem elektronischen Sucher überlegen ist), hinterem Display und schwenkbarem Aufstecksucher in meinen Augen unschlagbar und bietet in jeder Lebenslage eine optimale Lösung - besser geht es wirklich nicht mehr.

Zudem bieten Live-View und elektronischer Sucher an der M (Typ240) die Möglichkeit, beliebige andere Objektive zu nutzen - auch solche, die nicht mit dem Messsucher gekoppelt sind. Da wären zum Beispiel Leica-R-Schätze (die infolgedessen leider auch schon wieder im Preis gestiegen sind) als auch jedes andere Objektiv mit Adaptern. Durch das geringe Auflagemaß passt hier wirklich jedes Glas.

 

Zugegeben etwas unhandlich: Leica-R-Objektiv über Adapter an der M, gut nutzbar dank Live-View und elektronischem Sucher,
Quelle: Leica Camera

 

Damit wird die Leica zu einer endlosen Spielwiese selbst für abgefahrene Experimente. Zum Beispiel freue ich mich schon darauf, das Pentacon 135mm "Bokeh-Monster" auszuprobieren. Angesichts der Tatsache, dass Leica-Fotografen oft noch andere Kameras mit entsprechenden Optiken nebenbei besitzen, kann es durchaus ein spaßiges Unterfangen sein (wenn auch nicht immer sinnvoll), deren Objektive an die Leica zu setzen. Ich denke da auch an hochwertige DSLR/FE-Optiken von Zeiss, schöne Festbrennweiten von Nikon oder exotische Gläser von Canon. Denn wenn man eine bestimmte Brennweite nur selten benutzt, muss es vielleicht nicht immer die Leica-Optik im Gegenwert eines halben Kleinwagens sein.

 

Weitere Intimitäten

Leica hat nie groß darüber gespochen, aber tatsächlich ist der Messsucher in der M (Typ240) überarbeitet worden - hinsichtlich noch mehr Exaktheit und engerer mechanischer Toleranz (Quelle: LFI 01/2015). Der Rest ist gleich geblieben. Wie immer ist entweder die Belichtungswaage, oder im Modus A (dem einzigen Zugeständnis an die moderne Zeit) die automatisch ermittelte Belichtungszeit im Sucherfenster sichtbar.

Der Auslöser arbeitet nun mit zwei Stufen (statt 3 bei den vorigen digitalen Modellen). Stufe 1 speichert die Belichtung, Stufe 2 löst aus. Beim Auslösen eine angenehme Überraschung: der neue Auslöser in der M (Typ 240) ist angenehm leise - viel unaufdringlicher als das Klonk-Schnarr in der M8/9/M-E. Das ist wirklich diskret.

Hinten am Gehäuse ist der neue, große Bildschirm das zentrale Element. Leica hat es - wie bereits eingangs erwähnt - endlich geschafft, ein zeitgemäßes Display (in Größe und Auflösung) zu verbauen. Als Hilfe für das manuelle Fokussieren wurde sogar ein Fokus-Peaking integriert. Dabei werden die Bildbereiche mit hohem Kontrast (die scharfen Bereiche) farblich markiert, bzw. umrandet. Die Farben kann man nach eigenem Geschmack einstellen und die Technik ist natürlich nicht nur auf dem hinteren Bildschirm sondern auch im elektronischen Sucher verfügbar.

Allerdings muss man hier einschränkend erwähnen: die Leica markiert die scharfen Bereiche nur sehr dezent und entsprechend schwer erkennbar. Zwar könnte man in den Bildparametern die Schärfe und den Kontrast anheben, um das zu verbessern - damit verdirbt man sich aber unter Umständen seine JPG-Bilder. Dieser Workaround ist somit nur etwas für RAW-Fotografen.

 

Endlich: großes Display, angenehmere Tasten mit gutem Druckpunkt, Quelle: Leica Camera

 

Die wenigen Tasten der M (Typ240) wirken auf mich hochwertiger und haben einen besseren Druckpunkt als bei den Vorgängern. Bei der Navigation empfinde ich die Kombination aus Tastenkreuz und Drehrad als sehr angenehm. Ob sich die Tastenbeschriftung genauso schnell abgreift wie bei der M9 muss die Zukunft zeigen.

Ich hatte es bereits kurz angesprochen; das Menü selbst ist ein ganzes Stück länger geworden. Es teilt sich nun in einige Unterbereiche, verbleibt aber eine lange, durchscrollbare Liste. Der konsequente Verzicht auf verschachtelte Untermenüs wirkt sich positiv auf die Übersichtlichkeit aus.

Die Kamera ermöglicht im manuellen Bulb-Modus nur eine maximale Belichtungszeit von einer Minute. Ich habe nichts zur Ursache dieser Einschränkung gefunden - wahrscheinlich will Leica hier keine Kompromisse hinsichtlich des sich vermehrenden Rauschens bei längerer Betriebszeit (Wärme) eingehen (bei den Vorgängermodellen gab es diese Einschränkung übrigens nicht). Dazu kommt, dass das Gerät nach der Belichtungszeit jeweils eine gleich lange Belichtung gegen den geschlossenen Verschluss fährt und das so ermittelte Rauschmuster vom gemachten Bild abzieht. Diese Funktion gibt es auch bei anderen Geräten, nur läßt sie sich dort abschalten (ob das gut oder schlecht ist, sei dahingestellt).

Ich habe mir meine mit anderen Geräten gemachten ND-Filter-Bilder und Nachtaufnahmen einmal angeschaut und festgestellt, dass die meisten Belichtungen im Zeitraum zwischen 35 und 50 Sekunden lagen. Es finden sich kaum Bilder, die über eine Minute belichtet wurden - somit scheint die maximale Belichtungszeit von 60 Sekunden bei der Leica für die Masse der Anwendungen kein großes Problem darzustellen.

Eine weitere kleine, aber durchaus nennenswerte Verbesserung: der Stativanschluss ist jetzt fest mit dem Gehäuse verbunden und damit wesentlich stabiler als bei den Vorgängern, deren Gewinde nur in die Bodenplatte integriert war.

 

Tricks mit Live-View und elektronischem Sucher

Eine Funktion, die ich sehr schätze: wenn man nach dem Auslösen den Auslöser gedrückt hält, wird das soeben gemachte Bild im Display eingeblendet - solange, bis man den Auslöser eben wieder loslässt. Eine geniale Funktion - es erspart das Betätigen der Play-Taste und ermöglicht einen zeitlich individuellen, unauffälligen Blick.

Das funktioniert auch in Verbindung mit dem elektronischen Sucher. So muss man die Kamera nicht erst vom Auge nehmen um auf das hintere Display zu schauen und kann bei ungünstigen Sichtverhältnissen (blendende Sonne) zudem alles perfekt erkennen.

 

Weiter zum zweiten Teil des Artikels...

 


Kommentare

9.Cetus-A
Super! Ne nagelneue schwarze M-P ... Herz was willst Du mehr! Bin auf Deine Berichte gespannt!!! :-)
8.Mark Diekmann-Lange
Hallo Jörg,

nachdem meine M9 auch das Sensor-Problem hat, bekomme ich zum Ende der nächsten Woche zum Upgradepreis eine M-P(240) in schwarz und mein Summicron 50mm wird auch noch überholt und angepasst.

Ich freue mich schon und werde jetzt mal so nach und nach mein Nikon-Geraffel verkaufen :)

Gruß Mark
7.Mark(nicht registriert)
Hi Jörg,

mal sehen, ob und wie ich mich mit dem Händler einigen kann. Die M-P ist auch innerhalb von drei Tagen lieferbar und ich muss mal wegen Nikon-Adapter gucken. Da wird es wohl was von Novoflex geben.

Ich halte Dich auf dem Laufenden.

Gruß Mark
6.Cetus-A
Hi Mark,

die M-P in schwarz ist wirklich ein schönes, elegantes und zeitloses Gerät. Und Dein geplantes Objektiv-Lineup ist doch auch Klasse. 18mm, 28mm, 50mm und 90mm - perfekt! Bin vor allem auf ein paar Bilder mit dem 18er Nikkor gespannt!

LG Jörg
5.Mark(nicht registriert)
Hallo Jörg,

im ersten Stepp will ich erstmal die Sachen verkaufen, die ich nicht mehr benötige. Also erstmal ein Body und den Großteil der Linsen. Dann den noch vorhandenen Body und Linse als Sicherheit und kurze Zeit später dann den Rest auch weg, wenn ich mich an die M ganz gewöhnt habe.

Mein Nikkor AiS 18mm werde ich wohl erstmal behalten.

Starten tue ich erstmal mit einem Zeiss 28mm f/2.8 und dem Summicron 50mm f/2.0 iV. Als weiter ist dann das Summarit 90 auf dem Plan.

Ich war auch gestern im Laden und es wird wohl die M-P in schwarz und die soll auch bei mir alt werden.

Gruß Mark
Keine Kommentare veröffentlicht.
Wird geladen...