Nikon D600 Testbericht

November 19, 2012  •  2 Kommentare
 
 
Dies ist ein erster Praxisbericht über die neue D600 und das Tamron 24-70 2.8. Ich werde mich hier nicht seitenweise über technische Aspekte, Charts und Spitzfindigkeiten auslassen – das haben bereits andere zur Genüge getan. Mein Interesse gilt der Benutzbarkeit, Bildqualität und Ergonomie. Ich betreibe keine Erbsen(Pixel)zählerei, sondern sehe ein Bild als Ganzes. Und ich bin lieber unterwegs zum Fotografieren anstatt über technische Details zu palavern – insofern wird es hier viele Fotos und nicht so viele Worte geben…
 
 
Nikon D600 mit Tamron 24-70 2.8 – Fullframe für Enthusiasten
 
Das Review gibt es auch auf www.stevehuffphoto.com (englisch). Schaut mal rein, Steve’s Seite ist wirklich inspirierend.
 
Ich komme von der Canon EOS550D (identischer Sensor mit der 600D, 60D und 7D) und insofern habe ich natürlich nur immer diesen Vergleich. Mein Bericht ist also vor allem für potentielle Aufsteiger mit einem ähnlichen Background interessant. Der geneigte 5D M2 / Nikon D7000 / Nikon D700 – Benutzer wird sicherlich über die eine oder andere Superlative milde lächeln, die ich hier so von mir gebe – ist er doch bereits an ähnlich gute (Bild)qualität gewohnt.
 
Für alle anderen – ich sag es gleich – ist die D600 eine Offenbarung und eine eigene Klasse. Kein Geheimnis, dass sie den oben genannten Canon-Sensor klar übertrifft (das erwartet man auch bei dem Preis). Sie schlägt ihn in allen Bereichen: Bildqualität, Dynamik, Farben.
 
Aber zurück zum Anfang.
 
 
Das Objektiv
 
Das von mir im Moment genutzte Objektiv ist das Tamron 24-70 2.8. Es ist etwas preiswerter als das entsprechende Nikkor und hat einen Stabi – für mich ein klarer Vorteil. Es ist recht lichtstark, spritzwassergeschützt und macht einen stabilen Eindruck. Der Zoomring ist leichtgängig und butterweich.
Es erreicht nicht ganz die Schärfe des Nikons oder eines Canon 24-70 2.8, aber hier kommen wir schon wieder in den Bereich der Erbsenzählerei. Die Fraktion, die den ganzen Tag Charts und Mauern abfotografiert, wird vielleicht die Nase rümpfen – das Tamron ist aber unbestritten die Nummer 1, was Preis-Leistung anbelangt.
 
Natürlich ist es schwer – fast 1 Kg. Gemeinsam mit der Kamera summiert sich der Spaß dann schonmal auf lockere 1,7 kg. Ich benutze einen Blackrapid Strap und damit ist die Situation – nennen wir es mal – erträglich.
 
 
D600 mit Tamron 24-70 2.8 – mein Standardobjektiv
 
 
Vor einigen Tagen kaufte ich mir das kleine, leichte Nikkor 50mm 1.8g – und diese Kombi ist echt der Brüller. Kamera und Objektiv zusammen kommen auf vielleicht 0.9kg und das ganze Paket lässt sich prima in einer Hand tragen (was ich auch hauptsächlich tun werde, wenn ich auf der Straße bin). Leider hat mir das typisch deutsche Wetter in den letzten Tagen einen Strich durch die Rechnung gemacht – daher gibt es in diesem Bericht noch keine Bilder mit dem 50mm.
 
 
 
Kleines Kraftpaket – D600 mit 50mm 1.8g
 
 
Die Kamera
 
Die D600 fühlt sich für mein Verständnis professionell an und macht einen grundsoliden, hochwertigen Eindruck (Nikon ordnet sie der Consumer-Schiene zu). Sie liegt gut in der Hand und knarzt nicht. Okay, es ist keine 5DM3 (ja, es gibt Teile aus Plastik, aber wenn wir alles aus Kruppstahl bauen brauchen wir auch einen Handwagen um das Zeug mitzunehmen!), aber sie ist gegen Staub und Spritzwasser geschützt wie ihre größere Schwester, die D800. Es sollte also kein Problem darstellen, sie nach Alaska, in die Wüste oder nach Russland mitzunehmen.
 
Vor allem ist sie nicht so höllisch schwer wie die Modelle der Profi-Klasse – was ich sehr begrüße!
 
Ich habe wilde Gerüchte gehört, dass die Kunststoffeinfassung des Objektivbajonettes keine schweren Objektive tragen könnte und sich beim Einsatz solcher der ganze Body verbiegen würde. Das ist absoluter Schwachsinn. Ich habe bei der Benutzung meines schweren Tamrons niemals eine Beobachtung gemacht, die diese wilde These stützen würde. Böge sich das Objektiv nach unten, würde sich ja z.B. der Abstand zwischen Sensor und Optik verändern und Bilder hätten keinen optimalen Schärfeverlauf mehr. So etwas kann ich nicht bestätigen.
 
Im Gegensatz zu den kleineren Consumer-Modellen hat die Nikon wirklich für jede Funktion den sprichwörtlichen Knopf – für mich sehr komfortabel, war ich es doch gewöhnt, für so manche Funktion diverse Affengriffe zu machen oder das umständliche Menü zu bemühen. Nach einigen Stunden geht einem die Bedienung in Fleisch und Blut über und mittlerweile denke ich nicht mehr nach sondern mache einfach nur noch Fotos. Sicherlich ist sie in Sachen Ergonomie keine Leica M9, aber alle wichtigen Funktionen sind direkt erreichbar und alles andere kann man getrost ignorieren.
 
Die generelle Arbeitsgeschwindigkeit ist hoch. Sie schafft als Vollformat-Gerät nicht nur beachtliche 5.5 Bilder/Sekunde, auch die anderen Dinge wie Einschaltzeit, Reaktionszeit, Shutter lag fühlen sich subjektiv sehr schnell an (nein, ich hab’s nicht gestoppt…).
 
 
Sucherokular
 
Wenn man APS-C-Kameras gewohnt ist und schaut das erste Mal durch einen 100%-Kleinbild-Sucher, klappt einem die Kinnlade herunter. Das Bild ist dermaßen groß und hell – man glaubt es nicht. Dagegen ist der Sucher der 550D ein Guckloch. Den Sucher der D600 empfinde ich übrigens auch als Vorteil gegenüber der bald erscheinenden Canon 6D – denn dieser wird nur 97% des Bildfeldes abdecken.
 
In letzter Zeit höre ich immer wieder, dass die elektronischen Sucher – beispielsweise der der OM-D – gleichauf mit den optischen Suchern wären. Freunde, ich habe im Mediamarkt durch den Sucher der OM-D (übrigens ansonsten eine geile Kamera!) geschaut und ich kann nur sagen… Wenn dieser Sucher gleichauf mit einem optischen Sucher sein soll, ist die Erde eine Scheibe.
 
Eine weitere sehr schöne Sache bei der D600: man kann sich eine Wasserwaage ins Okular einblenden lassen. Das ist besonders gut für Leute wie mich, die notorisch schiefe Bilder machen (warum auch immer…).
 
 
Belichtung
 
In der D600 ist das 3D color matrix metering II – System mit einem Arbeitsbereich von 20 Blendenstufen verbaut. Es greift auf einen eigenen 2,016-Pixel RGB-Sensor zurück. Die D7000 nutzt nach meiner Information im Wesentlichen die gleiche Technik.
Das ist kein Nachteil, denn für meinen Geschmack funktioniert das Ganze sehr gut. Wie auch bei der D7000 hat das System am Tag einen leichten Hang zur Überbelichtung – ich stelle daher immer eine Korrektur von -0.3 / -0.7 Blendenstufen ein. In der Dämmerung / im Lowlight haut es mich dagegen direkt aus den Socken. Im Matrix-Mode (nutze ich 99%) einmal draufgehalten und die Kamera fängt exakt die gleiche Lichtstimmung ein wie in der Realität vorhanden – da bin ich baff. Damit kann wirklich jeder Grundschüler perfekte Available-Light-Aufnahmen machen. Mit meiner 550D habe ich immer ewig gefummelt und probiert bis ich zufrieden war. Ohne zusätzliche Korrektur hatte die Canon immer den Drang, die Szenen unnatürlich aufzuhellen.
 
 
46mm, A6.3, ISO 100, 1/160
 
 
70mm, A2.8, ISO 500, 1/80
 
 
24mm, A4.5, ISO 100, 1/80 - Dieses Bild ist im Matrix-Mode aufgenommen. Die Lichtstimmung entspricht exakt der Realität.
 
 
Autofokus
 
Der Autofokus greift auf 39 Sensoren (davon 9 Kreuzsensoren) zurück. Das ist auch der große Vorteil gegenüber der bald erscheinenden Canon 6D mit ihrem verkrüppelten Autofokussystem. Nachteilig ist hingegen die Verteilung der Sensoren um die Bildmitte herum – für manche Fotografen ein Problem (je nach Aufgabenstellung). Ich persönlich nutze meist die mittleren Felder und verschwenke gegebenenfalls, daher stört es mich nicht besonders (ja ich weiss, da hätte auch die Canon 6D gereicht…).
Die Sensoren selbst arbeiten schnell und zuverlässig. Ich habe noch nie erlebt, dass die Kamera die Schärfe nicht erwischt hätte. Selbst im Zoo, durch die Gitter, saß der Fokus immer korrekt.
 
Selbst der Kontrastautofokus arbeitet recht schnell – trotzdem natürlich im Videomodus nicht wirklich benutzbar.
 
Generell merkt man – wenn man vom APS-C kommt – doch schon einen ziemlichen Unterschied zwischen kleinem und großen Sensor. Man muss bei Offenblende doch noch einen Ticken sorgfältiger fokussieren und man muss die Blendenzahl natürlich weiter erhöhen, wenn ein größerer Schärfebereich gewünscht ist. Die Variablen, die einem so im APS-C-Leben im Kopf hängengeblieben sind, haben sich nun alle ein wenig geändert. Aber man gewöhnt sich auch daran.
 
 
Moire...50mm, A5.6, ISO 100, 1/125
 
 
Sensor und Bildqualität
 
In der D600 ist ein Sony-Sensor verbaut. Die Dynamik ist wirklich super, es ist unglaublich, wie viel Informationen noch in dunklen und hellen Bereichen stecken. Das verpflichtet eigentlich zum Fotografieren im RAW und erspart einem via Pseudo-HDR doch gelegentlich die Mehrfachbelichtung. Die Lowlight-Qualität ist fantastisch, erst ab ISO 6400 wird ISO-Rauschen wirklich sichtbar. Die guten Leistungsdaten schlagen sich auch im DxOMark nieder, wo die D600 den dritten Platz erreicht (nach D800e und D800) und damit noch vor Geräten wie z.B. der Canon 5DM3 liegt. Natürlich sollte man – wie immer – einen synthetischen Benchmark nicht überbewerten.
 
 
24mm, A2.8, ISO 1600, 1/25 – Ein sehr dunkler Raum mit sehr hellem Fenster. Die D600 schafft in dieser Situation ein sehr ausgewogenes Bild.
 
 
36mm, A2.8, ISO 250, 1/40 – Bald schon ist Weihnachtszeit…
 
 
48mm, A2.8, ISO 6400, 1/125
 
 
Auf obigem Bild ist gut das erste Rauschen erkennbar – bei ISO6400. Ich habe als maximale Obergrenze ISO3200 in der Kamera angegeben und bin damit rauschfrei für nahezu jede Situation gerüstet. Wenn das nicht mehr reicht, sollte man lieber ein Stativ und eine längere Belichtungszeit nutzen (außer in der Sportfotografie – dort ist das scharfe Bild mit kurzer Verschlusszeit an sich wichtiger als eventuelles Rauschen durch hohe ISO).
 
Faszinierend sind die absolut perfekten Übergänge von hellen Partien in rauschfreie, tiefe schwarze Bereiche – gänzlich ohne Banding (tritt gerne mal bei FourThirds-Geräten auf). Ein schönes Beispiel dafür ist dunkles Haar. Der Canon-Sensor ließ hier gern mal etwas nach und vermatschte die Details, der große Sensor der D600 fängt alles perfekt ein.
 
 
70mm, A2.8, ISO 100, 1/800
 
 
70mm, A2.8, ISO 100, 1/250
 
 
68mm, A2.8, ISO 450, 1/80
 
Das Haar ist sehr detailreich gezeichnet und das Bild geht im Hintergrund in tiefes, perfektes Schwarz über. Nochmal: keine Artefakte, Rauschen, Banding.
 
 
DSC_0548DSC_0548 58mm, A2.8, ISO 100, 1/320
 
 
Im Folgenden einige weitere interessante Beispiele. Die nächsten Aufnahmen entstanden in unserem Simulator-Cockpit und die dort vorherrschenden Lichtbedingungen sind die wahre Hölle für jede Kamera. Die D600 machte beim Shooting eine sehr gute Figur. Ich könnte hier eine Menge Fotos von diversen Kameras posten, die alle suboptimal sind (entweder Zeichnung in den hellen Bereichen und abgesoffene Tiefen oder andersrum). Nicht jede Kamera schafft es, die gesamte Dynamik der Szene fast vollständig abzubilden (inkl. Farben und Details!).
 
 
24mm, A2.8, ISO 360, 1/25
 
In den unteren dunklen Bereichen sind noch viele Details versteckt. Ich mag aber diese natürlichere Nachbearbeitung lieber.
 
 
24mm, A2.8, ISO 200, 1/25
 
Man beachte das Gesicht (Hautfarbe) und die Leinwand (Außenszenerie). Die D600 nagelt den Weißabgleich meiner Meinung nach auf den Punkt fest. Mit meiner 550D wären Leinwand / Gesicht weiss/violett gewesen und die Lichter im Cockpit orange/rot.
 
 
24mm, A2.8, ISO 720, 1/25
 
 
24mm, A2.8, ISO 450, 1/25
 
Kamera-Hölle, doch die D600 kriegt die Szene trotz blendender Lichter und dunkler Ecken vorbildlich in den Kasten. Auch hier wären noch wesentlich mehr Details in den dunklen Passagen herauszuholen gewesen.
 
 
Hier kommt noch ein Beispiel für Dynamik. Beim folgenden Bild denken immer alle, es wäre eine HDR-Aufnahme. Irrtum, alles kommt von einem RAW-Bild. Ich mache mittlerweile fast gar kein “echtes” HDR mehr.
 
 
26mm, A2.8, ISO 100, 1/40 – Kein HDR, nur kurze Nachbearbeitung mit NikSoftware Color Efex (sunlight, vignette, contrast) – fertig.
 
 
Ich habe mich von Anfang an in die Nikon-Farben verliebt. Im Gegensatz zur 550D sind die Farben klar, kräftig, natürlich und klar voneinander abgegrenzt. Selbst bei Lowlight-Aufnahmen sind alle Farben noch klar sichtbar. Das ist keine Selbstverständlichkeit! Bei meiner 550D gabs im Lowlight nur noch weiß, gelb und blau, die Bilder wirkten blutleer und farblos.
 
 
70mm, A2.8, ISO 100, 1/400
 
 
24mm, A2.8, ISO 100, 1/200
 
 
24mm, A2.8, ISO 100, 1/160
 
 
Insgesamt ist die Bildqualität der D600 auf einem Niveau mit Maschinen wie der D800 / Canon 5DM2 oder 5DM3. Noch vor einem viertel Jahr bestaunte ich Aufnahmen mit einer Canon 5DM3 und huldigte dem Fotografen – mittlerweile weiss ich, wie das geht. Es hängt tatsächlich – wenn es hart auf hart kommt – auch von der Kamera ab.
 
Nebenbei macht die D600 auch hervorragende Schwarzweiss-Aufnahmen (bzw. kann man aus den Aufnahmen sehr gute Monochrom-Bilder erzeugen). Die Schärfe und Dynamik ist da – und mit ein wenig schrauben in SilverEfex bewegt man sich schon recht straff in Richtung Steve-Huff-Leica-M… Ich freue mich schon, mit dem kleinen 50mm durch die Gegend zu ziehen – natürlich in schwarzweiss!
 
 
46mm, A4.5, ISO 100, 1/80
 
 
26mm, A2.8, ISO 200, 1/30
 
 
RAW vs JPG
 
Von den ersten JPG-Bildern direkt aus der Kamera war ich ein wenig enttäuscht. Etwas blass und weich. Anstatt einfach mal ein anderes Profil zu wählen (RTFM – read the fucking manual) verabschiedete ich mich gleich in Richtung RAW und bin fortan dort geblieben.
 
RAW-Aufnahmen wirken oftmals etwas flacher, insbesondere hier bei der D600. Dafür enthalten sie auch Details ohne Ende. Beim RAW-processing senke ich daher meist die Belichtung noch ein klein wenig ab (was mir draußen immer perfekt erscheint, kommt mir am Monitor oft zu hell vor) und erhöhe leicht den Kontrast. Danach kommt der Schärfe-Regler ins Spiel: +10% für knackige Schärfe. Abschließend die Farben – auch hier +10/15%. Es kann mitunter auch nicht schaden, den Schwarzwert etwas zu erhöhen. Meist reichen diese Schritte aus, um ein knackiges, sehr farbiges Bild zu erzeugen.
 
 
70mm, A4.5, ISO 100, 1/320 – Fast schon 3D – dem großen Sensor sei Dank…
 
 
52mm, A4.0, ISO 100, 1/60
 
 
Ich kaufte die D600 einige Tage nach dem Release und zu diesem Zeitpunkt gab es natürlich noch keine Updates für Adobe / Aperture, so dass ich für RAW auf die Nikon-eigenen Tools angewiesen war. Ich tat mich reichlich schwer damit und war heilfroh, als Aperture endlich RAW-kompatibel wurde.
Allerdings merkte ich schnell, dass ich in Aperture stundenlang drehen und schrauben konnte und trotzdem nicht die Qualität der Nikon-Software erreichte. Die Farben sahen immer etwas anders aus, es fehlte an Details und gerade in den dunklen Bildpartien ließ sich nicht soviel herausholen.
 
Ich googelte dann etwas durch die Gegend und erfuhr erstaunliches. Nikons RAW-Format (NEF) ist nämlich ein Staatsgeheimnis und sowohl Adobe als auch Apple können die Files nur verarbeiten, indem sie mühevolles “reverse engineering” betreiben. Aber nur Nikon weiss, wie es wirklich funktioniert – deshalb kann auch nur Nikon das letzte Quentchen aus den Bildern herausholen – und das sieht man dann auch.
 
Es gibt aber noch weitere Vorteile der Nikon-Software. Diese nutzt nämlich die gleichen Picture Styles und Begrifflichkeiten wie die Kamera selbst. Auch die Software beherrscht D-Lighting zum Aufhellen der dunklen Bereiche perfekt und besser als Aperture / Adobe (zumindest mit weniger Handgriffen). Zudem habe ich ein nahtloses optisches Erlebnis, will sagen, wenn ich das Bild im RAW-Konverter öffne, sieht es genauso aus wie vorher in der Kamera.
 
 
44mm, A7.1, ISO 100, 1/200
 
 
Also ist alles cool und jeder nutzt die Nikon-eigenen Tools (ViewNX oder für mehr Möglichkeiten CaptureNX2). Aber halt – so einfach ist es im Leben mal wieder nicht. Aperture und Lightroom sind nämlich großartig, wenn es um das Organisieren, Verwalten und Archivieren von Bildern geht (ihr wisst schon, die Workflow-Geschichte). Die Nikon-Software ist hier eine absolute 0-Nummer (Verzeichnisse anlegen ist für mich keine Verwaltung im komfortablen Sinne). Und so muss jeder für sich entscheiden… muss er regelmäßig große Mengen an Bildern durchschaufeln, archivieren, sortieren? Dann sind Adobe oder Aperture besser. Will er aber lieber das letzte Quentchen Qualität herausholen? Dann sollte er CaptureNX2 oder ViewNX benutzen.
 
 
Was gibt’s sonst noch?
 
Ich merke schon, ich schweife ab…
 
Die Kamera bietet weitere Vorteile, die sie für mich positiv von der Canon 6D abheben. Zum Beispiel der eingebaute Blitz und der zweite SD-Card-Slot. Sicherlich kein “must-have”, aber doch gelegentlich durchaus fähig, einem das Leben zu retten.
 
Die D600 bietet einen sehr komfortablen Time-lapse-mode. Sie lässt sich darauf programmieren, in bestimmten Zeitintervallen ein Foto zu schießen. Daraus bastelt sie intern ein 1080p H264-Video zusammen, das man sofort auf Knopfdruck abspielen kann. Hilft Zeit zu sparen – früher fummelte man die Bilder danach manuell zusammen. Hier gibt es ein sehr schönes Beispiel dafür, ein sehr guter Image-Film mit vielen Time-lapse-Aufnahmen – komplett mit der D600 erstellt.
 
 
48mm, A8, ISO 100, 1/125
 
 
Der gesamte Videobereich darf natürlich auch nicht fehlen: 1080p / 720p with 25 / 30 / 50 / 60fps H264 mit allem Drum und Dran. Theoretisch kann man auch ein “cleanes” HDMI-out aufnehmen – darüber müssen wir uns aber später noch mal unterhalten…
 
Die Videoaufnahmen sind schärfer und etwas detailreicher, die Farben natürlicher, als die üblichen Verdächtigen (Canon 550d/600d/60d/7d) ABER – ich gebs ja zu – man sieht Moire und Aliasing. Das ist wahrscheinlich der Preis, den man für die Details zahlen muss. Bereitet einem das körperliche Schmerzen, muss man die Canon 5DM3 nehmen. Die hat kein Aliasing und Moire, dafür aber ein Matschbild. Klingt komisch, ist aber so. Man muss sich also entscheiden. Nachdem ich einige Jahre bereits mit einer Matschbildkamera zugebracht habe (richtig: die 550D), habe ich mich jetzt bewußt für die Nikon D600 entschieden.
 
 
70mm, A8, ISO 100, 1/250
 
 
Gibts auch Kritik?
 
Zwar hat man der Kamera eine HDR-Funktion spendiert, diese ist aber nur im JPG-Mode nutzbar und kombiniert nur zwei Bilder (nicht 3 oder mehr). Wer also wirklich echtes, gutes HDR machen will, wird dies auch weiterhin manuell tun und bessere Ergebnisse erzielen… und der Rest? Soll in RAW fotografieren und Pseudo-HDR machen…
 
Dann sind da die hässlichen Probleme mit dem angeblich cleanen HDMI-Out. Alle haben die D600 flugs an ihre Atomos-Ninjas angeschlossen und dann – oh Schockschwerenot – der angeblich cleane HDMI-Out (der auch so beworben wurde!!) hat einen schwarzen Trauerrahmen außen rum. Sogleich erhob sich ein gewaltiger Shitstorm und nun warten alle gespannt, was Nikon dazu sagt. Kommt der Patch? Man weiss es nicht.
 
Last but not least: leider ist (im Gegensatz zur Canon 6D) kein WLAN eingebaut. Nikon bietet dafür eine kleine, preiswerte USB-Einheit (WU-1b) an, mit deren Hilfe man sein Smartphone / Tablet mit der D600 koppeln kann. Man sieht dann den Live view auf dem Bildschirm des Smartphones, kann den Fokuspunkt mit dem Finger festlegen, auslösen, und die Bilder auf dem Smartphone speichern.
Schöne Sache, aber leider halb. So kann man keine Einstellungen (Blende, Belichtungszeit, ISO) ferngesteuert vornehmen und man kann das kleine Gerät nicht nutzen, um die Bilder auf den PC zu übertragen. Dafür gibt es deutlich teureres Zeug. Schade.
 
 
38mm, A8, ISO 100, 1/250
 
 
70mm, A2.8, ISO 200, 1/80 – Suchbild – Finde das Kind
 
 
Wasch mich denn ich bin schmutzig…
 
Das fieseste Problem überfiel mich vor einigen Tagen aus dem Hinterhalt: der Sensor der Kamera (4 Wochen alt!) ist massiv verdreckt! Nachdem ich die Schnappatmung überwunden hatte, warf ich einen Blick ins Internetz und siehe da… Scheinbar geht es vielen so. Scheinbar wird die Kamera schon so ausgeliefert. Scheinbar sagt Nikon, es gäbe kein Problem. Dafür sind die Diskussionen auf DPreview (und anderen Seiten) ziemlich hitzig…
Eine verbindliche Ursache ist bis jetzt nicht ausgemacht. Einige sagen, es wären Rückstände aus der Produktion, andere sagen, zwei Teile im Verschluss würden aneinander reiben und dieser Abrieb würde den Sensor verschmutzen. Ich sage, Nikon hat ein Problem in der Endkontrolle. Sowas darf in dieser Preisliga einfach nicht passieren.
Viel kann man nicht tun. Wir – die tapferen D600-Besitzer – haben den Sensor alle gereinigt und warten nun bange darauf, was passiert. Es gibt Hoffnung, dass die Quelle der Verunreinigung allmählich versiegen wird… Hoffen wir das Beste. Ein Statement von Nikon wird es wohl nicht dazu geben.
 
Für alle, die sich mit dem Gedanken tragen, eine D600 zu kaufen: ich muss schweren Herzens zugeben, dass man im Moment wohl noch etwas warten sollte. Wahrscheinlich wird Nikon in nächster Zeit klammheimlich die Produktion umstellen und das Problem damit stillschweigend aus der Welt schaffen.
 
 
Fazit
 
Okay, ich liebe das Ding (bis auf das Sensor-Schmutzproblem). Ich liebe die Bildqualität und wie sie sich in meine Hand schmiegt. Sie ist nicht viel größer als eine Fuji X-Pro 1, ein kleines Power-Package, eine Fotomaschine. Sie hat nicht den Sex Appeal oder die Seele einer Leica M aber die Nikon ist ein zuverlässiger Partner und sie tut das, wofür sie gebaut wurde: sie macht in fast jeder Situation sehr gute Bilder. Nicht mehr und nicht weniger.
 
Wer Vollformat möchte, aber keine Bank ausgeraubt hat, sollte diese Kamera nehmen und glücklich werden. Die Bildqualität stimmt. Die Bilder sind nicht so riesengroß wie die der D800 (für mich zu viel des Guten), aber die Bildqualität ist gleich. Man sollte sich allerdings angewöhnen, in RAW zu arbeiten, wenn man nichts verschenken möchte.
 
Wer jedoch kein Vollformat möchte, sollte eine Olympus OM-D / NEX / Fuji u.s.w. nehmen. Für alles unterhalb Vollformat braucht man heutzutage keine DSLR mehr rumschleppen. Die genannten Geräte bieten Bildqualität auf Augenhöhe mit APS-C-DSLRs und sind viel leichter und kleiner. In diesem Bereich sind die spiegellosen klar die Zukunft. (“Denkt immer daran, wer es zuerst gesagt hat” – Na? Woher stammt dieses Zitat?).
 
 
Soll ich die D600 nun kaufen??
 
Wenn Du keine reiche Tante hast, aber Vollformat willst und wenn Du die bestmögliche Bildqualität für Dein Geld willst – kauf sie. Jeder kommt damit klar. Für den Anfänger hat sie komfortable Automatiken, Blitz, Motivprogramme – trotzdem erfüllt sie am anderen Ende der Fahnenstange auch professionelle Ansprüche. Man kann mit der Kamera wachsen und lernen, immer besser werden, und wird die Limits trotzdem je kaum erreichen. Insofern ist sie ein gutes Investment. Die einzige Vollformat-Kamera, die Du jemals brauchen wirst.
 
 
56mm, A8, ISO 100, 1/100
 
 
24mm, A8, ISO 100, 1/100
 
 
66mm, A2.8, ISO 125, 1/80
 
 
Danke fürs Lesen und bis demnächst!

Kommentare

2.Cetus-A
Hallo Petra,

mit dem Schatten - da kann was nicht stimmen. Ich habe eben nochmal meine Bilder durchgesehen und kann definitiv nirgends einen Schatten erkennen. Dann habe ich mal im Web geschaut und auch nichts gefunden. Das scheint also - leider - wirklich ein Problem mit Deiner Kamera oder Deinem Objektiv zu sein.
Hast Du mal geschaut, ob es eventuell an der Sonnenblende liegt? Verwendest Du eventuell eine falsche Sonnenblende oder hast Du sie verkantet / verdreht angesetzt? Wenn es das nicht ist, würde ich versuchen herauszufinden, ob es am Objektiv oder an der Kamera liegt (also die Kamera mal mit einem anderen Objektiv probieren).
Gibt es eine bestimmte Einstellung (Blende, Zoombereich), wo das Problem immer auftritt?

Beste Grüße
Jörg
1.PETRA Kocherscheidt(nicht registriert)
Hallöchen,
ich habe folgendes Problem. Vielleicht kannst du mir ja helfen, ich habe auch die D600 und das Tamron 24-70mm 2:8.
Ich habe des öfteren unten immer einen Schatten im Bild, so als würde das Objektiv ein Schatten ins Bild werfen. Was kann das sein?
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