Blackrapid RS-Sport Strap Testbericht

January 07, 2013  •  2 Kommentare
 
Der BlackRapid-Kameragurt ist seit einiger Zeit ein sehr wertvolles und essentielles Zubehör für mich. Warum es dieser spezielle (teure) Gurt sein muss und ob er sich bezahlt macht – das lest Ihr hier. Außerdem beschäftigen wir uns wieder mit einigen Märchen und Mythen aus dem WWW.
 
 
Nein, das bin nicht ich. Dieses Bild soll lediglich den Strap im täglichen Gebrauch zeigen.
 
 
Der BlackRapid-Strap ist so eins von diesen Zubehörteilen, bei denen man immer wieder überlegt: Lohnt sich der Kauf für immerhin 70 Euro? Tut es nicht auch der normale Gurt, oder irgendeine Verlängerung? Nutzt man das Ding dann auch oder sieht es affig aus? Ist es alltagstauglich??
 
Ich habe lange überlegt, recherchiert und Videos dazu geschaut. Letztendlich habe ich mich dazu entschlossen, ihn zu kaufen – und ich habe es nicht bereut. Warum?
 
Ausgangspunkt waren viele Kameratouren mit meiner alten 550D. Sei es beim Spaziergang durch die Stadt oder lange Märsche im Urlaub… stets pendelte das Gerät vor meinem Bauch hin und her, wurde beim Eis / Wurst essen bekleckert, knallte meiner kleinen Tochter an den Kopf wenn ich mich zu ihr bückte – und nervte ganz allgemein. Mit einem großen Objektiv war die Kamera vorm Bauch zudem ein gewaltiger Blickfang und ich fühlte mich unwohl damit – schließlich wollte ich keineswegs Aufmerksamkeit erregen (seht her was ich für eine tolle Kamera habe…) sondern eher das Gegenteil erreichen.
 
Logische Konsequenz? Richtig, die Kamera in der Hand halten. Dadurch war man aber ab sofort nur noch einhändig unterwegs, zudem störte der baumelnde Gurt, den ich nicht abmachen wollte – denn wenn man beide Hände brauchte, musste man sich das Ding schließlich doch umhängen.
 
Irgendwann sah ich einmal in einem Video eine unerhörte Sache… Ein Fotograf hatte die Kamera (eine massive 5D2) lässig an der Hüfte hängen, zog sie zum Fotografieren einfach hoch und ließ sie danach wieder nach unten gleiten. Er hatte während der ganzen Session die Hände frei und wirkte ziemlich entspannt. Nach einigem googlen hatte ich es raus – ein BlackRapid Kamera-Strap war das Geheimnis.
 
Wie schon oben geschrieben, nach einer langen Bedenkzeit entschloss ich mich schweren Herzens zum Kauf. Ich wußte damals schon, dass ich auf Vollformat umsteigen wollte und die Gerätschaften somit schwerer werden würden – von daher schien es mir sinnvoll, obwohl ich nicht so recht an den Gurt glaubte (mein Gedankengang ist immer: wenn es wirklich so toll ist, müßte ja jeder damit rumlaufen).
 
Es gibt zwei Anbieter für diese Kamera-Straps. Einmal BlackRapid (die haben’s erfunden) und Sunsniper (die haben es wohl nachgebaut). Beide Produkte haben ihre Vor- und Nachteile. Ich werde später darauf eingehen, warum ich mich für BlackRapid entschieden habe.
 
Wie in unserer schönen Welt so üblich, gibt es natürlich nicht nur ein Modell. BlackRapid bietet eigentlich alle Größen und Ausbaustufen an, zusätzlich in Versionen für Links- und Rechtshänder, Frauen und Männer. Ich entschied mich für den BlackRapid Sport (obwohl ich mit Sport sonst nichts am Hut habe…). Diese Version ist ziemlich breit und damit komfortabel auf der Schulter und hat zudem einen kleinen Zusatzgurt, mit dem man die ganze Geschichte unterhalb der Schulter fixiert und gegen wegrutschen sichert. Da ich auf Bequemlichkeit wert lege und zudem mit dem ganzen schaukeln, rutschen, zurechtrücken Schluss machen wollte, war das genau mein Kandidat.
 
Das Material des Straps macht einen hochwertigen Eindruck. Die gesamte Erscheinung ist relativ dezent, will sagen, man fällt damit nicht auf wie ein bunter Hund.
 
 
Befestigung
 
In das Stativgewinde der Kamera wird eine Art Öse eingeschraubt. Diese macht einen hochwertigen Eindruck und wirkt ziemlich stabil. Mittels dieser Öse und mit Hilfe eines gesicherten Karabinerhakens hängt man dann die Kamera kopfüber an den Strap. Das hat den Vorteil, dass man die nervigen originalen Kameragurte wegschmeißen kann und die Kamera ohne Gebaumel in der Hand hält, wenn man sie vom Strap löst (und z.B. auf ein Stativ aufsetzen will).
 
 
Befestigung mittels gesichertem Karabiner
 
 
Die Unterseite der Kamera-Befestigung: die strukturierte Oberfläche verhindert erfolgreich das sich etwas lockert.
 
 
Im Normalfall hängt die Kamera mit dem Objektiv nach unten/hinten flach in Hüfthöhe am Körper. Sie fällt kaum auf und läßt sich wunderbar entspannt tragen. Selbst 2+ kg werden durch den breiten Gurt sehr angenehm verteilt. Ich bin mittlerweile damit Kilometer gelaufen und hatte nie das Gefühl, die Kamera mit mir “herumzuschleppen”. Meine Hände sind frei und selbst wenn ich mich bücke bleibt die Kamera dank einer Fixierung dort wo sie ist.
 
Zum Knipsen führe ich sie den Gurt entlang nach oben vor die Augen und lasse sie anschließend wieder nach unten gleiten, wo sie faktisch verschwindet.
 
Nachteil der ganzen Geschichte ist natürlich, dass das Konstrukt nicht so recht zu einer Kameratasche passt, im Grunde genommen schließt sich beides aus wodurch sich der Vorteil bei schlechtem Wetter zumindest teilweise aufhebt.
 
 
Zubehör
 
 
 
 
Wie immer gibt es natürlich eine Menge Zubehör, mal mehr mal weniger teuer… mal mehr mal weniger sinnvoll.
 
Eine sehr schöne Sache ist der sogenannte Bryce – eine kleine Tasche, die man am Gurt befestigen kann, gerade groß genug für Handy, Ersatzakku, Speicherkarte. Da man als Vertreter der männlichen Spezies eher selten mit Handtasche spazieren geht und somit gezwungen ist, immer alles in die Hosentasche zu stopfen, ist der Bryce eine sehr willkommene, nützliche Sache.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
Da ich gelegentlich mal ein Stativ benutze, ist es etwas unpraktisch, jedes mal die Öse von BlackRapid ab- und die Stativplatte wieder anzuschrauben. BlackRapid bietet dazu eine eigene Stativplattenschraube an, die eine Öse als Bestandteil hat.
 
 
 
Somit kann man den Strap einfach aushaken und die Kamera auf das Stativ setzen.
Ich muss dazu sagen, dass auch die originale Befestigung der Stativplatte eine Öse hat, die man theoretisch verwenden könnte. Diese ist aber nur dafür gedacht, die Platte etwas komfortabler zu lösen / zu befestigen und ich weiss nicht, ob sie die Kamera auf Dauer “aushält”.
 
 
Es war einmal…
 
Wie immer im Internet ranken sich um die Straps diverse Mythen, Märchen und Legenden. Dabei haben einige dieser Geschichten einen durchaus interessanten Hintergrund, den es lohnt, näher zu beleuchten.
 
 
 
Zum Einen wird oft behauptet, dass sich die mitgelieferte Öse durch das Wackeln beim Tragen von selbst lösen könne und die Kamera dann herunterfällt. Einigen wäre das wohl passiert. Hierzu ist zu sagen, dass die Öse keinen glatten Untergrund hat, der ein solches Verhalten begünstigen könnte. Ich habe bei meinen ersten Touren sehr darauf geachtet und nie feststellen können, dass sich die Öse gelockert oder auch nur einen Millimeter bewegt hätte.
 
Man hört immer wieder, dass das Stativgewinde der Kamera brechen könnte, weil es – insbesondere mit schwerem Objektiv – die Kräfte nicht aushält, die beim “herumschlenkern” entstehen könnten. Dazu kann ich natürlich keine Bewertung abgeben, da ich kein beteiligter Konstrukteur bin. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass die Kamera beim Bewegen wild herumbaumelt (das würde ja auch massiv stören) – geschweige denn, dass die Kräfte ausreichen würden, das Metallgewinde zu zerstören.
Ich muss allerdings eine Einschränkung machen: ich habe keine Ahnung, wie sich das Ganze mit angesetztem Batteriegriff verhält und kann dies mangels Batteriegriff auch nicht testen. Das ganze Gewicht hinge dann an diesem Griff und dann hängt natürlich alles davon ab, wie stabil der mit dem Gehäuse verbunden ist (vermute mal, sehr stabil). Das gleiche gilt für einen aufgesetzten Blitz. Gerade ein SB900/910 vergrößert ja schon enorm (nicht nur das Gehäuse, auch den Hebel). Ich würde die Kamera zumindest nicht mit aufgestecktem Blitz an meiner Hüfte herumbaumeln lassen (auch, um den Blitz selbst durch anstoßen nicht zu beschädigen).
 
Abschließend noch etwas zum Thema BlackRapid vs Sunsniper. Ich habe nichts im Internet gefunden, was einen klaren Vorteil für den einen oder anderen darstellen würde. Wie oben bereits erwähnt, BlackRapid ist der Erfinder und leicht teurer, Sunsniper ist auf den Zug aufgesprungen und verlangt wohl etwas weniger. Zusätzlich bietet Sunsniper einen Strap mit integriertem Diebstahlschutz (eingewobenes Stahlseil), was den Gurt aber etwas härter macht und deshalb von manchen nicht empfohlen wird. Da es mir in erster Linie um den Tragekomfort ging, habe ich mich an dieser Stelle für das Original entschieden. Insgesamt denke ich aber, das man beide bedenkenlos nehmen kann – je nach Geschmack.
 
 
Zum Abschluss möchte ich Euch natürlich auch den Link zum Hersteller nicht vorenthalten:
 
 
 
Soviel dazu von mir. In nächster Zeit plane ich ein Review des Thinktank Airport Essential (aus aktuellem Anlass). Zudem wird mich interessieren, wie sich ein billiges Tele (Tamron 70-300) auf einer teuren Kamera (D600) verhält und ob die Ergebnisse wirklich so “unzumutbar” sind, wie viele “Experten” in den Foren behaupten.
 
 
Schaut gelegentlich mal vorbei und Danke für Euren Besuch!

Kommentare

Cetus-A
Hallo Rein,

vielen Dank!

Seitdem ich die Sony A7r verwende, habe ich mich auch für einen "normalen" Gurt entschieden. Das reicht völlig aus und man ist etwas flexibler. Gottseidank muss man seit Kurzem ja nicht mehr zwingend schleppen wenn man Vollformat möchte. Aber für meine Zeit mit der schweren DSLR war es ideal.
Rein(nicht registriert)
Gut gemachter Post, sehr informativ, vielen Dank. Gut zu wissen, was es für schöne Sachen es so gibt.

Wenn mal bei mir eine Vollformat ansteht, dann mit so einem schönen Gurt. Derzeit brauche ich es nicht, für meine Olympus PEN habe ich mich genau hauptsächlich aus den Gründen Gewicht und Praktibalität entschieden. Der Alltag zeigt, die Entscheidung war richtig.

Weiter so und immer gut Licht vor der Linse!

Rein
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