Fotoportale – Sinn, Unsinn, Sucht

April 19, 2013  •  14 Kommentare

 

Ich habe lange überlegt, ob ich ich diesen Artikel schreiben sollte, da er mit Sicherheit kontrovers ist – einige werden gänzlich anderer Meinung sein als ich. Trotzdem drängte mich immer etwas – ausgehend von den eigenen Erfahrungen – meine Gedanken zu teilen und zu erfahren, wie andere darüber denken. Ist meine Sichtweise naiv oder bin ich kritiksüchtig? Das möge der Leser beurteilen.

Meine Stammleser wissen bereits, dass ich ein Freund der langen Vorrede bin und so ist es auch diesmal wieder…

Wenn man wie ich und viele andere das Hobby Fotografie immer weiter ausbaut, stößt man irgendwann an die Sinnfrage. Man hat die Festplatte voll mit Bildern, hat diese Bilder allen Verwandten und Freunden gezeigt (und alle haben höflich gesagt: “Sehr schön!”) und denkt sich nun: war das jetzt alles? Müsste das geliebte Hobby nicht einen tieferen Sinn haben? Sollten nicht viel mehr Leute die Bilder sehen und bewerten? Wo stehe ich eigentlich – verglichen mit anderen Fotografen?

Kein Problem, ein kurzer Blick ins Web überschüttet uns geradezu mit Portalen, in denen Fotografen ihre Machwerke präsentieren und sich und andere bewerten. Zumeist ist die Nutzung dieser Portale sogar kostenlos (zumindest die grundlegenden Funktionen) – worauf also noch warten?

Vor ziemlich genau einem Jahr stand ich vor diesem Problem. Übermannt von grenzenlosem Sendungsbewußtsein fühlte ich mich bemüßigt, meine Werke der Welt aufzudrängen. Nach und nach meldete ich mich in allen möglichen Portalen an um Credits einzusammeln und “irgendwie bekannt zu werden” – aus heutiger Sicht eine reichlich naive Vorstellung.
In diesem Jahr erlebte ich eine Menge und erhielt einen guten Einblick in diese Portale. Nach anfänglicher Euphorie stellte sich schnell Ernüchterung ein und ein fades Gefühl blieb für mich hängen. So wurde der Wunsch nach kritischer Beleuchtung dieses Ökosystems in mir wach.

Dieser Artikel berichtet über meine Reise durch das seltsame Land der Fotoportale. Seine Einwohner bestehen aus coolen Leuten, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, aber auch aus Internet-Junkies, Talentfreien, Berufsvotern, Dislikern und Möchtegerns.

Bevor ich meine reichlich kritische Reise beginne möchte ich folgendes festhalten: ich habe auf den im Folgenden genannten Portalen (als auch im social network) viele interessante, kreative und inspirierende Leute kennengelernt. Denen möchte ich sagen, bitte bezieht diese Kritik nicht auf Euch!


Das deutscheste aller Portale – Fotocommunity

FC war damals meine erste Anlaufstelle. Ich meldete mich an und machte gleich Bekanntschaft mit dem grundlegendsten Problem all dieser Portale (und des gesamten WWW)… Ich lud nämlich ein Bild hoch und schaute 1 Minute später auf der Seite “neue Fotos” nach. Was war da los? Mein Bild war nicht zu sehen. Irgendwann kam ich dahinter. Es war innerhalb der ersten Minute schon 3 Seiten nach hinten gerutscht, also quasi abgesoffen in der extremen Flut von Uploads. Befremdlich, aber so ist es nunmal. Damals war ich noch naiv. Ich wartete dann auf die ersten Kommentare. Ich wartete ca. 5 Tage. Kein Kommentar … und, wie ich nach vielen weiteren Tagen feststellen durfte – keiner hatte das Bild überhaupt jemals angeschaut.

Natürlich ist das grundsätzlich ein Problem aller Portale, trotzdem hat man bei einigen zumindest die Chance, mit einer gewissen Qualität auch mal aufzufallen. Die Fotocommunity steht dagegen irgendwo in einer Linie mit Flickr, es ist ein großes schwarzes Loch in das alles hineingeschmissen wird. In 4 Wochen auf 80 Views zu kommen, kann eine Herausforderung sein.

Man kann, wie in jeder Community, durch reichlich Aktivitäten diese Zustand verbessern. Aber seien wir doch mal ehrlich… worin bestehen diese Aktivitäten? In dem man anderen Leuten Honig ums Maul schmiert und sich krampfige Beiträge zu deren Bildern aus dem Kreuz leiert, nur um selbst Beachtung zu finden… Die wirklich guten Fotografen, deren Fotos man gerne kommentiert, werden in den seltensten Fällen reagieren, sie sind es gewohnt, mit Kommentaren geflutet zu werden.

Ich habe bei Fotocommunity einige Kontakte gefunden, mit denen ich mich sehr nett ausgetauscht habe. Trotzdem ist die FC für mich eins der uninspiriertesten Portale geblieben, mit nur wenigen und unmotivierten Kommentaren zu den Bildern und wenigen Freunden/Kontakten.
In Deutschland steht mehr oder weniger fest, wie ein gutes Foto auszusehen hat. Darüber wird in trauter Einigkeit des Geschmackes beschieden.

Warum aber ist die FC eins der deutschesten Portale? Das liegt am Forum. Ich habe mich dort etwas umgeschaut und kam mir wie in der Gartenkneipe am Stammtisch vor. Jeder der mich nicht versteht, soll mal versuchen, der erlauchten Gemeinschaft als Anfänger eine Frage zu stellen… Für meine Landsleute ist es offenkundig schwer, einen Mittelweg zwischen Belehrung und Beleidigung zu finden. Dazu kommt erschwerend, dass in Deutschland scheinbar jeder ein Profi ist der sich geneigt fühlt, dies pausenlos allen anderen Forumsmitgliedern zu beweisen.
Ihr kennt ein Internetforum? Dann kennt Ihr alle. Auch das von FC.


Zusammenfassung Fotocommunity

Positiv:

Kommunikation in deutsch etwas entspannter, man bekommt gelegentlich gute Tipps, Präsentation der Bilder ist eigentlich gut, Design und Usability auch okay

Negativ:

Ich empfand es als schwer, mehr als oberflächliche Bekanntschaften zu schließen, die meisten kennen sich irgendwie schon und man ist als Neuling der ewige Außenseiter (und wird auch manchmal so behandelt) während sich die alten Hasen feiern…, der Ton im Forum schwankt meist zwischen oberlehrerhaft und beleidigend (typisches Internetforum halt)
Überwiegend gehen die Bilder von Neulingen in der Menge rettungslos unter.


Flickr.com

Flickr ist wie ein altes großes historisches Schloss. Man ahnt noch die vergangene Pracht. Jeder kennt es und jeder war schonmal dort.
Seine große Zeit ist aber lange her und aktuell ist es nur noch… alt. Und nicht mehr besonders schön.

Ich kann es bei Flickr eigentlich kurz machen… die gewaltigsten Fluten an Bildern, die man sich vorstellen kann, ein teilweise unterirdisches Niveau (seitdem es in zunehmendem Maße für private Urlaubsbilder missbraucht wird), ein vollkommen undurchsichtiges Bewertungssystem (aber ja, es gibt ein Bewertungssystem) und extrem hässliche Präsentation der Bilder (meiner subjektiven Meinung nach).

Bei Flickr geht man einfach unter. Keine Chance. Ich habe mir im Laufe eines Jahres ein paar wenige gute Flickr-Freunde “eingesammelt” mit denen ich mich gelegentlich austausche und die ich nicht missen möchte (darunter ein fantastischer Fotograf aus Indien). Aber eins kann man bei Flickr vergessen: ein Bild hochladen und “gesehen” werden… Nicht in der größten Bildermüllgrube des Internets.

Thomas Leuthard hat einmal eine sehr interessante Abhandlung zum Thema Flickr geschrieben. Wie werde ich bekannt und etabliere ein Netzwerk? Ich glaube, mittlerweile ist nichtmal mehr das möglich. Ich habe zum Beispiel den guten Vorschlag beherzigt und meine Bilder in möglichst vielen Gruppen gepostet. Blöderweise machen das alle um wenigstens den Hauch einer Chance zu haben, gesehen zu werden. Die Menge an zusätzlichen Views und Comments, die daraus dann generiert werden, ist folgerichtig zu vernachlässigen.


Zusammenfassung Flickr

Positiv:

man findet interessante Freunde und kann sich mit viel Mühe ein kleines Netzwerk etablieren

Negativ:

Design, Präsentation, pure MASSE an Bildern, niedrige durchschnittliche Qualität vieler Bilder
Wer seine Bilder einem größeren Kreis zugänglich machen will, sollte Flickr grundsätzlich meiden – diese Meinung wird mittlerweile von vielen Fotografen geteilt


Der Lichtblick – 500px.com ?

Als ich auf 500px aufmerksam wurde, war das wie Weihnachten und Geburtstag zusammen.

500px ist anders. Tolle Präsentation, sehr hochwertige, ja atemberaubende Bilder – und das Besondere: durch das exzessiv gelebte Votingsystem hat jedes gute Bild die Chance, ganz weit nach vorn gevotet zu werden. 500px hat für mich die beste Qualität aller Fotoportale – in jeder Hinsicht. Dachte ich zumindest am Anfang. Aber auch hier muss man hinter die Kulissen schauen – und die Realität ist mitunter… interessant.

Am Anfang gleich das AHA-Erlebnis. Einige Bilder hochgeladen und sofort Votings und Kommentare kassiert. Super. Das kann kein anderes Portal!! Also machte ich weiter, suchte mir tolle Fotografen raus, folgte Ihnen, votete für deren Fotos. Damit drehte sich die Spirale weiter. Ich bekam im Gegenzug noch mehr votes und nette Kommentare zurück. Nette Kommentare? Naja, so Sachen wie “nice pic” oder “wonderful”. Oder “nice, please have a look at my work”.
Hm, hat halt nicht jeder Zeit für salbungsvolle Sätze. Dachte ich.

Bis ich dann langsam dahinterstieg. 500px bescherte mir meine ersten großen Erfolge. Ich wurde gesehen, ich bekam viel Anerkennung. Aber nicht, weil meine Bilder so besonders gut waren, sondern weil es dort einen Wahnsinn gibt, der Methode hat.
Man kennt sich nämlich bei 500px. Und dann hyped man sich gegenseitig hoch, bis ganz nach oben, zur Titelseite. Der Frischling wird anfangs mit guten Bewertungen gelockt und er wird natürlich aus Dankbarkeit auch schnell gute Bewertungen zurückgeben. Schon ist man drinnen im Ich-vote-Dich-wenn-Du-mich-votest-Wahsinn. Wenn man gut vernetzt ist und viele Follower hat, kann man auch schon mal ein sehr mittelmäßiges Bild hochladen. Vorausgesetzt, man hat die Anderen vorher immer schön hochgevoted wird man dann auch sehr rasch in den Olymp der 90%+ Wertung befördert. Manche wundern sich dann, dass sie ab 96% Wertung für ihr mittelmäßiges bis schlechtes Bild sogenannte “Dislikes” kassieren – das sind negative Votings. Ich sehe in den Dislikern mittlerweile die einzigen ehrlichen Nutzer auf 500px (ich freue mich schon auf die Schläge, die ich dafür kassiere).

500px ist hochinteressant. Es gibt dort zwei Arten von Fotografen. Die richtig guten, die regelmäßig – quasi automatisch – in die 98%-Ränge rutschen (verdient) und “die Anderen” (zu denen ich auch mich selbst zähle), die sich regelmäßig gegenseitig in den Olymp voten bis sie irgendwann selbst mal glauben, dass sie richtig gut sind (und die Disliker nicht mehr verstehen).

Denn darauf läuft es hinaus. Du musst kein überragender Fotograf sein. Verschaff Dir viele Follower und dann vote bis der Arzt kommt. Vote von früh bis in die Nacht und auch Du wirst gevoted werden. Und oberhalb von 95% beginnt das Himmelreich.
Ich habe dort Menschen aller Altersklassen kennengelernt, die wahrscheinlich den ganzen Tag nichts anderes mehr machen und eigentlich in eine Suchtberatungsstelle gehören. Menschliche Abgründe. Leute, die scheinbar 24 Stunden nonstop online sind. Ich habe dann auch begriffen, warum man unter die Bilder nur noch Bullshit á la “nice photo” schreibt. Wenn man den ganzen Tag lang hunderte von Bildern voted nur um selber gevoted zu werden, reicht einfach die Zeit nicht. Die krassesten Beispiele haben nur fertige Texte reinkopiert. “Nice pic. Voted. Have a nice day!” 100 mal am Tag. Danke, Du mich auch.

500px hat dafür gesorgt, dass ich mich (und es wird vielen so gehen) als “großer Fotograf” gefühlt habe. Ich war ja oft in den 90er Rängen, oft auch bei 95%. Und ich hatte so einen hohen Sympathiewert… Ich musste einfach gut sein. Irgendwann begriff ich dann, dass das alles nur Schall und Rauch war. Ehrlichkeit geht anders. Man kann sich gegenseitig auch was einreden.

Das extremste Beispiel war ein Mädel von der anderen Seite der Welt, dass mir eine Art “Pseudofreundschaft” unterjubeln wollte (“You’re such a lovely friend…”) nur um mich zu ihrem Voting-Sklaven zu machen. Sie nahm sich so nach und nach jeden Kerl in der Community vor und sicherte sich so eine große Anzahl “Freunde”, die ihre mittelmäßigen Bilder regelmäßig in die hohen 90er und damit in Richtung Titelseite hievten. Wenn Sie dislikes kassierte, schrieb sie mich mitten in der Nacht verzweifelt an und bat mich um Votes, um die Dislikes auszugleichen. Über solch ein Verhalten möchte sich jeder selbst sein Urteil bilden – ich finde es creepy. Und solche “creepy people” gibt es reichlich auf 500px.

Trotz allem… ich habe dort auch nette Leute kennengelernt, die wirklich mit mir auf einer Welle lagen, die halbwegs ehrlich gevoted haben und deren Bilder ich sehr schätze. Und ja, dass allgemeine Niveau auf 500px ist höher als bei anderen Portalen – 500px kann ungemein inspirierend sein. Aber es ist auch gleichzeitig der größte virtuelle Junkie-Haufen den ich jemals gesehen habe.

Trotzdem möchte ich es an dieser Stelle allen Neulingen empfehlen! Man erhält die Chance auf ein großes Publikum (auch wenn dieses Publikum eher im Eigeninteresse handelt) und man erhält die Chance, gesehen zu werden. Man erhält allerdings ebenso die Chance süchtig zu werden… mit meiner Empfehlung ist also ein dickes VORSICHT verbunden… Trotz aller Euphorie… bleibt selbstkritisch, lasst Euch nicht verleiten. Orientiert euch an den wirklich tollen Bildern und nehmt diese als Inspiration.


Zusammenfassung 500px.com

Positiv:

tolle Präsentation, extrem hohe Qualität der Bilder, gute Bedienbarkeit, Inspirierend

Negativ:

keine ehrliche Bewertung der Bilder – erzeugt gefährliche Selbstüberschätzung, Bilder werden häufig nur wegen erhoffter Gegenleistung gevotet, sinnfreie Kommentare, wer gut vernetzt ist wird immer hochgevoted – unabhängig von der Qualität,

Trotz allem das schickste Portal mit den geilsten Bildern, mit einiger Zeit und Energie ist es möglich, die eigenen Bilder ganz weit nach vorn zu bringen, somit das einzige Portal, in dem man wirklich wahrgenommen wird, Achtung: Suchtgefahr!


Der Newcomer – DigitalRev

Ich muss mich outen: Ich finde Kai Wong cool. Kai Wong ist der lustige Chinese mit dem britischen Akzent, der auf Youtube ungezwungene und manchmal klamaukige Videos veröffentlicht, die ziemlich polarisieren. In einer Welt die voll mit steifen Wichtigtuern und “Auskennern” ist, finde ich seinen Ansatz erfrischend und sympathisch. Natürlich darf man nicht verschweigen, dass hinter Kai Wong das fette Geschäft steht – in Form des Elektronik-Versenders DigitalRev. Die haben erkannt, dass man Kunden an das Unternehmen binden sollte und ein eigenes Fotoportal entwickelt – der selbsternannte Nachfolger von Flickr.

DigitalRevSocial ist noch immer in der Beta-Phase. Rein technisch ist es stabil, aber die Bedienbarkeit ist manchmal etwas durcheinander… um nicht zu sagen: hakelig. Man kann damit aber leben. Viel wichtiger ist, dass sich dort eine sehr nette und offene Community tummelt. Die wenigsten sind Profis und die Bilder sind eher mittelmäßig (vom Glanz eines 500px ist das Portal weit entfernt) aber mir gefallen die Menschlichkeit und die Umgangsformen dort. Kommentare unter den Bildern bestehen nicht nur aus drei Worten, gelegentlich ergeben sich interessante Gespräche und immer wieder gibt es kreative Aktionen wie z.B. BeSquare. Ziel ist es dabei, ein Bild im quadratischen Format zu posten und entsprechend zu vertaggen. Wenn die Aktion zündet, landet sie schnell (und die Bilder mit ihr) auf der Titelseite.

DigitalRev ist für mich die beste Balance aus Community (im Sinne von “Miteinander”) und Fotografie. Man kommt sicher nicht groß raus, lernt aber ehrliche und inspirierende Leute kennen und führt nette Unterhaltungen.

Auch hier gibt es ein Bewertungssystem, das ich nicht verstehe und das einzelne Bilder auf die Titelseiten (Übersichtsseiten) befördert. Dort finden sich aber komischerweise immer nur die selben Leute und Bilder. Insofern ist DigitalRev manchmal ähnlich den anderen schwarzen Löchern… das positive Miteinander und das schicke Community-Feeling wiegt das für mich aber mehr als auf. Wenn 500px das harte Geschäft ums “Gesehen werden” ist, dann ist DigitalRev die Kuschelecke für kreative Typen. Beide Portale ergänzen sich insofern und sind meine Favoriten.

 

Zusammenfassung Digitalrev

Positiv:

menschliche und offene Community, man wird schnell aufgenommen und integriert, gute Bildqualität, interessante wechselnde Projekte (be squared!)

Negativ:

Benutzerführung etwas konfus, eigentlich ist alles ein bissel konfus, die Möglichkeit, Bilder bereits als Thumbnails zu voten ist eine Einladung an Klickjunkies (die ähnlich 500px einfach alles anklicken um Aufmerksamkeit zu erzeugen und gesehen zu werden), Bewertungssystem komisch – es stehen ewig die gleichen Bilder an vorderster Front

DigitalRev ist für mich das familiärste Portal von allen. Dort habe ich viele interessante Kontakte gewonnen, die auch mal längere Sätze als “nice pic” schreiben, man wird schnell gevoted und nett angesprochen. Allerdings ist es auch hier schwer, als Neuling Bilder nach “vorn” zu kriegen, dort stehen immer die gleichen Bilder und Künstler.


YouPic

YouPic.com sei der Vollständigkeit halber hier erwähnt. YouPic ist einfach ein weiteres Fotoportal, das auf den fahrenden Zug aufspringt. Man kann Bilder hochladen, sich befreunden und voten. Gelegentlich wird ein Bild mal auf die Titelseite gepinnt. Das gesamte Konzept ist erfrischend langweilig, kreative Besonderheiten oder Alleinstellungsmerkmale sucht man vergebens. Für mich ist YouPic schlicht unnötig… Ich kann trotz längerem Überlegen nicht herausfinden, wozu ich meine Bilder dort hochladen sollte. Man kassiert ein paar Likes, vielleicht ein paar Kommentare – das wars aber auch. Mehr kann man zu diesem Portal einfach nicht schreiben.


Fazit

Was kann ich Euch auf den Weg geben? Meldet Euch bei 500px.com und DigitalRev.com an. Die anderen sind unnötig. Bleibt selbstkritisch und lasst Euch bei 500px nicht verarschen. Fühlt Euch nicht wie der große Zampano, nur weil Eure Bilder in solchen Portalen geliked werden. Meist ist es nur eine höfliche Aufforderung, bei demjenigen das Selbe zu tun.

Und noch was (und dafür werde ich definitiv Dresche kassieren): haltet Euch an internationale Portale. Eine Sache ist mir nämlich besonders aufgefallen… in Deutschland wird viel geredet. Über goldenen Schnitt, über Belichtung, über Vignettierung und über Photoshop… Wer wie ich gern Photoshop einsetzt, wird gern ein wenig links liegen gelassen (man ist dann kein “richtiger” Fotograf) denn in Deutschland gibt es offenkundig eine Vorschrift, wie Kunst auszusehen hat. Und daran wird sich zumeist gehalten. Und überhaupt… als früher nur wenigen Erlauchten die Kunst der Filmbelichtung offen stand, war eh alles viel schöner.

Ich habe das Gefühl, das wird im Ausland anders und vor allem lockerer gesehen. Messbar ist das an den Nationalitäten und Kontakten in den Fotoportalen und an der direkten Kommunikation mit diesen Leuten, die meist offener, interessierter und einfach nicht so schrecklich perfekt sind.

Das wars. Haben fertig. Mir ist bewusst, dass dieser Artikel stellenweise kontrovers ist. Das ist Absicht. Ich hoffe auf einige interessante Kommentare und vielleicht eine gute Diskussion.


Kommentare

Cetus-A
Hi Andreas,

sorry, dass ich Gelüste nach der Q in Dir geweckt habe... War ganz und gar nicht meine Absicht... :-))

Du hast schon Recht mit 500px... habe es ja auch immer als sehr zweischneidig empfunden denn bei aller Kritik ist und bleibt es das Portal mit den besten Bildern und der besten Präsentation. Habe vorhin mal geschaut und war auch gleich wieder hin und weg... Und es gibt ja auch wirklich sehr gute Fotografen dort. Allerdings haben die vielen perfekten Hochglanzbilder manchmal nach einiger Zeit auch den Wunsch nach etwas schwarz-weißem, verrauschten, analogen und unperfekten ausgelöst. Solche Bilder finde ich häufig in der Leica-Ecke, also eher so Sachen mit Story und Charakter. Wobei meine eigenen Bilder dann wieder eine andere Bildsprache bedienen.

Beste Grüße
Jörg
Andreas Grund(nicht registriert)
Ich fand Deinen Beitrag interessant, da ich ja selbst seit einem halben Jahr auf 500px aktiv bin und mit einigen 99+ Bildern wohl auch ganz gut den Geschmack dort treffe (keine Angst, ich sitze nicht 24h vor dem Computer um meine Bilder zu pushen :-)). Eine kritische Einstellung zu Social Media halte ich generell für sehr wichtig - man sollte genau wissen, was man da tut; und vergänglichen Internet-Ruhm richtig einzuordnen wissen. Du hast sicher recht, da gibt es viele "Freaks", die sehr nach Anerkennung streben - aber es gibt auch viele tolle Bilder als Inspiration und auch nette "500px-Freunde".

Mit Deinem Bericht über die Q hast Du mir übrigens keinen Gefallen getan - ein Verriss wäre mir lieber gewesen :-) So spukt das Ganze weiterhin in meinem Kopf herum, dieses diffuse "Haben-Wollen-Gefühl", obwohl die Kamera für mich tatsächlich wenig sinnhaft ist!

vg und schöne Weihnachten!
Cetus-A
Hi Andreas,

freut mich, dass Du einen meiner älteren Beiträge gefunden hast. Ja, das war schon eine interessante Episode meines Lebens. Fotos geschossen, mit NikFiltern irgendwie auf "cool" gedreht, auf 500px hochgeladen und dann drei Tage nonstop gevotet. Irgendwann ist mir mal aufgefallen, dass ich davon keinen Lebensunterhalt verdienen kann. Und naja, ein zweiter Helmut Newton wird man davon auch nicht, ja noch nicht einmal die Magnum Bildagentur hat mich angeschrieben... :-) Ich halte Bildportale mittlerweile ehrlich gesagt für ziemliche Zeitverschwendung. Werde mir trotzdem bei Gelegenheit mal wieder 500px anschauen, laut Deiner Aussage ist dort ja doch ein bissel was anders geworden mittlerweile.

Beste Grüße
Jörg
Andreas Grund(nicht registriert)
Zwar nicht mehr ganz aktuell, da von 2013 - aber ein guter und auch richtiger Überblick über die gängigen Fotoportale! Die Aussagen haben im Großen und Ganzen auch heute noch Gültigkeit, zumindest für 500px und flickr (die anderen kenne ich nicht). Was sich bei 500px verbessert hat, dass diejenigen mit einer großen Anzahl von sogenannten "Followern" und einer hohen Eigenaktivität das "Liken" betreffend es sehr viel schwerer haben, einen hohen "pulse" (=Bewertung) zu erreichen. Finden zwar viele nicht gut (logischerweise :-)) - aber das System wird dadurch "gerechter". Flickr ist in der Tat ein großes schwarzes Loch, von sehr gut bis grottenschlecht findet man dort alles - oder auch nicht!

Kritische Beiträge über die sogenannten Social Media finde ich in jedem Fall sehr gut - denn gerade diejenigen, die diese nutzen, sollten ab und zu ihr eigenes Tun mal überdenken. In diesem Sinne, ein prima Beitrag!
Cetus-A
@Johannis:

Krass formuliert aber im Grunde die richtige Einstellung!

Was ich auch gemerkt habe; wenn man seine Bilder wirklich zeigen möchte, empfiehlt sich z.B. die Organisation einer kleinen Ausstellung. Viele Unternehmen lassen sich gern rumkriegen (z.B. bei uns in der Schalterhalle der Sparkasse) wenn man vernünftige Fotos hat. Bringt wesentlich mehr als irgend so ein Ego-Portal.

Dein Spruch "Brotlose Kunst" trifft es in dem Falle absolut perfekt! :-)

Gruß
Jörg
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