Cetus-A: Blog http://www.cetus-a.de/blog en-us Jörg Lange joerg.lange@me.com (Cetus-A) Wed, 19 Jul 2017 14:51:00 GMT Wed, 19 Jul 2017 14:51:00 GMT http://www.cetus-a.de/img/s4/v12/u250463421-o823129362-50.jpg Cetus-A: Blog http://www.cetus-a.de/blog 120 120 Zurück zu APS-C http://www.cetus-a.de/blog/2017/7/zurueck-zu-apsc


Es heißt ja immer, eine Kamera ist nur ein Werkzeug. Eigentlich ist es unwichtig, womit man fotografiert. Es zählen nur die Bilder. Das sagte ich mir, als ich 2016 die Leica M aufgab (zu den Gründen kann man hier nachlesen).

Doch ganz so einfach war es dann doch nicht. Fakt ist, das ich in ein kreatives Loch fiel. Es war immer mein Traum gewesen, die legendäre M zu besitzen und ich hatte mich von der M8 über die M9 bis zur M240 hingearbeitet - durchaus auch in mentaler und finanzieller Hinsicht. Mit dem aktuellen Summilux-M 1.4/50mm war ich dann schließlich im Messsucher-Himmel angekommen. Weder vorher noch nachher haben mich Bilder so vom Hocker gerissen wie die Aufnahmen, die ich mit dieser Optik und der M gemacht habe.

Für mich wird das stets der Benchmark bleiben. Diese Kombination aus Vollformat, Blende F1.4 und den optischen Qualitäten des 50er Summilux - perfekte Schärfe bei Offenblende, perfekter Übergang in die Unschärfe, weiches Bokeh, enormes Freistellpotential - und das alles so klein und leicht.
 

Leica M mit Summilux-M 1.4/50mm - mein persönlicher Benchmark

 

Was bleibt, wenn es nicht die Leica M sein kann? Bleibt man im Leica-Land? Schließlich gibt es noch die Leica SL, die Leica Q, die X-Vario, die Leica TL oder die X-Serie generell. Nun, meine Anforderungen waren so präzise wie einfach. Ich wollte die Flexibilität von Wechseloptiken (ich hatte in meinem ganzen Leben nie etwas anderes), ich wollte die klassische Bedienung und wenig Gewicht. Damit waren die Q und die X-Reihe raus (keine Wechseloptik) und die TL* ebenso (keine klassische Bedienung). Blieb noch die SL - für mich und meinen Rücken viel zu groß und schwer.

*Bemerkung: Bei der Leica TL2 sieht die Sache schon wieder anders aus. Zwar gibt es auch hier keine "klassische" Bedienung, in allen anderen technischen Belangen finde ich das Gerät jedoch sehr ansprechend. Sobald mir Leica ein Testmuster zur Verfügung stellt, werde ich darüber berichten.

 

Eigentlich die perfekte Vollformat-Kamera, aber teilweise große Objektive und zu wenig "Fotoapparat" für meinen Geschmack

 

Damit wurde die Wahl nun langsam eng. Was ist mit der Sony A7-Serie, oder mit Sony generell? Die Sony-Kameras sind mir zu computerhaft, zu seelenlos. Ich hatte eine Weile versucht, mit der A7r warm zu werden, aber obwohl die Kamera großartige Bilder machte, störte ich mich immer an diesem Point&Shoot-Feeling. Dazu kommt, dass die Objektive meist auch nicht viel kleiner als die der gewöhnlichen Vollformat-Kameras sind - hauptsächlich wegen des Autofokus, dessen Fehlen ja ein ganz wesentlicher Grund für mich war, die M zu verlassen.

Über die restlichen Optionen lohnte es dann kaum noch nachzudenken. Nikon und Canon? Wegen diesen schweren Geräten bin ich ja überhaupt erst zur Leica M gekommen. Wieder 1,5 Kilogramm Body und Glaswarenladen rumschleppen? Auf gar keinen Fall.

Groß und schwer - trotz top Bildqualität keine Alternative mehr für mich

 

Es wurde also schnell klar: möchte ich "klein, leicht, hochgeöffnet und offenblendentauglich" mit Vollformat verbinden, bleibt mir nur die Leica M. Ansonsten gilt es, Kompromisse einzugehen. Die zwingende logische Konsequenz daraus war wohl oder übel: APS-C.

Mein Weg führte also unweigerlich zurück zu jenem "Halbformat", dem ich einst so siegessicher in blinder Arroganz den Rücken gekehrt hatte.

Dazu möchte ich einmal ganz kurz ausholen. Was bedeuten eigentlich "APS-C" und "Vollformat"? Ein Sensor im Vollformat entspricht dem Bildformat eines 35mm-Kleinbildfilmes. Dieses Format kennen wir von vielen Jahren analoger Fotografie, die Brennweiten und Blendenwirkungen haben wir verinnerlicht. Dazu kommen die technischen Vorteile, die mit der digitalen Fotografie Einzug gehalten haben. Ein großer Sensor fängt automatisch mehr Licht ein als ein kleiner, in der Regel erhält man damit mehr Dynamik, weniger Rauschen - ganz allgemein mehr Bildqualität.

Als die digitale Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte, waren große Bildsensoren sehr teuer. Deshalb behalf man sich selbst bei Profi-Geräten zunächst mit kleineren Sensoren. Ein ganz typischer Vertreter dieser Art war (und ist) der APS-C-Sensor (oder DX bei Nikon). Die Sensorfläche eines solchen APS-C-Sensors ist je nach Hersteller ca. 1,5mal kleiner. Der APS-C-Sensor erwies sich schnell als guter Kompromiss zwischen Kosten und Leistung. Er bedingt zudem kleinere und preiswertere Bauformen, sowohl beim Gehäuse als auch bei den Optiken. Das führte letztendlich dazu, dass dieser Sensor bis heute weit verbreitet und in vielen - auch professionellen - Geräten zu Hause ist.

Ein Sensor, der um den Faktor 1,5 kleiner ist, bedeutet aber auch, dass man eine andere Brennweite benötigt, um den gleichen Blickwinkel wie im Vollformat zu erzielen. Um zum Beispiel einen Blickwinkel zu erreichen, der im Vollformat 50 Millimetern entspricht, benötigt man bei APS-C genau 50mm geteilt durch unseren Faktor 1,5 - das sind 33,33 oder rund 33mm. Wie kann man sich das bildlich vorstellen? Auf Wikipedia gibt es dazu einen Satz, der das sehr anschaulich beschreibt: Eine Verkleinerung der lichtempfindlichen Fläche bewirkt einen Beschnitt des Bildfeldes (Verkleinerung des Bildwinkels). Der Formatfaktor wird auch Crop-Faktor genannt (von englisch to crop = beschneiden). Eine Verkleinerung des Aufnahmeformates entspricht einer Ausschnittvergrößerung.

Sehen wir also gedanklich einen Vollformatsensor vor uns, der von einem 50mm-Objektiv gleichmäßig ausgeleuchtet wird. Mit diesem wird nun ein Foto gemacht. Wenn wir den Sensor jetzt um den Faktor 1,5 verkleinern, hat das den selben Effekt, als hätten wir das Foto um den Faktor 1,5 mittig zentriert beschnitten. Um in diese kleinere Sensorfläche nun trotzdem den gleichen Inhalt wie vorher zu bringen, benötigen wir also eine andere Brennweite; mehr Weitwinkel - hier konkret 33mm (50mm geteilt durch 1,5). Schrauben wir nun ein Objektiv mit 33mm Brennweite vor den verkleinerten Sensor, so erhalten wir den gleichen Bildinhalt wie beim Vollformat-Sensor mit einem 50mm-Objektiv.

Wichtig ist hierbei vor allem: wir verwandeln kein 33mm-Objektiv auf magische Art und Weise in ein 50er, wenn wir es vor einen APS-C-Sensor setzen. Das 33mm-Objektiv bleibt, was es ist, komplett mit seiner Charakteristik (z.B. Freistellungsvermögen). Es bringt aber auf den kleineren APS-C-Sensor den selben Bildinhalt, für den ein Vollformat-Sensor ein 50mm-Objektiv benötigt. Wer bis hierhin folgen konnte wird nun auch verstehen, warum der Unschärfebereich bei APS-C immer kleiner ist, man also weniger freistellen kann. Wir haben nach wie vor nur ein 33mm-Objektiv vor dem Sensor, und das hat nunmal weniger Freistellpotential als ein 50mm-Objektiv bei gleicher Blende.

Um also mit dem 33mm-Objektiv an APS-C auch die gleichen Freistellmöglichkeiten zu erreichen wie bei einem 50mm F1.4 an Vollformat, müsste man die Offenblende (F1,4) des 50mm ebenfalls durch den Faktor 1,5 teilen. Das ergibt bekanntlich 0,93 und würde bedeuten, dass das 33mm-Objektiv eine Offenblende von F0,93 haben müsste, um die gleiche Freistellung wie das 50mm F1.4 an Vollformat erzielen zu können.

Umgekehrt bedeutet das, dass ein 33mm F1.4 an APS-C der Bildwirkung eines 50mm F2.1 am Vollformat entspricht.

Das war eine Menge Text zu den wichtigsten optischen Unterschieden. Es gibt jedoch auch noch die technischen Befindlichkeiten, die ich Eingangs schon erwähnte. Der kleinere Sensor sollte weniger Dynamik bieten und etwas mehr rauschen, um es auf den Punkt zu bringen. Hier hilft uns allerdings die Computertechnik, die es mittlerweile fast geschafft hat, diese Unzulänglichkeiten nahezu auszugleichen. Die aktuellsten APS-C-Sensoren sind wirklich gut und von Vollformat-Modellen nur noch in extremen Aufnahmesituationen unterscheidbar. Schaut man mal bei DXO, wo sich z.B. die Sony A6300 im Ranking befindet, wird das schnell deutlich. Mag man vom DXOMark halten was man will, einen groben Anhaltspunkt liefert er hier auf jeden Fall. Ich kann diese Ergebnisse, vor allem hinsichtlich Dynamik, in der Praxis auch bestätigen. Moderne APS-C-Sensoren überholen in punkto Low-Light-Fähigkeiten und Dynamik sogar einige Vollformat-Sensoren oder ziehen zumindest mit ihnen gleich. Das gilt auch für die Auflösung. Bei der Fuji X-Pro2 mit APS-C-Sensor wurde beispielsweise eine maximale Auflösung von 2.104 Linienpaaren gemessen (Quelle), bei der Nikon D750 mit Vollformat-Sensor sind es dagegen nur 1860 Linienpaare (Quelle). Hier spielen natürlich auch noch andere Faktoren wie Tiefpassfilter oder Bildverarbeitung (Bayer vs X-Trans) eine Rolle. Ich finde es dennoch beachtlich.

Das sollten erst einmal genug Informationen sein um sich Gedanken zu machen, was denn nun beim Wechsel von Vollformat auf APS-C anders wird. Für mich lautete die Frage ganz konkret: "Was verliere ich, wenn ich von Vollformat auf APS-C (mit hochlichtstarken Festbrennweiten) wechsle? Gewinne ich eventuell sogar etwas?"

Ich denke, unter Einbeziehung meiner obigen Ausführungen kann man den Unterschied auf vier wesentliche Dinge herunterbrechen:

1. APS-C bietet bei gleicher Blende weniger Freistellpotential

2. APS-C bietet etwas weniger Dynamik (um Schatten aufzuhellen oder Lichter zu retten) und ein etwas schlechteres Rauschverhalten

3. APS-C-Geräte sind leichter, kleiner und preiswerter (auch die Objektive)

4. Man muss hinsichtlich der Brennweiten umdenken (Cropfaktor)

Vernachlässigen kann man meiner Ansicht nach den Punkt 4. Hat man sich einmal dran gewöhnt, dass die gewohnten Brennweiten umzurechnen sind, ist das Thema abgehakt. Für mich persönlich haben daher nur die Punkte 1, 2 und 3 Relevanz.

Welcher von den beiden Punkten nun besonders ins Gewicht fällt, kommt ganz darauf an, aus welcher Richtung man sich annähert. Wäre ich beispielsweise von meiner alten Kombi Nikon D600 mit 24-70mm F2.8 gekommen, dann hätte ich in erster Linie Dynamik und beim Rauschverhalten (Punkt 2) eingebüßt. Zwar sind die Sensoren aktueller APS-C-Geräte, wie gesagt, mittlerweile sehr gut - aber ein wenig Spielraum fehlt eben doch. Was man nicht verliert, sind Freistellpotential und Bildqualität, denn eine APS-C-Festbrennweite mit Lichtstärke F1.4 ist einer Vollformat-Zoomoptik mit Lichtstärke F2.8 in diesen beiden Punkten voraus und zudem noch leichter und billiger (Punkt 3). Wäre ich also von meiner damaligen Nikon-Ausstattung direkt auf APS-C mit Festbrennweite gewechselt, hätte mir das wahrscheinlich nicht groß wehgetan.

 

Palma @12mmPalma @12mm

Vollformatsensoren (hier die Nikon D600) bieten vor allem eine gewaltige Dynamik, d.h. sehr viel Spielraum in Lichtern und Schatten.

 

Ich kam jedoch von der Leica M240 mit dem 50er Summilux (F1.4). Hier ist es nun genau andersrum. Bei Dynamik und Rauschverhalten (Punkt 2) verliert man von der Leica zu einem aktuellen APS-C-Gerät kaum, denn der Sensor der M240 ist in dieser Hinsicht eher mittelprächtig -  da sind zeitgemäße APS-C-Geräte durchaus besser. Punkt 3 (Kosten, Größe, Gewicht) ist eine zweischneidige Sache. Zwar ist man in Leicaland deutlich teurer unterwegs, in Sachen Gewicht und Größe ist man aber durchaus auf dem Niveau von APS-C-Geräten oder sogar besser. Das große "Aber" kommt, wenn wir unser Auge auf die fantastischen Leica-Optiken, im speziellen das aktuelle 50mm Summilux richten. Dabei fällt nämlich sofort auf: es geht Freistellpotential verloren (Punkt 1). Und dieser Mangel hat einen Haken: er lässt sich nicht ohne weiteres ausgleichen.

 

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Die Qualitäten eines Summilux-M 1,4/50mm Asph FLE wird man unter APS-C nicht finden.

 

Doch, wird nun mancher rufen, nimm doch einen Speedbooster. Ein Speedbooster (oder Fokalreduktor) ist ein besonderer Adapter, der optische Elemente beinhaltet. Mit Hilfe dieses Adapters kann man ein Vollformat-Objektiv mit einem APS-C-Sensor verbinden und dabei dessen Eigenschaften beibehalten. Die optischen Elemente des Adapters verkleinern den Bildkreis des Objektives derart, dass dieses den APS-C-Sensor perfekt ausleuchtet. Dadurch bleiben Freistellpotential und Brennweite des Objektives praktisch erhalten. Man muss jedoch bedenken, dass der Adapter konstruktionsbedingt trotz allem auch wieder potentielle Bildfehler erzeugen kann und somit die Qualität des adaptierten Objektives möglicherweise etwas herabsetzt. Auch gibt es keinen qualitativ hochwertigen Speedbooster, der den Einsatz von Leica-M-Optiken erlaubt. Das liegt in den baulichen Besonderheiten dieser Objektive begründet. Das Summilux scheidet damit also schon einmal aus.

Aber es muss doch andere hochwertige Gläser geben, die man mit einem Speedbooster nutzen kann? Ja, die gibt es durchaus. Die in Frage kommenden Zeiss-Optiken sind aber derart massiv, dass ich da auch gleich eine DSLR nehmen könnte. Und die kleineren, leichteren Vertreter, z.B. die 50er "Nifty-fifties", die alle Hersteller anbieten - das sind mit Verlaub teilweise Flaschenböden. Wenn ich auf F2.0 abblenden muss um ein scharfes Bild zu bekommen, kann ich auch ein APS-C-Objektiv nehmen, das bei F1.4 nur halbwegs scharf ist.

Den Metabones Speedbooster gibts für schlappe 479$...

ZEISS Otus ObjektivfamilieZEISS Otus ObjektivfamilieDie aktuellen ZEISS Otus Objektive sind kompromisslos in ihrer Abbildungsleistung ...kombiniert mit einem Zeiss Otus-Objektiv kommt man damit sicherlich an ein Summilux heran, aber wer will das schon schleppen!

 

Damit sind die Skeptiker jedoch immer noch nicht zufrieden. Ich schrieb ja weiter oben, dass es eines 33mm F0.93 bedarf, um einem 50mm F1.4 am Vollformat in seinem Freistellpotential nahe zu kommen. Solche Objektive (35mm F0.95) gibt es doch bei einigen fernöstlichen Herstellern, werden jetzt Einige ausrufen. Natürlich habe ich das persönlich ausprobiert, dazu an geeigneter Stelle mehr. Ich kann mit Gewissheit sagen: ich kenne kein F0.95-Objektiv, das bei Offenblende die gleiche Bildschärfe und Qualität wie ein Summilux bei F1.4 erreicht und das ist wahrscheinlich konstruktiv in einem vertretbaren finanziellen Rahmen auch gar nicht machbar. F0.95 sind nunmal mit diversen kritischen optischen Eigenschaften behaftet, denen nicht so einfach beizukommen ist, ganz abgesehen von Größe und Gewicht, die mit einem derartigen Glaswarenladen erreicht werden. Dagegen ist die Konstruktion eines ordentlichen F1.4-Objektives fast schon als einfach und unproblematisch zu bezeichnen.  Somit ist es nach meiner Erfahrung schlicht unmöglich, ein vergleichbares Objektiv zum 50er Summilux an APS-C zu finden. Entscheidet man sich für Bildqualität, landet man bei minimal F1.4 (was eben nur F2.1 am Vollformat entspricht), entscheidet man sich für Fernost-Produkte mit F0.95, erreicht man zwar die Freistellungsmöglichkeiten eines F1.4 am Vollformat, opfert dafür aber die Offenblenden-Bildqualität (je nach Produkt sehr deutlich). Und über einen möglichen APS-C-Ersatz für das Leica Noctilux haben wir da noch gar nicht geredet.

 

Das SLR Magic 35mm T0.95 Hyperprime II ermöglicht Vollformat-Feeling an APS-C. Allerdings erreicht es nie die Qualitäten eines Summilux F1.4, da es mit seiner extremen Blendenöffnung zahlreiche problematische Eigenschaften entwickelt.

 

Es bleibt also dabei: hier haben wir ein echtes, unlösbares Dilemma und wer wie ich das 50er Summilux nun mal liebt und (fast) immer dabei hat, für den ist das dann schon ein ziemliches KO-Kriterium und ein ganz eindeutiger Nachteil, den man sich mit APS-C "einkauft".

 

Auf Grund frühzeitiger Konditionierung muss ein Fotoapparat bei mir Blendenring und Zeitenrad haben.

 

Wir fassen also zusammen: mit dem Umstieg von der Leica M240 auf APS-C verliere ich vor allem Freistellpotential. Hinsichtlich Schärfe wird es bei aktuellen APS-C-Sensoren keine Unterschiede geben, in Sachen Dynamik und Rauschverhalten verbessere ich mich sogar. Größe und Gewicht bleiben - je nach Gerät - identisch. Preislich bewege ich mich im direkten Vergleich fast schon im Schnäppchen-Bereich.

Als ich all meine Bilder betrachtete, fiel mir schließlich auf, dass ich ausgerechnet die von mir meistgeliebte Eigenschaft - das Freistellpotential einer Vollformat-Optik mit F1.4 - nur sehr selten genutzt habe. Bokeh ist zwar schön anzusehen, ein bildwichtiges Element ist es aber meist nicht.

Einen Tod stirbt man ja bekanntlich immer und so machte ich mich schließlich im APS-C-Segment auf die Suche. Mir schwebte etwas vor, das mir zumindest in Teilen ein wenig Leica-Feeling erhalten sollte. Ein individuelles, auf den Fotografen ausgerichtetes System mit einem guten Angebot an hochwertigen Festbrennweiten, möglichst klassische Bedienung und eine kleine, aber feine Community. All diese Kriterien passen im APS-C nur auf einen einzigen Hersteller außer Leica: Fuji.

Als diese Entscheidung einmal gefallen war, war es dann nur noch ein kurzer, logischer Schritt hin zur X-Pro2. Die X-Pro2 bietet eine Bedienung über Blendenring und Zeitenrad und ihr Design ist eine Hommage an die alten Messsucher-Kameras. Sie hat sogar einen optischen Sucher. Größe und Gewicht sind durchaus vergleichbar mit der Leica M.

Mittlerweile ist ein dreiviertel Jahr vorüber. Ich habe mit der Fuji X-Pro2 drei Urlaube und einige Ausflüge fotografiert. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mit ihr warm geworden bin. Ich habe mit dem X-Trans-Sensor Probleme hinzubekommen, die ich vorher nicht hatte (Stichwort RAW-Interpretation von Lightroom) und ich habe mich mit vielen Fuji-Optiken auseinandergesetzt. Das alles wäre schlicht zuviel für einen einzigen Erfahrungsbericht und deshalb werde ich meine Reise im "Fujiland" in Episoden beschreiben.

Klassische Bedienung und Messsucher-Design - außer bei Leica gibts da nur bei Fuji

 

Vor kurzem kündigte Leica zudem die TL2 an. Zwar habe ich die T(L) weiter oben im Text wegen ihrer modernen Bauform ausgeschlossen, die TL2 hat jedoch derart ansprechende technische Daten, dass ich sie trotzdem definitiv testen werde, sobald mich ein entsprechendes Exemplar erreicht. Die Ergebnisse gibt es natürlich hier im Blog zu lesen. Noch ist also nicht entschieden, wohin mich mein Weg letztendlich führen wird.

Leica TL2, modernes, schnörkelloses Design und modernste Technik. Führt mich mein Weg doch wieder zurück zu Leica?

 

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) a7 a7r aps-c bericht d600 fuji leica leica m leica m240 m240 nikon review sony summilux test testbericht vollformat x-pro x-pro2 zeiss http://www.cetus-a.de/blog/2017/7/zurueck-zu-apsc Wed, 19 Jul 2017 14:41:37 GMT
Bevor es weitergeht... http://www.cetus-a.de/blog/2017/5/bevor-es-weitergeht The PictureThe Picture

Manchmal hält man für einen Moment inne und beginnt, gewisse Dinge im Leben zu hinterfragen. Meist geschieht dies in Verbindung mit einschneidenden persönlichen Erlebnissen oder Veränderungen. Auch meine Familie ist davon nicht verschont geblieben und das hat mich dazu gebracht, über vieles nachzudenken. Einige dieser Gedanken möchte ich mit meinen Blog-Lesern teilen, denn sie betreffen mein liebstes Hobby, bzw. die Art und Weise, wie ich es ausübe. So mancher wird sich da wohl auch wiedererkennen.

Wie oft ist man eben nicht zufrieden mit dem, was man hat. Wie oft heißt das Motto nur "schneller, höher, weiter". Man ist immer auf einer rastlosen Suche nach dem "next best thing". Neue Kamera, neues Objektiv, neues System. Koste es, was es wolle. Auch mit den Bildern ist es nicht anders. Viele von uns sind immer auf der Hatz nach neuen Motiven und frischen Eindrücken. Dann schnell damit nach Hause, mit den neuesten Tools bearbeiten und möglichst auf 10 verschiedenen Plattformen posten. Was? Weniger als 50 Likes? Weltuntergang! Selbstzweifel. Vermutlich liegt es an der Ausstattung. Also neues Objektiv, neue Software, neue Tutorials, neue Jagd. Auch ich verfalle dieser Spirale immer wieder. Wie oft messe ich meine persönliche Größe, ja meinen Lebenserfolg, nur daran, wieviele Klicks ein Artikel in diesem Blog erhält oder was andere zu einem meiner Bilder sagen. Meine Gesundheit und meine Familie nehme ich dann oft nur als Nebensächlichkeiten wahr.

Kürzlich ist eine Person in meiner Familie verstorben. Nach seinem Tod ist mir irgendwann bewußt geworden, dass er für mich eigentlich ein Vorbild hätte sein können, denn er war in vielen Dingen so anders als ich. Er war bescheiden, er war mit dem zufrieden, was er hatte. "Schneller, höher, weiter"... das ließ ihn kalt. Er brauchte nur wenige Dinge im Leben, um damit glücklich zu sein.

Im Nachhinein wünsche ich mir nun, auch so sein zu können - wenigstens ein klein wenig. Mal runterkommen, mal die Gegenwart genießen, mal innehalten, einmal das festhalten, was man hat und damit zufrieden sein. Ich glaube, ich werde das nie schaffen (wir sind alle Sklaven unseres Charakters) aber zumindest kann man es ja immer wieder versuchen und an sich arbeiten, sich selbst hinterfragen.

Was habe ich zum Beispiel im letzten Jahr getrauert, als ich die Leica hergeben musste! Wie lächerlich war diese Trauer aus heutiger Sicht - wenn einem das Leben die Perspektive mal kräftig nachjustiert. Was bis gestern noch der Lebensmittelpunkt war, sind plötzlich nur noch "First-world-problems".

Trotzdem - letztendlich definieren wir uns dadurch, was wir gern tun. Bei mir ist das nun mal das Thema Technik, Optik, Fotografie, Software und ich muss wohl einsehen, dass mich das immer wieder reizen wird. Vielen geht es so wie mir und genau deswegen gibt es diese Blogs, in denen sich Leute begeistert über ihre neuesten Spielsachen austauschen und sich gegenseitig dazu anstacheln, sehr viel Geld auszugeben im Tausch für ein wenig Glückseeligkeit. Ich denke, das ist in Ordnung so.

Die Verhältnismäßigkeit sollte jedoch immer gewahrt bleiben. Was ist wichtiger? Lebensqualität oder die neueste Technik - oder anders gefragt: erhöht die neueste Technik meine individuelle Lebensqualität? Macht mich eine Sony A9, eine Fuji GFX oder eine Leica M10 zu einem besseren Fotografen, gar zu einem besseren Menschen? Verbessern diese Geräte mein Hobby, mein Leben, meine Gesundheit? Sicherlich mag ein gelebtes und geliebtes Hobby seinen Teil zur Lebensqualität beitragen aber geht es mir wirklich um dieses Hobby, die Fotografie an sich oder nur darum, wieder etwas neues auspacken zu dürfen? Will ich mir nur Bestätigung verschaffen, mein Ego streicheln und mich belohnen? Allzu leicht begibt man sich in eine gefährliche Spirale, in der man dem vermeintlichen Glück ("nur noch dieses eine letzte Gerät") zwar stets nachläuft, es aber nie erreicht. Im schlimmsten Falle ist das keine Fotografie mehr sondern Kaufsucht und fernab jeder gesunden Balance.

Und jenen, die mit religiösem Eifer, ja fast schon Fanatismus, in den Foren und anderswo diskutieren als ginge es um ihr Leben, manchmal auf höherem technischen Niveau als jeder Profi, möchte ich sagen: es geht hier zumeist um ein Hobby und ein Hobby ist doch immer nur eine (schöne) Nebensächlichkeit, ein Zeitvertreib. Das Sahnehäubchen sozusagen.  Unsere Gesundheit und unsere Familien, Zufriedenheit und Glück - das sind die eigentlichen wertvollen Hauptsachen, die Basis, die man meist schon besitzt und trotzdem ignoriert, weil man damit beschäftigt ist, dem Glitzerkram des Lebens verbissen hinterherzujagen.

Deswegen einfach mal einen Gang runterschalten, durchatmen, entspannen. Mit Frau und Kindern spazieren gehen anstatt sich in Foren verbal zu prügeln oder Testberichte zu lesen. Mal ein Objektiv nicht kaufen und dafür lieber eine kleine Reise machen. Dem Hobby entspannt nachgehen (es geht hier nicht um ein militärisches Manöver). Vielleicht die Familie mehr einbeziehen. Ganz allgemein: die wirklich wesentlichen Dinge des Lebens genießen. Irgendwann kommt nämlich der Punkt, an dem das nicht mehr geht und wer will dann schon zurückschauen und sich wehmütig sagen: "Hätte ich mal..."

 

WaitingWaiting

 

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) http://www.cetus-a.de/blog/2017/5/bevor-es-weitergeht Tue, 30 May 2017 18:42:23 GMT
10 Fragen an... Norbert Windecker http://www.cetus-a.de/blog/2017/2/10-fragen-an-norbert-windecker norbert.windecker@gmail.com

Norbert Windecker ist durch seinen Blog norbertwindecker.blogspot.de vor allem in der Leica-Welt bekannt. Zuletzt berichtete er ausführlich über die neue Leica SL und die dazugehörigen Objektive. Die SL ist mittlerweile zu seinem primären Arbeitsmittel geworden, trotzdem ist auch die M immer mit dabei. Zur Zeit fotografiert Norbert meist Hochzeiten und dokumentiert das auf www.bilderliebe.de. Er liebt jedoch auch die Landschaftsfotografie und versucht sich seit neuestem mit der SL sogar am Bewegtbild.


Norbert, Willkommen bei cetus-a.de und bei "10 Fragen an...". Danke, dass Du Dir Zeit genommen hast. Im Folgenden versuche ich, mit 10 Fragen ein möglichst umfassendes Bild von Dir und Deiner Arbeit zu erstellen.

(1) Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Zur Fotografie kam ich ein wenig über meinen großen Bruder und meine Nachbarn und Freunde. Diese waren etwas älter als ich und fotografierten alles auf Dia. 1990 war es dann bei mir soweit und ich habe mir eine Nikon 601 gekauft. Schon viel länger hatte mein Vater eine Leica Ausrüstung, die ich auch immer mal benutzen durfte. So wurde es immer mehr und die Nikon reichte mir nicht mehr. Ich wollte auch eine Leica und habe dann mit meinem ersten Lehrgeld eine Leica M6 titanisiert mit Summicron 50 mm gekauft. Damit fotografiert ich bis 2008 (dem Einstieg in die digitale Welt) hauptsächlich auf Reisen und ansonsten alles, was mir so vor die Linse kam. Da Leica zu der Zeit noch keine konkurrenzfähigen digitalen Kameras baute, stieg ich später komplett auf Nikon um. Mit einer Nikon D3 und allerhand Optiken wurde aus dem Hobby nach und nach mehr. Ich fotografierte viele Sportereignisse, nahm Aufträge an und begann im Nebengewerbe Hochzeiten zu fotografieren. Zeitweise war das schon sehr aufwändig, ich musste manchmal sogar Aufträge absagen. Da ich im Hauptberuf angestellter Uhrmachermeister bin, bleibt natürlich nur die Freizeit für die Fotografie. Zusammen mit familiären Pflichten wird mein Hobby daher stets nur Nebengewerbe bleiben. Aber vielleicht macht es mir gerade deswegen immer noch unheimlich viel Freude.
 

norbert.windecker@gmail.com



(2) Was sind Deine bevorzugten fotografischen Themen?

Auch wenn aktuell die Auftragsarbeiten wie Hochzeiten dominieren, so fotografiere ich gerne auf Reisen in aller Welt - dabei am Liebsten die Schönheit unberührter Natur, also Landschaften. Früher habe ich auch immer gern Wildlife und Sport fotografiert, aber dafür ist leider keine Zeit mehr.

 

norbert.windecker@gmail.com

(3) Welche technische Ausrüstung nutzt Du?

Aktuell arbeite ich ausschließlich mit Leica; eine M und eine SL als Digitalkameras und zwei analoge Spiegelreflexmodelle. Zwar besaß ich früher hochwertige Geräte von Nikon und konnte damit alles erdenkliche Fotografieren, doch durch ein paar glückliche Kontakte kam ich wieder zurück zu meiner Heimatmarke aus Wetzlar.
Ich bin mit diesem Schritt sehr glücklich. Nicht alles ist bei Leica besser, aber es macht deutlich mehr Spaß damit zu arbeiten. Und ganz nebenbei benutzt man konkurrenzlose und überragende Objektive. Es ist eben deutsche Wertarbeit, die man in den Händen hält und kein japanisches Massenprodukt. Das hat zwar auch seinen Preis, aber es war halt schon immer teuer, einen besonderen Geschmack zu haben.
Da die Ausrüstung für mich nicht nur Spielzeug ist, sondern ich damit auch Geld verdienen muss, ist die Zuverlässigkeit sehr wichtig. Bei Leica kann ich im Support mit echten Menschen in meiner Sprache sprechen, wenn es notwendig sein sollte.

 

norbert.windecker@gmail.com



(4) Welches ist Dein Lieblingsobjektiv?

Mein aktuelles Lieblingsobjektiv ist das Leica Summilux-SL 1,4/50 mm - das vermutlich beste 50mm-Objektiv, das man aktuell kaufen kann. Doch mich fasziniert daran nicht nur der technische Aspekt, sondern auch die Brennweite an sich. Im Laufe der Jahre habe ich viel Objektive besessen, aber ein derart perfekte Kombination aus Lieblingsbrennweite und technisch/optischer Umsetzung - etwas besseres gibt es für mich nicht.

 

norbert.windeck@gmail.com

(5) Gibt es ein besonders positives Erlebnis, das Du mit der Fotografie verbindest?

Es war vor vielen Jahren auf einem See in Mecklenburg-Vorpommern. Wir fuhren früh morgens mit dem Boot raus und wollten Seeadler beim Fischen fotografieren. Trotz etwas Nebel sahen wir den Seeadler weit oben in einer Baumkrone sitzen. Wir warteten mehrere Stunden, bis er dann urplötzlich losflog und mit dem Fischen begann. Jetzt musste alles schnell gehen. Das Boot in Position bringen und hoffen das der Adler möglichst dicht bei uns vorbeiflog - und natürlich auch von der richtigen Seite kam. Nach einigen Anläufen klappte es schließlich. Meine alte Nikon D3 ratterte fleißig und ich konnte mit einem 500 mm Objektiv den perfekten Moment erwischen. Der Ausschnitt, das Licht, die Entfernung, die Schärfe. Alles passte. Ich weiß, dass nicht wenige Fotografen auf solch eine Gelegenheit lange warten und endlose Anläufe brauchen, um schließlich tolle Bilder heimzubringen. Ich hatte dieses Glück bereits beim zweiten Versuch! Solch einen besonderen und seltenen Moment einzufangen, war eine tolle Erfahrung. Das Bild hat bei mir einen Ehrenplatz und wird regelmäßig von Besuchern bewundert.

 

www.norbert.windecker.de



(6) ...und gibt es auch ein besonders negatives Erlebnis?

Als 2002 die große Flut in Glashütte begann, war danach vieles zerstört und es sah aus wie im Krieg. Ich wohnte mitten drin im Katastrophengebiet und war selbst betroffen. Ich half wo ich nur konnte und hatte immer meine Leica M6 mit dabei. Nebenher fotografierte ich das Elend und die Schäden im Ort. Mehrfach wurde ich deswegen blöd angemacht, sogar von der Polizei. Ich ließ mich allerdings nicht davon beirren, da ich keiner der angereisten Katastrophentouristen, sondern eben selbst betroffener Anwohner war.
Später habe ich dem Einen oder Anderen meine Fotos gegebenen. Nach und nach habe ich dann erfahren, das die Bilder durch den ganzen Ort gingen und im Laufe der Zeit immer weiter verbreitet wurden. Mich hat sehr geärgert, dass erst gemeckert wurde - aber anschauen wollte die Bilder dann doch jeder.


(7) Gibt es etwas, was Du in Zukunft gern tun würdest?

Seit Jahren suche ich ein Thema, dem ich mich voll widmen möchte. Wohlwissend, das man nur dann richtig gute Bilder machen kann, wenn man sich auf etwas wirklich spezialisiert. Doch das ist mir bisher nie gelungen. Ich war fotografisch schon immer sehr breit aufgestellt und fotografiere gerne alles was ich sehe. Aus dem Grund ist mein Portfolio auch so abwechslungsreich. Vielleicht will ich mich insgeheim auch gar nicht auf ein Thema festlegen. Vielleicht ist gerade das bei mir auch der Schlüssel zum Erfolg. Wenn man es so betrachtet, gibt es eigentlich wenig, was ich gerne fotografisch tun würde, aber nicht mache.
Klar, noch mehr Reisen und dabei Fotografieren - das wäre schon schön. Aber das ist ein anderes Thema...

 

norbert.windecker@gmail.com

(8) Wer inspiriert Dich?

Das ist nicht so einfach. So verschieden meine eigenen Motive sind, so verschieden sind auch meine Vorbilder. Grundsätzlich mag ich den klaren und übersichtlichen Stil. Bilder dürfen nicht mit Informationen überladen sein. Von daher gefällt mir schon seit einiger Zeit was Ronny Behnert (www.bewegungsunschaerfe.de) macht. Das ist für mich ganz große Fotokunst, kein schnelles Geknipse sondern echte Fotografie. In diese Richtung möchte ich mich auch weiterentwickeln.

 

norbert.windecker@gmail.com

 

(9) Welches fotografische Gimmick würdest Du kaufen, wenn Geld keine Rolle spielte?

Einen großen Briese-Blitzschirm.


(10) Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie?

Die Fotografie hat in den letzten zehn Jahren technisch enorm viel gewonnen. Schlechte Kameras oder Sensoren gibt es praktisch nicht mehr. Immer mehr Megapixel und immer besserer Dynamikumfang bietet uns heute eine Qualität, die es zu analogen Zeiten nicht gab. Gerade im höheren ISO-Bereich kann man heute Dinge machen, die früher nicht möglich waren.

Allerdings habe ich das Gefühl, dass es so nicht ewig weitergeht. Mehr Pixel verlangen immer bessere Objektive. Bessere Objektive sind groß und teuer. Bestes Beispiel sind die Referenz-Optiken von Leica (SL) oder Zeiss (Otus). Gleichzeitig möchte aber keiner mehr große Kameras durch die Gegend tragen und die Smartphone-Kameras werden auch immer besser...

Ich denke mal, es wird sich zunehmend in zwei Lager aufteilen. Die große Fraktion der Handyfotografen wird sich keine zusätzliche Kamera mehr kaufen. Die (semi)professionellen Fotografen werden immer Kameras mit Wechselobjektiven verwenden, da an dieser Stelle oft Geld und/oder Gewicht weniger die Rolle spielen. Um sich aber qualitativ von den immer besser werdenden Handybildern absetzen zu können, müssen noch größere Sensoren und noch bessere Objektive her.

Spiegelreflexkameras werden mit großer Sicherheit immer mehr von spiegellosen Geräten abgelöst. Die Vorteile liegen auf der Hand und das (schon sehr alte) Konstruktionsprinzip des Spiegels in der Kamera wird obsolet.

 

norbert.windeck@gmail.com



Die Fotografie wird sich immer mehr mit dem Bewegtbild verbinden. Die nächsten Auflösungsstufen sind bereits in den Startlöchern. Eine 8K-Auflösung liefert mehr als 35 Millionen Pixel - und das bei 30 Bildern pro Sekunde (oder mehr). Gerade bei Actionaufnahmen oder vielleicht künftig auch bei Mode- und Peoplefotografie bräuchte man nur noch kurze Sequenzen filmen und könnte sich dann das beste Einzelbild heraussuchen. Ich denke, das ist nur noch eine Frage der Zeit. Der Hersteller RED bietet solche Kameras schon heute an, es ist derzeit nur noch eine Frage des Preises.

 

norbert.windeck@gmail.com



Bei dem ganzen Pixelwahn werden irgendwann hoffentlich alle verstehen, dass kein normaler Mensch mehr als 20-30 Millionen Pixel benötigt. Selbst bei Profis stelle ich in Frage, ob 100 Millionen Pixel immer notwendig sind. Ein Bild wird durch mehr Pixel nicht automatisch besser. Die große Frage für mich ist eher, ob Fotografie als Beruf in Zukunft überlebt. Bei der täglichen Bilderflut aus aller Welt werden die Menschen beim konsumieren irgendwann müde.

 

(c)Norbert Windecker



Manchmal stehe ich sehr früh auf, fahre in die Natur und mache eine tolle Landschaftsaufnahme. Dann fahre ich zurück nach Hause, bearbeite das Bild und lade es in die sozialen Medien hoch. Dort wird es vielleicht von jemandem beim Durchscrollen gefunden und man erhascht ein "Gefällt mir". Doch schon nach wenigen Augenblicken versinkt das Bild in der Flut des Internets auf Nimmerwiedersehen. Kann das die Zukunft von Fotografie sein?

 



Ein gutes Bild wird heutzutage oft nur noch wenig Wertschätzung erhalten. Wenn mittelmäßige Bilder bei Instagram tausende von Likes bekommen, werden sie dadurch auch nicht besser. Andere Fotografen, die nicht so eine Reichweite haben, werden viel weniger wahrgenommen. Das zeigt, das sich nicht immer die besten Fotografen durchsetzen, sondern die, die mehr Zeit und Aufwand in die sozialen Medien investieren.

Diese Gedanken hatten nun zwar wenig mit Technik zu tun, aber so gerne ich mich auch damit beschäftige - am Ende zählt für mich das Bild an sich.
 

Vielen Dank an Norbert Windecker!


Seine Webseite zur Hochzeitsfotografie findet Ihr hier: www.bilderliebe.de

Seinen eher technik-orientierten Blog findet Ihr hier: norbertwindecker.blogspot.de

Auf Instagram könnt Ihr ihm hier oder hier folgen.

 


Alle Bilder: ©Norbert Windecker

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) 10 Fragen an Bilderliebe Bilderliebe.de Fotograf Hochzeit Hochzeitsfotograf Landschaft Leica M240 Norbert Norbert Windecker Portraits SL Windecker http://www.cetus-a.de/blog/2017/2/10-fragen-an-norbert-windecker Fri, 24 Feb 2017 19:36:16 GMT
Virtuelle Galerie nun direkt im Browser http://www.cetus-a.de/blog/2016/12/virtuelle-galerie-nun-direkt-im-browser Schneller als gedacht steht hier nun bereits ein erstes webGL-Modul von Dimension3 zur Verfügung. Zum Ausprobieren empfehle ich einen aktuellen Firefox oder Safari, einen halbwegs modernen PC oder Mac und ein schnelles Internet (das Modul benötigt ca. 65 MB an Daten). Bei der Benutzung ist zu beachten, dass die Maus innerhalb des Galerie-Fensters bleibt, damit die Mausbewegungen aufgenommen werden können. Im Gegensatz zum Standalone-Programm Dimension3 fällt die Grafik hier natürlich etwas ab, vor allem hinsichtlich des Antialiasing. Das hochwirksame interne Multisampling der Engine kann unter webGL 1.0 derzeit leider nicht mit Kamera-Effekten zusammen zum Einsatz kommen, daher musste ich auf ein anderes Verfahren minderer Qualität ausweichen. Sollte sich einst webGL 2.0 hinreichend etabliert haben, entfallen diese und andere Schranken und die Grafik kann dann deutlich hochwertiger dargestellt werden.

Die Galerie, die hier auf 3 Etagen besucht werden kann, erhebt keinerlei künstlerischen Anspruch. Vielmehr handelt es sich um eine Demo-Galerie, in der zu Testzwecken eine möglichst hohe Anzahl von Bildern aufgehangen wurde (daher die langen Ladezeiten), vor allem im Untergeschoss und in der oberen Etage.

Wie wird eine solche Galerie erstellt? Mit Hilfe meiner Software Dimension3

Viel Spaß beim Erkunden!

 


Getestete Browser: aktueller Firefox oder Safari. Bei anderen Browsern kann es zu Darstellungsproblemen kommen.

Mögliche Fehlermeldungen über eingefrorene oder abgestürzte Scripte können ignoriert werden. Das System benötigt auch nach dem Download eine Weile, um sich einzurichten. Mitunter führt das bei nervösen Browsern zu Panikattacken.
 

 

Folgende Tasten können verwendet werden:

W (vorwärts), A (links), D (rechts), S (rückwärts), E (Aktion ausführen), ESC (Menü)

Kopfbewegungen werden mit der Maus vorgenommen. Die Maus muss sich dazu innerhalb der Darstellungsfläche befinden.


Bekannte Probleme:

Aus Kompatibilitätsgründen mit webGL 1.0 kann nur ein schwächeres Antialiasing verwendet werden. Das kann an schrägen Kanten und dünnen Linien zu unschönem Flimmern, Schwimmen oder zu Treppchenbildung führen.


Wichtig:

Angesichts der großen Datenmengen (ca. 65MB) muss mit einer gewissen Ladezeit gerechnet werden. Die Demo wird daher nur für schnelle Internet-Anbindung empfohlen. Die virtuelle Galerie beansprucht insgesamt bis zu 600MB im Browser. Bei bestimmten Geräten mit sehr wenig Hauptspeicher (z.B. Tablets) und bei 32bit-Systemen kann das zu Problemen führen.


Mehr Informationen zu Dimension3:

www.dimension3.eu

Video-Tutorials zu Dimension3:

www.dimension3.eu/tutorials

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) Bericht Beta-Test Oculus Rift VR ableton live browser browsergalerie dimension3 engine fotogalerie galerie ipad linux mac pc tablet unity virtuell webgl http://www.cetus-a.de/blog/2016/12/virtuelle-galerie-nun-direkt-im-browser Sun, 25 Dec 2016 20:31:28 GMT
10 Fragen an... Ken Wagner http://www.cetus-a.de/blog/2016/12/10-fragen-an-ken-wagner

 

Ken Wagner ist ein junger Fotograf aus Dresden, der sich in den Bereichen Portrait- , Hochzeit-, Unternehmens- und Architekturfotografie bereits einen Namen gemacht hat. Seit einiger Zeit nutzt er immer öfter die Leica M und damit erhalten viele seiner Arbeiten einen Beigeschmack von Reportage-Fotografie, eine Richtung, die er künftig weiter ausbauen möchte.

Ich habe Ken eingeladen, an meinem neuen Langzeitprojekt "10 Fragen an..." teilzunehmen. Wie der Name schon verrät, möchte ich darin Fotografen und Blogger mit genau 10 Fragen schriftlich portraitieren und vorstellen. Da dieser Blog eher technisch orientiert ist, richten sich die Fragen auch hauptsächlich an dieser Thematik aus. Mir geht es im Kern darum, wer welches Equipment nutzt, warum er das tut und was er damit erlebt.

Dies ist nun der erste Artikel dieser Art, weitere werden in losem Abstand folgen.

 



Ken, Willkommen bei cetus-a.de und bei "10 Fragen an...". Danke, dass Du Dir Zeit genommen hast. Im Folgenden versuche ich, mit 10 Fragen ein möglichst umfassendes Bild von Dir und Deiner Arbeit zu erstellen.

(1) Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Hallo Jörg, erstmal lieben Dank für deine Einladung zu diesem Interview. Eigentlich war mein Berufswunsch Mediengestalter und ich beschäftigte mich viel mit Photoshop und Design. In der Oberschule besuchte ich einen Analogkurs. Dort konnten wir schon im Alter von 15 Jahren eigene Filme entwickeln und sogar Abzüge in der Rotlichtkammer machen. Es war ein großartiges Gefühl, wenn das Bild auf dem Papier auftauchte - wie Zauberei.

In der 9. Klasse besuchte ich das SAEK in Dresden, um mich dort mit dem Thema "Filmen" zu befassen. Damals gab mir der Chef eine (Canon) 5D in die Hand und ich durfte eine Veranstaltung ablichten. Das war ein Schlüsselerlebnis, von da an wollte ich nie wieder Filmen, sondern nur noch fotografieren.

Später, als ich 18 Jahre alt war, wünschte ich mir eine Canon Spiegelreflexkamera (EOS450D). Das war mir sogar wichtiger als ein Führerschein. Die 450D hatte ungefähr den gleichen Stand hat wie die M9 von Leica, also bis 800 ISO gute Werte und ab 1600 ISO miserabel... Ein Jahr später kam schon die EOS50D - das war eine ganz andere Liga. 3 Jahre später kaufte ich mir endlich eine Vollformatkamera. Es war ein fantastisches Gefühl, durch den riesengroßen Sucher zu schauen.

 

 


(2) Was sind Deine bevorzugten fotografischen Themen?

Meine beiden großen Schwerpunkte sind der Mensch und die Architektur. Beides gehört für mich zusammen; die Architektur als Lebens- und Arbeitsumfeld des Menschen. Über meine ersten Portraits kam ich dann auch zur Hochzeitsfotografie. Mittlerweile habe ich 50 Hochzeiten begleitet. Dadurch sammelte ich auch viel Erfahrung mit unterschiedlichem Equipment.

Neben der Hochzeitsfotografie habe ich mich im Bereich Business- und Werbefotografie etabliert. Obwohl ich durch einen aktuellen Systemwechsel jetzt mehr zu Reportagen übergehe. Darin geht es um interessante Menschen und ihre Berufe.

 

 


(3) Was für ein Systemwechsel war das denn?

Naja, die Canons sind wirklich tolle Kameras, aber eindeutig zu schwer. Ich habe mir im März 2016 eine Leica M gegönnt und war damit in Ägypten. Seitdem möchte ich keine andere Kamera mehr nutzen.


(4) Welche technische Ausrüstung nutzt Du und warum?

Die Leica M240 ist inzwischen meine Hauptkamera für Street, Hochzeiten und Auftragsfotografie. Mit der Leica kann man keine Aufnahmen "herunterrasseln". Man muss mit ihr sehr konzentriert arbeiten.

Das Leica Elmarit-M 24mm F2.8 nutze ich als leichte, universelle Reportagebrennweite. Das 24er geht grundsätzlich immer und ist auch für Landschaften sehr gut geeignet.

Das Leica Summilux-M 1.4/35mm Asph FLE verwende ich für Portraits, denn es bietet einerseits ein sehr schönes Bokeh, andererseits aber auch eine hohe Schärfe bei Offenblende.
 
Ferner nutze ich noch das Voigtländer Nokton 1.1/50mm und für Architektur weiterhin die Canon 50D mit dem berühmten Tilt-Shift 17mm F4L.

Bei der Nachbearbeitung kommen hauptsächlich Photoshop und Adobe Bridge zum Zuge.

 

 


(5) Welches ist Dein Lieblingsobjektiv?

Jedes Objektiv hat seinen eigenen Zweck, aber mein Favorit ist das Summilux-M 1.4/35mm Asph FLE.


(6) Gibt es etwas, was Du zukünftig gern tun würdest?

Dürfte ich mir etwas wünschen, würde ich mich für unbegrenzte Zeit mit meiner Leica auf Reisen begeben und Menschen in ihren unterschiedlichen Lebensräumen auf sehr ehrliche Art und Weise fotografieren. Dafür würde ich gern auch einmal das Summicron-M 2.0/90mm probieren.

Ein Wunsch, den ich mir aber auf jeden Fall erfüllen werde: ich möchte über ungefähr einen Monat auf dem Jakobsweg wandern. Aus den dabei entstandenen Portraits soll dann später ein Buch werden.

 

 


(7) Du erwähntest eben, dass Du Menschen auf "sehr ehrliche Art und Weise" fotografieren willst. Was genau meinst Du damit?

Ich muss gestehen, ich liebe es, wenn menschliche Gesichter Krater, Vertiefungen und Narben haben. Bei meinen Portraits achte ich deshalb sehr auf Details und Strukturen. Ich mache eben gern ehrliche Portraits.

 

 


(8) Wer ist Dein fotografisches Vorbild, d.h. wer inspiriert Dich?

Da gibt es Einige. Rüdiger Nehmzow zum Beispiel. Er ist in der Businessfotografie tätig (www.nehmzow.de). Besonders stolz bin ich, wenn er meine Bilder bei Instagram liked. Ich schätze auch James Nachtwey - ein Reportage- und Kriegsfotograf und Brigida Gonzalez, eine Architekturfotografin, die mit analogem Großformat arbeitet.


(9) Was würdest Du kaufen, wenn Geld keine Rolle spielte?

Eine Alpa mit Shiftfunktion für Architektur. Das ist eine Mittelformatkamera aus der Schweiz, mit sehr hochwertigen Optiken, die auch in Großformatkameras verbaut werden. Rüdiger Nehmzow nutzt diese Kamera z.B. sehr häufig.

Oder einmal mit einer Phase One oder Leica S Portraits für eine große, eigene Ausstellung fotografieren. Das wäre fantastisch.

Und schließlich wäre da noch das berühmte Leica Summilux-M 1.4/24mm. Ein leider viel zu teures Traumobjektiv.

 

Der Schuhmacher - Alexander PreissAuf das Bild klicken, um ein "Making of" zu sehen.

 


(10) Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie allgemein und in technischer Hinsicht?

Das ist ein schwieriges Thema derzeit. Ich betrachte es gerade als Wettrüsten von Firmen. Jeder will bessere Kameras mit immer besseren Features herstellen, aber keiner traut sich den Schritt zurück nach dem Motto: "Weniger ist mehr". Nur Leica baut Geräte, die rein der Freude am Fotografieren gewidmet sind. Ich hoffe, sie bleiben diesem Motto treu und stopfen die Kameras nicht mit irgendwelchem sinnlosen Kram voll, um es jedem recht zu machen. Jeder ernsthafte Fotograf nutzt eh RAW und entwickelt am Rechner seine Bilder, wie früher in der Dunkelkammer.

Fotografieren ist Mainstream geworden. Jeder kann tolle Bilder machen, bearbeiten und sich dann feiern lassen. Die Luft für Berufsfotografen wird daher dünner und die Branche härter. Zwar bleiben die Honorare so, wie sie sind, aber man muss wirklich aus der Masse herausstechen, um nicht auf der Strecke zu bleiben.


Vielen Dank an Ken Wagner!

Seine Webseite mit weiteren Informationen findet Ihr hier: www.kenwagner.de

Auf Facebook könnt Ihr ihm hier folgen.

"Making of" zu seinen Bildern:

Der Schuhmacher - Alexander Preiss

Shooting mit Lisa

 

LisaAuf das Bild klicken, um ein "Making of" zu sehen.

 

Alle Bilder: ©Ken Wagner

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) 10 Fragen an Architektur Dresden Fotograf Hochzeit Ken Ken Wagner Leica M240 Making of Portraits Unternehmensfotografie Wagner http://www.cetus-a.de/blog/2016/12/10-fragen-an-ken-wagner Mon, 05 Dec 2016 16:13:14 GMT
Virtuelle Galerie jetzt im Beta-Test http://www.cetus-a.de/blog/2016/11/virtuelle-galerie-jetzt-im-beta-test


Nach ziemlich genau einem Jahr Entwicklung ist meine virtuelle Galerie "Dimension3" nun im offiziellen Beta-Test. Die Software ist natürlich noch lang nicht fertig, sondern im Moment eher als eine Art Testballon zu verstehen. Ich möchte erkunden, inwieweit Interesse an solch einem Programm besteht, versteckte Fehler finden (in erster Linie ist es ja ein Beta-Test) und schauen, ob mich das Feedback der Tester auf neue, interessante Gedanken bringt.

In der ersten Ausbaustufe ist Dimension3 ein Galerie-Browser mit der Möglichkeit, auch eigene Galerien schnell und simpel zu erstellen. Eine Anmeldung ist nicht nötig, man lädt die Software einfach herunter und startet sie. Anfangs existieren nur eine von mir erstellte Demo- und eine Tutorial-Galerie. Im Laufe der Zeit werden hoffentlich weitere Galerien von Anwendern hinzukommen.
 


Vorerst gibt es nur ein "Gebäude". Weitere "Gebäude" werden im Laufe der angeboten, falls das Programm auf ausreichend Interesse stößt.

Bis zum Ende des Jahres 2016 werde ich nun den Betatest begleiten, auftretende Bugs beheben und das System sozuagen auf eine feste Basis stellen. In 2017 wird der nächste Schritt sein, ein Webmodul zu entwickeln (webGL-Umgebung), die es erlaubt, mit Dimension3 erstellte Galerien direkt nativ auf der eigene Webseite zu präsentieren.
 


Ich bin nach wie vor auf der Suche nach Leuten, die mich in grafischer Hinsicht unterstützen. Dazu zählen die Themen 3D-Modeling, Texturing und Unity allgemein.

Auf der Webseite von Dimension3 findet man neben der Downloadmöglichkeit mehr Informationen, vor allem jedoch die Youtube-Tutorials, die man sich unbedingt anschauen sollte, um die Software korrekt nutzen zu können.

Zum Reinschnuppern hier ein Auszug aus dem ersten Tutorial-Video (der interessante Part beginnt ab ungefähr 11 Minuten Spielzeit):

 

 

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) Bericht Beta-Test Oculus Rift VR ableton live dimension3 engine fotogalerie galerie ipad linux mac pc tablet unity virtuell webgl http://www.cetus-a.de/blog/2016/11/virtuelle-galerie-jetzt-im-beta-test Mon, 07 Nov 2016 16:19:40 GMT
Leica Q - Erfahrungen von Hans-Jürgen Malchow http://www.cetus-a.de/blog/2016/10/leica-q---erfahrungen-von-hans-juergen-malchow Hans-Jürgen Malchow, seines Zeichens "glühender Nikon-Fan" (Zitat) und Betreiber von www.das-hamburg-foto.de hat seine Langzeiterfahrungen mit der Leica Q in einen sehr interessanten Bericht verpackt, auf den ich hier gern verweise:

Leica Q - (m)ein Resümee

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) 28mm Bericht Erfahrungsbericht Leica Leica Q Q Review Summilux Summilux 28 Test Testbericht http://www.cetus-a.de/blog/2016/10/leica-q---erfahrungen-von-hans-juergen-malchow Mon, 31 Oct 2016 16:46:41 GMT
Leica SL Erfahrungsbericht von Norbert Windecker http://www.cetus-a.de/blog/2016/10/leica-sl-erfahrungsbericht-von-norbert-windecker Auf norbertwindecker.blogspot.de findet sich ein interessanter und ausführlicher Erfahrungsbericht zur Leica SL. Der Autor besitzt diese Kamera schon länger, die letzten Bilder entstanden auf einer USA-Reise.

Ich durfte die SL auch schon ein wenig ausprobieren und kann nur sagen, dass sie mich technisch und ergonomisch sehr angesprochen hat. In meinen Augen ist das eine ausgesprochen perfekte "Profi-Maschine", ähnlich der Leica S, eben halt nur im Kleinbildformat.

Größe und Gewicht sind jedoch nicht so ganz meine Kragenweite, daher gab es auch bisher keinen Testbericht von mir dazu. Norbert hat in der SL hingegen das perfekte Werkzeug gefunden. Seine Begeisterung für das Gerät kann man gut nachempfinden, gern verlinke ich daher auf seinen interessanten Bericht.

Erfahrungsbericht zur Leica SL

Darüberhinaus findet der interessierte Leser auf seiner Seite noch mehr Informationen zum Thema Leica SL:

Kurzer Vergleich zwischen Leica SL und Nikon D810

Erfahrungsbericht Leica Vario-Elmarit-SL 2.8-4.0/24-90mm Asph.

Erfahrungsbericht Leica Apo-Vario-Elmarit-SL 2.9-4.0/90-280mm Asph.

Leica SL und Summilux-M 1.4/50mm Asph.

Erste Hochzeit komplett mit der Leica SL fotografiert

Nationalpark Jasmund auf Rügen mit der Leica SL fotografiert

 

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) Bericht Elmarit Elmarit-SL Erfahrungsbericht Leica Review SL Test Testbericht Vario http://www.cetus-a.de/blog/2016/10/leica-sl-erfahrungsbericht-von-norbert-windecker Tue, 25 Oct 2016 18:54:22 GMT
Abschied vom Messsucher http://www.cetus-a.de/blog/2016/10/abschied-vom-messsucher L1000932L1000932

 

Es ist gar nicht so einfach, diesen Artikel zu schreiben und dabei den korrekten Ton zu treffen. Schließlich ist niemand gestorben. Andererseits ist es nie einfach, eine Sache aufzugeben, die man mit so viel Herzblut betrieben hat. In meinem Falle betrifft es im Allgemeinen das M-System und im Speziellen den Messsucher, dem ich nun nach einigen Jahren den Rücken kehren muss. Meine treuen Leser werden es kaum glauben, einigen habe ich ja den M-Virus erst in den Kopf gepflanzt.

Nicht zuletzt deswegen fühle ich mich verpflichtet, meine Beweggründe darzulegen und damit auch meine Glaubwürdigkeit zu wahren. Wenn man einen Blog führt und (auch ohne kommerziellen Hintergrund) Produkte empfiehlt, hat man eine Verantwortung, insbesondere gegenüber all jenen, die man vielleicht zum Kaufen animiert hat (und das sind in meinem Fall nicht wenige, wie ich aus zahlreichen privaten Mails und Kommentaren entnehmen konnte).

 

Ein Abschied

Zunächst muss ich sagen, dass ich nicht Leica den Rücken kehre, sondern nur dem M-System. Eigentlich nur dem Messsucher, aber der ist nunmal untrennbar mit dem M-System verbunden. Das hat einige Gründe, die sich in ungünstiger Weise miteinander verbinden. Der wichtigste und hauptsächlichste Grund ist schlicht und ergreifend medizinischer Natur und betrifft meine Augen und mein Sehen. Was im wahren Leben eigentlich kein Problem ist, führt bei meiner M im Endeffekt dazu, dass ich mit dem Fokussieren immer langsamer und unsicherer werde und viel mehr Ausschuss produziere. Da ich jedoch ein Perfektionist bin und mir das Problem lange nicht eingestanden habe, nutzte ich das Gerät zuletzt immer weniger. Wenn ich es denn nutzte, vermied ich alle Motive, die schwer zu fokussieren waren und darüber verliert man natürlich über kurz oder lang die Freude an der Sache.

 

L1000934L1000934

Die letzten Aufnahmen mit der M stammen ausschließlich von meiner 10jährigen Tochter Maya. Die M ist ideal, um Fotografieren zu lernen.

 

Nun könnte man sagen; nutze doch den EVF an der M240, schließlich gibt es Fokus-Peaking. Oder schließe eben die Blende und nutze Zonen-Fokus.

Nein. Da bin ich zickig. Eine M ist für mich Messsucher und nicht irgendein fauler Kompromiss. Ich will beim Summilux mit Offenblende arbeiten können, durch den Messsucher schauen und ihn auch benutzen. Der Aufstecksucher von Leica ist für mich sehr hilfreich, aber definitiv keine Standard- oder Dauerlösung. Ein in den optischen Sucher einspiegelbarer EVF vom Schlage einer Leica SL mit elektronischem, vergrößerten Schnittbild könnte hingegen meine Rettung sein. Das gibt es aber leider nicht. Alles andere macht keinen Spaß. Zonen-Fokus oder dauerhaft Blende 8... da kann ich auch das iPhone nehmen. Das kommt für mich nicht in Frage.


Leica M mit EVF... hin und wieder praktisch aber um Himmels Willen keine Dauerlösung...

 

Wer meinen Blog verfolgt, weiss, dass ich im letzten Jahr unheimlich viel Zeit in meine virtuelle Galerie investiert habe (die jetzt übrigens fertig ist). Aus diesem und anderen Gründen musste die Fotografie immer mehr hintenanstehen. Die wenige Zeit, die mir blieb, investierte ich hauptsächlich in spezielle Dinge wie z.B. den X-Vario-Test. Vielleicht drückte ich mich auf Grund meines Messsucher-Problemes auch ein wenig um die Benutzung meiner M herum... Jedenfalls stellte ich irgendwann fest, dass das gute Stück nur noch in der Vitrine stand. Das tat mir einerseits in der Seele weh, andererseits führte es mich unweigerlich zum nächsten Problem...

...kann und will ich es mir leisten, die Leica aus purer Nostalgie zu behalten, ohne sie sinnvoll und angemessen nutzen zu können? Sollte ich nicht lieber ehrlich zu mir selbst sein und auf ein anderes Gerät mit Autofokus ausweichen, anstatt gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt zu fotografieren?

 

L1000936L1000936

Ungewöhnlich... die Perspektive einer 10jährigen.

 

Alternativen?

Leichter gesagt als getan. Man nenne mir ein einziges Vollformat-Objektiv mit Blende 1.4 und Autofokus, das nicht riesengroß ist. Denn auf eine Sache möchte ich nicht verzichten: die Handlichkeit der M-Ausrüstung. Schließlich war das damals einer der Hauptgründe, warum ich sie mir überhaupt angeschafft habe.

Ich bin also wieder auf der Suche, sozusagen solo. Die Kamera-Partnervermittlung hat mir bisher ja bereits einige Geräte vorgeschlagen, aber wie das immer so ist. Keine kann der Verblichenen das Wasser reichen...

Die Leica SL ist und bleibt für mich keine Option. Ich habe mir einst geschworen, nie wieder mit 20-Kilo-Foto-Rucksäcken durch die Gegend zu laufen; und dabei bleibt es auch. Da bin ich eisern. Rückenschmerzen will ich nicht auch noch haben.

Geballte Profi-Qualität und beste Bilder... für mich als Freizeitfotograf jedoch viel zu schwer und unhandlich

 

X-Vario und Q hingegen sind zwar klein und leicht, bieten mir jedoch keine Wechselobjektive. Ich liebe es aber, je nach Stimmung verschiedene Brennweiten zu nutzen. Auch mal 18mm. Oder 90mm. Und ich möchte auf gar keinen Fall auf 50mm mit F1.4 verzichten.

Wenn es denn unbedingt Vollformat sein soll, bliebe  in der Gewichtsklasse der Leica-M nur noch die Sony A7-Serie übrig. Schöne Kameras, tolle Bilder, Vollformat. Klein und handlich, oder? Nicht wirklich. Mal davon abgesehen, dass ich die Sony's rein gefühlsmäßig als total uninspiriert empfunden habe (kein Fotoapparat sondern ein Mini-Computer) gilt auch hier: die Physik lässt sich nicht austricksen. Möchte man nämlich an diesem System die Kombi aus ultimativer Lichtstärke und Autofokus, sind die Objektive plötzlich wieder genauso groß und schwer wie die der DSLR-Kollegen. Da ist es dann auch wurscht, ob der Body 300 Gramm weniger wiegt.


Mogelpackung? Sobald Zoom, Lichtstärke, Stabi etc dazukommen, ist es vorbei mit "klein" und "leicht"...

 

Ich möchte Sony dafür nicht in die Pfanne hauen, denn schließlich ist das in erster Linie Physik und kein böser Wille. Und gerade Sony (Zeiss) zeigt auch, wie es anders geht... dazu komme ich gleich noch.

Meine größte Hoffnung liegt derzeit somit auf dem hypothetischen Nachfolger der Leica T (Leica TL), der ja jetzt irgendwann mal kommen sollte. Mittlerweile habe ich mich sogar damit abgefunden, wieder auf APS-C umsteigen zu müssen. Doch selbst bei der Leica T erreichen die Objektive schon wieder eine beachtliche Größe. Wirklich in Frage kämen für mich nur das 2.0/23mm (in Kleinbild auch nur ein 3.0/35mm) und das 1.4/35mm (in Kleinbild 2.0/50mm). Ich könnte natürlich meine Leica-M-Optiken mit Adapter weiter nutzen. Abseits des Messsuchers ist das manuelle Fokussieren allerdings immer ein wenig krampfig und langsam. Aber gut, das gilt es auszuprobieren und eine große Wahl bleibt mir ja nicht.

 

L1000909L1000909

Bild mit Seltenheitswert, meine Tochter fotografiert ihren Vaddern mit dem Summilux...

 

Tradition vs Innovation - oder - wenn ich Leica wäre...

Ich bin ganz ehrlich: manchmal wünschte ich, Leica wäre mit seiner M ein klein wenig radikaler gewesen und hätte die Brücken zur modernen Zeit etwas breiter gebaut. Was ich damit konkret sagen will? Wie die meisten Leica-Nutzer werfe ich hin und wieder mal ein Auge auf Fuji und dort kann man anhand der X-Pro-Serie recht gut sehen, wie man einen zumindest elektronischen Messsucher mit Autofokus gut verbinden kann. Was hätte Leica nun meiner Meinung nach für die M tun können?

 

1. Möglichkeit zur optionalen Einblendung eines elektronischen Sucherbildes in das Sucherfenster (analog Fuji)

Diese Maßnahme würde das Handling in verschiedenen Situationen erheblich verbessern (z.B. mit Tele- oder Weitwinkel-Objektiven) und die Notwendigkeit für einen externen Viewfinder aufheben. Leica hat bei der Q und SL eindrucksvoll gezeigt, wozu sie in Sachen EVF in der Lage sind! Solch eine Entwicklung würde außerdem den Weg zu Punkt 2 ebnen...
 


Auswahlmöglichkeit zwischen elektronischem und optischem Sucher bei Fuji X-Pro2

 

2. Wegfall des mechanischen Messsuchers und Implementierung eines elektronischen Schnittbildes

Der unweigerliche Aufschrei in der M-Gemeinde hätte sich recht schnell gelegt denn im Klartext würde das bedeuten:

  • bessere Unterstützung beim Fokussieren möglich (z.B. unterschiedliche Zoomstufen)
  • freie Positionierbarkeit des elektronischen Fokus-Patches
  • kein Problem mehr mit Fokus-Shift bei einigen Objektiven
  • kein Problem mehr mit Dejustierungen (z.B. durch anstoßen) und dem ganzen darauffolgenden Service-Brimborium
  • massive Einsparungen für Leica und dadurch mehr Gewinn (oder ein günstigerer Preis?)
  • vereinfachte Fertigung

Ich habe den Fuji-Sucher getestet und muss sagen, dass ich mit dem großen, elektronisch simulierten Schnittbild im EVF der X-Pro2 vergleichsweise gut klarkomme. Hätte die M so etwas, wäre mir enorm geholfen (und wahrscheinlich nicht nur mir). Trotzdem würde ich an Leica's Stelle sogar noch weiter gehen...
 


Elektronischer Messsucher mit digitalem Schnittbild bei der Fuji X-Pro2
 

 

3. Einführung von Autofokus-Objektiven mit M-Anschluss

Das wäre sicherlich die radikalste Neuerung - aber warum nicht? Vorhin habe ich ein wenig über Sony / Zeiss hinsichtlich der Größe ihrer Optiken hergezogen, doch es gibt auch Gegenbeispiele. Mit dem fabelhaften 35mm F2.8 zeigt Sony / Zeiss deutlich, dass sich Bildqualität, geringe Größe und Autofokus nicht gegenseitig ausschließen müssen. So könnten potentielle M-Autofokus-Optiken doch durchaus mit einer geringeren Lichtstärke auf Summarit-Niveau aufwarten, dadurch jedoch den praktischen, kleinen Leica-Formfaktor annähernd beibehalten! Das M-Bajonett um einige kleine Kontakte zu ergänzen, die nur die M-AF-Objektive zur Kommunikation nutzen sollte kein Problem sein und die Abwärtskompatibilität wäre damit auf jeden Fall gegeben. Sinnvoll wären hier vielleicht ein Summarit-M-AF 2.8/35mm, ein Summarit-M-AF 2.8/50mm und ein Summarit-M-AF 2.8/90mm.


Beispiel für ein kleines aber feines Objektiv mit Autofokus: Zeiss 2.8/35mm für E-Mount Vollformat
 

So gäbe es für den Autofokus die etwas lichtschwächeren, aber trotzdem kleinen Objektive. Wer die Summiluxe will, nutzt hingegen das elektronische Schnittbild oder den fantastischen, aus der SL entliehenen zuschaltbaren EVF.

 

4. All diese Features implementieren, ohne es kompliziert zu machen

Das kann nur Leica und damit würden sie den für mich größten Kritikpunkt an den Fujis ausmerzen: die überbordenden Menüs und die typisch fernöstliche Featuritis. Ich denke, solch ein Gerät wäre der Knaller und würde ganz neue Käuferschichten erschließen, gern auch mit einigen Anleihen von der T, z.B. dem Touchscreen. Oder mit dem praktischen Joystick der SL, zum anwählen des aktiven Fokus-Feldes.

Und die Puristen? Für die kann es doch weiterhin gern die fantastische M262 oder M-D geben - in ihrer gesamten mechanischen Perfektion und Präzision.

Ich finde es schade, dass Leica hier offenkundig doch zu konservativ ist, um die erfolgreich besetzte M-Nische ein wenig zu erweitern. Vielleicht wäre eine solche Entwicklung langfristig auch sinnvoller als die Investitionen in X-Vario und T gewesen (wobei dieser Vorwurf ungerecht ist. Wer hat schon eine Glaskugel?)

 

Und nun?

Die Photokina war hinsichtlich meiner Sehnsüchte ja leider der komplette Reinfall, aber das Leben ist halt kein Wunschkonzert. So heißt es nun warten.

Dieser Blog wird selbstverständlich ganz normal weitergeführt. Es gibt viele interessante Dinge, die man testen kann. Natürlich bleibe ich ein Fan der Leica-M-Serie. Schließlich muss man eine Sache nicht besitzen, um sie zu lieben. Die Erfahrungen, die ich mit dem M-System gesammelt habe, kann mir keiner nehmen, genausowenig wie die schönen Erinnerungen und Bilder, die ich damit verbinde.

So, nun klingt es doch noch ein wenig nach Beerdigung...

All jenen, die auch teilweise durch meine Schuld zum M-System gekommen sind, sage ich: genießt die Zeit mit Eurer M, genießt den Messsucher und falls wir uns mal irgendwo treffen, möchte ich Eure Kamera gern mal in die Hand nehmen und damit ein Foto machen (aber nur mit Blende 8 und Entfernung unendlich). Und wenn es geht, würde ich trotzdem gern ein Mitglied der inoffiziellen, weltweiten M-Community bleiben...

 

PS: die Bilder zu diesem Artikel stammen alle von meiner 10jährigen Tochter Maya, die die M in letzter Zeit häufig nutzte um in das Thema "Fotografie" reinzuschnuppern. Es gibt kein besseres Gerät, um die fotografischen Zusammenhänge einfach und nachvollziehbar zu erklären und auch selbst zu erkunden.

 

L1000940L1000940

Das war es... das allerletzte M-Bild. Von meiner Tochter Maya (auf ihrer endlosen Suche nach ungewöhnlichen Motiven)

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) Bericht Leica Leica Q Leica SL Leica T Leica TL M240 Messsucher Sony Zeiss http://www.cetus-a.de/blog/2016/10/abschied-vom-messsucher Wed, 05 Oct 2016 18:06:50 GMT
Leica X-Vario - Übertroffene Erwartungen http://www.cetus-a.de/blog/2016/5/leica-x-vario Im aktuellen Leica-Produktportfolio sticht eine Kamera heraus, die in den letzten Jahren für viele Diskussionen gesorgt hat und die vor allem in der Einführungsphase stark polarisierte. Von welchem Gerät spreche ich hier? Die meisten werden sofort darauf kommen: von der Leica X-Vario.

Kaum eine Kamera hat mich gedanklich so beschäftigt, wie dieses Gerät. 2014 zunächst etwas unglücklich als Mini-M angekündigt und beworben, erweckte sie wohl vollkommen falsche Erwartungen. Ich kenne viele Fotografen, die zwar gern eine Leica hätten, es sich aber nicht leisten können oder wollen. Gerade in diesen Kreisen wurden mit der Mini-M-Kampagne wohl unrealistische Hoffnungen geschürt, die dann schnell in Enttäuschung umschlugen. Sowas ist in Zeiten des Internets immer schlecht, weil es von der Enttäuschung nur noch ein kleiner Schritt zu einem veritablen Shitstorm ist. Aber auch alteingesessene "Fanboys" wie Steve Huff fanden ungewohnt deutliche Worte. Ich erinnere mich an sein legendäres Review: The good, the bad, the ugly. Er lieferte einen ziemlichen rant ab und obwohl ich die Kritikpunkte verstand und auch nachvollziehen konnte, sprachen mich die mit der Kamera gemachten Bilder sehr stark an und ich dachte immer wieder: "Aber die Fotos sind doch richtig gut..."

 

18mm, F8.0, 1/400, ISO100

 

Während ich das Drama im stillen Kämmerlein (wie so oft) verfolgte, liefen mir immer wieder solche guten Fotos über den Weg. Deshalb versuchte ich, mich von der leidenschaftlichen Diskussion etwas zu lösen und das Ganze sachlicher zu betrachten. Vielleicht war die X-Vario ja auch einfach ein Gerät, auf das man sich einlassen muss, an dem man sich etwas reiben muss. Vielleicht waren viele auch einfach zu schnell mit ihren Urteilen, die oft nur auf nackten, aus dem Kontext genommenen technischen Daten beruhen? Ist das nicht eigentlich bei der M immer sehr ähnlich gewesen?

 

30mm, F5.0, 1/250, ISO100


Die Zeit verging und tausend fantastische Kameras kamen und verschwanden wieder. Viele Geräte schaute ich mir an, probierte sie aus, nickte anerkennend... und vergaß sie nach einer Weile. Die X-Vario hingegen blieb im Kopf. Immer wieder suchte ich in Foren nach Meinungen und las darüber. Es kristallisierte sich scheinbar heraus, dass die technisch orientierten Reviewer eher unversöhnliche auftraten, die Besitzer mit dem Fokus auf der Fotografie an sich jedoch mehrheitlich einen sehr zufriedenen Eindruck machten. Offenbar ist die X-Vario kein Gerät, das mit viel Bling Bling aufwarten kann. Die Geeks wollen eben immer den schnellsten Autofokus, die beste Lichtstärke, die meisten Megapixel. Nur komisch, dass ich von solchen Leuten / Redakteuren nur selten ansprechende Fotos (wenn überhaupt) zu sehen bekomme. Mal ehrlich, wer braucht schon den besten Fotoapparat, wenn er damit nur Mauern und Testcharts fotografiert? Okay, das Argument ist unfair und eigentlich auch Blödsinn, aber ich wollte es trotzdem mal gesagt haben.

 

46mm, F6.4, 1/160, ISO100

 

Wenn aber die echten Nutzer der X-Vario zufrieden schienen, sprach das dann nicht für die Kamera? Irgendwas muss ja dran sein! Dieser Gedanke ließ mich einfach nicht los.

Wir sind aktuell daran gewöhnt, dass in der Elektronikbranche immer neue Rekorde gerissen werden. Das nehmen wir als gegeben hin. Wir werden mit Features überschüttet, die man nur einmal braucht: beim Verfassen des Werbetextes. Einen großen Teil davon nutzen wir selten bis überhaupt nicht.

Deswegen mutete es wohl auch auf den ersten Blick so blasphemisch an, dass eine Kamera in dieser Preisklasse gar kein lichtstarkes Objektiv vorzuweisen hatte. Kein Spiel mit Schärfe und Unschärfe! Kein Bokeh! Nur ein lichtschwaches, großes Zoom? 

Nun, zu jenem "lichtschwachen" Zoom komme ich gleich noch. Sprechen wir ersteinmal über das Thema selektive Schärfe.

 

18mm, F5.0, 1/250, ISO100

 

Mit dem lichtschwachen Zoom der X-Vario kann man ja gar nicht freistellen!

Diese Aussage war und ist immer das Haupt-Totschlag-Argument gewesen. In der Tat ein schwieriges Thema! Auch ich nutze mein Summilux gern mit F1.4 und mag den Effekt. Ich muss aber zugeben, dass er nur gelegentlich nützlich einsetzbar ist. Man kann nicht immer alles mit Offenblende fotografieren, im Gegenteil, nur ein geringer Anteil meiner Bilder prahlt mit schickem Bokeh! Dort, wo es passt, ist es sehr schön, aber das hängt vom Licht, dem Motiv und der Gesamtsituation ab. Bei vielen fotografischen Genres braucht man es nicht und vermeidet es sogar.

 

32mm, F5.6, 1/500, ISO100

 

Man möge sich nur einmal vergegenwärtigen, wie viele Fotografen auf der Erde herumlaufen, für die selektive Schärfe gar keine Rolle spielt! Unendlich viele Fotos werden mit kleinen Sensoren gemacht. Ergebnis: alles scharf, von der Fußspitze bis zum Horizont. Doch auch zahllose DSLR-Nutzer mit Kit-Zooms bleiben bei diesem Thema meist außen vor. Künstlerisch weniger bewanderten Menschen mögen unscharfe Bereiche im Bild sogar als Fehler erscheinen.

Auch Profis stellen ihr Motiv wirklich nur dann mit Offenblende frei, wenn es gestalterisch Sinn macht. Unzählige legendäre Fotografien, preisgekrönte Bilder - sie alle sind ohne Bokeh ausgekommen.

 

46mm, F6.4, 1/320, ISO100

 

Kurz gesagt, ich denke, dieses Thema wird allgemein überbewertet. Es hat sich als eine Art Qualitätsmerkmal unter Insidern etabliert, frei nach dem Motto: seht her, ich nutze ein teures professionelles Objektiv. Gerade auch in der Leica-Welt (und da nehme ich mich nicht aus!) zeigt man halt gern, dass man ein Summilux oder Noctilux verwendet. Notfalls mit ND-Filter davor, hauptsache die Blende schön offen, egal ob es Sinn macht, oder nicht. Sicherlich gibt es Fotografen (wie z.B. Thorsten van Overgaard) die Offenblende zu einem eigenen, oft traumhaft schönen Fotografie-Stil weiterentwickelt haben. Es gibt relevante Anwendungen wie die Portraitfotografie, aber davon abgesehen ist es nicht automatisch "Kunst", wenn man jedes nur erdenkliche Objekt krampfhaft vom Hintergrund isoliert. Wir sind darauf fixiert und während man die lichtstarken Objektive früher brauchte, weil die Filme nicht lichtempfindlich genug waren (und im Austausch dafür die Unzulänglichkeit der geringen Schärfentiefe wohl oder übel hinnehmen musste), erheben wir diese ehemalige Einschränkung nun zum unbedingten Gradmesser von Kunst oder befinden gar nur über die Lichtstärke, ob ein Objektiv gut oder schlecht sei.

 

18mm, F3.5, 1/640, ISO100

 

Gute und schlechte Objektive

Tatsächlich zählt nicht nur die Lichtstärke zu den Merkmalen einer guten Optik. Im Gegenteil, es gibt auch ausgesprochene Krücken mit hoher Lichtstärke. Zu finden vorzugsweise im Billigsegment bekannter Massenhersteller, meist begleitet von dem Satz: "ab Blende 4.0 ist die Schärfe im Zentrum gut" (bedeutet, dass die Schärfe bei Offenblende miserabel ist, was man sich auch mit dem Attribut "klassischer Look" schönreden kann). Die Frage muss also sein: Wenn ich eh abblenden muss, damit ich ein scharfes, fehlerfreies Bild kriege - wozu brauche ich dann ein hochgeöffnetes Objektiv?! Die Zeiten des ISO-200-Filmes sind ja nun doch vorbei...

 

18mm, F8.0, 1/30 aus der Hand, ISO200

 

Lichtstärke ist also bei weitem nicht alles. Eine hochgeöffnete Blende ist mittlerweile nur noch ein Stilmittel, ein Effekt. Irgendwann werden die das bei Instagram auch merken und einen Filter entwickeln, der Bokeh und Unschärfe auf Knopfdruck hinzufügt. Oder gibts das schon?

Nein, ich möchte hier keine krampfhaften Entschuldigungen für die geringe Lichtstärke des X-Vario-Objektives finden. Solch eine Entschuldigung ist aber auch gar nicht nötig. Es gibt eine Vielzahl anderer Faktoren, die noch dazu wesentlicher für die Qualität des Bildes sind, als das Thema Lichtstärke. Leica musste alle Faktoren gegeneinander abwägen. Ein Weltklasse-Zoom mit hoher Öffnung in dieser geringen Größe ist schlicht nicht machbar, also legte man das Augenmerk auf die Faktoren, die für die Mehrheit der Fotografen (und vor allem für das potentielle Bild) von hoher Priorität waren. Und da sind Themen wie Schärfe (Auflösung), Verzeichnung und der Umgang mit diversen Abbildungsfehlern (wie Abberationen) nun mal wesentlicher als ultrahohe Lichtstärke. Man darf nicht vergessen, wir leben in Zeiten, in denen ein Sensor mühelos ISO3200 oder mehr beherrscht.

 

18mm, F8.0, 1/30 aus der Hand, ISO1250

 

Wenn der geneigte Leser an dieser Stelle noch munter ist, wäre es wohl Zeit für einen Kaffee. Ich bin nämlich noch nicht am Ende, sondern ich werde gerade langsam warm. Zum Thema "schlechtere vs. bessere Objektive" fällt mir aus dem Stegreif immer eine Menge ein.

Zum Beispiel diese Story: Erst vor kurzem ging es wieder um eine Sony A5100 für meine Frau. Erstklassiger 24-Megapixel-Sensor, da brauchen wir uns bei Sony nichts vorzumachen. Mit dabei sollte - aus Gründen von Größe und Gewicht - das Standardzoom sein, ein kleines 16-50mm F3.5-5.6. Leider (oder glücklichwerweise?) las ich vorher einige Meinungen und Testberichte durch und da waren sie wieder: all die Probleme, die ich mit Leica nie gehabt hatte. Bei Offenblende unscharf, starke chromatische Abberationen, unsauberer Schärfeverlauf über die Bildfläche, üble Verzeichnung, die Ecken mies, generell nicht im Ansatz in der Lage, den Sensor auszunutzen. Und dann noch der Satz: Um das Potential der A5100 wirklich freizulegen, bedarf es eines anderen Objektives.

 

18mm, F8.0, 1/250, ISO100

 

Doch selbst bei den höherwertigen Objektiven von Sony stieß ich immer wieder auf die altbekannten Diskussionen. Kompromisse hier und da, am langen oder am kurzen Ende, Schärfe hier gut, dort weniger. Ein Zoom, lernt man dann, ist halt immer nur ein Kompromiss. Damit muss man halt Leben. Oder man kauft die nächste Version, die soll nämlich vielleicht ein bisschen schärfer in den Ecken sein. Dafür sind die chromatischen Abberationen nicht so gut... Millionen von Foren-Threads sind gefüllt mit solchen Diskussionen.

Klar, für einen Anfänger oder Gelegenheitsfotografen mag das völlig reichen. Aber jeder, der mit halbwegs Herzblut fotografiert, stolpert schnell über die Unzulänglichkeiten. Das es die Mehrheit der Fotografen ja dann doch stört, zeigen eben jene ausufernden Diskussionen im Internet.

 

46mm, F8.0, 1/100, ISO100

 

Mein letzter persönlicher Reinfall in dieser Hinsicht war das Zeiss FE24-70 F4.0 für sie Sony A7-Reihe, der Testbericht ist hier nachzulesen. Ich hatte einfach irgendwann genug von diesen ewigen Einschränkungen (Abblenden für optimale Bildleistung) und dem Selbstbetrug (Unscharfe Ecken bei 24mm? Nicht so wichtig, da schaut eh keiner hin...)

Bei Leica bin ich immer vor diesen Problemen gefeit gewesen. Klar gibt es auch Spitzenobjektive anderer Hersteller, aber meist stechen die dann preislich ebenfalls aus der Masse heraus. Von nichts kommt eben nichts.

 

46mm, F6.4, 1/200, ISO100

 

Obwohl also richtig gute Objektive deutlich teurer sind, bedeutet das für mich auf lange Sicht die bessere Investition. Ich bin zufrieden, ich habe meine Ruhe, ich kaufe nicht alle Jubeljahre etwas neues, weil mich der alte Kram mit irgendwelchen Mängeln ärgert. Wenn andere über verschmierte Ecken und Probleme mit Gegenlicht diskutieren, gehe ich entspannt fotografieren.

Was hat das nun alles mit der X-Vario zu tun? Ganz einfach, ich möchte ein Gefühl dafür geben, wo die X-Vario optisch zu verorten ist, wo sie herkommt und wofür sie steht. Auch der Preis ist in dieser Relation zu sehen. Zu viel Geschirr ist bei dem ganzen Gemeckere über das lichtschwache Zoom zerschlagen worden und am Ende hatte man vergessen, worum es eigentlich ging. Nämlich darum, dass die X-Vario ein relativ kompaktes Zoom-Objektiv besitzt, welches trotz geringer Lichtstärke in Bereiche vorstößt, in denen sonst nur teure Festbrennweiten zu Hause sind. Als ich diese Aussage erstmals hörte, lächelte ich und dachte mir: "Ja ja, ein Zoom. Wie soll das denn gehen?" Darüber, wie das geht, sprechen wir in Kürze noch.

 

46mm, F8.0, 1/160, ISO100

 

X-Vario - Erster Eindruck, Haptik, Menü

Schauen wir uns das gute Stück einmal an. Die X-Vario wird in der selben hochwertigen Verpackung wie alle anderen Leicas geliefert, inklusive einem anständigen Handbuch, das den Namen auch verdient. Leica legt auch einen sehr schönen Ledergurt bei. Der ist definitiv praktischer und angenehmer zu tragen als der M240-Gurt mit seinen Nacken-Gummi-Stacheln. Gefällt mir!

Nimmt man die Kamera in die Hand, kommt tatsächlich ein gewisses Mini-M-Feeling auf. Das Design ist stark an die M angelehnt, andererseits aber auch an die X-Serie. Das Gehäuse ist nicht zu klein, eine Point-&-Shoot ist sie definitiv nicht. Die Tasten sind hochwertig und haben einen guten Druckpunkt. Es klappert oder knarzt natürlich nichts, wie üblich findet man keine minderwertige Plastik. Die Bedienung ist selbsterklärend. Es gibt einen Zoomring, einen Ring zum Einstellen der Schärfe (der eigentlich nicht mechanisch funktioniert, sich jedoch genau so anfühlt), und jeweils ein Einstellrad für Verschlusszeit und Blende.

Der Wechsel zwischen automatischen und manuellen Modi ist infolge der Anordnung der Bedienelemente beispielhaft einfach. Sowohl Verschlusszeitenrad als auch Blendenrad und Autofokus haben neben den manuellen Einstellmöglichkeiten jeweils eine Automatik-Position. Damit kann man beliebige Kombinationen wählen. Stellt man alle drei Elemente auf "A", aktiviert man den Vollautomaten. Ich finde das selbsterklärend, den mir ist immer bewusst, welches Element ich verstelle und damit priorisiere, oder auf Automatik setze. Niemand muss sich hier mit dem PASM-Modus-Wahlrad auseinandersetzen. Ich kenne tatsächlich viele ältere Fotografen, die sich damit schwertun, einfach weil ihnen die englischen Begriffe (A)perture oder (S)hutter nicht bekannt sind. Spricht man jedoch von Blende und Verschlusszeit, wissen sie sofort, was gemeint ist. Einsteiger hingegen sind eingeschüchtert, wenn man mit so Sätzen wie "A bedeutet Blenden-Priorität" um sich wirft. Stellen sie die Blende aber manuell ein und alles andere auf "A", verstehen sie intuitiv, was sie da tun.

Der Umfang des Menüs ist ähnlich dem in der M. Es ist beschränkt auf die wichtigen und wesentlichen Einstellungen, man findet lediglich noch einige Parameter zum Autofokus. Schlecht ist nach wie vor, dass es RAW nur im Doppelpack mit JPG gibt. Das hatte mich schon bei der Q geärgert und ist für mich schlicht Speicherplatzverschwendung.

Gimmicks wie Motivprogramme oder spezielle Bildeffekte fehlen konsequenterweise komplett. Ich begrüße das ausdrücklich, denn all diese Dinge sind reine Marketing-Gewächse, die wirklich niemandem etwas bringen. Selbst ein Einsteiger ist schneller, wenn er die Blende verstellt, um die Schärfentiefe zu variieren, als wenn er über ein umständliches Menü ein passendes Motivprogramm sucht und auswählt. Er muss halt nur wissen, wofür die Blende da ist, was man ihm idealerweise in Form eines Handbuchs kurz näherbringen könnte. Geht natürlich schlecht, wenn man selbst komplexen Geräten nur ein Faltblatt in 70 Sprachen beilegt. (Stimmt's, Sony?)

Doch selbst bei Leica habe ich ein paar wenige Menüpunkte gefunden, deren Bedeutung nicht selbsterklärend war, wie zum Beispiel die Einstellungen "Menü auf Monitor". Dahinter verbirgt sich eine eigentlich nützliche Sache. Nutzt man nämlich den externen Viewfinder an der X-Vario, kann man hier angeben, wo das Menü erscheinen soll (im Viewfinder oder auf dem hinteren Display).

Externer Viewfinder? Ja, die X-Vario bietet die Möglichkeit, den von der M her bekannten elektronischen EVF-2 zu nutzen, der mittlerweile etwas in die Jahre gekommen ist. Der EVF-2 ist baugleich mit dem Olympus VF-2. Mit seinen 1,4-Megapixeln Auflösung ist er gut nutzbar aber natürlich kein Vergleich mehr zur aktuellen Speerspitze der Technologie, die man in den Leica-Geräten Q und vor allem SL wiederfindet.

Ich habe ihn letztendlich auch gar nicht gebraucht, denn selbst bei hellem Sonnenschein empfand ich das Display der Leica als sehr gut nutzbar. Es hat eine Auflösung von 900.000 Bildpunkten und erlaubt infolgedessen selbst bei manuellem Fokussieren eine sehr genaue Beurteilung der Schärfe. Zur Hilfestellung kann man auf dem Display zur Unterstützung einen vergrößerten Bereich einblenden und mit dem Steuerkreuz frei verschieben - ein sehr willkommenes Feature. Befindet man sich im manuellen Modus, wird die Belichtung auf dem Life-View akkurat dargestellt.

Die Belichtungskorrektur ist jeweils auf dem hinteren Steuerkreuz (oberhalb der Info-Taste) und im Menü untergebracht. Individuelles Belegen der Bedienelemente ist übrigens nicht möglich, angesichts der übersichtlichen Bedienung aber auch nicht notwendig.

Nicht so schön finde ich, dass die längstmögliche Belichtungszeit wieder nur bei 30 Sekunden liegt. Schade, denn die X-Vario lädt mit ihrem hochwertigen Objektiv und der Möglichkeit, Filter (43mm Durchmesser) zu nutzen, durchaus zu Landschaftsfotografie ein. In diesem Genre arbeitet man jedoch gern mit noch längeren Belichtungszeiten, etwa um Personen verschwinden zu lassen, Wolken zu verwischen oder Wasser zu glätten. Sehr sympathisch finde ich hingegen, dass man nach längeren Belichtungszeiten auf die zweite Zwangsbelichtung gegen den Verschluss verzichtet (Subtraktion von Rauschmustern). Das ist bei diesem Sensor scheinbar nicht notwendig, in jedem Falle beschleunigt es die Abläufe etwas.

Nicht nur komplett schwarz, sondern auch im etwas klassischeren Look erhältlich.

 

Weil wir gerade beim Thema Stativ und Landschaftsfotografie sind: im Hinblick darauf vermisse ich definitiv die Möglichkeit zur Fernauslösung. Wenigstens einen Kabelfernauslöser sollte man anschließen können. Bleibt nur der Selbstauslöser, den man nicht im Menü (wo ich ihn erst ewig gesucht habe), sondern ausschließlich auf der linken Seite des Steuerkreuzes findet. Nicht ganz zu Ende gedacht: der Selbstauslöser schaltet sich nämlich nach jedem Foto immer wieder ab und muss dann erneut manuell aktiviert werden. Beim Arbeiten auf dem Stativ kann das ziemlich nervtötend sein.

Naja, und eine elektronische Wasserwaage zum Einrichten der Kamera wäre auch super gewesen. Aktuell gibt es nur die Möglichkeit, ein Raster einzublenden.

Optionales Zubehör: Handgriff für die X-Vario

 

Noch ein kleiner Tipp: Man sollte immer darauf achten, dass man die aktuellste Firmware aufgespielt hat, da diese einige ergonomische Verbesserungen bereithält (z.B. kann man im Menü dann auch Dinge mit der Info-Taste des Steuerkreuzes auslösen, was Anfangs nur der SET-Taste vorbehalten war).

Schalten wir die Kamera doch einfach einmal ein...

 

18mm, F8.0, 1/320, ISO100

 

Handling, Autofokus, Akkulaufzeit, Belichtung

Hier treffen wir auf ein... nennen wir es Entwicklungsfeld. Die X-Vario ist wirklich nicht die Schnellste. Zum Beispiel dauert es recht lange, die Bildvorschau mit der hinteren Play-Taste aufzurufen. Auch die Einschaltzeit verlangt nach etwas Geduld. Ich muss zugeben, dass ich dadurch ein, zwei fotografische Momente verpasst habe. Zudem hatte ich ab und zu das Pech, beim Fotografieren exakt auf den Moment zu treffen, in dem sich die Kamera automatisch abschaltete. Dieser Abschaltvorgang dauert schon recht lange, da Reaktivieren dann ebenfalls wieder. Hinsichtlich der meiner Meinung nach bevorzugten Nutzung in eher langsamen fotografischen Genres sehe ich diese Eigenschaften relativ entspannt. Dennoch würde eine etwas rasantere Hardware an dieser Stelle noch deutlich mehr Bedienkomfort bringen.

 

18mm, F8.0, 1/30 aus der Hand, ISO160

 

Das trifft auch auf den Autofokus zu, den in meinen Augen einzigen echten Schwachpunkt dieses Gerätes. Das Tempo ist zwar bei guten Lichtverhältnissen ganz okay, das System wird aber bei weniger Licht schnell sehr langsam und auch etwas unsicher. Diese Unsicherheit ist jedoch nicht nur auf Dunkelheit beschränkt. Ich hatte selbst bei Tageslicht einige wenige Bilder (von hunderten), wo mir das System eine erfolgreiche Scharfstellung signalisierte, tatsächlich jedoch knapp daneben lag. Das sollte nicht passieren. Ebenso scheint es Probleme mit der Unendlichkeitseinstellung zu geben. Ist das Messfeld z.B. im Bereich des Himmel oder in weit entfernten Gefilden, findet es nicht genügend Kontrast und verweigert den Dienst. Das ist natürlich ein ganz grundsätzliches Problem des Kontrastautofokus, aber bei anderen Leica-Geräten klappt es ja auch. Bei Landschaftsaufnahmen habe ich dann häufig manuell auf Unendlich gestellt, das geht bei der einfachen Bedienung leicht und schnell.

 

18mm, F8.0, 1/60 aus der Hand, ISO100

 

Die Akkulaufzeit empfand ich als auffällig gut. Ich hatte einige Tagesausflüge mit der Kamera und bin trotz exzessiver Nutzung nie auch nur im Ansatz in Bedrängnis geraten. Der Akku war Abends immer noch zu mindestens zwei Dritteln voll und damit ist die X-Vario wirklich entscheidend besser als andere Geräte wie z.B. die Sony A7-Serie. Bei meiner A7r kann man förmlich zuschauen, wie sich der Akku leert.

Die Belichtungsautomatik nutzte ich hauptsächlich im Mehrfeld-Modus. Die Kamera produziert sehr ausgewogen belichtete Aufnahmen und versucht immer, den Himmel nicht ausbrennen und dunkle Bereiche nicht absaufen zu lassen. Das die JPGs so gut sind, liegt daher auch an der oft wirklich passend ermittelten Belichtung. Hier scheint ein sehr akribisch entwickelter Algorithmus dahinterzustecken. Ich empfand das System optimaler als bei meiner Nikon D600 oder der Sony A7R. JPGs direkt aus der Kamera sind damit wirklich vorzeigbar (solch eine Äußerung ist mir bisher noch bei keiner Kamera über die Lippen gekommen). Die hier gezeigten JPG-Beispiele entstanden mit der mittleren Farbwiedergabe-Einstellung "lebendig".

 

37mm, F5.6, 1/80, ISO100 - Hier die Bearbeitung des RAWs im Lightroom...

 

...und hier das JPG direkt aus der Kamera.

 

46mm, F6.4, 1/250, ISO100 - Hier die Bearbeitung des RAWs im Lightroom...

 

...und hier das JPG direkt aus der Kamera.

 

18mm, F4.5, 1/800, ISO100 - Hier Bearbeitung des RAWs im Lightroom...

 

...und hier das JPG direkt aus der Kamera.

 

46mm, F6.4, 1/200, ISO100 - Hier Bearbeitung des RAWs im Lightroom...

 

...und hier das JPG direkt aus der Kamera.

 

18mm, F5.0, 1/800, ISO 100 - Hier Bearbeitung des RAWs im Lightroom...

 

...und hier das JPG direkt aus der Kamera.

 

Für meinen Geschmack könnte die automatisch ermittelte Belichtung vielleicht einen Tacken weniger weit "rechts" (also auf den Highlights) liegen. Ich regelte die Belichtungskorrektur häufig ein wenig nach links (-0.5 bis -1.0 EV), um wirklich sicherzugehen, dass der Himmel nicht wegbrennt. Das ist aber eigentlich "Meckern auf hohem Niveau" und vielleicht auch meinem persönlichen Geschmack geschuldet.

Die Verschlusszeit wird von der Automatik oft recht niedrig gewählt. Das System lässt die ISOs weit unten und gibt mir lieber Zeiten von 1/30 bis 1/80. Insbesondere am Ende der Tele-Stellung muss 1/80 jedoch nicht unbedingt sein. Da ich den komischen Software-Bildstabi nicht benutze (meine Maxime lautet: entweder optischer Stabi oder gar nix), stellte ich mir die Kamera so ein, dass sie mir am Tage mindestens ein 1/128 gibt und dafür die ISO-Werte hochzieht, was bei dem Sensor gar kein Problem ist. Die Optik ist so fantastisch, es wäre eine Schande, die erreichbare Schärfe durch Verwacklung zunichte zu machen.

 

18mm, F5.0, 1/250, ISO100

 

Optik und Bildqualität

Und damit kommen wir zur ganz großen Stärke dieser Kamera. Um genau zu sein punktet die X-Vario hier so massiv, dass ich all meine kleinen Beanstandungen immer wieder beiseite schob und ihr die Schwächen gern verzieh.

Ich bin kein APS-C-Fan. Da ich die Fotografie zu Filmzeiten hinter mir gelassen habe und erst viel später im digitalen Zeitalter zurückkehrte, machte ich faktisch sofort mit 35mm Vollformat weiter und empfand alles andere als unnötige Kompromisslösung. Mich nervte ganz allgemein das Crop-Faktor-Umgerechne und anfänglich war der Qualitätsunterschied zwischen Fullframe und APS-C (gerade auch bei wenig Licht und beim Thema Dynamik) noch relativ groß.

 

46mm, F6.4, 1/80, ISO160

 

Den etwas älteren 16-Megapixel-APS-C-Sensor der X-Vario hatte ich daher auch immer mit einer gewissen Vorsicht, fast schon Geringschätzung, betrachtet. Die Auflösung selbst empfand ich als problematisch hinsichtlich einer möglichen Ausschnittsvergrößerung. Auch wenn ich kein Megapixel-Fetischist bin, galt für mich 18-24 MP bei Vollformat als Optimum. Tiefer wollte ich eigentlich nicht mehr gehen.

Mit entsprechend niedrigen Erwartungen machte ich mich somit ans Fotografieren. Bis zu diesem Zeitpunkt war mein Eindruck eher durchwachsen gewesen und ich zweifelte, dass die erziehlbare Bildqualität das Ruder noch sonderlich weit rumreißen könnte.

Meine Zweifel hielten genau so lange, wie ich die ersten Fotos im Lightroom betrachtete. Dabei kippte ich nämlich vor Staunen fast hintenüber und ich gebe es zu - das veränderte ein wenig mein Weltbild.

 

30mm, F5.0, 1/640, ISO100

 

Ich werfe einmal eine steile These in den Raum, indem ich sage: die Bildqualität, die die X-Vario abliefert, entspricht locker einer 4000-Euro-DSLR-Kombo. Und ich rede von Vollformat-DSLRs und von L-Objektiven (oder vergleichbarem).

Meine ersten Aufnahmen entstanden unter anderem in einem Park. Das bedeutet, wir reden über wenig differenzierte Farben, massig Details, hohe Kontraste und damit einhergehend die ganze Hölle sämtlicher Abberationen. Ich erwartete also viel grünen Detailmatsch und ausgebrannten Himmel mit lila Zweigen davor. Was ich stattdessen bekam, war so verdammt nahe an meiner M240 (mit Festbrennweiten!) oder an meiner Nikon D600 mit 24-70 F2.8, dass ich mich gar nicht wieder einkriegte. Ich meine, wir reden hier über ein 16-Megapixel-APS-C-Gerät. Trotzdem waren die Details alle da, bis in die letzten Ecken. Massen an Details und ein ungemein scharfer Bildeindruck.

 

18mm, F4.5, 1/400, ISO100

 

Fast war ich froh, festzustellen, dass der Himmel ein wenig ausgebrannt aussah. Hohe Kontraste halt, der Tod für jeden kleinen APS-C-Sensor - mein Weltbild nicht gänzlich zerstört. Doch Moment... Ein beherzter Griff zum Höhen-Regler im Lightroom brachte alle Details zurück. Einige Zeit später musste ich zugeben: die Dynamik des kleinen Sensors ist nicht schlechter als die Dynamik meiner M. Ich habe im Folgenden einige Bilder angefügt, die das illustrieren sollen. Klar, an einen aktuellen Sony-Fullframe-Sensor kommt sie nicht ganz ran, aber ich war trotzdem verblüfft, wieviele Informationen ich aus dunklen Bereichen und vor allem aus scheinbar ausgebrannten Gebieten noch retten konnte. Zeitweise hatte ich sogar den Eindruck, dass da noch etwas mehr geht als bei der M240.

 

Fast ausgebrannter Himmel? Kein Problem im RAW...

 

...wir holen uns den Himmel problemlos zurück. 18mm, F5.0, 1/320, ISO100

 

Generell kommt der APS-C-Sensor der X-Vario mit großen Kontrasten prima klar...

 

...wie die bearbeitete RAW-Aufnahme dieses Bildes zeigt. 18mm, F5.6, 1/400, ISO100

 

Ob die folgende Bearbeitung dieses Bild verbessert, sei dahingestellt...

 

...ich möchte lediglich zeigen, was möglich ist. 18mm, F5.6, 1/640, ISO100

 

Anstatt den Blitz zum Aufhellen des Vordergrundes einzusetzen...

 

...bietet die X-Vario auch bei diesem Bild genug Reserven im RAW. 46mm, F6.4, 1/125, ISO125

 

Die Farbwiedergabe ist leicatypisch ebenfalls sehr gut. Eher etwas zurückhaltend, aber dafür präzise auch bei komplizierteren Tönungen und Kombinationen. Ich mag die Leicafarben schon immer mehr als z.B. die Bonbonfarben von Nikon. Manchmal gerate ich an Bilder, bei denen ich mich im Lightroom zu Tode regele weil ich immer irgendwelche "Farbstiche" sehe. Das ist aber bei anderen Kameras genauso und wahrscheinlich eher auf ein "Farbstich-Hirnsyndrom" meinerseits zurückzuführen...

Den Weißabgleich erwischt die X-Vario stets perfekt, das hat Leica ja generell mittlerweile sehr gut im Griff. Auf jeden Fall ist die Trefferquote wesentlich besser als bei Sony.

Auf Grund der geringen Lichtstärke der Optik wird man mit der X-Vario schneller in höhere ISO-Regionen vorstoßen. Doch das ist absolut kein Grund zur Sorge, denn der Sensor leistet auch hier sehr gute Arbeit. Der gesamte ISO-Bereich der Leica ist bis ISO 3.200 sehr gut und bis ISO 6.400 gut nutzbar. ISO 12.500 ist dann eher für den Notfall. Mit Farbrauschen hält sich die X-Vario (wie bei Leica üblich) zurück. Insgesamt wirkt das Rauschen - wenn es denn auftritt - eher organisch und analog. Wie bereits erwähnt kann man die minimale Verschlusszeit ruhig etwas hochsetzen und die Elektronik dafür lieber die ISOs höher ausregeln lassen.

 

46mm, F6.4, 1/125, ISO800

 

Noch einige technische Anmerkungen zum Objektiv: das Vario-Elmar F3.5-6.4/28-70mm (Kleinbild) Asph. scheint auf den ersten Blick nicht besonders aufregend zu sein. Das stimmt im Grunde auch, denn aufregen muss man sich hier wirklich über nichts. Die Schärfe ist bei allen Brennweiten gleichmäßig hoch, vom Zentrum bis in die Ecken. Die Gesamtanmutung (inkl. Kontrast und Details) kommt dabei durchaus nahe an M-Optiken wie mein Super-Elmar-M 18mm heran. Ich kann das gar nicht oft genug herausstellen! Ansonsten können wir uns hier ziemlich kurz fassen. Im Einklang mit meiner längeren Einleitung zum Thema Objektivbaukunst kann ich nur sagen, dass Vignettierung, Verzeichnung und diverse Abberationen keine Rolle spielen. Einige werden jetzt anmerken, diese gute optische Performance würde zum Teil dadurch erkauft, dass man den Bildern der X-Vario zur Korrektur ein integriertes Objektivprofil mitgibt, doch ich halte das angesichts des guten Ergebnisses für legitim. Eine rein optisch basierte Korrektur hätte sicherlich Größe, Gewicht und Preis in die Höhe getrieben.

Der Brennweitenbereich von 28-70mm (umgerechnet auf Kleinbild) entspricht den häufigsten praktischen Erfordernissen, wobei ich eine Ausweitung auf 24mm noch ein klein wenig cooler gefunden hätte.

Das Gegenlichtverhalten war meines Erachtens nach völlig unproblematisch.

 

Die allseits geliebte selektive Schärfe ist ein schwieriges Thema... 30mm, F5.0, 1/500, ISO100

 

Wichtig bei all dem ist, sich immer wieder vor Augen zu führen, dass wir hier über ein doch relativ kompaktes Zoom sprechen, also von einer Kompromiss-Konstruktion. In dieser Hinsicht zeugt das Vario-Elmar wirklich von massivem Know-How im Objektivbau. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man innerhalb dieser baulichen Abgrenzungen (Formfaktor, Gewicht) noch irgendetwas hätte besser machen können.

Der perfekt abgestimmte Sensor, der trotz seines Alters und seiner verhältnismäßig konventionellen Auflösung wirklich zur Höchstform aufläuft, ist das Tüpfelchen auf dem i. Ausschnittsvergrößerungen oder große Drucke sind daher kein Thema, man sollte sich hier wirklich nicht von den "nur" 16 Megapixeln verunsichern lassen.

 

18mm, F5.0, 1/800, ISO100

 

ISO-Reihe

Ich habe eine kleine ISO-Reihe erstellt. Genutzt wurden die JPGs direkt aus der Kamera. Soweit ich das erkennen konnte, führt Leica bei den JPGs keinerlei zusätzliche Rauschunterdrückung durch. Ich zeige hier nur jeweils einen 100%-Crop, der natürlich bezüglich Rauschen sehr ehrlich ist. Für eine Beurteilung mindestens genauso wichtig ist jedoch das Gesamtbild, welches sich beim Anklicken des jeweiligen Ausschnittes öffnet.

 

ISO100ISO100

Das Gesamtbild. Die Pinguine sind leicht außerhalb der Schärfe-Ebene. Nachfolgend die 100%-Ausschnitte...

 

ISO100_vollISO100_voll

ISO100

 

ISO200_vollISO200_voll ISO200

 

ISO400_vollISO400_voll ISO400

 

ISO800_vollISO800_voll ISO800

 

ISO1600_vollISO1600_voll ISO1600

 

ISO3200_vollISO3200_voll ISO3200

 

ISO6400_vollISO6400_voll ISO6400

 

ISO12500_vollISO12500_voll ISO12500 (Push)

 

Was es sonst noch so gibt...

Die Leica X-Vario verfügt über einen eingebauten Blitz, den ich nicht getestet habe. Ich versuche eigentlich immer, Blitzen zu vermeiden und das Thema blende ich auch konsequent aus. Ich kann daher nicht viel dazu sagen, habe aber der einschlägigen Fachliteratur entnommen, dass der kleine Blitz recht gut sein soll und seinen Zweck voll erfüllt. Allerdings hat die Kamera noch eine weitere interessante Eigenschaft, die mit dem Blitzen indirekt in Zusammenhang steht: einen Zentralverschluss. Diese eher ungewöhnliche Verschluss-Variante sorgt nämlich dafür, dass die Leica einen externen Blitz (und natürlich auch den internen) faktisch mit jeder Zeit synchronisieren kann. Wer sowas braucht, muss nun nicht mehr zwingend den Gegenwert eines Kleinwagens für eine Mittelformatkamera ausgeben, sondern kann seine Aufnahmen auch mit der X-Vario machen. Dieses Feature ist in meinen Augen sehr unüblich für diese Kamera-Klasse und auch ungemein spannend. Es unterstreicht, dass die kleine Leica keinesfalls nur eine kompakte Urlaubskamera ist, sondern ein durchaus spezielles Werkzeug für Profis sein kann. Ich habe in diversen Foren hin und wieder gelesen, dass einige Fotografen dieses Feature intensiv nutzen.

Die Software-Bildstabilisierung habe ich ehrlich gesagt ignoriert. Ich hatte es weiter oben ja bereits erwähnt; eine Stabilisierung erfolgt nach meiner Ansicht entweder optisch / mechanisch oder gar nicht. Irgendwelchen Verrechnungen von mehreren Bildern misstraue ich grundsätzlich. Ein guter Ersatz für den Stabi waren bei mir leicht angehobene Belichtungszeiten und damit einhergehend moderat erhöhte ISO-Werte.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die X-Vario einen Videomodus in FullHD (1080p) mit 30 Bildern pro Sekunde bietet. Es gibt einen separaten Start-Taster und für schnelle Filmchen zwischendurch kann das alles sicherlich recht praktisch sein. Ich denke jedoch, dass sich die Zielgruppe eher auf das Fotografieren beschränkt. Naja, damit die Marketing-Leute Ruhe geben, baut man es eben mit ein. Tut ja nicht weh...

 

18mm, F4.5, 1/640, ISO100

 

Zeit für ein Fazit

Jeder kennt das wohl; man liebt etwas, obwohl man es manchmal auf den Mond schießen könnte. Sei es das Motorrad, der Traum-Sportwagen, das Hobby oder die Ehefrau (auf die Kommentare bin ich jetzt schon gespannt). Obwohl nicht immer alles perfekt läuft, gibt es dann trotzdem diese Momente, die einen für alles entschädigen und die einem bestätigen: Du hast alles richtig gemacht.

Mit der X-Vario ging es mir so ähnlich. Manchmal runzelte ich etwas die Stirn, weil der Autofokus nicht gleich traf oder weil das Einschalten wieder so lange dauerte. Aber spätestens beim Anschauen der Bilder vor dem Monitor war das alles wieder vergessen. Man verzeiht dem Gerät einfach seine kleinen Eigenheiten, weil es genau dort, wo es darauf ankommt, perfekt abliefert. So ähnlich wie in einer guten Ehe. Nur reden wir hier über die Bildqualität. Aber ehe ich mich um Kopf und Kragen fabuliere (immerhin besteht die minimale Chance, dass meine Frau den Bericht bis hierhin gelesen hat), konzentrieren wir uns lieber wieder auf die Technik.

Ich hätte es ehrlich nie gedacht, zu welcher Qualität Optik und Sensor hier in der Lage sind (ich gelobe auch feierlich, mich nie wieder über APS-C lustig zu machem). Nicht nur die rein optischen Werte, auch Dynamik und Rauschverhalten stehen einer guten DSLR in nichts nach. Zudem kann die Kamera mit ihrem Zentralverschluss eine interessante Option für Profis oder Fortgeschrittene sein, die spezielle Blitz-Setups aufbauen möchten.

 

18mm, F4.5, 1/640, ISO100

 

Alle Kritik kann man im Grunde auf eine Sache herunterbrechen: den recht langsamen Autofokus, der sich in dunkler Umgebung nicht wirklich wohl fühlt. Doch wer damit umgehen kann (und will), erhält hier eine erstklassige Kamera ohne dafür 3 Kilogramm Technik und Glas umherschleppen zu müssen. Die X-Vario liebt meiner Meinung nach das Licht, sie möchte gern auf Reisen gehen und traumhaft schöne Landschaften erkunden. Sie will nicht mit Bokeh herumkünsteln, sondern die Welt so wiedergeben, wie sie eben ist. Brilliant, scharf und voller Farbe. Rein von der ISO-Performance her kann man sie auch problemlos in dunkler Umgebung nutzen, nur muss man dann dem Autofokus mitunter etwas nachhelfen. Egal wie, am Ende des Tages hat sie es immer geschafft, mich mit ihren Bildern zu verzaubern.

Kann die X-Vario auch eine Ergänzung für die Leica-M sein? Auf jeden Fall. Wenn man kein weiteres Kamera-System anschaffen möchte, ist ihr variables Zoom perfekt für alle Gelegenheiten, für die man als M-Fotograf vielleicht gerade nicht die passende Festbrennweite dabei hat. Dabei ist sie definitiv nicht nur eine Notlösung! Im Gegenteil, manchmal wird es schwer sein, zu entscheiden, aus welcher Kamera nun das bessere Foto kam. Als Fotograf kann man dabei nur gewinnen.

Wer sich nach diesem Bericht noch unschlüssig ist, möge sich einmal die Gebrauchtpreise auf Ebay anschauen. Made in Germany muss kein Vermögen kosten! Auch im DSLR-Forum oder bei den bekannten Leica-Händlern taucht hin und wieder mal ein gepflegtes Gebrauchtgerät auf.

 

Ein paar Worte zur eigenen Einstellung

Die X-Vario ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass man sich nicht immer auf Testberichte oder technische Einschätzungen verlassen kann. Sie ist ein kleines Juwel, das entdeckt werden will. Man muss sich selbst mit ihr befassen, einfach mal ein paar Bilder machen, im RAW-Konverter daran herumspielen, die Möglichkeiten erkunden.

Ich bin überzeugt, viele potentiellen Käufer haben sich durch diverse Reviews oder selbsternannte Forum-Experten abschrecken lassen. Besser wäre gewesen, die Kamera einmal selbst auszuprobieren. Denn bei dem, worauf es beim Fotografieren letztendlich ankommt - nämlich dem fertigen Bild - liefert sie gnadenlos ab. Nachdem ich mich eine Weile an sie gewöhnt hatte, benutzte ich sie mit der beruhigenden Gewissheit, mich jederzeit auf ihre Leistung verlassen zu können. Oft war ich mir schon vor dem Auslösen sicher: "Das Bild wird gut!". Der einzige Grund, weshalb ich sie nicht sofort eine als Ergänzung zu meinem M-System gekauft habe ist der, dass mich ihre Performance neugierig auf das T-System gemacht hat. Das möchte ich vorher auch noch ausprobieren. Schön, wie sich die Welt der Möglichkeiten erweitern kann, wenn man irgendwann auch mal über den Tellerrand schaut...  (Stichwort APS-C !)

Ich kann nur eindringlich an alle appellieren: selbst ausprobieren anstatt in Foren zu lesen. Mitunter kann so ein Gerät deutlich mehr, als es die Gesamtheit seiner technischen Daten auf den ersten Blick vermuten lässt.

 

46mm, F6.4, 1/250, ISO100

 

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) 18-46 27-70 28-70 APS-C Autofokus Bericht Elmar Leica Review Test Testbericht Vario Vario-Elmar X X-Vario Zoom http://www.cetus-a.de/blog/2016/5/leica-x-vario Sun, 29 May 2016 17:09:17 GMT
Abenteuer, Motorräder und eine M240... http://www.cetus-a.de/blog/2016/5/mit-der-m240-um-die-welt

Foto von Sebastiaan de With, rideearth.net

 

Durch Zufall stieß ich vor kurzem auf einen sehr interessanten englischsprachigen Testbericht zur Leica M (Typ 240), der hinsichtlich der Vergleiche zur Sony A7-Serie interessante Parallelen zu meinem eigenen Erfahrungsbericht aufwies. Beim Lesen fiel mir dann auf, dass ich nebenbei auf einer äußerst interessanten Seite gelandet war, die ich hier kurz vorstellen möchte.

Bei den Autoren Sebastiaan de With und Stuart Philkill dreht sich alles um Abenteuer, Motorräder und Fotografie. Letztes Jahr waren sie im äußersten Norden des amerikanischen Kontinents unterwegs, zur Zeit geht es an die Südspitze. Ihre Erlebnisse dokumentieren sie in Wort und Bild in ihrem Blog. Sebastiaan nutzt dabei unter anderem eine mittlerweile äußerst gebrauchte M240, die unter anderem schon einen extremen Sturz vom Motorrad überlebt hat. Über all das schreibt er auch in seinem Testbericht. Besonders interessant ist dabei für mich der harte Alltagseinsatz und seine Aussagen bezüglich Haltbarkeit und Robustheit der Leica im direkten Vergleich zu anderen Geräten. Er spricht dabei aus lebendiger Erfahrung und diesen Aspekt vermisse ich in Kamera-Testberichten ansonsten eigentlich immer.

Ich kann nur empfehlen, den Blog der beiden jungen Abenteurer mal zu besuchen und ein wenig an ihren Erlebnissen teilzuhaben.

Der Link zum M240-Testbericht: http://rideearth.net/2016/05/04/leica-m-the-full-review/

Der Link zum Blog: http://rideearth.net

 

  

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) Bericht Haltbarkeit Leica M240 Nordamerika Review Robustheit Südarmerika Testbericht Weltreise rideearth http://www.cetus-a.de/blog/2016/5/mit-der-m240-um-die-welt Sat, 14 May 2016 13:32:17 GMT
Leica M-D - Digitale Rückkehr der analogen Zeit? http://www.cetus-a.de/blog/2016/5/leica-m-d---digitale-r-ckkehr-der-analogen-zeit

Am 30. April stellte Leica die neue M-D vor, eine weitere Reinkarnation der M 240 / M262, jedoch mit einem erheblichen Unterschied: die M-D hat kein Display.

Ein digitaler Fotoapparat ohne Display? In Leica-Kreisen ist dieses Konzept schon länger bekannt, denn man hatte mit dem Sondermodell Leica M Edition 60 schon mal eine Art "Versuchsballon" gestartet, allerdings nur in kleiner Stückzahl.

Über die technischen Parameter müssen wir uns nicht weiter auslassen, da die M-D, wie bereits erwähnt, eine Ableitung der M Typ 262 ist. Von ihr erbt sie im groben die Ausstattung, bis auf den einen feinen Unterschied: das fehlende Display.

Ich muss zugeben, als ich davon erstmals hörte, runzelte ich nur die Stirn und dachte mir: "So ein Quatsch, damit gebe ich ja einen wesentlichen Vorteil des digitalen Zeitalters einfach so ab!"
Für mich war das unvorstellbar, denn gerade bei der Leica-M-typischen manuellen Arbeitsweise war es mir immer wichtig, Kontrolle über das Ergebnis zu haben. So lernte ich das Fotografieren im Übrigen überhaupt erst richtig: in dem ich mit meiner ersten DSLR herumprobierte und über das Display ein direktes Feedback erhielt. In der analogen Zeit - die von der M-D ja wieder heraufbeschworen wird - fühlte ich mich dagegen immer ziemlich unwohl. Zu viel schätzen und vermuten, zu viel Warterei, zu wenig unmittelbare Kontrolle. 

Kein Thema also für mich, und doch ging mir die Kamera einfach nicht aus dem Kopf. Nach und nach wurde mir bewusst, was ein Weglassen des Displays noch so mit sich bringt. Denn damit allein ist es ja nicht getan. Ohne Display gibt es z.B. auch kein Einstellungsmenü! Geht das denn eigentlich?

Überlegen wir doch mal. Blende und Verschlusszeit stellt man direkt am Gehäuse ein. Den ISO-Wert steuert man, wie bei den klassischen analogen Geräten, mit einem Regler an der Rückseite (der den Platz des Displays einnimmt). Was sonst noch? Bildeinstellungen? Gibt es nicht, es wird immer im RAW fotografiert. Ein digitales Negativ - wie passend. Diverse Displayeinstellungen? Entfallen. Technische Spitzfindigkeiten wie Verschlusslautstärke, Belichtungsmessmethode, Benutzerprofile - kann man weglassen. Meistens stellt man den ganzen Kram bei der Inbetriebnahme genau einmal ein, dann rührt man diese Menüpunkte nie wieder an. Über die Notwendigkeit von technischen Spielereien habe ich mich ja bereits in meinem Bericht zur M240 ausgelassen. Hier erleben wir im Grunde die konsequente Fortsetzung dessen, was ich eigentlich immer für gut befunden habe.

Letztlich geht es nicht nur um das fehlende Display, es geht um das gesamte Konzept. So vieles ändert sich, fällt weg. Positiv formuliert: es wird einfacher. Wenn das Fotografieren einfacher wird, widmet man dann nicht automatisch dem eigentlichen Motiv mehr Konzentration?

Im Leica-Forum schrieb jemand, dass nun wenigstens die nervige Frage "Kann ich das Bild mal sehen?" ein Ende hat. Darüber musste ich schmunzeln, denn es ist wahr! Ich hasse es, meine unfertigen Bilder am Fotoapparat zeigen zu müssen. Für den finalen Betrachter sollte nur das Endprodukt relevant sein, das nach umfangreicher Arbeit mit Lightroom und Photoshop entsteht. Mir persönlich dient das Display nur noch der kurzen Nachkontrolle von Komposition, Schärfe und Belichtung. Mittlerweile liege ich meist richtig. Ist es von da an nicht nur noch ein kleiner Schritt, ein letzter Sprung ins kalte Wasser, auf das Display einfach ganz zu verzichten?

Seit längerer Zeit nutze ich ein Halfcase, welches bei Bedarf das hintere Display verdeckt. Diese Klappe öffne ich immer seltener, um mich vom Resultat zu überzeugen. Der Kontrollblick ist sozusagen nur noch eine Art reflexhafte Rückversicherung. Letztendlich geht es darum, endlich einmal zu lernen, sich selbst zu vertrauen, noch ein klein wenig zu wachsen.

Leica schreibt: "Die Rückkehr der Vorfreude". Ja, auch das kann ich nachvollziehen. Man ist gewohnt, immer alles sofort zu bekommen. Resultate, Feedback. Alles ist in unserer technologisierten Welt so schnell und unmittelbar geworden. Wir leben das, wir haben das verinnerlicht, es entspricht unserem Denken. Die Leica M-D fällt völlig heraus aus diesem Rahmen. Schon sind wir in der Psychologie angekommen, beim Thema Belohnungsaufschub (der schließlich umso größere Freude verheißt) und damit einhergehend den Themen Impulskontrolle oder Selbstdisziplin. Die M-D kann somit regelrecht zu einer "Erziehungsmaschine" werden, oder zu einem kleinen Urlaub von unseren liebgewonnenen Schwächen.

Am Ende möchte ich ein großes Geständnis machen: ich werde die M-D nicht nutzen. So interessant und spannend ich das Konzept auch finde, so sehr ich Menschen verstehen kann, die das begrüßen - für mich persönlich ist es nichts. Als ich mich mit der M-D beschäftigte, lernte ich über mich, dass ich ein Kontrollfreak bin. Ein Mensch, der vorsichtshalber immer das größere Ausstattungspaket nimmt. Man könnte es ja brauchen. Für jemanden wie mich ist die M-D ganz eindeutig nicht gedacht, selbst bei der M262 wird es da schon eng. Ich möchte unmittelbare Kontrolle über meine Arbeit, sei es bei Langzeitbelichtungen oder beim Festlegen des Bildausschnittes. Ich fühle mich unwohl ohne die Möglichkeit der Rückversicherung. Ich benutze gern mein 18mm - und dafür will ich nicht wieder den klobigen Frankenfinder rausholen müssen. Und ja, ich gebe es zu: ich mache von jedem Bild immer mehrere Varianten. Ich bin oft von der Angst getrieben, das entscheidende Bild im entscheidenden Moment zu verhauen.

Ich liebe Tradition und ich liebe Technologie. Beides vereint sich für mich in der M240 auf perfekte Art und Weise. Auf moderne Bequemlichkeiten wie Live-View kann und will ich nicht mehr verzichten. Man weiss nie, was kommt und was man brauchen wird. Diese Einstellung hat mich immer von der reizvollen Monochrom abgehalten, später von der M262 und nun von der M-D.

Aber hey, wie gut, dass Leica für wirklich jeden Verrückten das richtige Tool hat!

Quelle: Leica Camera AG (alle Bilder)

  

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) Bericht Leica M M-D M240 M262 Messsucher ohne Display http://www.cetus-a.de/blog/2016/5/leica-m-d---digitale-r-ckkehr-der-analogen-zeit Mon, 02 May 2016 19:42:15 GMT
Dimension3 - Meine virtuelle Galerie http://www.cetus-a.de/blog/2016/1/dimension3-virtuelle-gallerie-in-entwicklung

 

Virtuelle Realität ist derzeit in aller Munde. Das Jahr 2016 soll endlich den von der Industrie ersehnten Durchbruch bringen. Es ist Zeit, neue Konzepte zu erforschen und neue Möglichkeiten zu finden. Gerade die Fotografie benötigt dringend Impulse, da sie sich im Internet derzeit fast nur noch durch Quantität definiert.

 

Achtung! Mittlerweile gibt es eine eigene Internetseite für dieses Projekt. Aktuelle Informationen finden Sie unter diesem Link. Der hier beschriebene Entwicklungsstand bezieht sich auf den Veröffentlichungszeitraum dieses Artikels.

 

Virtuelle Realität und Fotografie

Seit meiner Kindheit fasziniert mich die "virtuelle Realität". Die 80er und 90er, prägende Phase meiner Kindheit, waren voll mit dieser Thematik. Als ein Mensch, der sich grundsätzlich für alles interessiert, erschien es mir schon immer spannend, sich mittels virtual reality hautnah in jede erdenkliche Situation zu versetzen, sei es zu Trainingszwecken oder einfach zur Unterhaltung. Erste konkrete VR-Projekte wie die Software Second Life konnten mich jedoch nie wirklich begeistern; zu schlecht war die Grafik und zu fragwürdig der Sinn. Generell geriet das ganze Thema  mangels potenter Hardware bald wieder aus dem Fokus.

Seit 2013 erlebt die Szene nun einen neuen Hype, was hauptsächlich mit der Oculus Rift, einer bald erscheinenden und vielbeachteten 3D-VR-Brille, zusammenhängt. Erst in letzter Zeit ist Consumer-Technik zudem in die Lage gekommen, komplexe virtuelle Welten schnell, latenzfrei und in ausreichender Qualität darzustellen.

 

 

Ich betreibe seit langer Zeit meinen Fotoblog und immer wieder beschäftige ich mich damit, wie man Bilder und Fotos im Internet optimal präsentieren kann. Zu einem wirklich befriedigenden Ergebnis bin ich dabei nie gekommen. Besucht man einmal eine echte Galerie, stellt man fest, dass Fotos dort eine gänzlich andere Wirkung haben können. Größe, Rahmung, der Ausstellungsraum, das Licht und nicht zuletzt auch die anderen Bilder definieren einen Kontext, den eine schnöde Webseite einfach nicht bieten kann. Der Besucher steht dem Bild körperlich gegenüber und daraus entwickelt sich eine Spannung zwischen beiden. Im Internet gibt es das nicht, da geht es nur um Quantität, folglich wird der Besucher dort in Content ertränkt. Wenn ich meine Bilder präsentieren will, möchte ich den Besucher jedoch für mich allein haben. Er soll sich auf meine Fotos konzentrieren, er soll sich Zeit nehmen, sie auf sich wirken lassen, sich mit ihnen auseinandersetzen.

 

 

"Alles, was Dir jetzt noch fehlt, ist der Mut, dein Talent mit anderen zu teilen. Das unterscheidet den Künstler vom Amateur." (Life is strange, Ep.1)

Die Wenigsten unter uns sind bekannte Künstler und kaum einer wird Gelegenheit finden, seine Bilder ansprechend in einer Galerie zu präsentieren. Galerien gibt es nicht so viele, talentierte Fotografen aber schon. Könnte die virtuelle Realität hier nicht Abhilfe schaffen? Dieser Gedanke treibt mich seit einiger Zeit immer wieder um. Denken wir mal einige Jahre voraus. Vielleicht sind solche VR-Geräte wie die Oculus Rift dann ganz normal. Es gibt Spiele und Filme, die ganze Palette der Unterhaltung, die sich dieser Technik bedient und warum soll es nicht auch eine große Anzahl von virtuellen Ausstellungen geben, in denen unterschiedlichste Künstler ihre Arbeit präsentieren? Der Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Eine Galerie in einer Raumstation, die um einen Lichtjahre entfernten Planeten kreist? Ebenso denkbar wie eine Ausstellung 3000 Meter unter dem Meeresspiegel oder eine ganze, virtuelle Großstadt aus elektronischen Museen.

 

 

Natürlich bin ich bei weitem nicht der Erste, der mit solchen Ideen um die Ecke kommt. Es gibt bereits einige virtuelle Galerien im Netz, meist nutzbar im Browser, umgesetzt mit Flash. Ich habe sie mir alle angeschaut und muss sagen: ein Gefühl der Immersion entsteht dabei überhaupt nicht, zu ruckelig und grafisch schwach sind diese Lösungen. Natürlich kann man keine Computerspiele-AAA-Grafik erwarten, schließlich sollen solche Anwendungen auf möglichst vielen - auch leistungsschwachen - Systemen gut laufen. Dennoch, davon abgesehen, dass Flash ein Relikt aus der Vergangenheit ist, solide grafische Qualität müsste dank WebGL und HTML5 heutzutage eigentlich selbst im Browser möglich sein. 

 

 

Dimension3

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich nun mit der Entwicklung einer eigenen virtuellen Galerie. Mittlerweile habe ich einen Stand erreicht, der es mir erlaubt, das Projekt in der Öffentlichkeit vorzustellen.

Ich nenne es Dimension3. Die ursprüngliche Idee war, eine halbwegs ansehnliche eigene Galerie für meine Bilder zu entwickeln, im Hintergrund noch XML-basiert. Später kam der Wunsch hinzu, die Fotos möglichst schnell und simpel direkt im 3D-Raum auswechseln zu können und von da an war es nicht mehr weit bis zur Idee, aus dem Hobby-Gebastel eine komplette, nutzbare Softwarelösung zu machen.

Im Grunde ist Dimension3 ein dreidimensionaler, frei begehbarer Raum. Eine leere Galerie, die sich aus verschiedenen Ausstellungshallen unterschiedlich zusammenstellen lässt, bis hin zum unendlich hohen Wolkenkratzer.

Jeder Künstler kann sich für einen oder mehrere Räume, ganze Etagen oder gar ein komplettes Gebäude entscheiden und darin eine Galerie einrichten. Die Bilder können dabei auf seinem eigenen Server oder bei einem unabhängigen kostenlosen Dienst wie z.B. Flickr liegen. Sie können mit Texten, Links oder Tondokumenten angereichert und in verschiedenen Rahmungen präsentiert werden. Mehrere Fotografen könnten sich zum Beispiel auch ein virtuelles Galeriegebäude teilen.

 

 

Jeder, der sich Dimension3 herunterlädt, soll nach dem Programmstart aus einer Liste von Künstlern auswählen und deren Ausstellung dann betreten können. Die Software könnte man daher auch als eine Art Browser für virtuelle Galerien bezeichnen. Natürlich wird dafür permanenter Internetzugang benötigt. Lässt der Künstler es zu, können die Bilder auf der Fesplatte des Nutzers auch "gepuffert" werden, damit wird ein Offline-Betrieb möglich.

Derzeit existiert ein Galerie-Grundtyp, der verschiedene mögliche Räume beinhaltet. Stößt die Software auf entsprechendes Interesse, ist es natürlich denkbar, weitere, individuelle Bauwerke (Typen) hinzuzufügen. Selbst real existierende Galerien könnten nachgebaut und integriert werden.

Die Software ist derzeit noch im Alpha-Stadium und ich hoffe, später im Jahr einen Betatest beginnen zu können. Wer daran teilnehmen möchte, findet weitere Informationen dazu am Ende des Artikels. Es wird auf Windows und MacOS laufen, optional später auch Linux. Über eine Umsetzung für iOS denke ich noch nach, spezielle Hardware wie die Oculus Rift soll ebenfalls einmal nutzbar sein.

 

Die Engine Unity beim Erstellen einer virtuellen Umgebung

 

Ein wenig "Making of"

Wie erschafft man nun eigentlich solche virtuelle Welten? Früher war so etwas für den Otto-Normalbürger nahezu unmöglich. Spezielle Tools zur Erstellung von 3D-Inhalten, zur Texturgestaltung oder die eigentlichen Grafikengines waren sündhaft teuer und Fachliteratur gab es ebenfalls kaum. In den letzten Jahren jedoch kam eine ungeheuer spannende Entwicklung in Gang. Grafikengines wie Unreal oder Unity wurden für unabhängige, kleine Entwickler plötzlich kostenlos angeboten, dank Youtube & Co wurde das Netz mit Tutorials überschwemmt und Spezialsoftware wie Autodesk Maya zur Erstellung von 3D-Inhalten wurde dank Abo-Modell auch bezahlbar.

Plötzlich fand man sich inmitten eines bunten Reigens unendlicher Möglichkeiten wieder. Für mich stand fest: ich muss mich damit befassen, irgend etwas virtuelles erschaffen. Als begeisterter Fotograf stand schnell fest, dass es eine virtuelle Fotogalerie werden sollte.

 

 

Also habe ich mich im Sommer 2015 hingesetzt und mit Hilfe der Spiele-Engine Unity begonnen, dies umzusetzen. Die ersten Wochen gingen größtenteils für Grundlagenforschung drauf. Danach musste ich mir aneignen, mit Hilfe eines 3D-Programmes die entsprechenden Modelle zu entwerfen, also Räume, Möbel, Ausstattung. Während mir diese Arbeit gut von der Hand ging, erwies sich die Texturierung der Modelle als deutlich schwieriger, mit Feinheiten wie UV-Mapping schlage ich mich heute noch herum. Die reale Anmutung steht und fällt mit guten Texturen und meine künstliche Umgebung mutet in dieser Hinsicht noch etwas hölzern an. In diesem Bereich wäre ich sehr dankbar für Unterstützung von außen.

Dinge, die ich vorher für Kleinigkeiten gehalten hatte, erwiesen sich als größere Hürden: zum Beispiel die Ausleuchtung. Es ist unheimlich schwierig, eine stimmige und realistische Beleuchtungssituation zu erstellen. Es war relativ früh klar, dass ich kaum mit dynamischen Lichtern arbeiten kann, weil ich die Performance auch für schwächere Systeme (Tablets, Notebooks) hoch halten wollte. Also backt man die Lichter in die Texturen ein, was dazu führt, dass man keine dynamischen Situationen wie Tag/Nachtwechsel außerhalb des Gebäudes simulieren kann. Zu beachten ist, dass die Kalkulation von Licht und Schatten für heutige Computersysteme bei weitem zu viel ist und deswegen immer nur in Annäherungen erfolgt. Das hat zur Folge, dass man mit seltsamen Situationen umgehen muss, beispielsweise scheint manchmal Licht durch Wände hindurch oder Schatten stimmen nicht. Dann muss man mit Lichtblockern arbeiten oder zusätzliche Füll-Lichter setzen. Alles in allem eine durchaus nervtötende Arbeit.

 

 

Sehr viele Gedanken musste ich in den Hauptteil der Software investieren: das Anzeigen der Bilder. Zunächst einmal müssen ziemlich viele Bilder in möglichst hoher Qualität angezeigt werden. Wir sprechen hier über bis zu 60 Bilder in Größen um 2048 Pixel oder mehr. Man kann natürlich von keinem Künstler verlangen, dass er aus seinen Fotos perfekte, quadratische Texturen baut. Im Gegenteil, der Nutzer will einfach nur sagen: ich möchte genau dieses Bild aus Flickr hier an die Wand hängen. Das bedeutet, dass die Software Dinge schlucken muss, die im Bereich des Texturing eigentlich nicht zum guten Ton gehören. Damit kommen wir sehr schnell in die Performance-Hölle und müssen die Fotoqualität zurückschrauben. Eine ganz wesentliche Stellschraube in Sachen Performance ist also die Texturgröße der Ausstellungsbilder. Auf guten Spiele-Rechnern kann man hier bedenkenlos in die vollen gehen während man bei älteren Notebooks durchaus etwas zurückdrehen muss. Da solch ältere Rechner aber meist keine besonders hochauflösenden Displays haben, ist das in dem Falle unter Umständen verschmerzbar. Gerade ältere MacBooks schlagen sich hier überraschend gut. Die neuesten 5K-iMacs hingegen sind grafisch für die hohe Auflösung eher zu schwach motorisiert (übrigens ein generelles Apple-Problem, welches sich auch dahingehend niederschlägt, dass es zunächst keine Unterstützung für virtuelle Headsets wie die Oculus Rift unter OSX geben wird).

 

 

Aber nicht nur die Darstellung der Bilder war eine Herausforderung, sondern auch die Verwaltung. Man könnte meinen, das sei alles kein Problem, weil diese Funktion ja faktisch ausgelagert ist - schließlich liegen die Bilder auf externen Servern wie z.B. der eigenen Homepage oder auch Flickr. Ganz so einfach ist es aber nicht. Wenn eine Galerie beispielsweise aus bis zu 60 Bildern oder mehr besteht, dauert es eine ganze Weile, diese herunterzuladen. Es gibt daher die Möglichkeit, die Bilder zu cachen, also auf der Platte des Nutzer vorzuhalten. Solch ein Mechanismus ist alles andere als einfach, denn es muss nun bei jedem Besuch der Galerie abgefragt werden, ob der Künstler vielleicht ein neues Bild an diese Stelle "gehangen" hat (dann muss das Bild neu heruntergeladen und der Cache erneuert werden). Hat der Künstler ein Bild entfernt, muss es natürlich auch aus dem Cache des Nutzers verschwinden und schließlich stellt sich die ganz grundsätzliche Frage: müssen die vorgeladenen Bilder nicht eigentlich verschlüsselt auf dem Rechner des Nutzers liegen (immerhin kann es sich um Copyright-geschütztes Material handeln)? Setzt man aber eine Verschlüsselung ein, leidet bei vielen Bildern schnell wieder die Performance - zumindest auf Tablets oder Notebooks.

Aus der Notwendigkeit der Verwaltung der vorgeladenen Bilder ergab sich also die Notwendigkeit eines kompletten Versionierungssystems, ein knochentrockenes und anstrengendes Thema.

 

Ableton Live beim Erstellen und Abmischen der Geräusche

 

Die letzte große Herausforderung war das Thema "Geräusche". Sound ist ein unterschätztes Thema und trägt wesentlich zum Realismus-Gefühl bei. Sei es das Geräusch der eigenen Schritte auf verschiedenem Untergrund, das leise Summen von Lampen, das Rauschen der Klimaanlage oder der entfernte Verkehr auf den Straßen. All diese Geräusche musste ich mir entweder beschaffen oder selbst erstellen. Als glücklicher Umstand ergab sich hier, dass ich eine Version von Ableton Live auf dem Rechner habe. Diese Software - eigentlich ein Tool für Live Performances - stellte sich als perfektes Werkzeug heraus. Ich konnte beliebige Geräusche einfach editieren, loopen, mit endlosen Effekten verfremden (schneller, langsamer oder höher und tiefer, Hall, etc.), im Kontext der anderen Sounds anhören und schließlich in die Grafik-Engine übertragen.

 

 

Beta-Test

Ich plane in 2016 einen ersten Release für Freunde, Bekannte und Interessenten, die dann meine Beta-Tester sein werden.

Wer daran interessiert ist, kann sich gern via E-Mail bei mir melden. Folgende Regeln muss ich aufstellen, einfach um gewisse "Probleme" zu vermeiden, die ich bei ähnlichen Projekten schon oft im Internet erlebt habe:

  • es gibt kein Release-Datum da ich ausschließlich in meiner Freizeit daran arbeite (wenige Stunden in der Woche)
  • es gibt keine Garantie, dass das Projekt jemals richtig "fertiggestellt" wird
  • es geht ausschließlich um einen Betatest, ich habe derzeit kaum Kapazitäten, irgendwelche speziellen Sonderwünsche zu integrieren
  • konstruktive Hinweise nehme ich gern entgegen, kann aber nicht versprechen, dass diese auch immer umgesetzt werden
  • ich nehme gern Hilfe von Leuten an, die sich gut mit Unity, aber auch mit Texturen, 3D-Modellierung und Animation auskennen


Beschränkungen der Software

Dimension3 soll Bilder in möglichst hochwertiger Qualität in einer frei begehbaren, dreidimensionalen Welt präsentieren. Das nicht jeder Computer dazu in der Lage ist, dies leistungsmäßig zu stemmen, sollte klar sein. Die Höhe der Bildschirmauflösung ist dabei sehr ausschlaggebend, so kann es passieren, dass die Leistung eines 2009er Macbooks (mit dessen niedriger Auflösung) völlig ausreicht, ein aktueller iMac mit 27"-Display jedoch gehörig ins Schwitzen kommt. In der PC-Welt sollte es generell viel weniger Probleme geben, ein durchschnittlicher Rechner mit Mittelklasse-Grafikkarte sollte bereits ausreichen.

Ich bin durchaus interessiert daran, die Software auch für Tablets (zumindest das iPad) anzubieten. Die Konvertierung dafür ist jedoch aufwändig und ich habe bisher keinen Überblick, inwiefern die Leistung dieser Geräte ausreichend ist. Höhere Priorität hat für mich eher die Anbindung von VR-Hardware wie Oculus Rift. Eine Umsetzung für Smartphones peile ich nicht an, weil das kleine Display dieser Geräte der ursprünglichen Idee einer hochwertigen Bildpräsentation zuwiderläuft (abgesehen von der Leistungsfrage).

Wie bereits oben erwähnt, bin ich eher Programmierer als 3D-Designer oder Textur-Künstler. Die Grafik ist daher eher zweckmäßig geraten und bleibt etwas hinter meinen eigenen Vorstellungen zurück. Für Hilfe in dieser Richtung bin ich durchaus dankbar und empfänglich.

 

E-Mail-Adresse für Betatest oder Infos/Kontakt (bitte anklicken)

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) Bericht Beta-Test Oculus Rift VR ableton live dimension3 engine fotogalerie galerie ipad linux mac pc tablet unity virtuell webgl http://www.cetus-a.de/blog/2016/1/dimension3-virtuelle-gallerie-in-entwicklung Wed, 13 Jan 2016 15:51:19 GMT
Leica Q - Kompaktkamera der Superlative http://www.cetus-a.de/blog/2015/12/leica-q  

 

Die Marke Leica definierte sich früher vor allem durch das M-System und profitierte enorm von einer wirklich institutionellen Vergangenheit. In neuerer Zeit knüpften nach längerer Durststrecke die M9, S und die M (Typ240) an alte Erfolge an, schrieben die Legende weiter und sicherten Leica den erfolgreichen Fortbestand in einer kleinen aber feinen Nische. Neuerdings hat man jedoch das Gefühl, Leica will raus aus dieser Nische. Während das M-System eher für die Vergangenheit steht, will man nun nach vorn schreiten, neue Käufer finden und zeigen: wir haben es noch drauf! Wir können Innovation! Wir leben nicht nur von unserer Vergangenheit, sondern wir gestalten die Zukunft mit mutigen und wegweisenden Geräten. Wir wollen nicht nur Teil des Marktes sein, wir wollen ihn in technologischer und qualitativer Hinsicht anführen. Die beiden jüngsten Geräte, die Q und die SL, präsentieren diesen Anspruch selbstbewußt, stehen zu Recht im Rampenlicht und werden international sehr positiv wahrgenommen.

In diesem Bericht möchte ich mich der Leica Q widmen und herausfinden, ob der Hype gerechtfertigt ist.

 

L1020493L1020493

1/60 bei F1.7, ISO2500

 

Eine lange Vorgeschichte...

Obwohl ich die M von Herzen liebe, habe ich hin und wieder auch auf andere Geräte geschielt. Der hauptsächliche Grund dafür war das Thema Autofokus. Warum? Ich werde älter und merke gelegentlich, dass ich mit dem schnellen Fokussieren bei meiner M etwas hinterherhinke, wenn es um die Wurst geht (und es geht öfter um die Wurst, als man denkt).

Oft entstehen die schönsten Portraits, wenn die fotografierte Person nicht schnell genug realisiert, dass sie abgelichtet wird. Besonders bei Kindern ist das wichtig, denn zu schnell wechselt der Gesichtsausdruck von natürlich zu künstlich. In meiner bisherigen Zeit mit der M hatte ich einige Momente, in denen mir Bilder wegen des manuellen Scharfstellens durch die Lappen gingen, oder anders gesagt: der sprichwörtliche Moment einfach zu kurz für mein Geschick mit dem Messsucher war.

 

L1020375L1020375

1/80 bei F11, ISO100

 

Zweitens (Hand aufs Herz): obwohl ich mein M-System liebe, habe ich nicht immer Lust, auf jedem Spaziergang ein fotografisches Gesamtkunstwerk zu schaffen. Manchmal möchte ich auch unverkrampft ein paar schöne Momente festhalten (die nur für mich relevant sind) und nicht immer toleriert meine jeweilige Begleitung selbst die wenigen Sekunden, die es braucht, um die M dafür einzustellen. Ja, ich kenne sie, diese Blicke meiner Frau und Tochter ("Jetzt fotografiert der schon wieder stundenlang", "Wie lange brauchst Du denn noch" , "Musst Du die Kamera schon wieder mitnehmen"). Ich habe sogar Verständnis dafür, denn in meiner Kindheit habe ich meinen armen fotografierenden Vater entsprechend mit Blicken bedacht und nun erhalte ich, wie mir scheint, dafür die ausgleichende Strafe.

In solchen Augenblicken habe ich mir immer eine Point&Shoot gewünscht, konnte mich jedoch nie entschließen, eine zu kaufen. Kein Wunder, denn wenn man die Qualität moderner Vollformat-Kameras gewöhnt ist, möchte man nicht so recht an die kleinen Knipsen ran. Ich kenne den Kameramarkt sehr genau und weiss, was es alles gibt, aber ich habe da so einen bösen kleinen Snob in mir, der immer aufmuckt, wenn ich mir APS-C oder MFT-Kameras anschaue. Mit Vernunft lässt sich das nicht erklären, eher ist es der Rubrik "selbstgewähltes Leid" zuzuordnen. Ein regelrechter Krieg zwischen Gut und Böse entbrannte beispielsweise in meinem Kopf, als die Fuji X-Pro1 vor kurzem so massiv im Preis nach unten ging. Diese Kamera hatte mich schon immer fasziniert und als kleine Autofokus-Ergänzung zur M...? Durchaus eine Überlegung wert!

 
 
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1/60 bei F11, ISO800

 

So mancher wird mich nun fragen: Warum keine Leica X als Zweitgerät? Nun, grundsätzlich fand ich die X-Reihe immer sehr reizvoll. Für mich persönlich fehlte den Geräten X1 und X2 jedoch so ein wenig das ultimative Sahnehäubchen. Die aktuellste X (Typ 103) schien zunächst alles richtig zu machen. Design und Haptik waren nahe der M angesiedelt und vor allem brachte man endlich ein richtig lichtstarkes Objektiv (F1.7) ins Spiel.

Doch leider gab es auch hier wieder gewisse Einschränkungen, denn die Offenblende ließ sich nicht unbegrenzt einsetzen. Je näher man am Motiv ist, desto mehr schließt die Kamera die Blende selbstständig bis hin zu F2.8, was natürlich ein gewisses Freistellpotential nimmt. Auch hier galt also wieder: tolles Gerät, aber für mich elenden Perfektionisten wieder eine Kleinigkeit zum Meckern.

Gleiches Dilemma, andere Kamera: die X-Vario. Eigentlich eine sehr interessante, kleine Kamera mit schickem Design, fehlte es letztendlich an Lichtstärke. Das verbaute Vario-Objektiv lieferte zwar insgesamt eine sehr gute Qualität ab, bot aber nur F3.5 - F6.4. In dieser Preisklasse sorgte das für viel Unmut. Entsprechend niedrig pendelten sich auch bald die Gebrauchtpreise ein und in mir begann es zu nagen... Bei Straßenpreisen um 1.200 EUR - sollte man da nicht... ?? Doch plötzlich betrat das T-System die Bühne.

Das T-System präsentierte sich als ein modernes und wegweisendes Wechselsystem mit - für Leica-Verhältnisse - durchaus ambitionierten Preis (im Sinne von "günstig"). Das an Smartphone-Bedienung angelehnte Konzept fand ich persönlich interessant und ich könnte mir gewisse Anleihen daraus auch für den potentiellen Nachfolger der Leica M (Typ240) vorstellen, allerdings mochte ich nicht ganz auf meine haptischen Bedienelemente verzichten. Größtes Manko für mich: auch hier wurde aus Platz- und Kostengründen wieder nur ein APS-C-Sensor verbaut.

Eine Weile schwankte ich nun zwischen T, X-Vario und der Fuji X-Pro1 umher, doch dann kam sie...

 

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1/400 bei F11, ISO100

 

Die Neue ist da

Als ich die ersten Spezifikationen für die neue Q las, dachte ich mir: wow, voll auf den Punkt getroffen! Die Features kamen wie Paukenschläge: 28mm Summilux, superschneller Autofokus, extrem hochauflösender Sucher, Vollformat, Made in Germany. Im Bedienkonzept eine Mischung aus T und M, mit Touchscreen. Beim Preis zuckte ich kurz zusammen doch andererseits: orientiert am M-System sind hier Kamera UND Objektiv zusammen günstiger als ein 28mm Summilux-M allein!

Da ich auf der Suche nach dem perfekten Zweitgerät für die M bin, frage ich mich natürlich: ist sie es? Das ersehnte Zweitgerät ohne Kompromisse? Die fixe Brennweite stört mich nicht, denn ein weiteres Wechselsystem will ich mir nicht aufbauen. Ist die Q also das Gerät,  dass sich viele M-Nutzer insgeheim immer als Ergänzung gewünscht hatten?

Ich denke: Ja, sie ist es. Die perfekte Synthese aus Point-and-shoot und Profi-Vollformat, vermischt mit Leica-Tugenden wie Qualität und einfacher Bedienung. Ich hatte das Vergnügen, sie 14 Tage zu testen und nun - endlich - ist meine Vorrede vorbei und ich komme zum Punkt.

 

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1/60 bei F8.0, ISO125

 

Unboxing

Eigentlich war der Test für den goldenen Herbst geplant, in dem ich noch einige Urlaubstage zur Verfügung hatte. Meistens kommt es anders als man denkt und so wurde es dann November / Dezember, zwei Wochen mit wenig Freizeit, wenig Licht und nahezu Dauerregen. Als ich mich darüber ärgerte, deklarierte mich meine Frau zum "Schönwetter-Fotografen" und das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Also dachte ich mir, Kameratests mit schönen Motiven bei malerischer Natur und blauem Himmel? Das kann ja jeder. Wäre es nicht auch interessant zu sehen, wie sich die Kamera unter realistischen Bedingungen mit wenig Licht verhält? Nun, ganz so schlimm ist es nicht geworden, an einem Wochende kam auch mal die Sonne raus. Aber die Arbeitsweise war schon eine andere als üblich; wenn ich die Kamera nämlich bis zu einem halben Jahr teste und probiere, bevor ich genug Bildmaterial und Gedanken für ein Review im Kopf habe. Ich merke, ich schweife schon wieder ab.

Eines Tages war sie jedenfalls da, die Q. Schon das Auspacken ist bei Leica immer ein Erlebnis und so war es auch diesmal wieder amüsant, den kleinen "Setzkasten" zu öffnen, in welchem das Gerät mit Zubehör arrangiert ist. Ladegerät, Kabel und Handbuch haben ihre eigenen kleinen, magnetisch zu schließenden Schubfächer, während die Kamera selbst dekorativ in der obersten Etage des Puppenhauses in einer speziellen Verpackung auf den neuen Besitzer wartet. Ich kenne das bereits von der M, aber meine 9-jährige Tochter war restlos begeistert. Sie versuchte mehrfach, mir die Kiste abzuluchsen um sie als Schrank für ihre Barbies zu verwenden. Scheinbar könnte Leica die leeren Kameraverpackungen auch problemlos unter der Rubrik "Spielwaren" anbieten.

 

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1/160 bei F8.0, ISO100

 

Mal davon abgesehen, eine hochwertige Verpackung ist meiner Meinung nach für solch ein Produkt natürlich angemessen und Leica macht das genau richtig, bis hin zur - für heutige Zeiten - ausführlichen und in verständlichem Deutsch formulierten Bedienungsanleitung. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich erinnere mich noch an meine DDR-Kindheit, wo jedem technischen Gerät ein ordentlich gebundenes Handbuch beigefügt war, das einem thematischen Almanach gleichkam. Da gehörte es dann mit dazu, sich genüsslich in die Lektüre zu vertiefen - sozusagen als Teil des "Unboxings".

Den verpackungstechnischen Tiefpunkt erreichte für mich Sony, sowohl mit der A7r als auch mit den zugehörigen Zeiss-Optiken, die allesamt in hässlichen Pappkartons daherkamen, im Aldi-Style verpackt, dazu ein lächerliches Faltblatt oder Mini-Booklet in 40 Sprachen. Das dürre Manual zur A7r war eine Beleidigung und Angesichts der Komplexität des Gerätes eine Zumutung obendrauf. Ich habe das damals in meiner Review auch bereits missbilligend erwähnt. Manchmal fragt man sich, welchen Stellenwert der Kunde für einige Firmen eigentlich einnimmt.

 

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1/160 bei F8.0, ISO100

 

Design und Handling Teil I

Bei Leica-Geräten ist mir das Design wichtig, wobei ich "Design" stets als Einheit von Gestaltung, Funktionalität und Haptik empfinde. Die Q steht hier der M in Nichts nach. Grundsätzlich sind "Anfassgefühl" und Menüführung sehr ähnlich, was einerseits den Neubesitzer erfreut und andererseits den Leica-M-Veteran keinem Kulturschock aussetzt.

Das Gehäuse ist von enormer Wertigkeit, die Bedienelemente sind mechanisch perfekt umgesetzt. Natürlich ist die Q ein richtiger Fotoapparat. Alles ist dort, wo es eigentlich hingehört. Die Blende stellt man am Objektiv mit dem Blendenring ein, die Verschlusszeit mit dem klassischen Zeitenwahlrad. Somit kann man auch diese Leica nach einer kleinen Weile eigentlich blind bedienen.

 

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1/100 bei F8.0, ISO100

 

Vergleicht man die Q mit der M, fällt auf, dass die Q das Design zwar unverwechselbar fortführt, trotzdem jedoch die Brücke in die Zukunft schlägt. Sie wirkt schlanker, moderner und irgendwie technischer.

Die Elektronik arbeitet sehr schnell und das Gerät lässt sich - nicht zuletzt auch wegen der klassischen Anordnung der Bedienelemente - effizient und flüssig bedienen. Die wenigen Tasten haben einen guten Druckpunkt, alles ist logisch angeordnet und Fehlbedienung dürfte hier kaum möglich sein. Das Menü ist trotz des Funktionsumfanges erfreulich kurz und verständlich. Kryptische Abkürzungen, mit denen keiner etwas anfangen kann, gibt es erfreulicherweise nicht.

 

 

Bei der Bedienung bietet Leica für mich klar die beste Gesamtlösung. Entweder ich stelle das Zeitenwahlrad auf eine Zeit oder eben auf A (wie Automat). Das gleiche gilt für Fokus und Blendenring. Setze ich alle drei Elemente auf A, habe ich den Vollautomaten. Niemand wird mir jemals erklären können, warum man einstmals von diesem Konzept abgefallen ist. Stattdessen erfand man P-A-S-M-Wahlräder, die bei jedem Hersteller leicht unterschiedlich beschriftet sind und nur von denen verstanden werden, die die englischen Fachbegriffe wie "aperture" oder "shutter" kennen. Versetze ich mich in meine blutige Anfängerzeit zurück, wäre mir das grundlegende Verständnis bei einer Bedienung im klassischen Leica-Style leichter gefallen, weil ich da genau sehe, welches Element ich wie nutze. Das Verstehen der Zusammenhänge ist die Grundlage für ordentliche Fotografie. Die meisten modernen Kameras jedoch versuchen wirklich alles, um dem "dummen" Kunden zu viel Einsicht zu ersparen. Damit die Geräte trotzdem irgendwie zugänglicher wirken, erfand ein ganz schlauer Marketingmensch irgendwann Motivprogramme. So etwas sucht man bei Leica glücklicherweise vergebens...

...dachte ich, bis ich einen Kulturschock erlebte und im Menü über genau solche Motivprogramme stolperte. Schockschwerenot. Und angesichts der Bedienbarkeit des Gerätes und der anvisierten Nutzergruppe auch so sinnlos. Bei Leica muss man wohl insgeheim ähnlich gedacht haben denn glücklicherweise wurde diese Funktion nur im Menü "versteckt" und fand keinen Weg auf die Außenseite der Kamera. Womöglich in Form eines Moduswahlrades. Ich mag es mir gar nicht vorstellen.

 

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1/800 bei F1.7, ISO100 - Ein Hauch von Bokeh trotz 28mm

 

Leica hat außer den Motivprogrammen noch weitere moderne Gimmicks integriert, über die man geteilter Meinung sein könnte. Als eingeschränkt sinnvoll empfinde ich die Panoramafunktion. Die kann man sicherlich mal nutzen, der mehr professionell agierende Fotograf (Zielgruppe!) wird aber dennoch eher Stativ und Photoshop dafür nehmen. Als sinnvoll erachte ich hingegen die Timelapse-Funktion, die die automatisierte Aufnahme einer Fotoserie über einen langen Zeitraum ermöglicht. Das eigentliche Erstellen des Filmes aus diesen Bildern muss dann individuell am Computer erfolgen, was in meinen Augen auch genau richtig ist.

Über das Gimmick "Miniatureffekt" möchte ich hingegen den Mantel des barmherzigen Schweigens decken.

Einen kleinen Pferdefuß habe ich beim Zeitenwahlrad der Q gefunden: man kann die Zeiten mit diesem haptisch perfekten Stück Feinmechanik nämlich nur in ganzen Schritten einstellen (30, 60, 125, 250 etc.). Benötigt man Zwischenschritte, muss man das hintere Daumenrad (normalerweise Belichtungskorrektur) nutzen. Man dreht also erst das Verschlusszeitenrad auf die Verschlusszeit, danach das Daumenrad bei Bedarf auf den Zwischenwert. Ich halte das für verwirrend, im Grunde weicht Leica hier ein wenig vom ansonsten vorbildlich schlüssigen Bedienkonzept ab.

Und weil wir gerade so schön am Meckern sind; ein paar Kleinigkeiten, die ich gern ansprechen würde, gibt es dann doch.

Zum Beispiel möchte ich gern nur im RAW fotografieren, Leica lässt mich aber nicht. Ich kann nur RAW und JPG auswählen, was mir aber außer erhöhtem Platzverbrauch auf der SD-Karte nichts bringt, denn ich brauche die JPG-Bilder einfach nicht. Vielleicht kann hier im Rahmen eines Firmware-Updates eine entsprechende Option hinzugefügt werden. Ergänzung: mit aktueller Firmware kann nun auch RAW oder JPG ausgewählt werden.

Zweitens: beim Einstellen einer Belichtungsreihe sind nur maximal 3 Bilder auswählbar. Hier wäre es schön, wenn man (wie bei der M) mehr Optionen hätte.

Drittens: die maximal mögliche Blende von F1.7 verringert sich im Nahbereich auf F2.8. Eventuell manuell vorgenommene Einstellungen werden dabei überstimmt.

 

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1/60 bei F1.7, ISO1000

 

Unterwegs und Handling Teil II

Schnappen wir uns also die Q und gehen wir damit raus. Zunächst fällt auf, dass der mitgelieferte Kameragurt sehr kurz ist, die Q baumelt fröhlich vorm Bauch hin und her. Wäre das meine Kamera, wäre meine erste Amthandlung der Kauf eines längeren Gurtes, denn ich mag dieses "zur Schau tragen" nicht, außerdem ist es für mich persönlich bequemer, die Kamera seitlich an der Hüfte zu haben.

Obwohl der elektronische Sucher sehr hochauflösend ist und technisch z.B. den der Sony A7-Serie überflügelt, ertappe ich mich dabei, stehts das große, brilliante rückwärtige Display zu nutzen. Damit bin ich sehr schnell und unauffällig, zudem kann ich die Kamera freier positionieren, auch mal niedriger oder höher halten. Es ist also ein anderes Arbeiten als z.B. mit der M, mit der man langsamer und konzentrierter zur Sache geht. Ich stelle fest, dass ich die Automatiken auch komplett nutze, wenn ich sie denn habe. Wenn ich etwas manuell steuere, dann hauptsächlich die Blende, denn das entspricht meiner Gewohnheit mit der M, die ja faktisch im permanenten Blendenprioritätsmodus ist.

 

L1020466L1020466

1/60 bei F1.7, ISO2500

 

Vielleicht noch ein Wort zum ansonsten sehr guten Sucher: wenn ich die Wahl habe, werde ich immer das große, klare "Glasfenster" der M bevorzugen. Am Anfang mutete es wie Marketingsprech an, aber die Tatsache, dass man mehr als das Motiv sieht, hat tatsächlich etwas für sich. Man gewöhnt sich daran und merkt es erst wieder, wenn man einen elektronischen Sucher hat: der Blick wirkt eingeengt. Abgesehen davon ist der Sucher der Q definitiv spitze (obwohl ihn der Sucher der SL aus eigenem Haus schon wieder übertroffen hat). Man muss einfach mal durchschauen, dagegen sind die meisten anderen elektronischen Sucher eher als Gucklöcher zu bezeichnen. Er ist für Brillenträger sehr gut zu nutzen (Pluspunkt gegenüber der M), groß, klar und auch in dunkler Umgebung komfortabel und schnell.

Ich war am Anfang etwas irritiert, weil der Bildschirm häufig schwarz wurde, wenn ich an der Kamera hantierte. Später stieg ich dahinter, dass der Annäherungssensor des elektronischen Suchers etwas empfindlich sein muss, denn immer, wenn ich mit der Hand grob in dessen Nähe kam, schaltet das Bild auf ihn um. Keine große Sache, man gewöhnt sich dran und dann klappt es auch.

 

L1020495L1020495

1/60 bei F1.7, ISO1250

 

Was jedoch zunächst gar nicht klappte, stellte sich kurze Zeit später als "eigene Blödheit" heraus. Ich machte nämlich nur unscharfe Fotos. Logisch, fiel mir bald schon ein - ich arbeitete so, wie ich es von der M gewohnt bin. Die Belichtung an einer passenden Stelle abnehmen, danach den Auslöser halb durchdrücken (um die Belichtung zu speichern), aufs Motiv verschwenken und auslösen. Finde den Fehler! Richtig, die Q hat ja einen Autofokus, dem ich auf diese Weise immer das falsche Ziel vorgab. Bei der M kein Problem, dort stellt man die Entfernung ja unabhängig mit dem Messsucher ein. Macht der Gewohnheit!

Da kam mir ein schönes Detail an der Q sehr gelegen, nämlich die Zoomspeichertaste hinten oben am Gehäuse, die ich frei konfigurieren darf. Also habe ich mir die Belichtungsspeicherung auf diese Taste gelegt. Nun konnte ich wie früher mit der DSLR über den Auslöser fokussieren und mittels der hinteren Taste die Belichtung speichern. Das ist wirklich klasse, denn damit kann man schnell und effizient arbeiten.

 

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1/60 bei F1.7, ISO250

 

Einige Profis machen das auch andersrum und legen den kontinuierlichen Autofokus auf die hintere Taste. Solange man diese Taste gedrückt hält, justiert sich der Autofokus dann nach. Mit dem Auslöser speichert man hingegen nur die Belichtung. Mit dieser Methode kann man den Autofokus unabhängig vom Auslöser steuern was bei bestimmten fotografischen Aufgaben auch von Vorteil sein kann.

Über die Leistung des Autofokus habe ich übrigens noch gar nichts geschrieben. Liegt wohl daran, dass er kaum auffällt, weil er seine Arbeit nahezu perfekt verrichtet. Es gibt die üblichen Modi (Mehrfeld, Einzelfeld, Motiv-Verfolgung, Gesichtserkennung), die allesamt sehr gut funktionieren. Vor allem die Gesichtserkennung und die Motiv-Verfolgung haben mich mit ihrer Präzision und Geschwindigkeit beeindruckt, auch bei schlechten Lichtverhältnissen! Trotzdem stelle ich wie die meisten Fotografen immer auf den Einzelfeldmodus (kontinuierlich) um und messe in der Mitte mit anschließendem Verschwenken, oder ich verschiebe das Messfeld manuell.

Eine weiterer interessanter Modus ist der berührungsgesteuerte Autofokus. Im Grunde ist das der Einzelfeldmodus, in welchem die Position des Feldes durch antippen des Touchscreens festgelegt wird. Im Alltag finde ich das eher überflüssig, beim szenischen Arbeiten auf dem Stativ jedoch mitunter sehr nützlich und komfortabel.

 

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Freiberg, Weihnachtsmarkt. 1/60 bei F1.7, ISO1250

 

Generell war ich bisher immer der Meinung, dass ein Kontrastautofokus in dunkler Umgebung nicht mehr benutzbar ist. Die Q belehrt mich nicht nur eines besseren, sie verblüfft mich sogar regelrecht. Ehrlich gesagt hatte ich nach kurzer Zeit vergessen, dass ich hier nur mit Kontrastautofokus hantiere. Die Kamera hatte nie Probleme mit dem Scharfstellen und war immer schnell und zuverlässig. Auch bei beweglichen Motiven. Oder im Dunkel. Oder bei beweglichen Motiven im Dunkel.

Aber nicht nur der Autofokus - auch manuelles Fokussieren ist ein Gedicht. Mir war am Anfang gar nicht aufgefallen, dass es sich hier nicht um eine mechanische Verbindung handelt, so perfekt fühlt sich der Einstellring an. Das kann man eigentlich nicht mehr besser machen. Zusammen mit dem Fokus-Peaking (das für mich gern etwas stärker sein dürfte) und dem scharfen Sucher ist das manuelle Fokussieren manchmal sogar leichter als mit der M.

Auch über die Belichtungmessung und den Weissabgleich kann ich nichts schlechtes sagen. Letzterer wird in den meisten Fällen vorbildlich ermittelt, in jedem Falle besser als ich es von Nikon oder Sony kenne. Da ich ein Gewohnheitsmensch bin, habe ich mir die Belichtungmessung auf "mittenbetont" konfiguriert, meiner Meinung nach verhält sie sich dann ungefähr so wie die der M. Standard ist die Mehrfeld-Messung, die man ebenso uneingeschränkt empfehlen kann.

 

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1/60 bei F1.7, ISO500

 

Da ich vorrangig am Abend unterwegs war, ließ ich den optischen Stabilisator stets eingeschaltet, brauchte ihn aber kaum, denn durch die hohe Lichtstärke des Objektives kann man eigentlich meist bei Zeiten um 1/60 bleiben. Generell hat die Q dadurch gewaltige Reserven, die ISOs kann man ja auch bedenkenlos relativ hoch drehen. Da kann es schon ganz schön dunkel werden, bevor man auch nur in die Nähe von irgendwelchen Grenzen kommt.

Der mechanische Verschluss arbeitet sehr dezent und ist kaum wahrnehmbar. Allerdings reicht er nur bis 1/2000, danach wird er durch einen elektronischen Verschluss abgelöst - in meinen Augen ein Novum bei solch einem großen Sensor. Das hat den Vorteil, dass man auch bei Tageslicht mit Offenblende arbeiten kann, da enorm kurze Belichtungszeiten bis zu 1/16.000 möglich sind. Es hat aber auch den Nachteil, dass bei Nutzung des elektronischen Verschlusses mitunter Rolling Shutter auftritt, konkret neigen sich bewegliche Motive dann je nach Geschwindigkeit mehr oder weniger stark und Dinge wie drehende Rotoren werden völlig zerhackt dargestellt. Das liegt daran, dass der Sensor nicht in einem Rutsch, sondern Zeile für Zeile ausgelesen wird. Die unteren Zeilen kommen daher "etwas später" dran, wenn sich das Motiv schon ein Stück weiterbewegt hat. Somit entsteht eine Positions-Differenz zwischen den bereits ausgelesenen Zeilen und denen, die noch nicht ausgelesen sind.

 

L1020477L1020477

1/60 bei F1.7, ISO1600

 

Wenn man diesen Effekt kennt, kann man damit umgehen und der Vorteil, auch bei Tag mit Offenblende arbeiten zu können, wiegt den Nachteil locker auf. Ich muss jedoch sagen, dass Leica hier transparenter sein sollte. Ich kriege es im Eifer des Gefechtes nicht immer explizit mit, wenn der Verschluss auf elektronisch umschaltet. Vielleicht sollte man es daher so gestalten, dass der Fotograf diese Funktion selbst aktivieren muss, um sie zu nutzen. Dann ist ihm nämlich auch bewußt, dass er nun der Gefahr des Rolling Shutter ausgesetzt ist.

Eine richtig schöne, kreative Funktion der Q ist die mögliche Einblendung virtueller Leuchtrahmen für die Brennweiten 35mm und 50mm, und zwar nicht mit eingezoomtem Inhalt sondern richtig amtlich, im Messsucher-Style. Man sieht also auch noch das "übrige" Bild außen herum. Das habe ich so bisher bei keiner anderen Kamera gesehen. Arbeitet man im JPG, wird das Bild dann beim Fotografieren tatsächlich auf diese Größe beschnitten (35mm entsprechen 15 Megapixel, 50mm entsprechen 8 Megapixel). Richtig clever hat Leica es beim RAW-Format gelöst, denn dort wird der Crop zwar dem RAW-Konverter mitgegeben, das gesamte Bild ist aber trotzdem vorhanden und somit kann der Ausschnitt auch nachträglich am Computer verändert werden. Ich persönlich nutzte diese Funktion hauptsächlich dafür, mittels der Sucherrahmen bereits vor dem Fotografieren die Wirkung der unterschiedlichen Beschnitte zu untersuchen, was gelegentlich wirklich nützlich sein kann. 

Abschließend noch ein kleines Feature, dass sich für mich ebenfalls als überraschend sinnvoll herausgestellt hat. Ich hatte es bereits kurz erwähnt, die Q besitzt einen Touchscreen, sozusagen ein kleines Erbe der T. Während sich andere Hersteller hier noch zurückhalten (z.B. Sony mit der A7-Serie), nutzt Leica konsequent das Machbare aus und so kann man außer dem Touch-Autofokus (siehe oben) auch mit Wischgesten (vertikal und horizontal) in den Bildbetrachtungsmodus wechseln und wie beim Smartphon durch die Bilder browsen. Letzteres erwies sich als unerwartet natürliche Sache. Immer, wenn ich meine bereits fotografierten Bilder durchsah, nutzte ich intuitiv die Wischgesten und ich beobachtete das auch bei allen anderen Personen, denen ich die Q in die Hand gab (sobald ich auf die Möglichkeit hingewiesen hatte). Tatsächlich hat man solche Dinge im Smartphone-Zeitalter offensichtlich schon tief verinnerlicht! Dieses Feature wäre in meinen Augen auch etwas für eine neue M!

 

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1/60 bei F1.7, ISO3200

 

28mm

Über eine sehr wesentliche Sache haben wir noch gar nicht gesprochen; das fabelhafte Objektiv Summilux 1.7/28mm.

Warum gerade 28mm? Ich habe es immer gesagt und ich stehe dazu: 28mm sind die neuen 35mm. Auch wenn ich persönlich in letzter Zeit stark in Richtung 50mm gehe, bin ich der Meinung, dass die Q nur mit 28mm funktionieren kann. Wir reden hier über ein Gerät, das mit seiner festen Brennweite alle möglichen Anwendungsfälle optimal abdecken muss. Das reicht vom Selfie über das Gruppenbild bis hin zur Weltreise, von engen Gassen zu weiten Landschaften. Für all das ist ein 28mm-Objektiv ideal, es bildet den perfekten Schnitt zwischen vielen Anwendungsfällen, das Optimum. Trotzdem ist es nicht zu weitwinklig, Portraits und Menschen sehen immer natürlich aus - auch am Rand. Nicht umsonst nutzt auch die iPhone-Kamera, wahrscheinlich die meistgenutzte Kamera der Welt, diese Brennweite.

Wenn es etwas gibt, wofür Leica immer stand und steht, dann ist das die Fotoreportage. 28mm sind wie geschaffen für Fotoreportage - in allen Lebenslagen.

Nun, bei Leica sprechen wir natürlich nicht über irgendein 28mm-Objektiv. Ich persönlich hätte schon bei Lichtstärke F2.8 gejubelt, doch hier wurde tatsächlich ein Summilux mit F1.7 implementiert! Das nötigt mir eine gewisse Ehrfurcht ab. Und obwohl die Naheinstellgrenze von 30cm auch schon nicht übel ist, verfügt die Q sogar über einen Makro-Modus, der über eine kleine Drehung am Objektiv mechanisch aktiviert wird - komplett mit eigener Makro-Skala, die sich über die Standard-Skala schiebt. "Um Gottes Willen, nur keine billige Allerweltslösung", muss man sich bei Leica dazu gedacht haben. Mir gefällt's.

Wie aber schlägt sich das optische Wunderwerk im wahren Leben?

 

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1/60 bei F1.7, ISO4000, hier habe ich die Fensterlichter leider verbrannt

 

Kurz gesagt, genau so fantastisch, wie erwartet. Die Qualität ist auf Augenhöhe mit den besten M-Gläsern. Das Bild ist von Ecke zu Ecke wunderbar scharf und detailliert - bei allen Blenden. Auch bei Offenblende! Ich stelle das immer gern etwas in den Vordergrund denn wie oft hört man bei anderen Herstellern: "2 Stufen abgeblendet erreicht das Objektiv seine optimale Schärfe". Diese optimale Schärfe hat man bei Leica immer.

Chromatische Abberationen, bzw. Farbsäume jeder Art sucht man vergebens. Die Verzeichnung ist, wie bei Leica üblich, denkbar gering, trotzdem sollte man bei 28mm natürlich möglichst immer die zuschaltbare elektronische Wasserwaage nutzen um zu viel schiefe Linien zu vermeiden.

Das Thema Vignetierung ist nicht weiter der Rede wert, denn Leica liefert die Daten zur Objektivkorrektur in den DNGs mit, somit wird z.B. die Vignette direkt im Lightroom automatisch korrigiert (vorausgesetzt Lightroom ist up to date). Es ist dabei nicht notwendig, irgendein Objektivprofil auszuwählen - dieses Feld bleibt leer. Die richtige Korrektur wird trotzdem intern angewandt.

Das Bokeh ist für ein Weitwinkel ungewöhnlich weich und harmonisch.

Mikrokontraste und Farbwiedergabe entsprechen dem üblichen Leica-Style. Die Farben kommen etwas zurückhaltender aber dafür realistisch...

 

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1/60 bei F1.7, ISO400

 

Bildqualität (Raw-Dateien)

...was mich übergangslos zum Thema Bildqualität führt. Viele meiner Fotos sind mit höheren ISOs entstanden und zwangsläufig führt das zu der zur Zeit intensiv geführten Forumsdiskussion "Banding". Zunächst wollen wir jedoch einen kurzen Schwenk zur Thematik "isolose" Sensoren, oder ISO-Invarianz unternehmen, weil das indirekt auch damit zusammenhängt. Mein lieber Blog-Kollege Claus Sassenberg hat dazu hier einen sehr interessanten Artikel veröffentlich, noch dazu den einzigen vernünftigen deutschsprachigen Text im Netz. Ich kenne die Diskussion mehrheitlich aus englischen Foren, wo sie in letzter Zeit häufig aufflammt.

Fakt ist, dass manche Sensoren bis zu einem bestimmten Bereich mit Basis-ISO arbeiten, selbst wenn das Bild dabei stark unterbelichtet wird und der Nutzer / die Automatik einen höheren ISO-Wert vorgegeben haben. Erst nach der Aufnahme wird die Belichtung (analog dem, was man gelegentlich im RAW-Konverter mit dem Belichtungsregler tut) hochgezogen. Die dabei erreichbare Bildqualität ist wohl höher (rauschfreier) als eine Signalverstärkung bereits bei der Aufnahme. Einen Sensor mit dieser Eigenschaft bezeichnet man als ISO-Invariant oder "ISOlos".

Offenbar gibt es Geräte, die bereits selbständig intern so arbeiten und wieder andere, wo diese Arbeitsweise nur im manuellen Modus möglich ist. Grundsätzlich kann man die Methode bei jedem Fotoapparat anwenden, aber nur bei ISO-Invarianten Geräten führt sie tatsächlich zu besseren Ergebnissen.

 

L1020461L1020461

1/60 bei F1.7, ISO2000

 

Allerdings funktioniert der Zauber nicht unter allen Umständen, denn wenn man es übertreibt, bekommt man die Quittung in Form von hässlichen Artefakten in den Schatten. Zudem gilt die ISO-Invarianz auch nur in bestimmten Bereichen. Wird es zu dunkel, erhöht irgendwann jeder Sensor die Empfindlichkeit und vergrößert damit den Hang zum Rauschen.

Allgemein wird nun gesagt, dass ISO-invariante Sensoren die Zukunft sind, weil sie ein wesentlich besseres Rauschverhalten bei wenig Licht haben. Allerdings äußert sich kein Hersteller offiziell dazu und es existiert auch keine wirkliche Definition.

Ob der Sensor der Q "isolos" bzw. ISO-Invariant ist, weiss ich daher nicht. Ich habe bei meinen Testbildern nicht unterbelichtet und hochgezogen, sondern schon bei der Aufnahme mit den von der Automatik gewählten ISO-Stufen gearbeitet. Genau das soll - so die Kritiker in den Foren - ein Nachteil sein, weil hohe ISO-Werte bei der Q verstärkt Banding erzeugen.

Damit schließt sich der Kreis und wir sind beim nächsten schlauen Fachwort: Banding. Banding entsteht im Grunde bei eben diesen höheren ISO-Werten, wenn sich am Auslesekanal des Sensors Streifenartefakte bilden. Man sieht dann also in gleichmäßigen, verrauschten Flächen längere oder kürzere Streifen.

Was kann ich nun zu diesem Thema beitragen? Ich konnte bei der Leica Q nur dann Banding finden, wenn ich eigentlich vollkommen dunkle Flächen im Lightroom / Photoshop derart extrem aufgehellt habe, wie es kein Mensch jemals in der Praxis tun würde - und im Push-ISO50.000-Bereich. Mit anderen Worten: für mich kam in keiner photografisch relevanten Situation Banding vor. Das deckt sich mit den Aussagen diverser Fachpublikationen, die der Q durch die Bank exzellente Bildqualität bescheinigt haben. Es sieht also ganz danach aus, als wäre hier mal wieder eine Kleinigkeit im WWW zu einem Erdbeben aufgeblasen worden.

 

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1/1000 bei F11, ISO100

 

Zum Thema ISO-Invarianz möchte ich folgendes sagen: ob eine Kamera das optimale Bild durch Unterbelichtung + nachträgliches Aufhellen oder durch höhere ISO-Werte erreicht, ist mir zunächst einmal völlig schnuppe - wenn das Ergebnis stimmt. Und soviel kann ich sagen, bei der Leica Q stimmt es. Die Bilder sind auch bei hohen ISO-Werten detailliert und scharf, das Rauschen erinnert eher an Filmkorn, Farbrauschen findet man kaum.

Im Übrigen kann man auch bei der Leica in bestimmten Situationen unterbelichten und mit Hilfe des Belichtungsreglers erstaunliches aus dem RAW herausholen. Lediglich die Schatten fallen meiner Meinung nach bei höheren ISO-Werten dann etwas schneller ab, jedoch scheint der Sensor der Q zumindest teilweise auch ISO-Invariant zu sein. Aber mal ganz ehrlich: so lange es hier keine belastbare, verbindliche technische Definition gibt und sich die Hersteller in Schweigen hüllen, sollten wir uns an das Greifbare halten.

Greifbar ist zum Beispiel die nachfolgende ISO-Reihe, die ich zur Orientierung im Vergleich mit der M240 anbiete. Für mich persönlich ist die Q durch den gesamten Bereich gut nutzbar, einzig die letzten beiden ISO-Stufen würde ich weglassen, da wird es naturgemäß dann doch etwas mau, inklusive dem bösen Banding. Auffällig ist im Übrigen, wie gut die M240 in ihrem ISO-Bereich (bis 6400) mithält!

 

(Bitte die Fotos anklicken für volle Größe!)

Leica Q - ISO100 / Leica M240 - ISO200

Leica Q ISO100Leica Q ISO100 Leica M240 ISO200Leica M240 ISO200

Leica Q - ISO400 / Leica M240 - ISO400

Leica Q ISO400Leica Q ISO400 Leica M240 ISO400Leica M240 ISO400

Leica Q - ISO800 / Leica M240 - ISO800

Leica Q ISO800Leica Q ISO800 Leica M240 ISO800Leica M240 ISO800

Leica Q - ISO1600 / Leica M240 - ISO1600

Leica Q ISO1600Leica Q ISO1600 Leica M240 ISO1600Leica M240 ISO1600

Leica Q - ISO3200 / Leica M240 - ISO3200

Leica Q ISO3200Leica Q ISO3200 Leica M240 ISO3200Leica M240 ISO3200

Leica Q - ISO6400 / Leica M240 - ISO6400 (Push)

Leica Q ISO6400Leica Q ISO6400 Leica M240 ISO6400Leica M240 ISO6400

Leica Q - ISO12500

Leica Q ISO12500Leica Q ISO12500 Leica Q - ISO25000

Leica Q ISO25000Leica Q ISO25000 Leica Q - ISO50000 (Push)

Leica Q ISO50000Leica Q ISO50000

 

Wenn ich nun am Lightroom sitze und die RAWs bearbeite, fühlen die sich für mich sehr ähnlich denen aus der M240 an. Die Farben sind eher zurückhaltend und natürlich. Schärfe und Details sind reichlich vorhanden, der "Leica"-Look ist definitiv erkennbar. Den Kontrast muss man eventuell nachträglich etwas anheben.

Komme ich in extreme Bereiche, in denen ich z.B. pullen oder pushen muss (Schatten aufhellen, Lichter abdunkeln), fühlen sich die Files eher wie aus der A7 an, d.h. ich habe scheinbar etwas mehr Spielraum als bei der M. Die Farben bleiben auch in hohen ISO-Bereichen immer stabil. Damit wäre die Q rein sensortechnisch ungefähr auf Augenhöhe mit den Platzhirschen. Dazu kommt dann aber die außergewöhnliche Qualität der Optik. Als Gesamtpaket betrachtet, liegt die Q daher wirklich ganz weit vorn.

Die 24 Megapixel Auflösung halte ich persönlich für perfekt. Ich habe lange mit der Sony A7r gearbeitet und mich haben die 36 Megapixel eher gestört. Die Bearbeitung im Lightroom war zäher, man brauchte mehr Platz und da ich keine riesigen Plakate drucke (dafür gibt es Mittelformat) ist die Ausgabegröße eh irgendwo bei FullHD oder 4K. Da reichen die 24 Megapixel mehr als aus, selbst zum Croppen bleibt genügend Reserve.

 

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1/100 bei F8.0, ISO100

 

App - Fernsteuerung

Heutzutage ist es Stand der Technik, dass sich Kameras mit Smartphones koppeln lassen und die Q macht hier keine Ausnahme. Ich muss dazu sagen, dass ich darin noch nie irgendeinen Sinn gesehen habe, obwohl ich mich durchaus als Intensivnutzer von iPhone, SocialMedia & Co betrachte - ich bin also keinesfalls ein Verweigerer. Dennoch: zum Fernauslösen empfinde ich einen simplen Drahtauslöser oder eine einfache Fernsteuerung wesentlich komfortabler als das Herumgefummele mit einer App. Ebenso sehe ich keine Notwendigkeit, irgendwelche Fotos (Selfies) mit der Q zu machen und dann umständlich aufs Smartphone zu übertragen um sie hochzuladen. Da kann ich auch gleich das iPhone nehmen, für minderwertige Massenfotos mit einer Halbwertszeit von 4 Minuten in der SocialMedia-Welt braucht es keine Q.

Ich denke, dieses Smartphone-Feature moderner Kameras ist wie 3D oder 4K. Das sind Dinge, die eigentlich kein Mensch braucht, die uns aber von der Industrie eingeredet werden. Natürlich muss dann jeder Hersteller mitziehen, aber eigentlich ist es Mumpitz.

Ich gebe zu, in meinem letzten Jahresurlaub hatte auch ich ab und zu das Bedürfniss, meinen Eltern per Whatsup ein paar Fotos zu schicken. Anstatt die aber mühevoll von der A7r auf das iPhone zu übertragen, machte ich diese wenigen Bilder dann gleich mit dem Smartphone. Das war einfacher und reichte für's schnelle Betrachten auf dem kleinen Display völlig aus. Die richtigen Bilder gab es dann nach dem Urlaub.

 

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1/200 bei F8.0, ISO100

 

Um diesem Bericht gerecht zu werden, habe ich das Zusammenspiel zwischen Q und App natürlich ausprobiert. Man kann Smartphone und Kamera relativ einfach verbinden, wenn man im gleichen WLAN ist, ansonsten (also Outdoor) lässt man die Q ein eigenes WLAN aufspannen, in das man sich mit dem Smartphone dann einklinkt. Die kostenlose App und die Menüführung auf der Q sind simpel und selbsterklärend, dennoch ist insbesondere die Ersteinrichtung natürlich immer eine einzige Fummlei (schon die Eingabe von WLAN-Passwörtern in die Kamera ist naturgemäß zum Schreien). Ist alles eingerichtet, geht es dann natürlich wesentlich besser, jedoch brauchte ich immer zwei oder drei Versuche, bis die Verbindung stand und sich alle Beteiligten "gefunden" hatten.

Wenn ich mir vorstelle, irgendwo mit Stativ zu stehen und z.B. Langzeitbelichtungen zu machen, möchte ich einfach nur einen simplen Fernauslöser haben. Wenn ich nämlich mit dem Smartphone hantieren muss, drei Versuche brauche, bis die Verbindung steht und noch dazu feststelle, dass der Akku des iPhone nur noch 10% hat, krieg ich nen Wutanfall. Ich sehe ein, dass diese Featuritis im vergleichenden Konkurrenzkampf sein muss, aber sie steht der restlichen Philosophie der Kamera - nämlich dem Konzept der Effizienz und Einfachheit - in meinen Augen vollkommen entgegen.

Der Vollständigkeit halber sei gesagt:

Wenn die Verbindung steht, kann man das Sucherbild der Kamera auf dem Smartphone bewundern, essentielle Einstellungen wie Blende und Verschlusszeit fernsteuern, natürlich auslösen und die Bilder dann auch direkt auf dem Gerät speichern (natürlich keine RAWs), um sie halt möglicherweise direkt zu teilen.

 

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1/60 bei F11, ISO100

 

Gerüchte?

Vor einiger Zeit machten wilde Gerüchte die Runde, Leica könnte mehrere Versionen der Q mit unterschiedlichen Brennweiten anbieten. Das ist nie bestätigt worden, ich fände es aber extrem reizvoll. Gäbe es beispielweise die 28mm-Q und dazu noch eine 50mm-Q - mein M-Setup hätte regelrecht ausgesorgt, denn diese beiden Geräte würden für mich alles abdecken.

 

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1/100 bei F11, ISO100

 

Fazit

Mit der Q ist Leica ein echter Coup gelungen. Ich bin der Meinung, dass sowohl Q als auch SL für Leica einen Schritt in eine neue Richtung bedeuten, weg vom Nischenproduzenten hin zum technologischen Trendsetter und damit hin zu alter Größe. Die besten elektronischen Sucher, Autofokus der Spitzenklasse, extrem hochwertige Optik. Das sind nicht mehr nur spezielle Geräte für spezielle Leute, sondern Geräte mit Alleinstellungsmerkmalen, die zeigen, was technologisch möglich ist, wenn man alles mal konsequent und ohne Kompromisse zu Ende denkt. Damit steht meiner Meinung nach auch der Preis in einem anderen Licht.

Die Q macht in der Gesamtheit alles richtig. Damit sticht sie auch ihre vielleicht größte Konkurrentin, die Sony RX1-Reihe, aus. Sie ist einfach überall ein wenig besser und praktischer. Etwas mehr Brennweite, mehr Lichtstärke, bessere Optik, besserer Sucher, besseres Bedienkonzept (Schlichtheit und Effizienz ist der neue Megatrend) und eine ausgewogene Anzahl von Megapixeln (ich mag 24 Megapixel definitiv mehr als diesen Irrsinn mit über 30 oder gar 40).

Dabei werden alte und bewährte Bedienkonzepte (Blendenring, Zeitenwahlrad) an genau den richtigen Stellen mit neuen Technologien kombiniert (Automatiken, Touchscreen, naja, ok, auch Smartphone-Anbindung). Dazu kommen die grundlegenden Leica-Tugenden Qualität, Werterhalt und Langlebigkeit. Ich denke, Leica steuert hier in einen neuen Hype um hochwertige, nachhaltige und individuelle Produkte hinein, der erst noch dabei ist, sich zu entwickeln. Einige Unternehmen aus dem fernen Osten könnten in den nächsten Jahren in Schwierigkeiten geraten, da die europäischen Kunden überkomplizierte Massenprodukte zunehmend kritisch betrachten, ähnliches ist mir aus der TV-Branche bekannt. Die Technologie soll uns wieder das Leben erleichtern und nicht nur dem Selbstzweck dienen. Design und Ergonomie spielen wieder größere Rollen.

Mit diesen Geräten nimmt Leica eine technologisch führende Position ein und rennt nicht länger anderen Herstellern hinterher. An Q und SL werden sich andere in Zukunft messen lassen müssen.

Bin ich jetzt ein Fanboy? Nein, ich denke einfach, die Q ist eins dieser Produkte, bei dem der Hersteller einfach alles richtig gemacht hat. Ein Produkt mit einer gewissen Leuchtkraft und ein technologischer Wegweiser.

Die Q ist nicht nur die ideale Ergänzung für M-Nutzer, sie ist auch für alle anderen anspruchsvollen Fotografen eine gute Wahl. Geradezu prädestiniert ist sie natürlich für das klassische Spielfeld von Leica: Street und Reportage. Dazu passen die Brennweite, der Formfaktor und ein Autofokus, der auch bei wenig Licht sein Ziel schnell und sicher findet. Die Kamera ist leise und unauffällig, die Bildqualität superb. Dazu kommen wie oben angesprochen ein simples, zugängliches Bedienkonzept, hohe Wertbeständigkeit und natürlich eine sehr hohe Qualität. Im Grunde all die Tugenden, die das Image von Leica und die Strahlkraft der Marke einst begründet haben.

 

Weitere Berichte und Links

Der folgende Q-Test kommt von einem richtigen Fotografen, mit tollen Bildern und Portraits, die mich mit meinen ollen Ruinen vor Neid erblassen lassen.

http://neunzehn72.de/leica-q-typ-116-hallo-neue/

Natürlich darf auch mein lieber Blog-Kollege Claus Sassenberg nicht fehlen. Auch er hat einen sehr schön bebilderten Bericht aus Sicht eines Leica-M-Besitzers geschrieben.

http://dr-claus-sassenberg.com/?p=1781

Hier ein Erfahrungsbericht neueren Datums, geschrieben von Hans-Jürgen Malchow von www.das-hamburg-foto.de

http://www.das-hamburg-foto.de/leica-q/

Wer sich schon mal etwas einlesen möchte, dem sei hier der Download des Handbuches ans Herz gelegt:

https://de.leica-camera.com/Fotografie/Leica-Q/LEICA-Q/Downloads

 

Produktbilder: Leica Camera AG

 

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1/125 bei F8.0, ISO100

 

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) 28mm 35mm 50mm Bericht Crop Edelkompakte F1.7 ISO-Reihe Kompaktkamera Leica Leica Q Makro Q Reportage Review Summilux Test Testbericht Vollformat http://www.cetus-a.de/blog/2015/12/leica-q Fri, 18 Dec 2015 18:07:31 GMT
Tarion-Holzgriff für Leica M http://www.cetus-a.de/blog/2015/12/tarion-holzgriff-leica-m L1020510L1020510

 

Wie immer im Dezember steht der Hauptkommerz-Event "Weihnachten" vor der Tür und wie immer ist man auf verzweifelter Suche nach Geschenken für Menschen, die eh schon alles haben.

Ich war kürzlich in der Situation, für einen guten Freund und Leica-Fan etwas finden zu müssen und stolperte auf Amazon über einen hochwertigen Zusatzhandgriff für die Leica M. Der Hersteller Tarion sagte mir zunächst nichts, das Produkt machte jedoch einen guten Eindruck. "Zurückgeschickt ist es notfalls schnell", dachte ich mir und so landete schon bald ein kleines Paket auf meinem Tisch.

Das die Leica M - zumindest bei großen Händen - kein ausgesprochenes Ergonomie-Wunder ist, sollte kein Geheimnis sein. Einerseits ist sie klein, schick, übersichtlich, andererseits hält man sie auf Grund der Gehäuseform immer etwas verkrampft, oft auch mit zwei Händen. Es fehlt einfach der DSLR-Handgriff-Buckel auf der rechten Seite. Natürlich fehlt der nicht wirklich - die M ist nun mal eine M weil sie eben nicht wie eine DSLR aussieht (und das ist auch gut so). Aber viele nutzen eben doch irgendeine Form von "Halteverbesserung" wie Thumbs Ups, Halfcases mit angesetztem Buckel auf der rechten Seite - oder eben zusätzliche Handgriffe wie den hier besprochenen von Tarion.

Wichtig bei all diesen Zubehörteilen ist vor allem eins: sie sollen das typische Design der Leica M nicht stören oder verunstalten und möglichst genauso robust und hochwertig sein wie die Kamera.

 

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Wie schlägt sich der Tarion Handgriff in diesem Kontext?

Ein erstes interessantes Merkmal hat gar nichts mit dem Handgriff selbst zu tun, sondern mit dessen Verpackung. Heutzutage wissen wir, dass eine edle Verpackung sozusagen das i-Tüpfelchen für ein hochwertiges Produkt ist. Tarion versucht, sich hier ein klein wenig von der Masse abzusetzen und versendet den Handgriff in einem kleinen Karton, eingebettet in eine Art Holzspäne, die vermutlich das Holzdesign des Griffes aufgreifen sollen. Das ist eine schöne Idee und für mich war das ein wesentliches Merkmal - schließlich sollte es ein Geschenk werden.

Der Handgriff selbst besteht aus einer schwarz lackierten Bodenplatte, die mittels Stativgewinde unten an die M angeschraubt wird. Auf dieser Bodenplatte ist mittels zwei solider Schrauben der Holzgriff befestigt. Die gesamte Konstruktion kommt völlig ohne Plastik aus und macht einen sehr massiven Eindruck. Es gibt keine Ritzen, Spalten, Grate und nichts klappert oder wackelt. Das Produkt riecht nicht nach billigem Plastik sondern vollkommen neutral - auch das kann ein Qualitätsmerkmal sein. Wenn man es an die M ansetzt, fügt es sich perfekt an die Kamera und ist vollkommen stabil.

Da die Bodenplatte des Handgriffes das Stativgewinde der Kamera besetzt, bringt sie ein eigenes Gewinde mit, dieses ist jedoch bauartbedingt sehr weit seitlich zu finden.

 

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Bei allem berechtigten Lob muss ich allerdings auch zugeben: würde die Bodenplatte des Handgriffes die der Leica M vollständig ersetzen, vielleicht zusätzlich noch mit einer Klappe für Batterie und SD-Karte, wäre das eine weitere echte Aufwertung.

Und wenn wir schon mal beim Wünschen sind: da der Holzgriff austauschbar montiert ist, wäre es sicherlich denkbar, ihn in unterschiedlichen Materialien / Farben anzubieten. Das diese Form der Individualisierung gut funktioniert, zeigen ja die vielen unterschiedlichen Cases, Soft-Touch-Buttons usw., von denen der geneigte Nutzer auch gern mehrere besitzt um sie je nach Tagesform und Laune umzutauschen. Natürlich vermittelt das Holz eine gewisse Wertigkeit, aber ein schwarzes oder silbernes Design (passend zur Gehäusefarbe) mit entsprechender Belederung wäre sicherlich auch für viele Nutzer interessant und ansprechend.

 

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Zurück zur Realität. Die wichtigste Erkenntnis für mich: obwohl der Tarion Handgriff die Ergonomie wirklich massiv verbessert und bequeme Bedienung mit einer Hand ermöglich, trägt er nicht zu dick auf. Die Produktbilder auf Amazon verfälschen das etwas, in der Realität ist das Teil nicht zu groß und schmiegt sich optisch passend an die Leica an, ohne das Gesamtbild zu stören. Das Optimum zwischen Design und Nutzbarkeit in diesem Balanceakt  zu finden ist nicht leicht, aber hier ist es wirklich gut gelungen.

Für mich ist der Handgriff ein rundes Produkt ohne Mängel oder Schwächen und ein interessanter Zuwachs auf dem umfangreichen Leica-Zubehörmarkt. Durch die außergewöhnliche Verpackung eignet er sich gut als Geschenk, die Verarbeitung ist top und passt zur M. Das Produkt erfüllt uneingeschränkt seinen Zweck und sieht dabei noch gediegen aus.

Für alle Ehefrauen, die unter einem Leica-besessenen Ehemann leiden, könnte dies eine passende Geschenkidee sein. Mein Aufruf geht daher an jeden, der solch eine betroffene Frau kennt: weitersagen!

 

Amazon-Link:

TARION® Handgriff Edler Holzgriff Zusatz für Leica M / M-P(Typ 240) Hohe Qualität + Edle Verpackung (Geschenkschachtel)

 

 

 

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) Bericht Ergonomie Geschenk Handgriff Holzgriff Leica M240 Review Tarion Test Testbericht http://www.cetus-a.de/blog/2015/12/tarion-holzgriff-leica-m Fri, 11 Dec 2015 15:33:28 GMT
Summilux-M 1.4/50mm Asph - Liebe auf den zweiten Blick http://www.cetus-a.de/blog/2015/8/summilux-m-1-4/50mm-asph-das-standardobjektiv

 

Wir alle kennen das Problem: man hat eine vorgefertigte Meinung und will einfach nicht davon abrücken. Mir ging es mit dem Summilux-M 1.4/50mm Asph FLE so. Einerseits war ich schon immer an diesem legendären Leica-Objektiv potentiell interessiert, andererseits hatte ich schon immer viele Gründe, es nicht zu besitzen.

Ein 50er ist ein Normalobjektiv, etwas, das andere Hersteller gewöhnlich nebenbei mit anbieten, wie Felgenreiniger in einem Autohaus. Um 200 EUR verlangen einschlägige Massenproduzenten für ein lichtstarkes 50er und somit ist solch ein Exemplar meist das erste Objektiv für werdende Enthusiasten, die nur ein Suppenzoom haben und auch mal die Sache mit dem Bokeh ausprobieren wollen (zumindest war es bei mir so). Deshalb empfand ich ein 50er immer als etwas, worüber man als Fortgeschrittener eigentlich hinweg sein sollte. Stino, Standard, unspektakulär. Lichtstärke für Anfänger.

 

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Ich hatte zudem das Gefühl, diese Brennweite sei mit den Jahren ziemlich aus der Mode gekommen. Für mich war es viel interessanter, mit 18mm die Weite des Raumes einzufangen, oder mit 90mm die gestaffelte Wirkung von Teleobjektiven zu bestaunen. 50mm hingegen waren für mich stets weder Fisch noch Fleisch.

Dazu kam der Eindruck (vielleicht war es auch Einbildung), dass das aktuelle Summilux-M 50mm irgendwie nicht diesen Ruf zu haben schien, den andere Summiluxe genießen. Der Lichtkönig ist es schon mal nicht, da läuft ihm das Noctilux den Rang ab. In punkto Abbildungsleistung wird es vom neuen Apo-Summicron 50 überflügelt und auch beim Thema Handlichkeit und Gewicht muss es sich dem (Apo-)Summicron geschlagen geben. Die Nostalgiker unter uns schwören auf ältere, nicht-asphärische Varianten von Summilux / Summicron 50, oder sogar auf die alten 50er Elmare. Zu allem Überfluss steht es etwas im Schatten des Summilux-M 35, denn das bietet bei gleicher Lichtstärke ein etwas weiteres, universell nutzbares Blickfeld. 35mm sind halt besser für den klassischen Fotojournalismus und bei den Leica-üblichen Preise kaufen nur wenige zum 35er Summilux noch ein 50er Summilux dazu.

 

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Nicht zuletzt muss man die Konkurrenz im  Blick behalten. Ob das 50er Summilux in Zeiten eines Zeiss Otus noch die uneingeschränkte Referenz aller Normalbrennweiten darstellt, ist dabei ebenfalls kritisch zu hinterfragen.

Ich denke, es wird sehr deutlich, dass ich eine Menge Vorbehalte gegen das Objektiv hatte. Dennoch: irgendetwas reizte mich daran und ließ mich nicht los. Ein 50er Summilux ist nun einmal trotz allem eine Institution und die kreativen Möglichkeiten, die es mit Offenblende ermöglicht, zeigen sich immer wieder in verführerischen Bildern auf Flickr & Co.

 

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Für den Testbericht hier in meinem Blog entschloss ich mich nach langem hin und her, ein 50er-Summilux mit nach Teneriffa zu nehmen. Ich war - vorsichtig ausgedrückt - skeptisch. Was sollte ich schon mit einem 50er in den engen Gassen und weiten, spektakulären Landschaften dieser fantastischen Insel? Andererseits will man sich beim Fotografieren ja nicht langweilen und so entschloss ich mich, mal meinen Blickwinkel zu verändern, die gewohnte fotografische Komfortzone etwas zu verlassen und dem Objektiv eine Chance zu geben.

 

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Ich erwarb für das Summilux-M 50 extra einen ND-Filter der Stärke 8x (oder 0,9). Das entspricht einer Verringerung um 3 Blenden und ermöglicht auch bei hellem Sonnenschein noch die Nutzung von Offenblende F1.4. An einem durchschnittlich hellen Tag kann man mit F5.6 Belichtungszeiten um 1/125 oder höher erzielen - der Filter kann also aufgeschraubt bleiben und ist sehr praxistauglich, zudem bei 46mm Durchmesser nicht so teuer wie die 60-80mm-Exemplare, die man häufig für DSLRs benötigt.

 

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Wozu dieser Filter? Natürlich wollte ich eine der herausragendsten Eigenschaften solch eines Leica-Sumiluxes ausprobieren - die legendäre Qualität bei Offenblende. Ich hatte es Eingangs schon geschrieben, es gibt viele 50mm-Optiken mit Lichtstärke F1.4, teilweise recht günstig. Es muss also eine Rechtfertigung für den hohen Preis des Summilux geben - abgesehen von der grundsätzlichen optischen und haptischen Güte. Nach allem was man hört, muss diese Rechtfertigung unter anderem darin bestehen, dass man beim Leica-Objektiv die Offenblende auch tatsächlich ohne Kompromisse nutzen kann.

 

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Bereits erste Testfotos zeigten mir, warum die Summiluxe - als Inbegriff aller Leica-Optiken - solch einen besonderen Status besitzen. Ich hatte sozusagen direkt beim ersten Bild gleich mein "Aha"-Erlebnis. Alle Elemente, die bei Offenblende im Fokus liegen, sind tatsächlich gestochen scharf. Zusammen mit dem weichen Bokeh und dem perfekten Übergang von Schärfe in Unschärfe entsteht so tatsächlich jener interessante Charakter, der allgemeinhin als Leica-Look bezeichnet wird und sich nicht immer so einfach mit beliebigen Optiken anderer Hersteller nachvollziehen läßt. Das 50er Summilux-M hat einen eigenen Stil und mit ein wenig Übung erkennt man Fotos, die von diesem Objektiv (oder einem anderen Summilux) kommen. Voraussetzung ist natürlich immer Offenblende, denn dort wird dieser Charakter offenbar. Schließt man die Blende, wird es natürlich irgendwann zu einem sehr hochwertigen, aber dennoch normalen Objektiv. Schärfe über den gesamten Bildbereich und hohe Abbildungsleistung schaffen viele andere ab Blende 5.6 ebenfalls - die Stärke des Summilux liegt tatsächlich bei F1.4 und man sollte sich nicht scheuen, dies auch immer wieder zu nutzen. Genau dafür ist es gebaut.

 

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Ich war anfangs davon ausgegangen, dass das Objektiv einen farblich eher warmen Charakter hat. Nahezu alle im Internet zu sehenden Fotos zeigten dies so. Aber offensichtlich ist es ein Trend, die Bilder bei der Nachbearbeitung "warm" zu drehen, oder die JPGs der M240 (die ich noch nie genutzt habe) sehen grundsätzlich so aus, denn im normalen RAW-Betrieb konnte ich nichts dergleichen feststellen. Das Objektiv liefert farblich neutrale Bilder, denen man ganz nach belieben in der Nachbearbeitung einen warmen oder kalten Look einhauchen kann.

 

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Nach anfänglicher Skepsis und gelegentlicher Sehnsucht nach 35mm entdeckte ich überraschend schnell die Vorteile einer Normalbrennweite. Dies führte schließlich so weit, dass ich nahezu alle Bilder auf Teneriffa mit dem 50er machte und es gar nicht wieder hergeben wollte. Nicht nur die technische und optische Qualität begeisterten mich, ich entdeckte auch den Alltagsnutzen dieser Brennweite für mich neu.

 

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Hat man sich nämlich einmal damit abgefunden, dass es mit der "Weite des Raumes" eher nichts wird, verlegt man sich auf die stillen Motive, die Dinge, die man auf den zweiten Blick erst sieht. Statt großer Straßenzüge oder raumfüllender Landschaften fotografiert man nun eher Ausschnitte oder Details. Man geht näher ran oder auch mal weiter weg, schaut genauer hin oder macht sich Gedanken, wie man das eine oder andere Thema in dem kleineren Bildausschnitt kreativ unterbringen könnte. Der 50er-Messsucherrahmen ist dafür perfekt. Er läßt sich für mich als Brillenträger wunderbar bequem überschauen und gestattet einen üppigen Ausblick auf die Welt "drumherum". Das hilft mir ungemein bei der Wahl des richtigen Bildausschnittes.

 

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Ein "Normalobjektiv" ist kein "Spezialobjektiv". Es gibt keine Sache, für die es sich besonders gut eignen würde. Oder doch... auch wenn es oft zu eng oder manchmal zu kurz ist, kann man es trotzdem für alles verwenden. Vielleicht liegt seine Stärke gerade darin. Es ist vielseitig und darin ist es gut. Ich habe Landschaften, Portraits und Details damit aufgenommen. Immer habe ich einen Motivausschnitt gefunden, der mir letztendlich gefallen hat, auch wenn er vielleicht mit einer anderen Optik optimaler gewesen wäre. Immer wieder konnte ich die Traumqualität bei Offenblende einsetzen um den Blick des Betrachters zu lenken und zu zeigen, worauf ich hinaus will. Selbst bei Landschaftsaufnahmen war es mitunter sinnvoll, Elemente im Vordergrund vom Hintergrund abzusetzen. Dadurch ließ sich ein Eindruck von Tiefe und Dimensionalität erzeugen, der eben nicht entsteht, wenn von vorn bis hinten alles scharf ist. Die Bilder, die sich dann ergaben, waren folgerichtig so nur mit dem 50er möglich. Mit dem 35er wäre ich an der Stelle zu weit weg gewesen, um mit Offenblende noch freistellen zu können, für ein Tele hingegen zu nah dran.

 

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Mit der Zeit hat sich meine Einstellung derart gewandelt, dass ich das 50er als "normal" empfand und plötzlich nicht mehr mit der im Vergleich riesigen Bildfläche des 35er zurechtkam. Ich vermisste plötzlich die Fähigkeit, selektiv vorzugehen, Dinge herauszustellen oder zu betonen. 35mm zeigen immer alles, opulent und ausschweifend. Irgendwann merkt man, dass es nicht auf ganze Straßenzüge ankommt sondern auf die Details, die diese Straßenzüge charakterisieren.

 

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Somit habe ich in den letzten Wochen tatsächlich meine Ausrichtung geändert. Früher framte ich gedanklich immer alles in 35mm, jetzt in 50mm. Witziger Nebeneffekt: wann immer ich ein potentielles Motiv irgendwo erspähe, trete ich unbewußt schon zwei oder drei Schritte zurück. Das kenne ich noch von früher, wo alle Welt mit analoger Spiegelreflex und 50er unterwegs war. Die Fotografen liefen immer Rückwärts mit Blick zum Motiv, bis ein halbwegs akzeptabler Ausschnitt in den Sucher passte (meine Mutter musste meinen Vater mehr als einmal vor dem unmittelbar drohenden Absturz retten).

Doch genug geplaudert, halten wir uns an Tatsachen und geben wir diesem Bericht einen professionelleren Charakter: auf zu den harten Fakten und Zahlen.

 

Ein klassischer Anblick. Leica M (Typ240) mit Summilux-M 1.4/50mm Asph. (Quelle: Leica Camera AG)
 

Das aktuelle Summilux-M 1.4/50mm Asph FLE ist hervorragend verarbeitet und bildet mit dem M-Body eine perfekt ausbalancierte Einheit. Eine Leica-M mit diesem Objektiv ist natürlich auch kein ausgesprochenes Leichtgewicht mehr, jedoch immer noch weit entfernt von einer ausgewachsenen DSLR.

Das Summilux ist in allen Punkten haptisch genauso gut wie jedes andere Leica-Objektiv. Zwei Dinge fallen mir jedoch auf:

Der Fokus läßt sich deutlich schwerer als bei anderen Objektiven bewegen. Ich weiss nicht, ob das der speziellen Mechanik (Stichwort: floating element) geschuldet ist. Toleranzen werden dann enger, Spielräume kleiner und es gibt noch mehr bewegliche Teile. Jedenfalls ist diese "straffere Gangart" zwar ungewohnt, stört aber nicht. Es läßt sich trotzdem schnell und präzise arbeiten. Der einzige Nachteil: die anderen Optiken kommen einem hinterher ob ihrer Leichtgängigkeit irgendwie "kaputt" vor (aber man gewöhnt sich auch schnell wieder um).

 

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Die zweite Sache betrifft die integrierte Sonnenblende - eigentlich ein Vorteil. Man kann diese ein Stück vor/herausschieben und mit einer leichten Drehung arretieren. Mir fällt allerdings auf, dass die Sonnenblende wackelig ist, man könnte sie beim vor/zurückschieben sogar verkanten. Nun gibt es keinen Grund, das zu tun und sicherlich meckere ich hier auf hohem Niveau, aber irgendwie erwarte ich von den feinmechanischen Meisterwerken aus Wetzlar immer, das nichts wackelt oder Spiel hat. Insofern ist die Sonnenblende etwas gewöhnungsbedürftig. Wahrscheinlich ließ sie sich unter den gegebenen Bedingungen nicht anders konstruieren.

Dennoch, das 50er Summilux ist eine Schönheit und eine M mit 50er Summilux ist natürlich das klassische Setup. Das Objektiv ist in jeder Hinsicht wie gemacht für den Body und man will es einfach nicht mehr auswechseln.

 

Das Summilux-M 1.4/50mm Asph FLE besteht aus 8 Elementen (darunter 1 Asphäre) in 5 Gruppen. Die hintere Gruppe (2 Elemente) ist als floating group ausgelegt.

 

Kommen wir zum Thema Optik. Hier habe ich - wie immer als Leica-Reviewer - nicht wirklich viel zu tun. Auch wenn man auf Charts und das übliche Mess-Gedöhns verzichtet, fällt einem auf, dass einem an dem Objektiv eigentlich nichts auffällt - zumindest nichts negatives. Es macht einfach alles richtig.

Es ist hochgeöffnet schon knackig scharf und das Schärfe-Optimum dürfte bereits irgendwo bei Blende 4 oder 5.6 liegen. Ich habe gelesen, dass es natürlich einen Unterschied zwischen Mittenschärfe und Eckenschärfe gibt, der bei Offenblende am höchsten und ab Blende 4 nahezu verschwunden ist, aber das fällt einem abseits der Testcharts nie wirklich auf. In der für mich relevanten Praxis ist es unter allen realistischen Bedingungen scharf von Ecke zu Ecke.

 

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Naturgemäß hat es natürlich bei Offenblende eine sichtbare Vignettierung, die unter Einsatz meines ND-Filters nochmals verstärkt, durchaus schon massiv genannt werden kann. Das Objektiv kann aber nichts für meinen Filter und ohne diesen liegt die Randabschattung bei ca. 0,7-0,8 EV. Ab Blende 2.8 bessert sich das drastisch und ab Blende 4 ist mir dann nichts mehr aufgefallen.

 

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Das Summilux zeichnet farblich absolut neutral und dank dem floating element sitzt der Fokus bei jeder Entfernung und Blende auf den Punkt - kein Fokus-Shift feststellbar! Das ist eine ausgesprochen gute Nachricht denn dieser Effekt hat mich bisher von den älteren Summiluxen immer abgehalten. Ich war in der Preislage einfach nie dazu bereit, auch nur den kleinsten Kompromiss einzugehen (selbst wenn er vielleicht mehr auf dem Papier als in der Realität besteht).

 

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Details, Kontraste und Schärfe spielen in der obersten Liga. Ich schaue mir immer solche Bilder genau an, in denen feine Zweige, Aststrukturen oder andere kleine Details gegen einen hellen Himmel aufgenommen worden sind. Dabei fällt dann auf, dass die Strukturen auch bei hohen Kontrastunterschieden noch perfekt abgebildet werden - selbst in den Bildrändern. Auch hier gibt es also nichts zu meckern und sofern man mit dem Blickwinkel eines 50ers klarkommt spricht nichts dagegen, das Objektiv selbst für Landschaftsfotografie einzusetzen.

 

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Weil wir gerade über das Thema "kleine Details vor hellem Hintergrund" sprechen: chromatische Aberrationen sind bei Offenblende sehr wohl sichtbar, verschwinden aber beim Abblenden schnell und lassen sich simpel und effektiv im Lightroom kontrollieren.

 

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Wie oben schon kurz angedeutet: das Bokeh ist sehr weich und ruhig. Mich fasziniert vor allem der schnelle, aber sanfte und definierte Übergang von den knackscharfen Bereichen in die Unschärfe. Diese gesamte Charakteristik bringt den typischen Look zum Vorschein, den viele Reviewer so gern als 3D-Effekt oder Leica-Look bezeichnen. Tatsächlich scheinen die Bereiche in der Fokus-Ebene förmlich aus dem Bild zu springen, man erhält eine sehr starke Plastizität und gelegentlich eine durchaus faszinierende Bildwirkung. In den Händen eines wirklich fähigen Fotografen kann man mit diesem Setup schon tatsächlich ein wenig zaubern... oder verzaubern.

 

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Man mag an dieser Stelle einwenden, dass auch deutlich preiswertere Objektive dank ihrer Lichtstärke viel Freistellpotential bieten. Ich sage aber: Offenblende ist nicht gleich Offenblende. Auch ich habe schon mit anderen 50ern freigestellt - mit durchaus ansehlichen Ergebnissen. Das Summilux verleiht dem ganzen Spaß jedoch das gewisse Etwas. In meinen Augen ist das die Qualität des Bokehs verbunden mit der enormen Schärfe und dem Übergang dazwischen. Manche mögen es Einbildung nennen (oder durch die Leica-Preise induzierten Irrsinn), ich jedoch vermeine es in vielen Bildern zu erkennen und ich kann mich daran einfach nicht sattsehen.

 

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An dieser Stelle möchte ich einen Hinweis einwerfen: ich spiele in der Nachbearbeitung sehr gern mit dem "Klarheit"-Regler von Lightroom. Bei Bildern, in denen es auch auf das Bokeh ankommt, sollte man das unterlassen. Der "Klarheit"-Regler zerstört nämlich naturgemäß die Weichheit des Bokehs und läßt es härter und unharmonischer erscheinen.

Über das Thema Verzeichnung brauchen wir nicht zu reden - die gibt es zwar auf dem Papier, sie ist aber nahezu irrelevant. Auch das Thema Linsenreflexion - lense flare - ist kaum erwähnenswert. Selbst bei F1.4 ist das Verhalten der Optik diesbezüglich vollkommen problemlos.

Ein 50er also, das alles richtig macht? Definitiv ja. Während meine Canon- und Nikon 50er immer hauptsächlich im Schrank lagen, hat das Summilux die genau umgekehrte Situation geschaffen. Das 18er, das 35er, das 90er - sie alle hatten in diesem Urlaub nicht wirklich viel zu tun.

 

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Fazit:

Das 50er Summilux-M Asph FLE ist das derzeit günstigste aller Leica-Summiluxe. Nicht wenige, die zumindest eine dieser legendären F1.4-Optiken besitzen wollen, werden sich fragen, ob ein Kauf lohnt - handelt es sich doch nur um die "langweilige Normalbrennweite". Sollte man lieber doch gleich auf das universellere 35er Summilux sparen?

Ich muss zugeben, ich habe meine Meinung diesbezüglich inzwischen gründlich revidiert und kann jeden Unentschlossenen mit bestem Gewissen zum Zugreifen ermuntern. Gerade heutzutage, wo alle Welt auf das neue 28er Summilux schaut und 35mm eigentlich die Standard-Brennweite ist, macht es großen Spaß, sich das 50er wieder zu erarbeiten. Ja, man muss ein wenig mehr laufen, probieren, überlegen ... aber es lohnt sich. Das 50er Summilux ist die günstigste Möglichkeit, den "geheimnisvollen" Leica-Look zu erhalten und man kann es von Portrait bis Landschaft wirklich universell einsetzen. Zudem wurde der 50mm-Blickwinkel inzwischen so weit verdrängt, dass er eigentlich schon wieder in ist und relativ unverbraucht wirkt.

Um auf die Frage "35er oder 50er Summilux?" zurückzukommen: wiegt man Freistell-Potential, Nutzungsprofil, Größe, Gewicht und Preis gegeneinander ab, macht es in meinen Augen Sinn, für 35mm ein Summicron (F2.0) oder Summarit (F2.4) zu nehmen, für 50mm jedoch das aktuelle Summilux.

 

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Die Qualität der Mechanik ist wie üblich perfekt, nur die praktische, integrierte Sonnenblende darf beim Herausziehen gern noch etwas weniger wackeln. Die Optik selbst ist über jeden Zweifel erhaben und auch bei Offenblende scharf ohne sichtbare Verzeichnung. Der Übergang von der Schärfe ins weiche Bokeh ist zum niederknien. Mit der sichtbaren Vignettierung und den chromatischen Aberrationen muss und kann man an dieser Stelle gut leben, spätestens ab Blende F4.0 ist alles gut. Das soll aber niemanden davon abhalten, das Objektiv inflationär bei Offenblende zu nutzen, denn dafür wurde es geschaffen. Die Bildanmutung bei F1.4 ist fantastisch, auch bei kleineren Blendenöffnungen leistet sich das Summilux jedoch keinerlei Schwächen. Für mich ist diese Optik definitiv ein Suchtmittel.

Ich kann und möchte jedem Skeptiker empfehlen: 50er Summilux nehmen, ND-Filter davor, Blende auf 1.4 und rausgehen. Dann halten auch die anderen Objektive länger. Weil man sie gar nicht mehr nehmen will.

 

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Seit Mai 2015: schwarz-verchromte Ausführung

Unlängst hat Leica eine Version in schwarz-verchromter Ausführung herausgebracht. Dieses Design soll eine Reminiszenz an alte Zeiten sein, konkret lehnt es sich an die Gestaltung des Vorgängers von 1959 an. Hinzu kommen eine runde Gegenlichtblende und ein Objektivdeckel aus Metall. Leider hat diese Version keinen Fokus-Tab (was für mich ein Grund wäre, sie nicht zu nehmen).

 

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) 50mm Bericht Bokeh Leica Lux Normalobjektiv Review Summilux Summilux 1.4 Summilux 50 Summilux-M Summilux-M 1.4/50 Teneriffa Test Testbericht asph element floating http://www.cetus-a.de/blog/2015/8/summilux-m-1-4/50mm-asph-das-standardobjektiv Mon, 24 Aug 2015 16:48:50 GMT
Elmarit-M 2.8/28mm Asph - Kurzes Intermezzo http://www.cetus-a.de/blog/2015/7/elmarit-m-2-8/28mm-asph-nicht-fuer-brillentraeger

 

Dieser Bericht ist eine kleine Besonderheit, denn eigentlich war er nie geplant. Das 28er Elmarit-M habe ich nur sehr kurz besessen und das ist zudem noch einige Zeit her. Ich schreibe also rein aus meiner Erinnerung und kann leider nicht allzuviele Fotos anbieten.

Zu meinen Nikon-Zeiten habe ich einmal festgestellt, das 28mm eigentlich die perfekte Brennweite für mich wären. Nicht zu weit, aber dennoch weit genug für Städte und Landschaften, für alle Arten von Tourismus und für Architektur. 28mm sind sozusagen die neuen 35mm. Vor kurzem hat Leica das indirekt bestätigt, denn auch die neue Leica Q hat eine 28mm-Festbrennweite verbaut, als optimale Allround-Lösung.

Das 28er Elmarit-M war mein erstes Leica-Glas. Nach meinen eher enttäuschenden Erlebnissen mit dem Voigtländer 1.2/35mm II - bereits der zweite Reinfall mit Drittobjektiven an der M8 - sollte es nun unbedingt die Hausmarke sein, und da kam mir das Elmarit-M 2.8/28mm Asph gerade recht. An der M8 ergab das durch den Cropfaktor eine gute Reportagebrennweite (ca. 40mm) und beim eventuellen Wechsel auf M9/240 ergäbe es für meine Art der Fotografie dann das i-Tüpfelchen.

 

 

Beim 28er Elmarit gibt es einige Versionen, die sich zum Teil deutlich unterscheiden. Ich beziehe mich auf die neueste Variante mit Asphäre, die damals anfänglich als preiswerter 35mm-Ersatz zur neuen Cropkamera M8 angeboten wurde. Dieses Objektiv ist außerordentlich klein und bietet bemerkenswerte Bildqualität, dazu ist es für Leica-Verhältnisse recht günstig. Ich würde es eigentlich immer gegenüber dem lichtstärkeren Summicron-M 2.0/28mm bevorzugen, da diese Optik keinesfalls so handlich und nicht zuletzt viel teurer ist. Zudem blockiert sie einen Teil des Suchers und verzeichnet etwas mehr.

 

8 Linsen in 6 Gruppen, eine Asphäre, 180 Gramm leicht

 

Das kleine 28er Elmarit-M Asph ist hingegen eins der kompaktesten und verzeichnungsfreiesten Objektive, das Leica je gebaut hat - ein kleiner Edelstein, gut abzulesen an der niedrigen Verfügbarkeit auf dem Gebrauchtmarkt. Durch die Brennweite ist es außerdem enorm universell einsetzbar. Von Street bis Landschaftsfotografie - das Elmarit fühlt sich überall wohl. Benötigt man Filter, halten sich die Kosten auf Grund des kleinen Filterdurchmessers (E39) in Grenzen. Im Lieferumfang ist zudem die übliche Gegenlichtblende zum Aufstecken enthalten.

 

 

Das Elmarit 28 hat eine Fokussiermulde und läßt sich - wie alle Leica-Optiken - wunderbar weich und präzise fokussieren. Die Schärfe ist quer durch alle Blenden hervorragend, auch schon bei Offenblende und natürlich bis in die Ecken. Vignettierung ist vorhanden, aber kaum wahrnehmbar und ab Blende 5.6 ganz verschwunden. Weder chromatische Abberationen noch Lense-Flares sind mir im normalen Betrieb in störender oder wahrnehmbarer Weise untergekommen. Die mechanisch / haptische Anmutung entspricht dem üblichen hohen Standard. Lediglich das Bokeh ist für meinen Geschmack etwas nervös, was aber bei einem Weitwinkel kaum ins Gewicht fällt.

Der eine oder andere mag an dieser Stelle verwundert eine Augenbraue heben, aber das Objektiv ist tatsächlich so gut. Ich habe keinen Rezensenten im Internet gefunden, der irgendein Problem damit gehabt hätte. Ich möchte es an dieser Stelle erneut erwähnen: wir bewegen uns preislich auf Summarit-Niveau (wobei die ja auch ganz ausgezeichnet sind). Selbst bei Leica muss man nicht immer den Gegenwert eines Kleinwagens investieren! Und mit der auf den ersten Blick "mauen" Lichtstärke von F2.8 kommen bei anderen Marken Generationen von Profis wunderbar aus, zudem spielt das auch bei Leica im Zeitalter der M240 inzwischen nicht mehr so die Rolle.

 


Das Bokeh ist ein wenig nervös. Aber ein 28mm kauft man auch eher weniger wegen dem Bokeh.

 

An der M8 war ich äußerst zufrieden mit dem kleinen Elmarit, wobei die Kamera das Objektiv ja nicht bis in die Ecken ausnutzt. Kontraste, Farben und Bildanmutung waren jedoch hervorragend und mehr als einmal sagten mir die Bilder aus der Kombo M8+Elmarit28 mehr zu als die Aufnahmen aus der damals hochmodernen D600. Die M8 hatte so ihren eigenen Charakter, etwas rotziges, rohes und ungehobeltes. Konvertierte man die Bilder in Schwarzweiss, wirkten sie tatsächlich irgendwie analog und durch die schwache UV-Filterung auch anders als gewohnt. Die D600 war eine perfekte Bildmaschine und im Gegensatz dazu schlicht langweilig.

 

 

Warum, wird sich der Leser fragen, habe ich das Objektiv dann wieder verkauft?

Ich konnte nicht ahnen, dass sich der Umstieg auf die M9 als Stolperfalle erweisen würde. Denn während der 28mm-Messsucherrahmen in der M8 für mich als Brillenträger bequem zu überschauen war, sah das in der M9 schon anders aus. Dort waren die 28mm nun wirklich 28mm, der größte verfügbare Messsucherrahmen. Mit meiner Brille hatte ich keine Chance mehr, diesen zu überblicken und somit konnte ich die Bildausschnitte nur schätzen. Da ich aber ein Kontrollfreak bin und höchsten Wert auf exakte Komposition lege, führte mich das recht schnell zum 35er Summicron und das kleine 28er musste mich verlassen.

 

 

Aus heutiger Sicht kann ich nur sagen: schwerer Fehler. Mittlerweile gibt es die M240 mit elektronischem Sucher. Damit wäre das gute Stück auch für mich als Brillenträger perfekt nutzbar. Trotz aller Liebe zum 35er Summicron, wie gern würde ich heute das Elmarit als Immer-Dabei-Objektiv nutzen! Dieses kleine, rattenscharfe Objektiv hatte es mir wirklich angetan.

Eins habe ich auf jeden Fall aus dieser Geschichte gelernt: ein gutes Leica-Glas verkauft man nicht einfach wenn es sich vermeiden läßt. Man weiss nie, ob man später nicht noch mal Verwendung dafür hat. Manchmal avancieren bereits abgelegte Objektive einige Zeit später wieder zu Lieblingen, weil sich der persönliche Geschmack oder irgendwelche technischen Voraussetzungen ändern. Ich gebe zu, zum damaligen Zeitpunkt hätte ich nie gedacht, dass Leica einst eine M mit Live-View und elektronischem Sucher anbieten würde, der den "Brillenträger-Nachteil" bei kleinen Brennweiten komplett aufhebt.

 

 

Fazit

Das Elmarit-M 2.8/28mm Asph ist der perfekte Reise-Allrounder an der M. Es ist sehr klein, sehr leicht, für Leica-Verhältnisse günstig und bietet absolute Top-Bildqualität. Die Brennweite ist universell und für mich noch ein klein wenig praktischer als 35mm. Neben dem 35er Summicron ist das 28er Elmarit wohl jenes sprichwörtliche Objektiv, das man mitnimmt, wenn man sonst nichts mitnehmen kann/darf. Für den ambitionierten Leicaner gibt es eigentlich keine Ausrede, es nicht zu besitzen.

 

 

 

 

 

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) 28 28mm Allround Bericht Brillenträger Elmarit-M 2.8/28 F2.8 Leica M M240 M8 M9 Review Sucher Test Testbericht Weitwinkel elektronischer elmarit elmarit-m universelle Brennweite http://www.cetus-a.de/blog/2015/7/elmarit-m-2-8/28mm-asph-nicht-fuer-brillentraeger Sat, 04 Jul 2015 12:43:56 GMT
Leica Super-Elmar-M 18mm und das alte Tempotaschentuch http://www.cetus-a.de/blog/2015/5/leica-super-elmar-m-18mm L1001977L1001977

 

Was hat ein altes Tempotaschentuch mit dem Super-Elmar-M 18 zu tun? Einfach den Testbericht bis zum Ende lesen...

Meine "fotografische Wohlfühlzone" liegt im Bereich Landschaft und Architektur. Das bedingt natürlich auch eine gewisse Affinität zum Thema Superweitwinkel und ja - ich gebe es zu: ich liebe Brennweiten unterhalb von 24mm.

Meine ersten Erfahrungen machte ich mit der Nikon D600 und dem Sigma 12-24. Das Sigma war sicherlich nicht das beste Objektiv, noch dazu ein Zoom, aber es war ein guter Lehrmeister und ich verdanke ihm viele wertvolle Erfahrungen. Ich lernte beispielsweise, dass es nicht ausreicht, viel Raum einzufangen. Man muss diesen Raum auch mit Inhalt füllen. Vor allem aber muss man genau auf den Kamerawinkel achten und möglichst immer mit der digitalen Wasserwaage arbeiten - sonst kriegt man es schnell mit perspektivischen Verzerrungen zu tun, die man auch mit der besten Software nie wieder zurechtbiegen kann. Knallharte Kontraste, inhomogener Himmel und Lens-Flares verlangen zusätzlich viel Zeit in Lightroom oder Photoshop. Nachteile wie hohe Vignetierung kann man ausgleichen, fehlende Schärfe am Rand jedoch nicht.

 

Bahnhof_dd_mixBahnhof_dd_mix

ISO200, 1/4sek, F16

 

Ich bemerkte bald, dass 12mm für meine Art der Fotografie und für meinen Geschmack eigentlich zu viel sind. Der Wow-Effekt nutzt sich sehr schnell ab. Dennoch blieb eine gewisse Faszination bestehen und deshalb versuchte ich es als nächstes mit einer 20mm-Festbrennweite von Nikon. Davon abgesehen, dass die optische Performance dieser Optik generell eher durchschnittlich war, gefiel mir der Bildwinkel hier schon eher. Enge Straßenzüge und schmale Räume ließen sich damit gut einfangen. Trotzdem waren die perspektivischen Verzerrungen gut beherrschbar und vor allem war es möglich, Menschen abzubilden ohne sie komplett der Lächerlichkeit preiszugeben. Kurz, es war eher ein Objektiv als ein Zerrspiegel.

Ich kam deshalb für mich selbst zu dem Ergebnis, das wohl 18-20mm das Optimum sein müssen, der sweet spot, der kleinste gemeinsame Nenner, der für alles taugt. Landschaft, Gebäude, Innenräume, zur Not auch Personen.

 

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ISO200, 1/2sek, F16

 

Das Zeiss Distagon 18mm bestärkte mich in dieser Auffassung. Dieses Objektiv fühlte sich an der Sony A7r einfach richtig an. Blickwinkel, Eckenschärfe, optische Performance - alles war perfekt und ich machte damit erstmals Weitwinkelaufnahmen, mit denen ich vollkommen zufrieden war.

Als ich mich schließlich auf die Leica M240 einschoss und die Sony verkaufte, stand für mich fest, dass es auch für die Leica wieder eine 18mm-Brennweite geben würde. Wenn es denn unbedingt 18mm sein müssen, kommt man um das Super-Elmar-M 3.8/18mm Asph nicht herum. Es gibt davon keine lichtstärkere Variante und übrigens auch kein Leica-Objektiv mit noch kürzerer Brennweite (abgesehen vom Tri-Elmar, das aber keine reine Festbrennweite ist).

Allerdings - und das möchte ich hier vorwegnehmen - ist das 18er nicht optimal, wenn man mit ND-Filtern arbeiten möchte. Zu den Gründen äußere ich mich weiter unten noch ausführlich (Stichwort Tempotaschentuch). Für solche Sonderaufgaben ist das Super-Elmar-M 21, brennweitenmäßig der nächste Nachbar, besser geeignet.

 

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ISO200, 1/125sek, F11

 

Generell ist das 21er eine gute Alternative zum 18er, es erhält regelmäßig ebenfalls sehr gute Testnoten. Auch das legendäre Summilux-M 1.4/21mm Asph soll hier nicht vergessen werden, allerdings - bei allem Respekt für Leicas Objektivbaukunst - sehe ich nicht ein, wofür ich bei einem Superweitwinkel eine Blende von F1.4 brauche (mal ganz abgesehen vom astronomischen Preis). Eine interessante Optik ist zudem das bereits kurz erwähnte Tri-Elmar-M 16-18-21mm F4.0 Asph. Doch auch hier ist der Preis nicht ganz unproblematisch und im Verhältnis dazu fand ich die drei Brennweiten 16mm, 18mm und 21mm zu nah beieinander, als dass das Tri-Elmar für mich Sinn machen würde.

Mit den Alternativen von Zeiss und Voigtländer befasste ich mich nicht näher, da ich so ilustre Dinge wie lila Ecken vermeiden wollte. Drittobjektive sind hier immer etwas problematisch und mit Vorsicht zu genießen. Eine Ausnahme soll wohl z.B. das neu gerechnete Voigtländer Heliar 15mm in der Version III bilden. Aber die experimentelle Phase habe ich definitiv hinter mir gelassen (und 15mm waren mir auch schon wieder ein wenig zu viel des Guten). So blieb ich beim Super-Elmar-M 18mm.

 

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ISO200, 1/125sek, F8.0

 

Wie es der Zufall so will, machte ich auch diesmal wieder die meisten Testbilder bei einem Kurzurlaub in Zingst. Die Motive von der Seebrücke sind vergleichbar mit denen aus meinem vielgelesenen Zeiss Distagon 18mm-Testbericht (ziemlich genau ein Jahr alt) und so kann der interessierte Leser direkt vergleichen, wie sich die Kombo Sony A7r mit Zeiss 18mm gegen die Leica M240 mit SEM18 so schlägt.

Generell scheint es nicht sehr viele Testberichte vom Super-Elmar-M 18mm zu geben, zumindest habe ich im Internet kaum aussagekräftiges gefunden. Die Optik scheint ein Nischendasein zu führen und ich hoffe, hier etwas zur allgemeinen Erleuchtung beitragen zu können.

Schauen wir uns das gute Stück zunächst einmal an.

Es gehört definitiv nicht zu den kleinsten Leica-Objektiven, bleibt aber insgesamt dennoch im Rahmen. Wir reden hier über 310 Gramm, 58mm Länge und 61mm Durchmesser. Am M240-Body ist es gut ausbalanciert und nicht zu massiv (andere Superweitwinkel sind häufig äußerst frontlastig), lediglich die aufschraubbare Sonnenblende trägt noch etwas zusätzlich auf. Ich muss diese Blende aber trotzdem entschieden befürworten, denn zunächst mal schützt sie das Frontelement, das sich leider etwas herauswölbt und somit absolut anfällig für Beschädigungen ist. Vor allem braucht man sie aber um Lens-Flares zu vermeiden, die hier und da mal auftreten können, wenn man helle Lichtquellen im Sichtbereich hat.

 

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ISO200, 1/180sek, F11

 

Dieses Phänomen ist ein Anhängsel aller Superweitwinkel, genau wie die Vignettierung von 2,3 Blendenstufen bei Offenblende (1,7 Blendenstufen bei der M8). Abgeblendet auf F5.6 sind es noch 1,3 Blendenstufen (1,0 bei der M8). Ich kann damit leben und da die M240 etwas weniger rauscht als die M9, kann man die Vignettierung meist relativ unbedenklich im Lightroom ausgleichen.

Das Super-Elmar-M ist eine retrofokusartige Konstruktion, es besteht aus 8 Linsen in 7 Gruppen. Eine Linse hat gleich zwei asphärische Oberflächen. Der Blickwinkel beträgt runde 100 Grad.

Die Verzeichnung bleibt mit 1,8% im Rahmen, ist allerdings ein ganzes Stück höher als beim Zeiss Distagon 18mm. Mann muss sich hier aber trotzdem nicht vor der Geometrie fürchten - vorausgesetzt man hält die Kamera beim Fotografieren halbwegs gerade. Kleiner Tipp bei der M240: elektronische Wasserwaage einblenden.

 

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ISO200, 1/2sek, F16

 

Wie alle Leica-M-Objektive hat auch das Super-Elmar keinen Autofokus. Den braucht es aber auch nicht wirklich, denn ab Blende 8 ist von rund einem Meter bis unendlich alles scharf. Blende 11 ist wohl das Optimum bevor dann die Beugungsunschärfe wieder einsetzt. Auch bei Offenblende (F3.8) ist die Schärfe nicht wesentlich schlechter. Dazu kommt, dass man die Leica mit dieser Optik auch bei einer Belichtungszeit von 1/25tel noch ruhig halten kann (mit etwas Übung). Zusammen mit der erweiterten ISO-Fähigkeit der M240 gelingen so auch mit Blende F3.8 noch sehr gute Aufnahmen bei wenig Licht - aus der Hand!

 

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ISO3600, 1/45sek, F3.8, aus der Hand

 

L1001684L1001684

ISO1000, 1/60sek, F5.6, aus der Hand

 

Überhaupt ist das Handling an der M240 zusammen mit dem elektronischen Sucher hervorragend. Man kann sich die elektronische Wasserwaage oder das Peaking einblenden und wenn man aus der Hand fotografiert, ist die sogenannte automatische Wiedergabe ein besonderes Schmankerl das ich sehr häufig nutze. Dazu muss man einmal im Menü, im Bereich SETUP den Punkt Automatische Wiedergabe anwählen. Es öffnet sich eine Auswahl, in der man Auslöser gedrückt wählt. Wenn man jetzt ein Foto macht, läßt man den Zeigefinger einfach einen Moment länger auf dem Auslöser. Solange man diesen gedrückt hält, erscheint das soeben gemachte Foto direkt auf dem Display (oder im elektronischen Aufstecksucher), bis man den Auslöser wieder loslässt. So kann man sehr schnell und ohne zusätzliche Tasten das soeben gemachte Bild kurz überblicken. Beim 18mm ist mir das sehr wichtig, weil es dort wirklich auf korrekte Komposition bis in die Ecken ankommt.

 

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ISO200, 1/500sek, F8.0

 

Die subjektive Bildanmutung des Super-Elmar 18 (für mich wichtiger als Messwerte) ist hervorragend - meiner Meinung nach noch besser als beim Zeiss Distagon 18mm. Das Super-Elmar ist noch einen Tacken schärfer und liefert unglaublich detaillierte Bilder. Chromatische Abberationen sind mir nirgends aufgefallen. Farben stellt es eher kühl und natürlich dar. Es erzeugt generell ein etwas "flacheres" Bild, meistert dadurch jedoch hohe Kontrastunterschiede (z.B. filigrane Strukturen vor hellem Himmel) bemerkenswert gut. Zudem nutzt es die Dynamik des Sensor auf diese Weise besser aus. Andere Superweitwinkel brachten mich mit ihren Über-Kontrasten manchmal regeltechnisch im Lightroom in Bedrängnis (Stichwort: Tiefen/Lichter).

 

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ISO200, 1/350sek, F8.0

 

Beim Thema Filter hingegen sind das Zeiss Distagon 18 oder das Super-Elmar-M 21 eindeutig die bessere Wahl. Beide besitzen nämlich ein flaches Frontelement und lassen Filter auch zusammen mit der Sonnenblende zu. Das Super-Elmar-M 18 ist eine Entweder-oder-Lösung. Entweder Sonnenblende oder Filter. Da das Frontelement hier gewölbt ist, braucht es einen zusätzlichen Filteradapter, den man anstatt der Sonnenblende aufschraubt. Er ist mit 85 EUR ziemlich sportlich bepreist und schwer zu organisieren ("Wir haben ihn bestellt, aber er kommt ewig nicht..."). Er verlangt zudem relativ große Filter mit 77mm Durchmesser.

 

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ISO200, 12sek, F8.0

 

Dazu kommt, dass der Filteradapter des Super-Elmar-M 18 in meinen Augen eine - Trommelwirbel - Fehlkonstruktion ist. Ich weiss nicht, was sich Leica dabei gedacht hat, ganz ehrlich. Man wollte nämlich besonders schlau sein und hat dem Teil "Gucklöcher" spendiert. Das mag an der M8/9/E vielleicht noch Sinn gemacht haben, weil der Adapter ein Stück Sucher verdeckt. Zudem könnte man, wenn man einen Polfilter davor aufschraubt, durch den Aufstecksucher und die Öffnungen des Filterhalters erahnen, wie sich der Filter auswirkt (meiner Meinung nach ist ein Polfilter auf einer 18mm-Optik relativ nutzlos, weil sich im Himmel durch das Superweitwinkel eigentlich immer Bereiche mit stark unterschiedlicher Helligkeit bilden). Für die M240 hätte man allerdings eine zweite Version des Adapters ohne Öffnungen anbieten sollen, denn wegen des Live-Views ist man nun nicht mehr auf (externe) optische Sucher angewiesen. Was aber ist denn nun mein Problem mit den Öffnungen? Ganz einfach, es ist relativ naheliegend, dass man ein Superweitwinkel wie das SEM18 mit ND-Filter für Langzeitbelichtungen verwendet! Und genau das verhindern die Öffnungen, da sie natürlich immer Fremdlicht hinter den ND-Filter lassen.

 


Filteradapter mit Aussparungen

 

Ich war natürlich auch blöd genug, mir über diese Aussparungen keine Gedanken zu machen und erst am Strand nach dem Aufbauen mit Erschrecken festzustellen, dass das ja gar nicht funktionieren kann. Verzweifelter Aktionismus war die Folge. Abdecken mit dem Finger war nicht möglich, da war der Finger in den Bildrändern sichtbar. Also suchte ich in meinen Hosentaschen und förderte ein altes Tempotaschentuch zutage - zu allem Überfluss auch noch ein benutztes. Ich zerteilte es und stopfte Fetzen davon in die Öffnungen, doch auch das brachte nur sehr begrenzt Erfolg. Vor mir spielten sich dramatischste Wolkenszenen ab und ich kam nicht zum Schuss!

 

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ISO200, 60sek, F8.0

 

Ein anderer Fotofreund ging langsam mit seiner DSLR hinter mir entlang und bewunderte meine Leica, aus derem Objektiv das zerfetzte Zellstofftaschentuch baumelte. Ich stierte in meinen Sucher, drehte ihm dabei den Rücken zu und dachte immer wieder: "Geh einfach weiter und halte die..." Es hat gewirkt. Er sprach mich nicht an.

Mit reichlich Unmut brach ich die Fotosession ab und ging am nächsten Morgen erstmal einkaufen. Blickdichter schwarzer Zeichenkarton, etwas Pappe und Paketklebeband. Nach einer Stunde basteln und fluchen hatte ich die Öffnungen dann geschlossen und konnte an diesem letzten Abend an der See tatsächlich noch einige Langzeitbelichtungen für diesen Bericht machen. Nur die schönen Wolken waren verschwunden, was einen neben mir stehenden Handy-Fotografen zu der unbedachten Bemerkung veranlasste: "Gestern hätten sie hier sein müssen, da war ein extrem dramatischer Himmel!" Der gute Mann ahnte nicht, dass mich nur die Anwesenheit weiterer Zeugen am Strand daran hinderte, ihn umzubringen und im Sand zu vergraben...

 

Pappe, Zeichenkarton und Paketklebeband - Do it yourself. Sorry, aber das kann wesentlich billigere Technik wesentlich besser...!

 

Mittlerweile habe ich den Filteradapter mit Hilfe eines guten Freundes umgebaut und die Öffnungen mit Metall verschlossen. Die wilde Pappkonstruktion gehört damit der Vergangenheit an. Fazit ist, dass sich jeder, der Langzeitbelichtungen mit dem Super-Elmar 18 plant, in irgendeiner Form etwas basteln muss, um den ND-Filter korrekt nutzen zu können.

Leider trifft das auch auf die Leica-Superweitwinkel Summilux-M 21 und das Tri-Elmar 16-18-21 zu, denn auch diese beiden Objektive benötigen einen separaten und nicht gerade billigen Filterhalter, der für ND-Aufnahmen eigentlich nicht nutzbar ist. Vorbildlich ist es hingegen beim Super-Elmar-M 21 gelöst. Wie bereits erwähnt besitzt dieses Objektiv ein Innengewinde (46mm Filter) und ein Außengewinde (Sonnenblende). Ich muss zugeben, hätte ich mich hier etwas besser informiert, wäre diese Optik das Mittel der Wahl geworden. Generell verkauft sich das 21mm wesentlich häufiger als das 18mm - die bessere Nutzbarkeit von Filtern mag vielleicht einer der Gründe dafür sein.

 

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ISO200, 1/60, F11

 

Beim Thema Langzeitbelichtung muss ich zudem auf eine Eigenart der M240 verweisen, die jedoch nichts mit dem Objektiv zu tun hat. Die Leica erlaubt nämlich bei ISO200 maximal 60 Sekunden Belichtung (auch im Bulb-Modus). Nach einer Minute geht der Verschluss gnadenlos zu - egal, ob man will oder nicht. Bei höheren ISO-Werten verkürzt sich die Zeit sogar noch. Zudem schließt sich an jede Langzeitbelichtung noch einmal die gleiche Zeit an, in der die Kamera eine Referenzaufnahme gegen den geschlossenen Verschluss fährt um vom vorher gemachten Bild ein Rauschmuster zu subtrahieren. Diese Funktion kann man nicht ausschalten. Ich habe mich über diese Eigenheiten der M240 in einem eigenen Testbericht bereits ausführlich geäußert.

 

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ISO200, 1/500sek, F8.0

 

Abschließend möchte ich noch einige Worte zur Verwendung des Super-Elmar 18 an der M9/M-E verlieren. Da diese Geräte keinen Live-View besitzen und der Messsucher nur bis zu einer Brennweite von 28mm genutzt werden kann, benötigt man einen sehr teuren rein optischen Aufstecksucher, der natürlich Annehmlichkeiten wie elektronische Wasserwaage vermissen läßt und beim Framing nicht ganz so präzise ist. Kriegt man es gar mit der Entfernungseinstellung zu tun, muss man zunächst im Aufstecksucher komponieren und danach im Messsucher fokussieren - nicht wirklich bequem. Ich persönlich habe das Thema Superweitwinkel bei der M9/M-E immer gemieden und (eigentlich fast nur dafür) immer eine zweite Kamera genutzt. Mit der M240 gehören solcherlei Probleme der Vergangenheit an.

 

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ISO200, 1/90sek, F11, ein Tag mit tollen Wolken - aber leider ohne funktionierenden Filteradapter


Fazit

Abgesehen von dem herumgehampel mit dem Filterhalter (und den damit verbundenen Erschwernissen im Bereich Langzeitbelichtung) geht mir die Arbeit mit dem Super-Elmar 18 ebenso leicht und komfortabel von der Hand wie die Arbeit mit der Sony A7r und dem Zeiss Distagon 18, oder wie die Arbeit mit jeder anderen DSLR. Generell spielt die M240 hier einige ihrer Vorteile - nämlich Live-View und optionaler elektronischer Aufstecksucher - voll aus.

Das Super-Elmar-M 3.8/18mm Asph ist relativ klein, leicht und von üblich guter Qualität. Die relativ geringe Lichtstärke spielt für mich kaum eine Rolle, da ich in diesen Brennweitenbereichen vornehmlich auf Stativ arbeite. Doch auch ohne Stativ sind selbst bei wenig Licht noch gute Aufnahmen machbar, da die M240 einen vernünftigen ISO-Bereich bietet und Aufnahmen bis zu 1/20tel aus der Hand mit etwas Übung möglich sind.

 

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ISO200, 1/125sek, F11

 

Die Verzeichnung fällt zwar gering aus, aber andere Objektive, z.B. das Zeiss Distagon 18mm, erreichen an dieser Stelle sogar noch bessere Werte. Die Vignettierung ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen - das lässt sich aber wie gewohnt im Lightroom komfortabel beheben. Die Schärfe ist schon bei Offenblende ausgezeichnet und erreicht ihr Optimum bereits ab F5.6. Die Gegenlichtblende trägt etwas auf, ist aber obligatorisch, um das (leider) hervorstehene Frontelement zu schützen und Lens-Flares zu verhindern.

Was mir besonders auffiel: das Objektiv kommt außergewöhnlich gut mit hohen Kontrasten zurecht und chromatische Abberationen scheint es nicht zu geben. Die Aufnahmen wirken nicht ganz so warm und kontrastreich wie bei anderen Super-Weitwinkeln, was für mich mehr Spielraum in der Nachbearbeitung bedeutet.

Wer Langzeitbelichtungen plant, sollte auf das Super-Elmar-M 21mm ausweichen - oder muss beim Super-Elmar-M 18 einige Zeit für basteln einplanen.

Abgesehen von dieser kleinen Schwäche kann ich das Super-Elmar-M 3.8/18mm Asph uneingeschränkt empfehlen.

 

L1001343-BearbeitetL1001343-Bearbeitet

ISO200, 1/180sek, F11

 

Wie geht es weiter?

Ein Objektiv ist noch offen: das legendäre Summilux-M 1.4/50mm Asph FLE. Mein Plan ist, dieses Normalobjektiv im Sommer auf Teneriffa durch alle normalen und unnormalen Situationen zu jagen, auch mit ND-Filter um bei Sonnenlicht Offenblende zu ermöglichen. Der entsprechende Testbereicht wird im Spätsommer/Herbst hier zu lesen sein.

 

L1001932L1001932

ISO200, 1/350sek, F11

 

L1001925L1001925

ISO200, 1/750sek, F8.0

 

L1001682L1001682

ISO200, 1/250sek, F8.0

 

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) 18 18mm Bericht Bulb Klockenhagen Langzeitbelichtung Leica Leica M-E Leica M240 Leica M8 Leica M9 M-E M240 M8 M9 ND-Filter Ostsee Review Seebrücke Super-Elmar Super-Elmar-M Super-Elmar-M 18 Super-Elmar-M18 Superweitwinkel Test Testbericht Weitwinkel Zingst http://www.cetus-a.de/blog/2015/5/leica-super-elmar-m-18mm Sat, 16 May 2015 06:06:13 GMT
Alte Porzellanfabrik http://www.cetus-a.de/blog/2015/4/alte-porzellanfabrik

 

Bereits im Januar diesen Jahres hatte ich Gelegenheit, eine alte Porzellanfabrik zu besuchen und ausgiebig zu fotografieren. Die Bearbeitung der vielen Bilder dauerte recht lange. Alte Gebäude sind eine Sache, die mir besonders am Herzen liegen und deshalb hatte ich mir auch vorgenommen, dem Projekt viel Zeit und Geduld zu widmen.

Allen, die sich für den geschichtlichen Hintergrund des Gebäudes interessieren, empfehle ich diesen Blog: http://thelostplaces.blogspot.de/2013/01/porzellanwerk-freiberg.html

Wie immer absolvierte ich den Besuch offiziell, eine Erlaubnis des Eigentümers lag mir vor. Ich wurde von zwei Fotofreunden begleitet. Zunächst mal macht es gemeinsam einfach mehr Spaß, vor allem aber ist es auch eine Frage der Sicherheit.

 

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...bei der Arbeit...

 

Wie immer ging es mir - im Gegensatz zur klassischen Dokumentation - um eine künstlerische Interpretation des Gesehenen. Ich wollte den verlassenen Räumen einen gewissen Zauber und Charakter geben. Es geht um die Schönheit des Verfalls und - wie immer in der Fotografie - um das Licht. Gern betone ich die Farben kräftiger, oft braucht es aber auch ein knackiges, charaktervolles Schwarzweiss-Bild, um dem Wesen des abgebildeten Objektes näher zu kommen.

Für die Art und Weise der Nachbearbeitung musste ich die HDR-Technik einsetzen. Ich machte zu jedem Motiv 5 Einzelaufnahmen und verschmolz diese zunächst zu einem flachen HDR-Bild. Ziel war hier, möglichst viele Bildinhalte zur Verfügung zu haben.

In einem zweiten Schritt bearbeitete ich dieses HDR-Bild in Photoshop/Lightroom und gab ihm eine natürlichere Anmutung zurück. Ich malte Licht und Schatten ein, verstärkte die Farbwirkung, betonte interessante Inhalte und ließ uninteressante verschwinden. Das Ziel war, ein Bild zu erstellen, welches sowohl einen fotografischen als auch einen malerischen Touch hat. Es sollte jedoch nicht zu abstrakt sein, ein gewisser dokumentarischer Hintergrund war mir trotzdem wichtig. Übrigens: beim künstlerischen Bearbeiten des Bildes muss ich Musik hören, sonst wird das nichts. Im konkreten Falle ist das vor allem elektronische Musik, wie z.B. The Prodigy oder der gute alte Loop-Techno (Chris Liebing). Diese Musik passt einfach dazu, die Bilder sehen so aus, wie die Musik klingt. Bearbeite ich andere Bilder (Landschaft), höre ich auch andere Musik.

 

Musik von Prodigy kann sich erheblich auf den Prozess der Bildbearbeitung auswirken...

 

Im letzten Schritt erhielten die Bilder alle eine gewisse color correction, ein Farb-Mastering, um den Effekt einer zusammengehörenden Bilderserie zu unterstreichen.

Meine Leser werden sich besonders für den Akt des Fotografierens an sich interessieren, doch das geht eher unspektakulär über die Bühne. Für die meisten Bilder nutzte ich das Super-Elmar-M 18mm F3.8, für einige wenige das Summicron-M 35mm F2.0 Asph.

Ein stabiles Stativ ist mir wichtig, in meinem Falle ist das ein Carbon-Stativ von Feisol. Man unterschätzt sehr oft, wie Zugluft in solchen alten Gebäuden ein weniger stabiles Stativ in langsame Schwingung bringen kann - sehr ungünstig bei Langzeitbelichtungen.

Zum Auslösen nutzte ich den guten alten Drahtauslöser - zuverlässig und ohne Batteriebedarf.

 

Schnell, leicht, unspektakulär - M240 mit Super-Elmar-M 18mm F3.8 Asph

 

Die M240 erwies sich bei diesem Projekt als außerordentlich geeignet. Ich hatte gewisse Zweifel hinsichtlich der praktischen Benutzbarkeit, da ich in der Vergangenheit ausschließlich mit herkömmlichen Spiegelreflexgeräten gearbeitet hatte. Zu meiner Erleichterung überraschte mich die Leica positiv. Ich nutzte für diese Art der Fotografie nicht den Messsucher, sondern in jedem Falle das Display (oder den Aufstecksucher). Mit Hilfe der integrierten elektronischen Wasserwaage richtete ich die Kamera auf dem Stativ optimal aus. Blende bei 8 oder 11, Entfernung beim 18mm immer auf unendlich - keine Notwendigkeit für Autofokus. Danach rasselte ich die 5 Einzelbilder durch. Ich verließ mich dabei zunächst auf die automatische Mehrfeld-Belichtungsmessung und kontrollierte nach den ersten 5 Aufnahmen visuell, ob das hellste Bild die dunkelsten Stellen gut wiedergibt und ob das dunkelste Bild die hellsten Bereiche perfekt abdeckt. War das (nur sehr selten) nicht der Fall, wiederholte ich die Aufnahmereihe mit leicht verschobener Belichtungskorrektur. Mit etwas Routine geht das ziemlich schnell. Standpunkt suchen, ausrichten, auslösen, nächster Raum. Diesmal fiel es mir richtig auf, dass meine DSLR-Kollegen immer eine ganze Weile länger an ihren Kameras herumhantierten. (Ich kann hierzu nur erneut auf meinen Testbericht zur M240 verweisen, insbesondere auf die Betrachtungen und Vergleiche zum Thema Handling.)

Die (im Gegensatz zu den üblichen Zooms) nahezu verzeichnungsfreien Festbrennweiten sind eine zusätzlich Hilfe: man spart sich die teilweise aufwändige Korrektur bei der Nachbearbeitung. Hat man die Kamera korrekt ausgerichtet, sind die Linien gerade - auch bei 18mm. Das ist in meinen Augen einfach unbezahlbar.

 

Verzeichnisfreie Optik - auch ohne Lightroom-Korrektur...

 

Abschließend noch ein kleiner Ausblick auf zukünftige Aktivitäten hier im Blog. Dieses Jahr werden auf jeden Fall wieder Bilderserien zum Thema Ostsee und Teneriffa folgen. Diesmal will ich mich noch stärker mit Langzeitbelichtungen beschäftigen - auch bei Tageslicht. Normale Bilder habe ich nun genug gemacht, künftig werde ich versuchen, etwas experimenteller zu werden.

Ein weiteres Urban-Exploration-Projekt steht dieses Jahr eventuell auch noch an, ich bemühe mich weiterhin um offiziellen Zugang zu interessanten alten Gebäuden. Dabei bin ich auch immer offen und dankbar für Tipps und Hilfe seitens meiner Leser.

Schießlich wird es bis zum Ende des Jahres noch zwei Objektiv-Erfahrungsberichte geben. Einer davon wird sich mit dem Super-Elmar-M 18mm F3.8 Asph beschäftigen. Diese Optik ist ein kleiner Exot und man findet nur wenig darüber im Netz. Der andere wird wohl den Klassiker schlechthin behandeln: das Summilux-M 50mm F1.4 Asph.

Nun kommen wir aber zum eigentlichen Thema des Artikels zurück: der Porzelline-Gallerie. Sie enthält nicht alle fertigen Bilder - einige passten in Farbe und Stimmung einfach nicht dazu und werden gesondert veröffentlicht.

 

 Klicken Sie das Bild an um zur Galerie zu gelangen!

 

 

In eigener Sache: Es ist jetzt fast 10 Jahre her und ich weiss nicht, ob es die "Oldbahnhofcrowd" überhaupt noch gibt. Trotzdem an dieser Stelle Grüße von DJ Kx.

 

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) Bericht Exploration Freiberg HDR Leica Lost Lost Places M240 Silent places Super-Elmar-M Super-Elmar-M 18 Superweitwinkel Urban Urban Exploration alte Gebäude http://www.cetus-a.de/blog/2015/4/alte-porzellanfabrik Sat, 04 Apr 2015 09:13:51 GMT
Blogbeiträge als virtuelles Magazin http://www.cetus-a.de/blog/2015/1/blogbeitr-ge-als-virtuelles-magazin

 

Seit kurzem stelle ich meine Artikel und Erfahrungsberichte als digitales Magazin auf Issuu.com zur Verfügung. Ich habe festgestellt, dass sich die Inhalte in Magazinform manchmal besser und angenehmer lesen lassen, zudem skaliert sich Issuu auch perfekt auf mobile Endgeräte wie Tablets oder Smartphones. Sogar herunterladen und/oder ausdrucken ist möglich. Ich bin gespannt zu erfahren, ob und wie das von den Besuchern meines Blogs angenommen wird und ob es mir vielleicht sogar etwas mehr Reichweite bringt.

Die "erste Ausgabe" ist mein langer Erfahrungsbericht rund um die Leica M (Typ 240), der auch hier im Blog nachgelesen werden kann. Ich habe den gesamten Text noch einmal umfangreich überarbeitet, verbessert und gestrafft. In Magazin-Form sind es dann immerhin ca. 70 Seiten geworden.

Bei Gelegenheit plane ich, weitere meiner Artikel und Berichte in zusammengefassten Themengebieten in diese Form zu bringen.

Eventuell wird es vielleicht sogar den einen oder anderen Bildband geben.

 

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joerg.lange@me.com (Cetus-A) Ausgabe Bereitschaftstasche Bericht Elmarit Halfcase Issuu Leica Leica Halfcase Leica M Leica M 240 Leica M-E Leica M240 Leica M8 Leica M9 Leica Zubehör M-E M240 M8 M9 ME Magazin Noctilux Protektor Review Soft Release Button Straps Summarit Summicron Summilux Super-Elmar Test Testbericht Thumbie Thumbs Thumbs up Zubehör up http://www.cetus-a.de/blog/2015/1/blogbeitr-ge-als-virtuelles-magazin Sat, 17 Jan 2015 11:22:53 GMT