Besuch einer alten Industrieanlage

August 02, 2014  •  2 Kommentare

 


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Nach längerem Suchen und vielen Telefonaten erfüllte sich ein für mich schon lange gehegter Wunsch: der offizielle Zugang zu einer alten, stillgelegten Industrieanlage. 

Die Bilder sind nun nach längerer Zeit hier endlich online. Das gesamte Projekt hat mir einiges abverlangt. Hohe Erwartungen, viel Photoshop, viele Zweifel, Freude und Enttäuschung... warum?

Das Objekt war auf den ersten Blick perfekt - bei genauerem Hinsehen jedoch eine riesige Herausforderung. Der Hauptgrund: die Innenbereiche waren größtenteils zu leer und zu dunkel. Die von mir erhofften Sozialräume (alte Büros, sanitäre Anlagen, Umkleiden) waren nicht mehr auffindbar. Das ist besonders schade, denn gerade solche Bereiche erhalten oft durch Fenster genug Licht und erzählen Geschichten - in Form von alten, liegengelassenen Sachen, Schreibtischen, persönlichen Gegenständen.

Ich fand mich in einer riesigen, stählernen Maschinenhalle wieder. Stockfinstere Dunkelheit wurde unterbrochen von gleißendem Licht und die einzige Möglichkeit, sich dem anzunähern, waren natürlich umfangreiche Belichtungsreihen. Der Wind, der teilweise durch das Gemäuer wehte und Bildelemente bewegte, machte die Sache nicht einfacher...

Beim Sichten der Bilder zu Hause kam eine Mischung aus Freude und Ernüchterung auf - wie sollte ich bei dieser Dunkelheit die Stimmung der Szene, die Lichtstimmung, auf dem Bild rüberbringen, ohne den HDR-Charakter zu stark zu betonen? Wirklich etwas sehen konnte man nur auf den stärker bearbeiteten HDRs. Die sind jedoch - zu recht - unbeliebt in der Szene. Keiner will das mehr, man kennt ja den einschlägigen HDR-extreme-look.

Also setzte ich mich hin, malte mit Hilfe von Photoshop Licht und Schatten in die Bilder, ließ die Details, die die HDR-Technik herausgeholt hatte, wieder kontrolliert verschwinden und versuchte ganz allgemein, den originalen Eindruck der Orte nachzubilden.

Vielen Bildern tat die Umwandlung in Schwarzweiss gut. Manche fasste ich bestimmt 5 mal an und verwarf die Endprodukte wieder.

Die hier jetzt gezeigte Sammlung ist nichts, womit ich restlos glücklich wäre. Ich habe jedoch inzwischen das Gefühl, die Bilder nun präsentieren zu können und dieses Kapitel abzuschließen. Als Kontrastprogramm erwarten mich jetzt 14 Tage Kanarische Inseln - eine gänzlich andere Sache...

Abschließend noch ein paar Worte dazu, warum die Aktion für mich nur mit offizieller Erlaubnis in Frage kam. Dies hat zwei wesentliche Gründe. Zunächst mal möchte ich die Bilder hier zeigen können ohne mit einer Anzeige rechnen zu müssen. Vor allem aber möchte ich nicht heimlich und verstohlen wie ein Dieb durch das Objekt kriechen, sondern dort viel Zeit verbringen, meine Ausrüstung mitnehmen, die Stimmung erspüren und ein Gefühl für den Ort entwickeln. Das geht schlecht, wenn man immer darauf wartet, dass gleich der Streifenwagen um die Ecke biegt... Ich kann nur jedem, dem es ums Fotografieren in solchen Umgebungen geht, empfehlen, die Umstände auf sich zu nehmen und eine Erlaubnis zu organisieren.

Ein kleiner Hinweis: das hier gezeigte Objekt ist weiträumig verschlossen und gut geschützt. Die Position werde ich aus verschiedenen Gründen nicht preisgeben.

Im Folgenden nun einige Bilder aus den Galerien. Wie hier ersichtlich habe ich die Tour mit einem Fotofreund unternommen. Davon abgesehen, dass das ein schöneres Arbeiten war, ist es zudem ein Sicherheitsaspekt. Man sollte in solche Objekte niemals allein hineingehen, (geladene) Handys dabei haben und dafür Sorge tragen, dass das nähere Umfeld darüber informiert ist, wo man sich aufhält (und in welchem zeitlichen Rahmen).

Noch ein paar kurze Worte zur Ausrüstung: mein Fotofreund hat mit der Canon 5D Mk3 gearbeitet. Ich hatte die Sony A7r mit dem Distagon 3.5/18mm und die M9 mit dem 35er Summicron als Backup dabei. Die meisten Bilder hier sind mit der A7r entstanden, einige auch mit der M9 - darunter die Aufnahmen von meinem Begleiter.
 

DSC01402DSC01402 Bei der Arbeit, hier die 5DM3 meines Kollegen...

 

...und hier mein Ergebnis mit der A7r.

 

L1001140L1001140 Kollege bei der Arbeit...

 

...und hier der Raum aus meiner Sicht.

 

L1001154L1001154 Fassadenbilder...

 

Knapp über dem Boden mit 18mm. More drama, baby!

 

L1001100L1001100 Fotoauge sei wachsam.

 

Come in and find out... 

 

L1001116L1001116 Das permanente Anfertigen von Langzeitbelichtungen und HDRs hatte etwas ZEN-mäßiges, ähnlich wie Angeln. Ungemein entspannend...

 

So sieht die A7r den Raum.

 

L1001204L1001204 Es war vor allem eins: dunkel.

 

Die Mehrfachbelichtung machte die Dunkelheit über das HDR-Processing erstmal zunichte. Um die Stimmung zu reproduzieren musste dann wieder Photoshop ran...


Wo sind die Bilder?

Ich habe die Bilder der Galerie Stille Orte hinzugefügt.

 


Kommentare

2.Cetus-A
Hallo Olaf,

Mensch Du warst ja schnell beim Finden... An dieser Stelle sei Dir noch mal herzlich gedankt dass Du den Ort ausfindig gemacht und mir den Kontakt zum Eigentümer versorgt hast! Es war ein großer Spaß und ich hoffe, wir kriegen das in Zukunft mal wieder hin!

LG
Jörg
1.Olaf(nicht registriert)
Hallo Jörg,

wir haben gemeinsam am Projekt Muldenhütten gearbeitet. Ich habe die Erkundungen übernommen und du die photographische Umsetzung.
Ich freue mich, dass die Bilder, trotz aller Schwierigkeiten, so toll geworden sind.
Das war viel Arbeit, die sich aber wirklich gelohnt hat.

Liebe Grüße, Olaf.
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