Nikon D600 Xtrem - 14 + 12 - Dynamik trifft Weitwinkel

September 19, 2013  •  1 Kommentar
 
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In letzter Zeit ist im Netz nicht viel Gutes über die Nikon D600 berichtet worden – alles stand im Zeichen des Sensordreck-Problems. Um das ein wenig auszugleichen will ich heute mal ein Loblied auf das gute Stück singen.
 
Beim Sichten meiner Bilder ist mir aufgefallen, wie gut der Sensor der D600 trotz allem eigentlich ist – vor allem im Hinblick auf Dynamik. Nie war ich in der Lage, mehr Informationen aus einem RAW herauszuholen und obwohl ich mich inzwischen daran quasi “gewöhnt” habe, bleibt mir gelegentlich noch immer der Mund offen stehen.
 
Gelegentlich bekomme ich mal Anfragen, mit welcher Software ich die HDRs mache, weil die so natürlich aussehen. Ich muss dann beim Antworten immer etwas schmunzeln. Nein, das sind keine HDRs. Ja, das hole ich alles aus einem RAW.
 
Nun mag der Eine oder Andere sagen, dass er auch bei den RAWs seiner eigenen Kamera im Photoshop an den Reglern drehen und die dunklen Bereiche aufhellen kann. Das mag stimmen. Ich habe zum Beispiel genug Erfahrung mit dem Sensor in der 550D / 60D / 7D gesammelt und kann das durchaus bestätigen. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied: wenn ich bei der Nikon dunkle Bereiche extrem aufhelle, bleibt die Qualität erhalten. Bei meiner Canon holte ich nicht nur Details, sondern oftmals auch ein höllisches Farbrauschen hervor. Die Reserven des Nikon-Sensors (der ja eigentlich ein Sony-Sensor ist) sind an dieser Stelle um ein Vielfaches höher.
 
Als Resultat aus dieser Erfahrung habe ich mir mit der Nikon angewöhnt, immer so zu belichten, dass die hellsten Stellen im Bild nicht ausbrennen. Selbst wenn dann der Rest im Dunkel versinkt kann man später alles bedenkenlos wieder “hervorholen” und sich auf gute Qualität verlassen. Diese enormen Reserven helfen dann auch dabei, HDR-artige Fotos ohne diesen überstrapazierten HDR-Look zu erzeugen. Ich sage hier absichtlich “HDR-artig”, denn echtes HDR ist es ja nicht, dafür ist die Dynamik dann doch zu gering. Es entstehen jedoch sehr natürlich wirkende Bilder, die dem sehr nahe kommen, was das Auge an dieser Stelle wahrgenommen hat. Das ist im Übrigen auch mein Ziel: ich will die Szene so abbilden, wie ich sie tatsächlich gesehen habe.
 
Nun ermöglicht die D600 ja nicht nur eine große Dynamik sondern dank dem großen Sensor auch viel Weitwinkel. Weitwinkel bis zum Abwinken sozusagen.
 
Ich hatte mir im Sommer das Sigma 12-24 zugelegt und ausgiebig getestet (hier mein Bericht). Es handelt sich nicht um ein Fisheye sondern um die Linse mit der kleinstmöglichen Brennweite an Vollformat ohne eben diese Fisheye-Charakteristik: 12mm. Das ist ziemlich üppig und ich muss ehrlich sagen – mir war es etwas “too much”. Ich habe das Objektiv zwischenzeitlich wieder verkauft und schiele nun eher auf das Nikkor 14mm – 24mm, welches mehr Lichtstärke und Bildqualität bietet als auch einen nicht ganz so extremen Blickwinkel.
 
Trotzdem empfand ich das Sigma 12-24 als interessanten Extremsport und zusammen mit der Dynamik der D600 ergaben sich Bilder, die man echt nur mit dieser Kombo (oder mit der D800) machen kann und die deswegen etwas besonderes sind. Dieser Artikel steht somit ganz im Zeichen von 12 + 14… 12 Millimeter treffen auf bis zu 14 Blendenstufen Dynamik.
 
Im Folgenden möchte ich einige dieser Bilder hier vorstellen und kurz besprechen. Vorweg sei aber darauf hingewiesen, dass es sich nicht um ausgesprochene Kunstwerke handelt. Vielmehr geht es mir darum, die Möglichkeiten der Technik maximal auszureizen – und Euch zu unterhalten.
 
 
Palma @12mm
 
Im Urlaub auf Palma hatte ich mir einen Spaß daraus gemacht, gleichzeitig die Straße und die Innenräume von Geschäften zu fotografieren. Als i-Tüpfelchen war ich dank des Sensors in der Lage, sowohl im Himmel als auch in den dunkelsten Stellen der Bilder Details einzufangen. Das hier dargestellte Bild ist mein Lieblingsbild aus dieser Serie und – für meine Begriffe – ein gelungener Benchmark für die Dynamikfähigkeiten der Nikon. Ich hätte die dunklen Partien übrigens sogar noch weiter aufhellen können, dann wäre der Look aber zu HDR-lastig geworden.
 
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Ein weiteres Bild aus dieser Serie. Hier ist der Himmel schon nahezu ausgebrannt – allerdings war der Tag auch zeitweise ausgesprochen diesig. Die gesamte Szenerie ist im Standardprofil ziemlich dunkel, bei der Nachbearbeitung tritt eine wahre Fülle rauschfreier Details und Farben hervor.
 
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Auch bei diesem Bild habe ich die Schatten bei weitem nicht so stark aufgezogen wie es möglich gewesen wäre – um den fotografischen Charakter zu wahren. Man ahnt aber die Reserven wenn man sich die Wand mit dem goldenen Schriftzug ansieht. Zudem ermöglicht das 12mm hier die witzige Situation, das Haus hinter mir zu fotografieren.
 
 
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Einige Tage später in Alcudia – die Sonne knallte gnadenlos vom Himmel und erzeugte sehr starke hell/dunkel-Kontraste in den Gassen. Die Schatten ließen sich problemlos sehr weit aufhellen ohne dabei einen künstlichen HDR-Look zu erzeugen. Ein interessantes Detail ist das von mir abgeschnittene Hausdach beim Gebäude direkt vor mir. Hier wird die Schwäche des 12mm überdeutlich: hätte ich die Kamera auch nur ein wenig gekippt, wäre sofort eine extreme Flucht entstanden. Oft hat man nur die Wahl zwischen fliehenden, verzerrten und kippenden Linien – oder man hält die Kamera gerade und verzichtet auf Elemente im Bild.
 
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Das 12mm ist eine wirkliche “Drama-Queen”. Trotzdem habe ich mich aus den eben beschriebenen Gründen schnell wieder davon getrennt. Die Ausschussrate war insgesamt einfach zu hoch.
 
The Green Door
 
Dieses Bild wirkt, als hätte ich mit Aufhellblitz gearbeitet. Das war garantiert nicht der Fall, auch hier kam wieder nur der Tiefenregler im Photoshop zum Einsatz. Interessant dürfte auch mein Standpunkt sein – nur wenige Zentimeter fast gerade vor der Tür.
 
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Die D600 als idiotensicheres Gerät: Das Bild ist mehr oder weniger plump in die Sonne gehalten. Der gesamte Straßenbereich war eigentlich komplett weg, konnte aber mit massiven Manipulationen in ausreichend guter Qualität wieder vorgeholt werden. Ich weiss nicht, wie viele Blendenstufen das hier sind – auf jeden Fall ist es enorm.
 
 
Dresden , Germany
 
Unterwegs in Dresden: Sommer, Mittag, blauer Himmel. 12mm, die Ecken mit Photoshop wieder massiv in die Vertikale zurückgeholt… Superweitwinkel ohne massive Bearbeitung ist fast immer undenkbar.
 
 
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Zugegeben: auf diesem Bild tritt die optische Verzerrung der 12mm unschön zu Tage. Das Faszinierende dabei ist, dass eigentlich alle Bereiche unterhalb des Vorbaus komplett abgesoffen schienen. Ich musste den Tiefen-Regler wirklich auf das Maximum bewegen. Trotzdem sind alle Farben und Details in diesen verloren geglaubten Schatten perfekt erhalten geblieben. Ich kann auch hier nur wiederholen: für mich ein Riesenschritt weiter als HDR. Das Bild wirkt trotz allem natürlich, man hat keine Probleme mit beweglichen Objekten, man braucht kein Stativ – man schießt die Aufnahme einfach so “aus der Hüfte”.
 
 
Old Elisabeth 2
 
Zum Abschluss etwas mit Seltenheitswert in meiner “Fotokiste”: ein echtes HDR mit der D600, bearbeitet mit NikSoftware. Drei Bilder mit der Auto-Bracketing-Funktion freihand rausgeschossen. Ich mag an dieser Stelle die Ergonomie der Nikon. Sogar für Bracketing gibt es eine eigene Taste und man hat die Kamera innerhalb von Sekunden beliebig konfiguriert.
 
Das soll es für heute mit Extremsport gewesen sein. Natürlich muss man im RAW arbeiten, um die Leistung des Gerätes auch nur im Ansatz richtig zu nutzen. RAW bedeutet: größere Dateien, umfangreiche Nachbearbeitung, mehr Festplattenplatz, größere SD-Karten. Nur wer bereit ist, das auf sich zu nehmen, wird von der Kamera profitieren. Knipst man im JPG wird man die Hälfte des Potentials locker verschenken und auch nichts besseres rausholen als das Äquivalent einer 300-Euro-Einsteiger-DSLR.

Kommentare

Cetus-A
Hi Holger,

sorry für die späte Antwort - ich war im Urlaub. Für einen vorher-nachher-Vergleich machen meiner Meinung nach nur die originalen RAWs Sinn, leider sind die ziemlich gewaltig in der Größe. Hast Du einen Webspace zur Verfügung, in den ich ein/zwei RAWs hochladen könnte??

LG
Jörg
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