Aperture 3 vs Lightroom 5 vs Capture One Pro 7 vs Capture NX2

August 26, 2013  •  2 Kommentare
 

Welcher RAW-Konverter ist optimal für Nikon?

 
Der Sommer geht langsam vorbei und ich warte immer noch auf meine Nikon, die wiederum in Düsseldorf auf Ersatzteile aus Japan wartet. Ihr wisst schon… Sensordreck. Da man sich ja mit irgendwas beschäftigen muss, habe ich mich endlich mal der Problematik RAW-Konverter angenommen.
 
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Früher war die Welt ja so einfach. Auf dem Mac gab (gibt) es das komplett integrierte Aperture. Eigentlich stellte sich für mich nie die Frage nach einem anderen Tool da ich zum Einen die Einfachheit mochte, zum anderen die hervorragenden Sortiermöglichkeiten. Ich mag keine Ordner-Wüsten auf dem Rechner (das erinnert mich so an Windows) und bin eh der Meinung, dass das Dateisystem vor dem 0-8-15-N00b-User versteckt sein sollte (meine Tätigkeit im Supportbereich zeigt mir, das 80% der Bevölkerung keinen blassen Schimmer von Ordnern und Dateisystemen hat).
 
Mit dem Erwerb der D600 rutschte ich blauäugig in das NEF-Dilemma. Bekannterweise hütet Nikon das Geheimnis um die Verschlüsselung seines RAW-Formates wie ein Burgfräulein seine Jungfräulichkeit und Dritthersteller müssen sich durch Reverse Engineering einiges zusammenreimen. Das dadurch die Bildqualität nicht unbedingt besser wird versteht sich von selbst und ich bin ganz ehrlich: hätte ich diesen Schmarren beim Kauf gewusst, wäre es die Canon 6D geworden! Warum? Weil ich mir ungern diktieren lasse, welche Software ich zu nehmen habe um die Qualität der Kamera auch wirklich zu nutzen und weil ich es eigentlich vermeiden wollte, abseits von Aperture eine Sonderlocke drehen zu müssen.
 
Über kurz oder lang komme ich an dieser Sonderlocke aber nun nicht mehr vorbei, denn Apples RAW-Konverter wird immer älter und das merkt man einfach – nicht nur in Verbindung mit Nikon-RAW-Files. Ich hatte zu Beginn die Nikon-eigene Software (das simple ViewNX) genutzt, weil Aperture die D600 noch nicht kannte. Als ich Aperture dann endlich verwenden konnte, stellte ich mit Entsetzen fest, dass es die Farben der D600 einfach hässlich und ungenau interpretierte (Teilweise hatten z.B. sonnenbeschienene Dächer komplett andere Farben und man konnte das auch nur begrenzt korrigieren!). Das Schlimmste aber ist die Tatsache, dass es keinerlei Objektivprofile gibt. Gerade als ich noch das Tamron 24-70 nutzte, hätte ich schon ganz gern mal korrigierend eingegriffen – ohne wieder extra Software kaufen und installieren zu müssen!
 
Ich verlegte mich also zunächst auf die Nikon-Lösungen ViewNX (fürs Schnelle) und Capture NX2 (fürs Genaue) plus (nach Bedarf) Photoshop mit finaler Einpflege der fertigen JPGs ins Aperture zwecks Archivierung und Sortierung um es ins Apple-Ökosystem zu kriegen. Macht im Extremfall 4 Programme – optimal ist das irgendwie nicht! Total bescheuert wurde es, als die RAWs der Leica hinzukamen. Klar, deren RAWs konnte ich direkt ins Aperture reinschubsen, als ich aber mal sah, was zum Beispiel Capture One aus den RAWs rausholte, wollte ich nicht mehr wirklich mit Aperture arbeiten.
Also für die Leica wieder ein Extra-Programm?! Das war der Punkt an dem es mir zu bunt wurde. Eine Entscheidung musste her.
 
Gut, dass alle großen Anbieter kostenlose Testversionen bereithalten. Sonst müsste man sich darauf verlassen, was die Werbung hergibt. Das ist schwer, weil natürlich alle den “besten RAW-Konverter der Welt” anbieten. Auf der Suche nach meinem Favoriten sammelte ich einiges an Erfahrung mit den Programmen und irgendwann dachte ich mir; warum den ganzen Kram für mich behalten – sollen doch andere auch davon profitieren.
 
Deshalb hier nun für Euch: Der große RAW-Konverter-Praxis-Vergleich 2013. Naja, fast.
 
Einige werden bemängeln, dass DxO Optics Pro fehlt. Nun, das ist nicht der Einzige, den ich links liegen gelassen habe. Ich habe mit Hilfe des Internets eine Vorauswahl getroffen und habe mich in dutzenden ähnlichen Reviews umgeschaut, was andere Nikon-Nutzer gern verwenden und warum. Es scheint “Platzhirsche” zu geben und das waren genau meine drei Kandidaten. Immer wieder stolperte ich über Lightroom, Capture One und auch Capture NX2. Den Vergleich zum verstaubten Aperture 3 liefere ich einfach der Vollständigkeit halber hier mit (ich habe keine Ahnung, warum Apple bei seiner Profisoftware mit Updates immer so lange wartet, bis die Kunden aufgeben und zur Konkurrenz abwandern…).
 
Die nächste Frage, die sich mir stellte, war, wie man nun überhaupt einen RAW-Konverter testet. Klar kann man darauf schauen, wie er die Details und Farben wiedergibt, die Fehler der Optik korrigiert und wie es in punkto Komfort aussieht. Man braucht aber auch eine Referenz, einen Standard, an dem man die Probanden misst. Nach umfangreicher Recherche kam ich darauf, dass dieser Standard für Nikon-Nutzer nach wie vor Capture NX2 ist. Obwohl das Programm in Bezug auf Benutzbarkeit und Ergonomie inzwischen Rost angesetzt hat, scheint es für viele noch die Referenz in Sachen Bildqualität mit Nikon-Geräten zu sein. Somit entschied ich mich, die anderen Konverter an Capture NX2 zu “messen”.
 
Eine weitere Frage: wie führt man so einen Test durch? Schließlich macht es keinen Sinn, zwei Stunden vor Aperture zu sitzen und so lange zu basteln, bis das Ergebnis genauso wie in NX2 aussieht. Wäre das gleichbedeutend mit der Aussage, dass Aperture genauso gut ist wie NX2? Eigentlich nicht. Für mich macht die Stärke eines RAW-Konverters aus, das man das Bild mit wenigen Handgriffen zu einem überzeugenden Ergebnis führen kann. Ich bin mir sicher, für jedes der hier genannten Programme gibt es Experten, die in langer Kleinarbeit das Bestmögliche herauskitzeln können. Das ist aber nicht der Punkt. Ein Programm, welches mit 3 Handgriffen die gleiche Qualität hervorbringt wie ein anderes mit 10 Minuten Arbeitszeit ist in meinen Augen das Überlegene.
 
Ich beschloss also, die zu testenden Bilder in Capture NX2 einigen schnellen, typischen Bearbeitungsschritten zu unterziehen und dann zu schauen, ob die anderen Probanden mit einer ähnlichen Arbeitsweise gleiche oder bessere Ergebnisse liefern würden. Das kommt für mich einer optimalen Vergleichbarkeit sehr nahe, obschon ich dabei sicherlich auf einige “Spezialitäten” der Einen oder Anderen Software verzichte.
 
Ich habe einige Zeit in meinem Archiv gesucht um drei interessante Testbilder zu finden. Alle drei Bilder sind nicht optimal belichtet und enthalten viele Details. Ein Bild ist zudem von der Licht- und Farbstimmung relativ schwer einschätzbar. Leider muss ich Portraits schuldig bleiben da keins meiner “Models” Interesse an einem porentiefen Vergleich im Großformat hatte. :-)
 
So, genug der Vorrede. Hier sind unsere drei Kandidaten: (Achtung! Für korrekte Beurteilung immer das Original öffnen. Durch Klick auf das Bild kommt Ihr in die Galerie, durch anschließenden Rechtsklick könnt Ihr das Original dort herunterladen!)
 
Dieses Bild ist voller Details, Farben und hat extreme Differenzen zwischen hell und dunkel. Zudem ist es falsch belichtet. Angefangen vom Weißabgleich bis hin zur ansprechenden Umsetzung jedes Details eine echte Herausforderung!
 
 
Bei diesem Bild versuchte ich die Belichtung so hinzukriegen, dass sowohl die Figur im Vordergrund als auch der blaue Himmel perfekt rüberkommen. Im Endeffekt ist es unterbelichtet. Welcher RAW-Konverter kann es optimal retten?
 
 
Anfängerfehler. Logischerweise sieht man durch das Loch am Ende keinen blauen Himmel mehr… Ist hier noch was zu machen?
 
 
Bevor ich beginne, möchte ich noch kurz einige Worte zu Aperture 3 verlieren. Insgesamt bin ich damit – bildtechnisch – inzwischen so unzufrieden, dass ich es hier eigentlich komplett rauslassen wollte. In Punkto Organisation finde ich es nach wie vor super, aber der Rest… ich entschloss mich jedoch, es hier mit aufzunehmen um ersten Belege für meine Aussagen zu haben und um zweitens vollständig zu sein.
 
Zunächst möchte ich nun zur Referenz-Umsetzung mit Capture NX2, der Nikon-Software, kommen. Eigentlich kann nur NX2 die Nikon-RAWs wirklich perfekt verarbeiten, denn nur Nikon selbst kennt alle Details des Formats. Das sagt man zumindest, und das war auch bisher für mich der Grund, keine anderen Konverter zu verwenden. Während man bei Aperture den Unterschied noch deutlich sieht, haben die anderen aufgeholt und mittlerweile bin ich geneigt zu glauben, das Nikon mit den Firmen tatsächlich zusammenarbeitet, wie Adobe hier auch vorsichtig andeutet. Beispielsweise bildet Lightroom mittlerweile die Kamera-Presets der Nikons in Lightroom so exakt nach, dass es bei Auswahl des korrekten Presets im Ausgangsbild des importierten RAW wirklich keinen Unterschied zu Capture NX2 mehr gibt.
 
Aber zurück zum Thema, dies hier ist das erste Bild, verarbeitet mit NX2:
 
 
Was habe ich gemacht? Eigentlich nur basic stuff. Ich habe die Tiefen massiv aufgezogen, die Lichter etwas abgesenkt, die Sättigung ein gutes Stück erhöht, den Kontrast etwas angehoben und leicht nachgeschärft. Zudem habe ich die Histogramm-Kurve etwas getunt.
 
Das Ergebnis ist sehr ausgewogen und gibt die tatsächlichen Farben der Szenerie am Besten wieder. Tatsächlich – das möchte ich vorwegnehmen – reproduziert NX2 die Farben immer am natürlichsten. Der Abstand zur Konkurrenz ist aber sehr gering und die anderen Konverter (bis auf Aperture) stellen die Farben nicht schlechter, sondern nur etwas anders dar. Zudem ist auch hier nicht nur eitel Sonnenschein: der Blaustich in den dunkleren Bereichen stört mich etwas und ich vermisse einen simplen Kalt-Warm-Regler den ich einfach mal ein wenig nach rechts ziehen könnte.
 
Was mir bei NX2 noch auffällt: die Bilder haben irgendwie mehr Mikrokontrast – ich weiss nicht, wie ich es anders nennen soll. Die Bereiche in den Schatten wirken knackiger als bei der Konkurrenz. Das ist aber nur vordergründig besser, denn die flachere Zeichnung der anderen Konverter lässt an diesen Stellen mehr Raum für Bilddetails!
 
Schauen wir uns im Vergleich mal Aperture an:
 
 
Ich muss sagen, Aperture ist bei diesem Bild einfach mal ein totaler Versager. Auch hier habe ich mit Schatten und Lichtern angefangen. Als ich dann die Sättigung erhöhte, kippten die hinteren Dächer sofort ins widernatürliches grelles Rot um – epic fail. Auch beim vorsichtigen Anfassen der Histogramm-Kurve kippt mehr oder weniger sofort das ganze Bild um. Klar kann man das Ganze noch irgendwie zurechtfummeln, aber das war ja genau das, was ich nicht wollte. Weitere Maßnahmen waren ein leichtes Schärfen und erhöhter Kontrast. Der einzige Vorteil: kein Blaustich in den Schatten.
 
Es folgt der selbsternannte Spitzenreiter in Punkto Qualität, Capture One:
 
 
Gut, ich gebe es zu: Capture One holt wirklich die meisten Details aus dem Bild heraus. Insbesondere die entfernteren Dächer und die Hauswand im Vordergrund sind ein beeindruckendes Beispiel. Für meinen Geschmack ist das aber zuviel des Guten! Das Bild wirkt schon fast, als hätte ich es mit einem NikSoftware-Detail-Filter bearbeitet. Bei einem Foto, das eh schon viele Details enthält, ist diese Verarbeitung der Overkill. Auf der Straße trifft Capture One den Farbton besser, dafür weicht es in den Dächern erheblich ab und macht alles gelb. Vorsichtiges Anheben der Farbsättigung ist hier angesagt. Generell greifen die Regler von Capture One sehr beherzt zu und die Verstellbereiche sind beeindruckend hoch (z.B. Tiefen/Lichter). Gerade beim Kalt/Warm-Regler fällt mir aber auf, dass das Bild sehr schnell vom Blauen ins Gelbe kippt und wirklich viel Feingefühl an der Maus gefragt ist. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Capture One ein wenig trickst. Dadurch, dass es mehr Kontraste und Farben erzeugt, wirkt das Bild insgesamt knackiger. Das ist aber eine simple Einstellungsfrage und spricht nicht zwingend für den besseren Algorithmus.
 
Last but not least Lightroom 5:
 
 
Bei Lightroom 5 fällt mir als erstes auf, dass die Tiefen/Lichter-Regler im Verstellbereich sehr knapp sind. Hier hat man definitiv weniger Raum als bei der Konkurrenz. Daher bemühte ich die Histogramm-Kurve etwas stärker und zog sogar die Belichtung wieder ein Stück höher. Im Vergleich zu Capture One schafft Lightroom es, sehr viel Details zu zeigen (bei den kleinen Bildelementen sogar mehr als Capture One!) ohne dabei so “gefiltert” und aggressiv “kontrastig” zu wirken. Die entfernten Dächer sind nicht so “überdetailliert” – und das gefällt mir eigentlich besser. Allerdings kommt bei Lightroom noch der Regler “Klarheit” ins Spiel. Wenn man den nicht bemüht, bleibt das Ergebnis hinter den anderen zurück (das Bild ist dann viel flacher), man hat also quasi einen Handgriff mehr. Ähnlich wie Capture One werden die dunklen Bereiche etwas flau, enthalten aber Details.
Auch Lightroom trifft die Farbe der Straße besser als Capture NX2, weicht bei den Dächern aber ebenfalls in der Farbe vom Original ab. Das sieht nicht unbedingt schlechter aus, nur anders. Zudem hat Lightroom einen großen Vorteil: es gibt unabhängige Regler für die Farben Rot, Orange, Gelb, Grün, Aquamarin, Blau, Lila, Magenta – und zwar unabhängig für Farbton, Sättigung und Luminanz. Ich finde dieses Feature simpel und genial weil ich damit schnell und effizient korrigierend eingreifen kann. Capture NX2 hat ja diese Funktion zum Schützen der Gesichtstöne; das kann man hier noch perfekter hinkriegen indem man die Farbsättigung verstärkt und danach einfach Orange wieder rausnimmt. Simpel und schnell. Theoretisch kann man damit auch die Dächer zügig wieder an die realeren Farben anpassen.
 
Kommen wir zum nächsten Bild. Zunächst wieder die Capture NX2-Variante:
 
 
Auch dieses Bild war wieder keine große Sache für Capture NX2. Schatten aufgehellt, Farbsättigung angepasst, etwas Kontrast und leichtes Nachschärfen und schließlich über das Histogramm die Figur noch etwas “herausgeholt”. So weit so gut.
 
Es folgt wieder das Sorgenkind Aperture:
 
 
Aperture färbt standardmäßig den Himmel etwas blauer und das Gras ein wenig grüner. Ich machte die gleichen Anpassungen wie in Capture NX2 und man könnte eigentlich zufrieden sein, aber das Hantieren im Histogramm brachte wieder zu schnell extreme Ergebnisse. Vor allem aber schockierte mich das folgende Problem:
 
 
Zieht man den Tiefenregler (Tiefen/Lichter) auf sehr hohe Werte, wird das Bild in Aperture selbst noch korrekt angezeigt. Die Ausgabe per JPG in höchster Qualität erzeugte aber die hier gezeigten Artefakte (Bild bitte in Originalgröße betrachten) oder wie immer man das auch nennen mag.
 
Kommen wir zum Detailkünstler Capture One:
 
 
Capture One bestätigt auch hier wieder die gute Performance. Mit sanfteren Eingriffen als Capture NX2 (Schatten, Farbsättigung, wenig Arbeit am Histogramm und leichtes Schärfen) komme ich hier zu besseren Farben, mehr Details und einer insgesamt besseren Anmutung als bei der Nikon-Software.
 
Den Abschluss bildet wieder Lightroom 5:
 
 
Für Lightroom gilt das Gleiche wie für Capture One – mit identischen sanften Eingriffen zu einem nahezu identischen Bild. Lediglich der obligatorische Regler “Klarheit” kam noch mit zum Einsatz.
 
Beim nun folgenden letzten Bild ging es mir darum, womöglich noch etwas vom Himmel zu retten, den ich bei dieser Belichtung eigentlich verloren geglaubt hatte. Alle RAW-Konverter holten ihn zurück, wenn auch in sehr unterschiedlicher Qualität.
 
Als Referenz wiederum Capture NX2:
 
 
Was war zu tun? Zunächst mal die Belichtung um zwei Blenden nach unten korrigiert, danach Tiefen und Farbsättigung erhöht, zusätzlich noch mit der Histogrammkurve zielgerichtet etwa aufgehellt und schließlich nachgeschärft. Der Himmel war wieder da, allerdings wirkte die Wolkenstruktur etwas unsauber, vermutlich übertreibt Capture NX2 etwas beim recovern der Lichter – ich möchte aber betonen, dass ich hier keine “Extremstellung” der Regler verwendete! Zudem diente der Test ja dazu, “extreme” Fotos zu bearbeiten und ja, die anderen Konverter meisterten die Situation mit vergleichbaren Justierungen besser.
 
Kommen wir also zu Aperture:
 
 
Mit Aperture nahm ich die gleichen Veränderungen vor wie mit Capture NX2 und das Ergebnis dient definitiv der Ehrenrettung von Apples Software.
 
Capture One dagegen überzeugte mich nicht so richtig:
 
 
Mit den gleichen Schritten wie in Capture NX2 wurde ich hier nicht wirklich glücklich – das Bild blieb flach und die Wolken kamen nicht so richtig raus. Auch der Kontrastregler änderte nicht viel daran. Weiteres Gefummel unterblieb, da ich ja damit die Essenz meines Tests unterminiert hätte.
 
Zum Ende Lightroom 5:
 
 
Lightroom verhielt sich hier ähnlich wie Capture One, bot aber einen entscheidenden Vorteil: nach den identischen Standardeinstellungen zog ich mit den vorhin beschriebenen Farbreglern einfach blau und grün etwas höher und kam so schnell zu einem für mich ansprechenden Ergebnis. Sicher gibt es diese Möglichkeit der selektiven Farbkorrektur auch bei den anderen Konvertern, aber definitiv nicht so einfach und schnell wie in Lightroom.
 
Nach diesem Test sind für mich zwei Dinge klar geworden.
 
Erstens, Aperture scheidet vorerst für mich leider aus, trotz komfortabler Datenbank und perfekter Integration ins Apple-Ökosystem. Die Möglichkeiten des RAW-Modules bleiben einfach hinter den anderen Programmen zurück – dringender Bedarf für eine neue Version!
 
Zweitens, Capture NX2 hat seinen Qualitätsvorsprung bei Nikon-Geräten mittlerweile eingebüßt. Ich habe keine Ahnung, ob Nikon das NEF-Format immer noch unter Verschluss hält; entweder hat sich das mittlerweile geändert oder die Anderen sind einfach besser beim Hacken geworden… Lediglich die Farben werden unter Umständen bei manchen Bildern in Capture NX2 passender umgesetzt, das kann aber auch in Lightroom oder Aperture bei Bedarf angepasst werden. Interessanter ist für mich die Tatsache, dass die Detailzeichnung von Capture One und Lightroom mittlerweile besser als bei Capture NX2 wirkt. Daher setzen sich Capture One und Lightroom für mich an die Spitze ab.
 
Schauen wir uns die Programme noch mal im kurzen Überblick an:
 
Capture NX2
 
Vorteile:
 
  • theoretisch das einzige Programm welches die Nikon NEF perfekt umsetzen kann
  • speichert Änderungen direkt ins RAW-File
  • kann manchmal unter Umständen – für meinen Geschmack – tatsächlich das beste Ergebnis in Sachen Farbtreue liefern
  • U-Point-Technologie
 
Nachteile:
 
  • Bedienkonzept und Ergonomie vom letzten Jahrhundert (oder so)
  • Unübersichtlich und umständlich (man muss Bearbeitungsschritte erst aus einer Liste aussuchen und hinzufügen)
  • langsam
  • Datenbank- und Sortierfunktion gibt es im Prinzip nicht
  • Logischerweise nur für Nikon nutzbar
 
 
Capture One Pro 7
 
Vorteile:
 
  • holt mehr Details als Lightroom 5 und Capture NX2
  • mehr komplexe Eingriffsmöglichkeiten als Lightroom
  • qualitativ sehr gute Schärfenfunktion
 
Nachteile:
 
  • Detailzeichnung manchmal ein bissel übertrieben (wirkt u.U. wie mit Filtern bearbeitet)
  • ich finde es kompliziert, nimmt sich ergonomisch nicht viel mit Capture NX2
  • fürchterlich kleine und piepsige UI auf meinem 27-Zoll-Monitor
  • Anpassungen verteilen sich über viele Unterseiten (Reiter)
  • Datenbank gefällt mir nicht – basiert auf Ordner-Wüste
  • Objektivkorrektur: die Hälfte der Nikon-Objektive fehlen! (Grrr!)
 
 
Lightroom 5
 
Vorteile:
 
  • umfangreichste Sammlung von Objektivkorrekturen
  • für meine Begriffe schnelle und einfache Bedienung
  • super selektive und simple Eingriffsmöglichkeit in einzelne Farben
  • bessere Detailzeichnung als Capture NX2, aber nicht so extrem wie Capture One
  • kommt am ehesten an die Farbdarstellung von Capture NX2 ran (durch die Nikon-Kamera-Presets und selektive Eingriffsmöglichkeiten)
 
Nachteile:
 
  • noch buglastig
  • Datenbank gefällt mir nicht – basiert auf Ordner-Wüste
 
 
Nach Abwägen aller möglichen Optionen habe ich mich für Lightroom entschieden. Lightroom 5 und Capture One Pro7 stellen für mich die derzeitige Marktführerschaft in RAW-Bearbeitung dar. Beide Programme erzeugen super Bilder – auch mit Nikon-Kameras. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, welches Programm die besseren Bilder liefert… sie sind einfach… unterschiedlich. Geschmacksache eben.
Ich persönlich mag die etwas weniger aggressiv detaillierten Bilder von Lightroom eher. Während Capture One überall Details in Massen herausholt und aus einer unbedeutenden Hauswand schnell mal ein abstraktes Texturkunstwerk macht, geht Lightroom hier etwas subtiler vor. Zudem erreiche ich die korrekten Farben dank Nikon-Kamera-Presets und schneller Eingriffsmöglichkeiten effizienter als im komplexeren Capture One. Für mich ist Lightroom tatsächlich die perfekte Kreuzung aus Komplexität und Qualität – nur die integrierte Datenbank á la Aperture fehlt. Und an alle Verfechter der U-Point-Technologie aus Capture NX2: ich habe festgestellt, dass man mit Korrekturpinseln ebenfalls sehr gut arbeiten kann.
Übrigens: Lightroom enthält als einzige Software alle meine Objektive. Sogar DxO Optics Pro musste sich hier geschlagen geben – mit Defiziten bei den Tamron-Gläsern.
 
Trotzdem: dieses Fazit ist nicht als ultimative Empfehlung zu verstehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele auch mit dem sehr umfangreichen Capture One Pro 7 besser bedient sind. Findet es für Euch raus, zu beiden Programmen gibt es eine kostenlose Testversion.
 
Das soll es für heute gewesen sein. Wenn Ihr Fragen, Meinungen oder Erfahrungen zu diesem Thema habt, nutzt bitte gern die Kommentarfunktion.
 
Ich danke Euch fürs Lesen und schaut mal wieder rein!
 
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Kommentare

Cetus-A
Hallo Reiner,

ja, über RAW-Therapee habe ich schon viel positives Feedback gehört zumal es - wie Du schon sagst - auch noch kostenlos ist. Wer sich noch nicht für einen Workflow entschieden hat und noch auf der Suche ist, sollte das unbedingt mit in Betracht ziehen!

Danke für diesen Hinweis!!

LG
Jörg
Reiner(nicht registriert)
Ok, der Bericht ist schon etwas älter. Aber ...

..falls mal wieder ein Vergleich von RAW-Konvertern ansteht, sollte meiner Meinung nach RAW-Therapee nicht fehlen.
Der hat IMHO alle wesentlichen Features und wird sehr aktiv weiterentwickelt und kostet (gar) nichts :-)
darktable ist sicher auch nicht verkehrt, aber ist zur Zeit, Linux only

Schöne Webseite und Berichte hier bei Cetus-A
Ich schaue gern mal wieder rein

Grüße

Reiner
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