Zeiss Sonnar 35mm F2.8 FE

January 31, 2014  •  7 Kommentare
 
 
 

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Das Zeiss Sonnar T* FE 35mm f2.8 ZA (SEL-35F28Z) nutzte ich an der A7r von Anfang an durchgehend. Wie schon im A7r-Testbericht angekündigt, folgt hier nun eine eigener Artikel darüber.
 
Mittlerweile hatte ich viele Gelegenheiten, die A7r auszuführen. Dabei habe ich einige Erfahrungen gesammelt. Es ist schwer, zu unterscheiden, wieviel Bildcharakteristik vom Objektiv und wieviel von der Kamera kommt. Ich hatte da auch in der Vergangenheit (siehe Muldenhütten) immer wieder Probleme, das auseinanderzuhalten. Fakt ist, dass das Gesamtpaket aus Kamera und Objektiv eine sehr hohe Qualität und eine eigene Signatur erzeugt. Inwieweit das jetzt der Zeiss-Look ist (der oft von Steve Huff oder Ming Thein beschworen wird), kann und will ich hier nicht feststellen - das ist mir ein zu subjektives Feld.
 
 
 
 
Für Kritik hat die vergleichsweise geringe Lichtstärke gesorgt. Viele hatten in dieser Preisklasse mit einer 1.8er oder 2.0er Festbrennweite gerechnet, beflügelt von der Tatsache, dass in der RX1 ja ein Sonnar F2.0 verbaut ist.
 
Trotzdem hat sich Sony für F2.8 entschieden - angeblich aus Gründen von Größe/Gewicht und weil man Bildqualität vor Lichtstärke stellen wollte. Nachdem ich am Anfang damit gehadert hatte, bin ich jedoch mittlerweile von der Richtigkeit des Konzeptes überzeugt. Die Bildqualität ist tatsächlich hervorragend und Lichtstärke F2.8 ist nicht wirklich ein Problem bei einer Kamera, die bis ISO6400 verwendet werden kann. Und ja - Größe und Gewicht sind in der Tat ein überzeugendes Argument!
 
 
Freiberg 35mm 10Freiberg 35mm 10 ISO 6400 - bei der A7r kein Problem. Da reicht auch Blende 2.8...
 
 
Im Endeffekt wirkt sich die Blende nur negativ auf die beliebte geringe Tiefenschärfe aus. Trotzdem kann man damit noch ausreichend freistellen. Immerhin reden wir bei 35mm über eine Brennweite, die klassischerweise eher nicht primär mit offener Blende genutzt wird. Für Portraits etc. bietet Sony ja das 55mm F1.8 an.
 
Im Grunde genommen kann man also mit F2.8 gut leben. Das Gefühl, dass das etwas fehlt, wird sich kaum einstellen.
 
Schauen wir uns die Optik im Detail an. Zunächst ist zu sagen, dass es sich hier trotz Zeiss-Aufschrift nicht um ein bei Zeiss gefertigtes Objektiv handelt. Sony fertigt all diese Optiken und es werden lediglich bestimmte Rahmenbedingungen eingehalten, die als Voraussetzung für das Label “Zeiss” gelten. Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, darf sich die Optik dann auch “Zeiss” nennen. Es gab dazu mal ein Statement; der Zeiss-Schriftzug bedeutet im Grunde, dass Zeiss die entsprechende Optik auch so bauen würde, es ist ein Qualitätsversprechen. Dennoch kann die optische Rechnung natürlich von einem Sony-Ingenieur stammen.
Das alles soll uns nicht weiter stören. Das Objektiv selbst ist klein, leicht, fasst sich angenehm hochwertig an und ist wie die Kamera gegen Feuchtigkeit abgedichtet. Einen Stabilisator hat es nicht. Sony verwendet das cleane, unverschnörkelte Zeiss-Design und passt sich damit perfekt an die A7r an. Der Fokusring (ohne direkte Verbindung zur Mechanik) läuft sehr angenehm und präzise - man merkt wirklich nicht, dass man damit nur einen Stellmotor steuert. Lediglich die fehlenden Anschläge sind auffällig.
 
 
 
 
 
Das Objektiv hat in der FE-Fassung einen ganz geringen Spielraum (ca. 1 Millimeter horizontal als auch vertikel). Das kann irritieren, wirkt sich aber nicht auf die Bildqualität aus. Abstand und Winkel zum Sensor bleiben immer gleich (kein Spielraum auf der Z-Achse, kein kippeln) - daher habe ich mich nach anfänglicher Skepsis wieder beruhigt.
 
Der Autofokus ist kein Renner, aber schnell genug für die überwiegenden Anwendungsfälle. Bei Tageslicht gibt es nichts zu meckern. Wenn es etwas dunkler wird, braucht er schon mal mehr Zeit, um sich einzuschießen. Im Zweifelsfalle hilft der gut implementierte manuelle Fokus, den ich für diesen Zweck aber noch nie bemühen musste. So erreicht die Sony zwar nicht das Niveau einer teuren DSLR - das muss aber auch gar nicht sein. Sie findet ihre primäre Anwendung nicht in Sport oder Action sondern eher in der "entschleunigten" Benutzung (woher kennen wir das nur...).
 
 
 
Trotzdem reicht die Geschwindigkeit des Objektives an der A7(r) im normalen Alltag definitiv aus. Ich will meine Bilder fotografieren und nicht abschießen.
 
Kommen wir zu den technischen Details. Im Inneren von Sonys kleinem 35er finden sich 7 Elemente in 5 Gruppen inkl. 3(!) Asphären. Die Naheinstellgrenze liegt bei 35cm (Abbildungsmaßstab 1:8,33). Wer sich mit Zeiss auskennt weiss: T*(asterisk) bedeutet, dass die Gläser über eine spezielle Vergütung zur Unterdrückung von Blendeffekten/Reflektionen (lense flare) verfügen. Die zirkuläre Blende hat 7 Lamellen - das sorgt für ein recht weiches und angenehmes Bokeh. Das Gewicht liegt bei nur 120 Gramm.
 
 
DSC00104DSC00104 Hier noch einmal das Bokeh-Bild aus dem A7r-Review
 
 
Die optische Leistung gefällt mir außerordentlich. Über Verzeichnung braucht man kaum zu sprechen (und das letzte bisschen erledigt man im Lightroom auf Knopfdruck mit der Objektivkorrektur). Die Bildschärfe ist bereits bei Offenblende im Zentrum sehr hoch und in den Randbereichen gut. Ab Blende 4 gibt es rein gar nichts mehr zu meckern. Ab Blende 8 aufwärts wird es dann erwartungsgemäß wieder "schlechter". Chromatische Aberrationen finde ich nicht wirklich. Lediglich die Vignettierung ist etwas stärker, auch das lässt sich allerdings mit Knopfdruck im Lightroom anpassen. 
 
Ein cooles Detail ist die Sonnenblende, die ich so auch noch nicht gesehen habe. Im Grunde ist sie einfach eine Art frontale Abdeckung die keinerlei Auswirkung auf die Größe hat sondern dem Objektiv eine Art Ninja-Sehschlitz verpasst. Stealth-Modus sozusagen.
 
 
 
 
Zum Thema Farben hatte ich mich schon in diesem Bericht geäußert; die Farben mit der Kombo (A7r + 35mm) sind anders als ich es von Nikon-Gläsern an der D600 gewohnt war. Weniger knallig und bunt, etwas zurückhaltender, natürlicher, ähnlicher der Leica M8/9.
Manchmal schraube ich ewig an den Bildern herum und bilde mir ein, ständig einen anderen Farbstich zu sehen (cyan, lila, grün oder orange). Gelegentlich finde ich die Farben etwas zu neutral, oft gefallen mir die Ergebnisse aber auch richtig gut. Ich muss zugeben, an dieser Stelle habe ich noch keinen optimalen Zugang gefunden (beim Thema Farben tue ich mich aber oft auch grundsätzlich schwer!). Außerdem kann man hier schwer zwischen Kamera und Objektiv als Verantwortlichem trennen. Fakt ist, dass beispielsweise Nikon zwar mehr in Richtung Bonbon-Farben ging, aber trotzdem weniger mit Farbstichen zu kämpfen hatte. Allerdings denke ich, dass das mit etwas Erfahrung im Lightroom gut auszugleichen ist.
 
 
 
 
Ein Problem, das die A7(r) mit der Leica M(8,9) teilt, ist der kurze Abstand zwischen Objektiv und Sensor. Dadurch wird es zum Problem, die äußeren Ecken korrekt auszuleuchten - was sich nicht nur in Vignettierung (womit man gut leben kann), sondern auch in Verfärbungen (color shift) äußert. Damit kann man schon nicht mehr so gut leben - das erfordert komplexe Korrekturen mit spezieller Software oder Plugins.
Sowohl Leica als auch Sony begegnen dem Problem mit rechnerischer Korrektur die schon im RAW angewandt wird. Diese Korrektur ist in 90% aller Anwendungsfälle sehr wirksam und macht die Farbverschiebung praktisch unsichtbar.
Das sie bei Sonys erstem 35mm dennoch vorhanden ist, zeigen diese Schneefotos:
 
 
DSC0329-2DSC0329-2 RAW direkt aus der Kamera, die Ecken sind bereits von der Kamera korrigiert - das reicht normalerweise auch aus - nur nicht bei Schnee...
 
 
DSC0329-3DSC0329-3 ...das gleiche Bild mit automatischer Objektivkorrektur (Lightroom) und korrigierter Belichtung...
 
 
Freiberg WinterFreiberg Winter ...und schließlich beschnitten und fertig bearbeitet.
 
 
Das ist der Preis, den man zahlt, wenn man keine DSLR schleppen und trotzdem Vollformat nutzen will. Ich möchte ausdrücklich erwähnen, dass der Effekt, außer bei diesen Extrembeispielen, faktisch keine Rolle spielt.
 
 
Winter 2Winter 2 Aber ich kann damit leben, dass Schneebilder nicht das optimalste Sujet sind...
 
Winter 1Winter 1 ...denn ich hasse den Winter eh.
 
 
Kommen wir zum Fazit. Lichtstärke F2.8 ist kein Superwert. Sony schenkt uns kein Summilux zur A7(r), noch nicht mal ein Summicron. Wenn man aber einmal tief durchatmet, gesteht man sich ein, dass es ausreicht. Dafür erhält man ein kleines, sehr leichtes Paket.
 
Außerdem: Generationen von Profis nutzen die bekannten 12-24 / 24-70 / 70-200 Profizooms mit Lichtstärke F2.8 und dort beschwert sich ja auch niemand. Wenn man sich also mit dieser Einschränkung abgefunden hat, kann man mit dem Sonnar T* FE 35mm f2.8 ZA glücklich werden. Das Teil ist kein Schnäppchen, aber der Preis ist meiner Meinung nach gerechtfertigt. Die Schärfe ist überzeugend, das Bokeh ist weich und angenehm, die Bilder wirken sehr klar und farblich ansprechend. Details und Mikrokontraste gibt es zur Genüge - die Optik wird sowohl dem Sensor der A7 als auch dem Sensor der A7r definitiv gerecht.
 
Das Sonnar 35mm F2.8 ist ein treuer, kleiner und leichter Begleiter, der einen nicht enttäuschen und immer zuverlässig abliefern wird. Eigentlich ein Objektiv fürs Leben.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Kommentare

7.Cetus-A
@Matze:

Ich vermute mal, das hat was mit der Bearbeitung zu tun. Im Original ist der Himmel sehr hell und ich habe hier massiv im Lightroom eingegriffen um die Dynamik auszunutzen. Also ich denke mal, die "Anlagen" dazu sind im Bild schon vorhanden, werden aber durch das Processing noch erheblich verstärkt. Soll ich die RAW-Originale mal hochladen?

@Bernhard:

Danke! Ja, RAW. Wie gesagt, wenn Interesse besteht lade ich die mal hoch.
6.Bernhard(nicht registriert)
"Aber in den Bildern 4 (Markt) bis 6 (Kirche) sieht man sehr ausgeprägtes kreisrundes Farbbanding":
Eine Frage dazu, wurden die genannten Bilder im RAW Format gemacht oder im JPEG Format?

Wirklich schöner Review! :-)
5.matze(nicht registriert)
Sehr beindruckende Bilder.
Aber in den Bildern 4 (Markt) bis 6 (Kirche) sieht man sehr ausgeprägtes kreisrundes Farbbanding. Auch in Bild 19 (Architektur von unten) sind im Himmel rötliche Streifen zu sehen. Für mich stellt sich die Frage ob dies vom Objektiv herrührt oder vom Sensor. Aber da die Schneefotos eher ein einheitliches colorshifting aufweisen, bin ich unsicher. Vielleicht taucht das bei bestimmten Blendenöffnungen auf.
Wäre toll dieses Problem mal rauszubekommen.
4.Cetus-A
Hi Frank,

vielen Dank! Du machst es übrigens genau richtig; Du konzentrierst Dich auf die Technik, die Du besitzt und perfekt beherrschst. Ich bin jetzt hier definitiv auch angekommen und damit wird die Dichte an Testberichten sicherlich in Zukunft stark abnehmen. Tief in meinem Herzen will ich lieber fotografieren als Testberichte schreiben, aber bevor ich mir was kaufe beschäftige ich mich meist so intensiv damit dass ich denke, der eine oder andere Gedanke könne sicherlich Leuten helfen, die vor ähnlichen Entscheidungen stehen.

LG
Jörg
3.Frank(nicht registriert)
Mit den Testberichten habe ich es ja nicht, das weißt Du. :-)
Ich möchte aber mal lobend erwähnen, das ich unheimlich von Deiner Arbeit beeindruckt bin.
Tolle Arbeit und für Interessierte bestimmt sehr hilfreich!
Die Bilder und deren Qualität überzeugen....aber, ich bleibe meiner Marke treu. :-)

Gruß Frank
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