Summarit-M 90mm F2.5 - Wieder Spaß im Telebereich

December 16, 2014  •  4 Kommentare

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Die Überschrift ist mit Bedacht gewählt, denn ich hatte mit Teleobjektiven nie wirklich Freude. Portraits sind nicht mein Ding - mein Herz hängt eher an Architektur oder Landschaft und dazu gehören bekanntlich eher die weitwinkligeren Optiken.

Dennoch reizte es mich von Zeit zu Zeit, auch mal ein leichtes Tele auszuprobieren. Man kann sehr schön mit selektiver Schärfe spielen und der komprimierte Bildeindruck eines solchen Glases ist mal etwas Neues in meinem Einerlei aus 35 und 18mm.

In der Leicawelt gibt es im Brennweitenbereich von 75mm bis 135mm keine Not, wenngleich der Messsucher die sinnvolle Nutzung ohne Lupe eigentlich auf 90mm beschränkt. Das war auch genau die Brennweite, die mir vorschwebte, den ich fotografiere nach wie vor in meinem unmittelbaren Umfeld - will also nichts weit entferntes "ranholen" sondern Ausschnitte abbilden.

75mm empfand ich als zu nah an der Standardbrennweite 50 und da ich nach wie vor mit dem Gedanken an ein 50er Summilux-M spiele, wollte ich hier einen gewissen Mindestabstand einhalten.

 

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L1002301L1002301 Mein einziges Katzenbild... Als echter Fotofreund muss man mindestens einmal im Leben die obligatorische Katze abgelichtet haben...

 

Da ich Gelegenheits-Tele-Nutzer bin, kam für mich nur die Summarit-Linie von Leica in Frage. Die Summarite sind in den Brennweiten 35, 50, 75 und 90 erhältlich und zählen zu Leicas günstigsten Gläsern. Durch die relativ kleine Anfangsblende von F2.5 (bzw. F2.4 bei den neueren Modellen) lassen sie sich einfacher fertigen. Besondere Qualitätseinbuße gibt es darüberhinaus nicht: auch die Summarite sind und bleiben echte Leica-Gläser. Oft fristen sie ein Schattendasein. Diejenigen, die sie erworben haben, hüten sie aber wie ein Schätzchen da die Bildqualität hervorragend sein soll - findet man sich einmal mit der etwas geringeren Lichtstärke ab.

Die hätte mich bei 35mm und 50mm vielleicht gestört (zumal hier die gebrauchten Summicrons preislich sehr nahe liegen!), das 90er fand ich allerdings äußerst attraktiv und für das Spiel mit der Unschärfe reicht die Blende 2.5 bei dieser Brennweite völlig aus - so war der Entschluss gefasst und das 90er Summarit-M wurde bestellt.

 

Das Summarit 2.5/90 besteht aus 5 Elementen in 4 Gruppen. Filterdurchmesser ist 46mm, 11 Blendenlamellen sorgen für ein angenehmes Bokeh. Die Größe: 66.5 x 55mm. Eine Sonnenblende muss man leider extra erwerben.

 

Ein unschlagbarer Vorteil der Summarit-M-Linie ist die vergleichsweise bescheidene Größe und so ist es auch hier: das 90er ist wunderbar leicht, klein (ca. 360g) und passt hervorragend an die M. In punkto Handlichkeit steht es anderen M-Objektiven somit in nichts nach.

Die Haptik ist wie erwartet perfekt. Der Fokusring (leider ohne Fokussiermulde, die ich eigentlich schätze) läuft seidenweich und der Blendenring rastet satt.

Der einzige Unterschied zu Leicas teureren Gläsern ist das Material des Fokusringes - hier handelt es sich um eine Art hochwertiger Gummierung. Das tut der sehr guten Haptik aber keinen Abbruch - es fängt nur gelegentlich etwas Staub und Dreck ein.

 

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Das Fokussieren selbst geht wie gewohnt gut. Der Schnittbildindikator ist ja ungeachtet der Brennweite immer gleich groß und wer mit dem 35er oder 50er gut scharfstellen kann, bewältigt dies logischerweise auch mit dem 90er. Ist das Motiv so weit entfernt, dass es schwierig würde, ist man eh im Bereich unendlich.

Ich kann dort also nur sagen: keine Angst vor langen Brennweiten, bis zum 90er ist meiner Meinung nach keine Sucherlupe erforderlich!

Wie ist aber nun die optische Qualität des Summarit 90? Hier geht es mir ein wenig wie Steve Huff in seiner Review. Das Objektiv ist schlicht so gut, dass man einfach nicht viel darüber schreiben kann.

 

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Es ist superscharf und die größte Öffnung F2.5 ist meiner Meinung nach nicht wirklich wesentlich schlechter als F2.8 oder F4. Allenfalls einen Hauch weicher. Man kann F2.5 also bedenkenlos nutzen. Zudem ist der zu fokussierende Bereich bei dieser Blende noch nicht derart papierdünn, das man regelmäßig verzweifelt - wer mit dem Messsucher Erfahrung hat, sollte hier keine Probleme bekommen.

Die Farben kommen knackig und angenehm warm rüber. Die Bilder sind kontrastreich und detailliert. Ginge es um Musik, würde ich sagen, da ist Druck und Biss dahinter - mit einem Hauch analoger, warmer Anmutung. Diese Mischung aus modern und einer Brise analog soll übrigens allen Summariten zu eigen sein, sie verbinden gleichsam die alte charakteristische Leica-Welt mit den neuen, knackscharfen, perfekten (und manchmal etwas klinischen) Peter-Karbe-Designs (wie das aktuelle 35er Summilux).

Das ist auch der Grund, weswegen die Summarite von ihren Besitzern geschätzt werden (einfach mal im Leica-Forum suchen, man wird dort kein böses Wort finden). Würde ich über die entsprechende finanzielle Ausstattung verfügen, hätte ich wohl zu jeder Brennweite (35, 50, 75, 90) jeweils zusätzlich das entsprechende Summarit gekauft - einfach weil die Summarite so einen angenehm "anderen" Charakter haben und so schön kompakt und leicht sind.

 

L1000389L1000389 Man kann es sogar für Teleaufnahmen verwenden. Wer hätte das gedacht...

 

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Verzerrung ist zwar vorhanden, aber kaum sichtbar. Wenn ich im Lightroom auf den Knopf für die Korrektur drücke, sehe ich nicht wirklich einen Unterschied - das ist gut und für eine Tele-Festbrennweite auch ziemlich üblich. Vignettierung ist bei Blende 2.5 leicht erkennbar (aber nichts dramatisches) und ab Blende 4 nicht mehr vorhanden. Das Objektiv hat konstruktionsbedingt kein Fokus-Shift-Problem - will heißen, es läßt sich mit dem Messsucher zuverlässig und komfortabel fokussieren. Der Fokus wandert nicht mit dem Schließen der Blende. Die Naheinstellgrenze beträgt 1m (neue Version: 90cm) - das ist nicht weltbewegend gut aber auch nicht schlimm (und eigentlich kaum relevant) für ein Tele.

Das Bokeh ist ja immer ein Streitthema aber ich bin davon begeistert. Ich konnte gar nicht genug davon kriegen, mit Blende 2.5 - 4 knackscharfe Details abzubilden und den Hintergrund so wunderschön theatralisch in Unschärfe absaufen zu lassen. Da wird man süchtig. Das Bokeh ist dabei für meinen Geschmack immer weich und angenehm. Um Hintergründe zu isolieren und Elemente freizustellen sind diese Brennweiten rund um 90mm wirklich unschlagbar und es gibt eigentlich keinen Grund, für solche Zwecke ein 35er Summilux zu kaufen und sich dann bei Offenblende und mit ND-Filter damit abzuquälen (außer, dass man das 35er als besseren Allrounder verwenden kann).

 

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Bei mir hat sich in letzter Zeit der interessante Effekt ergeben, dass ich das 90er dem 18er oder 35er regelmäßig vorziehe. Es ist für mich einfach eine neue, interessante Perspektive, die dazu auffordert, sich anders mit dem Bildinhalt zu befassen als man das üblicherweise täte. Man achtet mehr auf Details und Ausschnitte, die man damit abbilden könnte, denkt mehr über Bildgestaltung nach und das macht das ganze Hobby wieder etwas spannender.

 

Fazit

Zusammenfassend: ja, ich würde das 90er Summarit-M wieder kaufen. Es ist ein echtes Leica-Objektiv, der etwas günstigere Preis bedeutet keine Abstriche in der Haptik oder Bildqualität. Zudem ist es wunderbar kompakt, leicht und preiswert - verglichen zum Beispiel mit dem 90er Summicron-M / Apo-Summicron-M.

Jedem, der wie ich eigentlich im Nah/Weitwinkel unterwegs ist und gelegentlich ein neues Betätigungsfeld sucht, der sich neue Blickwinkel erschließen will ohne gleich wieder die Bank zu sprengen, sei das 90er Summarit-M wärmstens empfohlen. Kleiner Kritikpunkt: eine Sonnenblende könnte man in dieser Preiskategorie eigentlich beilegen.

 

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Nachtrag:

Seit der Photokina 2014 gibt es eine neue Version der Summarite. Alle 4 Objektive (35mm, 50mm, 75mm, 90mm) haben nun eine Anfangsblende von F2.4 (statt F2.5). Zusätzlich werden neben den schwarzen jetzt auch silbern exloxierte Varianten angeboten. Weitere Unterschiede: das neue 90er Summarit-M hat nun eine Nahseinstellgrenze von 90cm (statt 1m) und im 35er Summarit-M wurde eine Asphäre verbaut.

Die Bildqualität des neuen 90er Summarits sollte ähnlich der des hier rezensierten "alten" Modells sein, sieht man von der geringfügigst verbesserten Lichtstärke und den 10cm mehr Naheinstellgrenze ab.

 

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Kommentare

Cetus-A
Hallo Pablo,

mit dem 90er Summarit können Sie wirklich nichts verkehrt machen; zudem ist es für Leica-Verhältnisse auch verhältnismäßig preiswert.
Normalerweise waren wir in den letzten Jahren regelmäßig auf Teneriffa (bzw. 2016 auch Gran Canaria), nur dieses Jahr (2017) wird es leider erstmals nicht klappen - sehr schade!! Aber 2018 dann hoffentlich wieder... Ich mag die Insel nicht nur hinsichtlich Landschaft / Architektur / Gastronomie, sondern auch wegen der Menschen. Spanier haben Stolz und Tradition, sind familiär, freundlich und haben eine Lebensart, die auf mich ollen, verbissenen Deutschen irgendwie ungemein entspannend wirkt. Ich glaube, die haben viel mehr als wir erkannt, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Lg
Jörg
Pablo(nicht registriert)
Hallo Thomas,

Vielen Dank für Ihre toll geschriebenen Artikel, sie haben letztlich dafür gesorgt, dass ich mir die Leica M samt Summicron 35mm gekauft habe Da ich ab und an gerne Portraits fotografiere wird wohl über kurz oder lang auch das Summarit 90mm dazu kommen...
Freue mich auch immer wieder, zwischen Ihren zahlreichen Fotos welche aus Tenerife zu sehen Tenerife ist meine zweite Heimat und ich freue mich schon darauf, in einigen Tagen dort mit meiner neuen Leica auf Motivsuche zu gehen.

Saludos
Pablo
Cetus-A
Hallo Thomas,

vielen Dank für Deinen Kommentar. Ja, die langen Brennweiten hatten eigentlich schon immer einen guten Ruf, habe da auch nie was schlechtes drüber gehört. Und 90mm sind wirklich eine recht reizvolle Perspektive. Nicht so häufig verwendet - daher unverbraucht - und insgesamt noch gut in alltäglichen Situationen verwendbar. Ich nehm meins gern mal mit, von Zeit zu Zeit und meist werden dann auch gute Bilder, während andere Optiken wie das 35er mehr Masse und Mittelmaß erzeugt. Die 90er inspiriert mich immer, weil sie eben nicht das Übliche ist.

LG
Jörg
Thomas Mika(nicht registriert)
schöne Bilder,
ich habe ein Elmarit 90 2,8 und bin auch begeistert davon. An meiner M4-P habe ich zwar keinen Erfolg bis jetzt gehabt, aber an der Fuji XT 1 mit Original Adapter ist es sehr gut. (sehr Licht empfindlich- nur mit Lens Hood) Bei 2,8 ist es nur in der Nähe gut.
Ich wollte es zwar verkaufen, aber ein Fachmann hat mir gesagt: Dieses war damals eines der Besten und er hat drei Stück davon. Nach dem zwei Verkäufe gescheitert sind (den einen war es nicht schön genug und hat eine Verschmutzung gesehen, der andere hatte an seiner M9 einen Backfokus.....
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