Unterwegs mit dem Stativ Feisol CT-3441SB

October 10, 2014  •  Kommentar schreiben


 

Auch wenn man als Fotograf gern leicht unterwegs ist, benötigt man von Zeit zu Zeit ein Stativ - sei es für Filmaufnahmen oder z.B. Langzeitbelichtungen. Bisher verwendete ich bei Bedarf immer ein großes, schweres Kunststoffmonster von Hama (30-Euro-Klasse). Weil ich es so selten benötigte schien mir das angemessen.

Ruckelfreies Schwenken war damit natürlich nicht möglich. Beim Einrichten der Kamera fummelte man zudem meist länger herum weil der Kopf nach dem Anziehen immer wieder nachrutschte und weil das ganze Plastik-Gerafel einfach viel zu flexibel war um es auf einer definierten Position mit einer Schraubendrehung bombenfest zu fixieren. Im Grunde also kein Wunder, dass man mit so einem Produkt nicht unbedingt mehr Lust auf die Verwendung eines Statives bekam.

Eines Tages hatte ich die wilde Idee, mir für den Urlaub einen ND-Filter zu kaufen und damit Langzeitbelichtungen am Meer zu machen. Als ich meiner Frau eröffnete, dass das riesengroße Hama-Ungetüm mit in den Koffer müsse führte das zu einer kurzzeitigen Ehekrise, weswegen ich mir dann das kleine, leichte Reisestativ Cullmann Nanomax 220 von einem Freund auslieh. Das Nanomax machte einen guten Eindruck und war extrem handlich.
 

Urban Exploration mit dem Feisol CT-3441SB

 

Um es kurz zu machen - ich habe damit natürlich keine einzige Aufnahme hinbekommen. Bei leichtem Wind am Strand wackelte die ganze Konstruktion wie ein Lämmerschwanz. Einige Zeit später, beim Feststellen des Kopfes, drehte ich die Schraube etwas weiter rein und sprengte damit die ganze Plaste-Konstruktion. Das Resultat war, dass ich ohne Bilder mit kaputtem Stativ wieder heimkam und meinem Freund noch einen neuen (Stativ)kopf kaufen musste.

Nach diesem Ereignis machte ich mich auf die Suche nach einem stabilen, leichten und kompakten Stativ. Zunächst in der 100-150-Euro-Mediamarkt-Kategorie. Doch auch in diesem Preissegment waren die Erfahrungsberichte bei Amazon und anderswo noch so durchwachsen, dass sie mich vom Kauf abhielten.

Nach einiger Suche in diversen Foren stieß ich auf Feisol und der Vergleich von Packmaß, Gewicht und Preis zeigte mir, dass deren Carbon-Reisestative den bestmöglichen Kompromiss zwischen all diesen Kategorien erreichen. Das CT-3441SB mit Kugelkopf CB-40D hatte es mir schon bald besonders angetan. Stabil und leicht, geringes Packmaß bei guter Arbeitshöhe, hoher Preis zwar - aber noch nicht so hoch wie z.B. bei Gitzo.

Anfangs hatte ich noch einige Konkurrenten auf dem Plan, aber die waren entweder zu schwer oder das Packmaß war größer - und wenn Packmaß und Gewicht stimmten, waren sie wiederum nur für Zwerge zu gebrauchen (geringe Arbeitshöhe).

Den letzten Ausschlag zum Kauf des Feisol CT-3441SB gab dieses sehr schöne Video von Traumflieger.

 

Feisol CT-3441SB mit Sony A7r und Zeiss 18mm F3.5 Distagon auf Teneriffa

 

Eines Tages erreichte mich dann das Feisol-Paket und ich machte mich ans Auspacken. Als Freund mechanischer, metallischer und stabiler Geräte war ich wirklich gespannt auf dieses Stück.

Die erste Feststellung: die 1,57 kg sind nicht ganz so leicht, wie man denkt. Auch die 43cm Packmaß sind durchaus eine Hausnummer, wenn man noch den Durchmesser bedenkt und es mal in den mittelgroßen Koffer legt. Andererseits war mir Stabilität und Arbeitshöhe wichtig. Die technische Verarbeitung war natürlich allererste Güte - alles wirkte straff, stabil, insgesamt sehr vertrauenerweckend. Eine ganz andere Welt als die Geräte, die ich bisher so gewohnt war.

Übrigens: stellt man es in voller Höhe auf und nimmt es dann erneut in die Hand kommt es einem subjektiv sehr viel leichter vor als in eingeklapptem Zustand. Das ist ein sehr schönes Beispiel, wie uns unser Gehirn veräppelt. Bei einem derart großen Gerät (1,86m voll ausgefahren) erwartet man einfach viel mehr Gewicht!

 

Handhabung

Kurz darauf ging es an die Ostsee und zum ersten Härtetest. Etwas skeptisch war ich am Anfang wegen der Rapid-Drehverschlüsse. Das schien mir unpraktisch gegenüber Klemmhebeln. Mit ein wenig Übung ist man mit den Drehverschlüssen allerdings genauso schnell weil eine sehr kleine Umdrehung ausreicht, um zwischen bombenfest und lose zu wechseln.

Die wohl wichtigste Eigenschaft: das Stativ steht stabil. Am Strand, im flachen Wasser (das Material ist beständig gegenüber Salzwasser), bei leichten Windböen - es steht wie ein Fels in der Brandung und vermittelt den Eindruck, man könne auch noch Turnübungen damit veranstalten.

 

Fester Stand trotz böigem Wind und Strand - hier eine Aufnahme von der Seebrücke in Zingst, Ostsee.

 

Ebenfalls positiv: der Kugelkopf (Feisol CB-40). Ich hatte lange mit mir gerungen, ob der Feisol-Kugelkopf wirklich sein muss - das Stativ allein ist ja schon teuer. Ich habe es nicht bereut.

Die Friktion der Kugel ist fantastisch justierbar, man kann die Kamera mit der integrierten elektronischen Wasserwaage perfekt einrichten. Danach genügt eine viertel Drehung an der Feststellschraube und der Kopf sitzt bombenfest - kein Nachrutschen, nichts. Das ist wirklich Mechanik vom Feinsten, ich richte damit alles mühelos in wenigen Sekunden perfekt ein.

Genauso perfekt auch die Panoramafunktion mit Grad-Skala, die es erlaubt, den Kopf nur horizontal zu bewegen. Das Schwenken funktioniert so butterweich, dass man es schon fast als Videoschwenker nehmen könnte.

 

Es war windig und böig. Trotzdem steckte das Feisol auch Langzeitbelichtungen problemlos weg.

 

Ein Nachteil für meine kleineren Geräte (wie die Sony A7r) ist die etwas große Wechselplatte des Feisol-Kopfes, die bei mir die Batterieklappe blockiert und somit nicht permanent an der Kamera bleiben kann. Aushilfe versprach mir hier das Novoflex Mini-Connect MR-System - eine sehr stabile und extrem kleine Schnellkupplung für kompaktere Geräte.

Diese Schnellkupplung passt z.B. perfekt an die Sony A7r (und kann dort auch immer bleiben). Das Gegenstück ist dauerhaft auf die Feisol-Wechselplatte aufgeschraubt. Damit kann ich die Kamera mit einem Griff aufsetzen und arretieren oder schnell lösen. Das mag manchem als überflüssiger Luxus erscheinen, aber ich hasse es, vor Ort erst noch irgendwelche Dinge an irgendwelche Geräte zu schrauben - vielleicht noch im Halbdunkel. Ich stelle das Stativ hin und setze die Kamera auf. Ende.

 

Langzeitbelichtungen mit dem Feisol auf Teneriffa

 

Was gibt es sonst noch? Da man die Stativbeine "überkopf" klappen kann, kommt man mit der Kamera sozusagen verkehrt herum bis auf den Boden hinunter. Das dürfte besonders für Makro-Freaks sehr praktisch sein. Ich empfehle hierzu auch erneut das Video von Traumflieger.

In dem Zeitraum, in dem ich das Feisol bis jetzt benutzte, hat es alle ihm gestellten Aufgaben mühelos gemeistert. Ich habe es an die Ostsee, auf die Kanaren und bei Urban Exploration mitgeschleppt, ich konnte bei 15km/h böigem Wind problemlos Langzeitbelichtungen machen, es hat Salzwasser ausgehalten und es ermöglichte mir zwischen 0 und 186cm alle gewünschten Höhen. Selbst beim Videodreh war es sehr gut verwendbar. Für den Transport erfreute es mit angemessenem Gewicht und Packmaß. Vor allem lässt es sich ohne Fummelei absolut zuverlässig bedienen. Der Stativkopf ermöglicht ein superschnelles, präzises Arbeiten - egal ob Panorama oder zweckentfremdet als "Not"-Videoneiger.

 

L1001204L1001204 Bei der Arbeit in rauher Umgebung zuverlässig und stabil: das Feisol CT-3441SB mit CB-40D

 

Einmal fest eingerichtet steht die Technik bombenfest - auch wenn man zwischen den Einzelbildern für HDR-Aufnahmen Einstellungen direkt an der Kamera vornimmt.

 

Die Reinigung nach dem Gebrauch am Strand gestaltete sich ebenso problemlos - ich duschte das Stativ kurzerhand ab und rieb es trocken. Der Sand hat nichts beschädigt und ist auch nicht in die Mechanik der Drehverschlüsse gelangt. Alles funktionierte auch nach diesem Einsatz noch so perfekt wie nach dem Auspacken.


Fazit

Alles in Allem kann ich das Stativ vorbehaltlos empfehlen. Ich bitte jedoch zu beachten, dass ich es in Verbindung mit kompakterer Technik verwende (z.B. Sony A7r mit Zeiss 3.5/18) - sodass ich natürlich weit davon entfernt bin, die Gewichtsgrenzen auszuloten. Der Gesamteindruck läßt für mich allerdings keine Zweifel zu, dass man damit auch eine D800 mit 24-70 ohne Sorge verwenden könnte.

Kurz und knapp: Ich würde es jederzeit wieder kaufen. Für mich die optimalste Mischung aus Preis und Leistung.

 


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