Muldenhütten - Erste Erfahrungen mit der A7r

January 23, 2014  •  8 Kommentare

 

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Da es im Winter naturgemäß etwas schwierig ist, farbenfrohe Motive zu finden, habe ich nach etwas anderem gesucht um die Sony A7r mal so richtig "auszuführen". Meine Erfahrungen mit dem Gerät sind nach wie vor eher beschränkt und ich brannte darauf, dies so schnell wie möglich zu ändern.

Der Zufall führte mich in ein älteres heimatliches Industriegebiet. Dieses Gebiet - genannt "Muldenhütten" - blickt auf 700 Jahre Metallurgie zurück. Es liegt etwas abseits von Freiberg in einem kleinen Tal. Im entsprechenden Wikipedia-Eintrag findet sich der Hinweis, dass Muldenhütten der älteste, noch in Betrieb befindliche Hüttenstandort Deutschlands ist.

 

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Heutzutage stehen dort viele verschiedene Betriebe mit teilweise "frischer" Bausubstanz. Trotzdem finden sich dazwischen immer wieder wunderschöne alte Industriebauten aus DDR-Zeiten (und früher), die teilweise hervorragend erhalten sind. Schaut man durch die Fenster, erblickt man herrliche Ostblock-Austattungen, alte Lagerstätten, Werkbänke, Stühle, Möbel. Manchmal sieht es so aus, als wären die Arbeiter gerade gegangen.

 

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Ich habe mich dem Ort fotografisch so angenähert, wie er mir aus der Kindheit in Erinnerung geblieben war. Bei den Sonntagsspaziergängen mit meinem Vater folgten wir gelegentlich dem "Bächlein das so riecht" (Freiberger Mulde) bis hin zur "Fabrik die so brummt" (Muldenhütten).

 

Muldenhütten 1Muldenhütten 1 Die Schornsteine von Muldenhütten. Nur zwei sind übrig, zu DDR-Zeiten waren es mehr. Wenn der Wind ungünstig stand, nebelten sie ihre gelben Ausdünstungen in die Stadt. Hinterher konnte man Fenster putzen.

 

Angefangen von der stinkenden Freiberger Mulde (Umweltschutz hat damals keinen interessiert) bis hin zu den grauen, mächtigen Gebäuden der Fabriken hat mich dieser Ort also schon als kleiner Junge fasziniert. So, wie ich diese Stätte vor meinem kindlichen Auge immer sah - groß, dunkel, mächtig, abweisend - habe ich die Bilder auch umgesetzt und bearbeitet. Wer diese Bilder anschaut sieht somit meine Interpretation zu diesem Teil der Wirklichkeit.

 

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Kommen wir aber nun zur Kamera.

Mein Objektiv der Wahl war das Zeiss 35mm F2.8. Ich muss sagen, auch wenn ich Anfangs etwas skeptisch bezüglich dieser Brennweite war, habe ich mich doch zum Fan entwickelt. Das Teil ist wirklich rattenscharf bis in die Ecken und nahezu verzeichnungsfrei. Für meine Art der Fotografie wäre ein 28mm vielleicht noch etwas vorteilhafter - andererseits ist das auch wieder mehr Raum, den man ausfüllen muss.

 

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Meine Einstellung zur A7r hat sich zwischenzeitlich etwas geändert. Nachdem ich mit Lightroom die Bilder in aller Ruhe "auseinandergenommen" habe, tendiere ich eher dazu, dass die Farbdarstellung/Charakteristik anders als die der Nikon (D600) ist, aber nicht notwendigerweise schlechter. Die größte Überraschung war, dass mich die Sony stark an die Leica M8/9 erinnert. Teilweise verwechselte ich die Bilder der beiden Kameras sogar (ich hatte die Leica zu Vergleichszwecken mit einem 50er dabei). Die Leica hat manchmal eine eigenartige Interpretation von Farben/Weißabgleich. Dies führt mitunter zu der Situation, dass ich ein Bild zehn mal anschaue und jedes mal einen anderen Farbstich darinnen wahrzunehmen glaube. Das ist aber gleichzeitig eine der Charakteristiken des Gerätes; eine eigene Farbsignatur die unter Umständen zu interessanteren Bildern führen kann.

 

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Die Farben sind definitiv anders und etwas zurückhaltender als bei Nikon, sie ähneln eher der Leica M8/9. Nikon liefert sehr klare und kräftige Grün/Blau-Töne. Manche sagen dazu auch Bonbonfarben.

 

Die Sony ist hier sehr ähnlich. In meinem Testbericht hatte ich ihr technisch perfekte, aber etwas seelenlose Bilder bescheinigt. Das sehe ich mittlerweile anders. Man muss sich mit den RAWs etwas auseinandersetzen. Sie bringen definitiv etwas eigenes mit, einen eigenen Charakter. Definieren kann ich es nicht aber darin ähneln sie denen der Leica - ich manipuliere die Sony-Bilder inzwischen auf ähnliche Art und Weise im Lightroom und erhalte vergleichbare Ergebnisse. (Offen bleibt dabei natürlich, welchen Anteil hierbei das Objektiv hat).

 

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Schärfe und Details sind perfekt und während die Nikon D600 bei der Konvertierung in Monochrom immer etwas flach und flau blieb (wir meckern auf ganz hohem Niveau!!) zeigt die A7r an dieser Stelle eine Menge Charakter. Man hat einfach unheimlich viele Details, Abstufungen und Headroom für die RAW-Bearbeitung. Einige meiner liebsten Schwarzweiss-Bilder hatte ich letztes Jahr mit der M8 gemacht. Die war darin einfach unschlagbar. Die Sony erwächst sich hier zur echten Konkurrenz.

 

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Um ein kleines Resümee zu ziehen; die A7r ist eine Knipsmaschine allererster Güte. Sie liefert einfach nur ab, und das spielend leicht. Mit dem Klappdisplay konnte ich Perspektiven (z.B. oberhalb oder unterhalb meiner Augenhöhe) perfekt und unverzerrt einfangen. Durch die hervorragende Lichtstärke (bis rein in die 3000er-ISO-Bereiche sieht man nahezu kein Rauschen) konnte ich die Verschlusszeiten immer hoch genug halten dass der 36-MP-Sensor seine Schärfe auch wirklich ausspielen konnte. (Es ist ein Ammenmärchen, dass man das Gerät wegen der hohen Auflösung nur mit Stativ optimal nutzen kann. Ein Stativ macht die Sache sicherlich nicht schlechter, aber es ist keine unbedingte Notwendigkeit!)

 

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Insgesamt fühlt sich das Arbeiten mit dem Gerät etwas "unwirklich" an. Man hantiert mit dieser kleinen, unscheinbaren "Knipse", schaut noch nicht mal durch den Sucher - alles geht so schnell, unkompliziert und handlich. Trotzdem bekommt man hintenraus Ergebnisse die alles andere als "klein" und "unscheinbar" sind.

Vor allem wird man definitiv nicht als "Fotograf" erkannt.

Bleibt abzuwarten, ob Sony jetzt wirklich in der Lage ist, der Kamera mit Objektiven in ausreichender Quantität und Qualität gerecht zu werden. Vom bereits erschienenen 55mm F1.8 hört man ähnlich positive Berichte wie vom 35mm F2.8. Spannend wird für mich vor allem das 24-70 F4 als Universalzoom. Es bleibt interessant.

 

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Hat der Artikel Spaß gemacht? Hier geht es zu einem ausführlichen Sony A7r-Testbericht und hier zu einem Bericht über das Zeiss 35mm 2.8 FE.

 


Kommentare

Cetus-A
Hi Chris,

Mensch da freu ich mich ja für Dich!! Die D600/610 ist nach wie vor eine super Kamera und hätte Nikon die Austauschgeschichte eher begonnen, wäre ich wahrscheinlich auch dort geblieben. Wie gesagt, die Bilder waren super und wenn ich sie heute noch im Lightroom anschaue und dran herumschraube bin ich nach wie vor von der Kamera beeindruckt. Also ich freu mich echt für Dich!! Offensichtlich hat es bei Nikon doch noch klick gemacht. Vielleicht haben sie ja was gelernt...

Beste Grüße
Jörg
Chris(nicht registriert)
@Jörg

D600 - im vergangenen Sommer zeigte sich das typische D600 "Drecks"bild, ich habe die Kamera zu Nikon geschickt, da hatte diese wenige tausend Auslösungen. Ich wartete dann wenige Wochen auf die Kamera, es mußten Ersatzteile aus Japan beschafft werden - vermutlich neuer Verschluss.

Nun tauchte der gleiche Effekte wieder auf, ich habe nur noch 2 Wochen Garantie! Und jetzt kommt es ganz dick - also ich habe Nikon meine Meinung dazu geschrieben, weiß nicht, ob deren Reaktion damit zu tun hat. Heute kam die Bestätigung des Eingangs meiner D600 bei Nikon, 4 Stunden später die Versandbestätigung!!! Ich hatte schon Angst, die hätten nur den Sensor gereinigt und ich hänge danach hoffnungslos in den garantielosen Seilen, also gleich Totalabschreibung, denn was willst Du mit so einer Kamera losziehen oder auf Reisen gehen, Du weißt ja nie, was für ein Mist auf dem Sensor klebt.

Aber nein - es kommt der Hammer! Laut Versandbestätigung ist eine brandneue D610 auf dem Weg zu mir. Die D600 hat mich mit dem Sensorproblem wirklich Nerven gekostet aber DAS finde ich final die totale customer satisfaction. Ich bin total happy, ich mag die D600/D610. Wenngleich Du mit Deiner A7r natürlich definitiv den Formfaktor-Vorteil hast und die Resultat sehr beeindruckend sind.

Nikon macht das einzig Richtige, es ist wie damals mit dem Elchtest der A-Klasse. Besser jetzt herben Verlust durch Tausch der Kameras (wobei die "refurbished" ja eh wieder in den Handel verkauft werden), als für immer einen gut zahlenden User zu verlieren (Stichwort FullFrame-Objektive etc.)

Daumen hoch.
Cetus-A
Hi Udo,

vielen Dank! Ich freue mich ehrlich über Dein Feedback!! :-) Die Location ist wirklich ein Traum, eigentlich müssten wir dort alle mal zusammen hin. Das wäre wahrscheinlich ne kreative Explosion. Ich werde (wenn der nervige Schnee weg ist) dort sicher noch oft hinfahren und mich austoben!

LG Jörg
lichtfleck(nicht registriert)
Hi Jörg,
großes kompliment zu deiner neuen Seite.Die neuen SW Aufnahmen (Test Aufnahmen mit der neuen Sony ) da kommt man ins schwärmen. Die location ist Klasse.Auf dem Gelände kann mam sich bestimmt mehrere Tage aufhalten und findet immer wieder Motive.
LG Udo
Cetus-A
Hi Chris,

vielen Dank. Ich glaube, ich komme mit den A7-Files langsam klar. Ist ein Lernprozess. Man muss die Bilder "stärker" bearbeiten, dafür habe ich aber das Gefühl, dass sie noch mehr "Headroom" liefern. Man kann sie fast unbegrenzt verbiegen ohne dass etwas "umkippt" oder "abreißt". Aber das ist auch alles so subjektiv...
Zu Deiner D600: hattest Du direkt den Sensor tauschen lassen (weil Du "Refurbished" schreibst)? Bei meiner war nach dem Verschlusstausch eigentlich alles besser - das hat mir auch der Käufer bestätigt (mit dem ich einen freundschaftlichen Kontakt pflege - hat sich über EBAY so ergeben). Wenn die den Verschluss tauschen, bauen die angeblich den Verschluss der D610 ein. Wie viele Auslösungen hat Deine?
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